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Re: Können Babys tatsächlich noch kein Getreide verwerten?
Verfasst: 05.11.2008, 20:25
von Nina
Angela83 hat geschrieben:Ich denke es liegt am Zucker und Weißmehl

Das glaube ich nicht.
In keinem asiatischen Land werden Vollkornprodukte verzehrt und dennoch sind dort die Allergien viel seltener.
(Unvergessen der Gesichtsausdruck meines Mannes, als er hier in Deutschland zum ersten Mal VK-reis probiert hat

)
Und Zucker kriegen Kinder in asiatischen Ländern doch auch schon früh...
Re: Können Babys tatsächlich noch kein Getreide verwerten?
Verfasst: 05.11.2008, 20:42
von Maja
Zum Thema Allergien und DDR stellt man bei näherer Betrachtung der Statistiken fest, dass es vor allem weniger Lebensmittelallergien und Heuschnupfen gab - dafür aber massiv Neurodermitis und Asthma, mehr als im Westen.
Ich find das völlig logisch - in der DDR gab es weitaus weniger behandelten Industriefraß als in der BRD (es gab genug schlechte Nahrungsmittel, so ists nicht, aber weniger Chemie drin), das Immunsystem wurde immer schön von Baby an durch Krankheiten am Arbeiten gehalten (Krippenkinder nehmen nunmal mehr Viren mit und sind weniger "steril" den ganzen Tag) und brauchte sich nicht auf Pollen und Milben stürzen. Aber die Umweltverschmutzung war natürlich heftigst, auch nicht grad gesund, schlägt eben auf Haut und Lunge.
Außerdem wird heute in allen Teilen Deutschlands auch viel mehr nach Allergien gesucht und diagnostiziert - früher hat man eben gesagt: "Ach, das Kind ist eben anfällig" wenn die Rotznasen und Hustenattacken immer wiederkamen, ohne sich mal über Ursachen Gedanken zu machen.
Babys reagieren nur seltenst allergisch oder mit Koliken auf die Grundnahrungsmittel, die die Mutter in der Schwangerschaft gegessen hat. Denn die Eiweißstruktur wird dann als "bekannt" gespeichert. Ein chinesisches Kind hat also sehr gute Chancen, Fisch und Tofu problemlos zu vertragen, und indische Säuglinge kriegen vermutlich keine Blähungen wenn Mama Linsen isst. Sonst hätte die Menschheit auch echt ein Problem.
Wer in der Schwangerschaft täglich einen Teller geriebene Karotten isst, bei dem wird mit hoher Sicherheit das Kind aucb nicht allergisch drauf reagieren. Aber welche Schwangere macht das schon? Karotten, vor allem roh oder nur wenig gedünstet, sind in Deutschland kein Grundnahrungsmittel mehr - im Gegensatz zu damals, als diese Karotten-Empfehlung für Babys aufkam. Manches ändert sich eben nur langsam.
Bei dieser Getreideverdauungs-Geschichte geht es doch gar nicht primär um Allergien. Es ging um die Frage, ob und ab wann der Körper die nötigen Enzyme produzieren kann, um Getreide aufzuspalten und die Nährstoffe zu verwerten. Also ab wann Getreide für Babys einen Nährwert hat. Denn bis zu diesem Zeitpunkt ist es schlicht sinnlos, dem Kind das zu geben. Es macht halt den Bauch voll und weiter nichts, wenn der Körper es nicht aufspalten kann. Manche Kinder kriegen davon dann eben Verstopfung oder Durchfall, andere nicht. Natürlich kann man Obstbrei mit Reis andicken, aber man sollte nicht erwarten, dass ein viermonatiges Baby nährstoffmäßig etwas davon hat. Also kann man es auch lassen und den Darm nicht damit belästigen.
Die unterschiedlichen Forschungsergebnisse in den verlinkten Studien zeigen aber auch große Altersspannen für das erstmalige nachweisen von bestimmten Verdauungsenzymen. Es liegt also durchaus im Bereich des möglichen, dass manche Kinder weitaus früher Getreide (oder anderes) richtig verdauen können als andere. Ob das nun daran liegt, dass sie es schon früher bekommen, oder ob das vielleicht genetisch bedingt oder sonstwie beeinflusst ist, das können wir nicht wissen. Man braucht ja als Mutter nur aufmerksam den Windelinhalt zu studieren, dann sieht man durchaus, was die Verdauung so leistet, und was noch nicht.
Re: Können Babys tatsächlich noch kein Getreide verwerten?
Verfasst: 06.11.2008, 08:15
von Angela83
Nina hat geschrieben:Angela83 hat geschrieben:Ich denke es liegt am Zucker und Weißmehl

Das glaube ich nicht.
In keinem asiatischen Land werden Vollkornprodukte verzehrt und dennoch sind dort die Allergien viel seltener.
(Unvergessen der Gesichtsausdruck meines Mannes, als er hier in Deutschland zum ersten Mal VK-reis probiert hat

)
Und Zucker kriegen Kinder in asiatischen Ländern doch auch schon früh...
Gab es da nicht auch mal den Fall (bitte korrigieren wenn ich mich irre) dass früher eben im asiatischen Raum nur Vollkornreis gegessen wurde und dann mit Fortschritt in den zivilisierteren Regionen der Reis geschält wurde. In den dörflichen Regionen wurde aber weiterhin Vollkornreis gegessen.
Ich meine gelesen zu haben dass man dann in den Städten einen deutlichen Krankheitszuwachs hatte im gegensatz zu den Dörfern!
Re: Können Babys tatsächlich noch kein Getreide verwerten?
Verfasst: 13.11.2008, 10:33
von vrabec
Möchte hier auch mal was in die Runde werfen

:
Was mich verwundert hat, ist die Sache mit der Amylase. Es wurde auch schon mal angesprochen: Amylase ist das Enzym, das Amylose verdaut - und Amylose ist schlicht und einfach pflanzliche Stärke. Also ein Hauptbestandteil von Getreide und Kartoffeln. Warum also soll Getreide schlecht, Kartoffeln aber gut sein? Es kann nicht sein, dass Kartoffeln selbst Amylase enthalten, wie es für Banane genannt wird, zumindest gekocht Kartoffeln nicht. Denn kochen wird in jedem Fall diese Amylase inaktivieren.
Aber ein anderes Argument habe ich: Wenn Babies tatsächlich noch keine funktionierende Amylase haben (übrigens
nur für die Stärkeverdauung notwendig, nicht für andere KH), ist es gut möglich, dass sie von stärkehaltigen Nahrungsmitteln (Getreideprodukten, aber auch Kartoffeln) Blähungen bekommen: dann landet die Stärke nämlich unverdaut im Darm und wird von den dort vorhandenen Bakterien abgebaut. Diese setzen als Endprudukt dann CO2, also Kohlendioxid, ein Gas, frei. Nun, und wenn im Darm viel Gas produziert wird, hat der Mensch Blähungen und pupst, denn das Gas muss ja irgendwie raus

. Kleinere Mengen CO2 lösen sich im Blut und werden ausgeatmet, aber die Kapazität des Blutes ist halt begrenzt.
Nur als weiterer Diskussionspunkt in die Runde geworfen

.
Re: Können Babys tatsächlich noch kein Getreide verwerten?
Verfasst: 06.12.2008, 22:33
von Caro die Heldin
Nina hat geschrieben:Hmm, aber wenn es daran läge, warum haben hier auch viele Kinder von Öko-Eltern Allergien, die so was gar nicht kaufen?
Es wurde ja jetzt auch erkannt, daß ein Zusammenhang besteht zwischen Wurmbefall und Allergien - also daß Menschen, die als Kinder Würmer hatten, keine Allergien entwickeln. Also doch die übertriebene Hygiene?
Da habe ich auch mal ne BBC Reportage gesehen...
vrabec hat geschrieben:Möchte hier auch mal was in die Runde werfen

:
Was mich verwundert hat, ist die Sache mit der Amylase. Es wurde auch schon mal angesprochen: Amylase ist das Enzym, das Amylose verdaut - und Amylose ist schlicht und einfach pflanzliche Stärke. Also ein Hauptbestandteil von Getreide und Kartoffeln. Warum also soll Getreide schlecht, Kartoffeln aber gut sein? Es kann nicht sein, dass Kartoffeln selbst Amylase enthalten, wie es für Banane genannt wird, zumindest gekocht Kartoffeln nicht. Denn kochen wird in jedem Fall diese Amylase inaktivieren.
Aber ein anderes Argument habe ich: Wenn Babies tatsächlich noch keine funktionierende Amylase haben (übrigens
nur für die Stärkeverdauung notwendig, nicht für andere KH), ist es gut möglich, dass sie von stärkehaltigen Nahrungsmitteln (Getreideprodukten, aber auch Kartoffeln) Blähungen bekommen: dann landet die Stärke nämlich unverdaut im Darm und wird von den dort vorhandenen Bakterien abgebaut. Diese setzen als Endprudukt dann CO2, also Kohlendioxid, ein Gas, frei. Nun, und wenn im Darm viel Gas produziert wird, hat der Mensch Blähungen und pupst, denn das Gas muss ja irgendwie raus

. Kleinere Mengen CO2 lösen sich im Blut und werden ausgeatmet, aber die Kapazität des Blutes ist halt begrenzt.
Nur als weiterer Diskussionspunkt in die Runde geworfen

.
Danke, also bilde ich mir nicht ein, dass mein Kind wahnsinnige Blähungen von Kartoffeln kriegt!! Und die Ärzte immer nur: Kartoffeln sind gut verträglich, nö, kann nicht sein...
Also sprich, Ben hat noch keine funktionierende Amylase? Und jetzt? Normal? Bildet sich das noch?
Re: Können Babys tatsächlich noch kein Getreide verwerten?
Verfasst: 17.05.2009, 14:58
von mandolina
mein is zwar noch recht jung (fast 8 mon) aber sie liebt es an semmeln usw. rumzulutschen und zu knabbern..
das mit dem getreideverwerten kenn ich so auch nicht. da wir aber keine probleme beim stuhlgang haben, isses mir auch grad wurscht.
Re: Können Babys tatsächlich noch kein Getreide verwerten?
Verfasst: 13.07.2009, 21:51
von Casbas
uahhhh.... ben ist fast 6 Monate und ich wollte demnächst mit Beikost anfangen so wie ich es bei meinen beiden Großen auch gemacht habe.
UND JETZT LES ICH DAS
Ich kann einfach nicht nachvollziehen warum man Babys lieber "exotisches" wie Avokado und Banane gibt? Das passt doch nicht mit dem Argument der Reis-essenden Chinesen und den Linsen-Essenden Indern zusammen. Ich dachte auch, dass Kinder (und auch Erwachsene) die regionalen Speisen am ehesten vertragen.
So wie ich das verstanden habe, dann am besten im ersten Lebensjahr MUMI (klar), und viel Obst und Gemüse. Gibts dann nicht Durchfall ohne Ende? Und satt macht das doch auch nicht, oder?
Es erscheint mir schon einleuchtend, wenn das Getreide erst durch die Bakterien im Darm verdaut werden kann und CO2 entsteht, dass Kinder schmerzhafte Blähungen haben.
WAS MACH ICH NUR UND WIE FANGE ICH MIT BEIKOST AN?
Bitte klärt mich nochmal auf oder gebt mir einen link.
Re: Können Babys tatsächlich noch kein Getreide verwerten?
Verfasst: 14.07.2009, 08:51
von Angela83
Les mal auf Seite 9 meinen Beitrag, wir essen hier sehr viel Getreide

Re: Können Babys tatsächlich noch kein Getreide verwerten?
Verfasst: 23.07.2009, 08:54
von Leila
vrabec hat geschrieben:Möchte hier auch mal was in die Runde werfen

:
Was mich verwundert hat, ist die Sache mit der Amylase. Es wurde auch schon mal angesprochen: Amylase ist das Enzym, das Amylose verdaut - und Amylose ist schlicht und einfach pflanzliche Stärke. Also ein Hauptbestandteil von Getreide und Kartoffeln. Warum also soll Getreide schlecht, Kartoffeln aber gut sein? Es kann nicht sein, dass Kartoffeln selbst Amylase enthalten, wie es für Banane genannt wird, zumindest gekocht Kartoffeln nicht. Denn kochen wird in jedem Fall diese Amylase inaktivieren.
Aber ein anderes Argument habe ich: Wenn Babies tatsächlich noch keine funktionierende Amylase haben (übrigens
nur für die Stärkeverdauung notwendig, nicht für andere KH), ist es gut möglich, dass sie von stärkehaltigen Nahrungsmitteln (Getreideprodukten, aber auch Kartoffeln) Blähungen bekommen: dann landet die Stärke nämlich unverdaut im Darm und wird von den dort vorhandenen Bakterien abgebaut. Diese setzen als Endprudukt dann CO2, also Kohlendioxid, ein Gas, frei. Nun, und wenn im Darm viel Gas produziert wird, hat der Mensch Blähungen und pupst, denn das Gas muss ja irgendwie raus

. Kleinere Mengen CO2 lösen sich im Blut und werden ausgeatmet, aber die Kapazität des Blutes ist halt begrenzt.
Nur als weiterer Diskussionspunkt in die Runde geworfen

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Mh, good point...

Ich kann mir vorstellen, daß durch das Kochn der Kartoffeln (die gibt man ja in der Regel nicht roh

) die Stärke schon mal vorgespalten wird, und dann leichter verdaut werden kann, weil die Kette kürzer ist. Ich denke, daß jeder eine individuell verschiedene Menge Amylase im Körper hat, deshalb vertragen einie Babies stärkehaltige Nahrung auch besser als andere... Mal so eine Vermutung...
http://de.wikipedia.org/wiki/Amylase#Wi ... .C3.B6rper 
aha... Also wird die Amylase nicht nur beim Kauen gebildet, sondern auch in der Bauchspeicheldrüse... Hach, was würde ich nur ohne meine Freundin Wiki tun...
Viele liebe Grüße
Anja
Re: Können Babys tatsächlich noch kein Getreide verwerten?
Verfasst: 26.08.2009, 10:20
von MiMi
Wie gut, dass ich das hier erst jetzt lese nachdem meine Tochter bereits mit 6 Monaten das erste Mal Hirseflocken bekommen hat
Nunja - beim nächsten Kind werde ich mich dann noch mal ausführlich mit diesem Thema auseinander setzen aber Lina hatte weder Blähungen noch sonstige Probleme mit dem Getreide, von daher hab ich jetzt doch kein allzu schlechtes Gewissen
