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Re: Diskussionsthema vegan

Verfasst: 01.10.2015, 12:58
von Lotti
Inkling hat geschrieben:
Yvi19 hat geschrieben:Gibt es da Forschungen, woher diese Allergien kommen könnten? Menschen haben sich ja zehntausende Jahre ausschließlich regional ernährt.

Menschen wurden zehntausende Jahre auch einfach nicht so alt. Bei einer kürzeren Lebenserwartung ist es egal, ob ich im Alter Allergien gegen Äpfel und Co entwickel.
Das lag allerdings nicht daran, dass sie an Herzkreislauf- oder anderen ernährungsbedingten Krankheiten starben, sondern an Infektionen oder Unfällen und Kämpfen. Ich sage das nur, weil es gerne als Gegenargument zu Paleo benutzt wird.
Mutterhenne hat geschrieben:Ich finde das 'Natürlichkeits'-Argument grundsätzlich problematisch. Zahnpasta ist auch nicht 'natürlich', trotzdem benutzen die meisten Mitteleuropäer welche. Menschen sind von Natur aus Kulturwesen, ohne (wie immer geartete) Eingriffe in ihre natürliche Umwelt konnten Menschenpopulationen noch nie überleben. Das Argument, dass eine Lebensweise (z.B. eine vegane) nicht 'natürlich' sei, spricht weder gegen noch für sie.
Dein Körper weiß aber nicht, dass Du ein Kulturwesen bist :D und möchte artgerecht ernährt werden. Und Natürlichkeit....wir sind doch hier alle AP, plädieren für einen natürlichen, artgerechten Umgang mit unseren Kindern. Wieso sollte das bei der Ernährung anders sein? Naturvölker, Jäger udn Sammler die ihne Getreide leben, kennen übrigens keine Zahnpasta - und kein Karies.

Re: Diskussionsthema vegan

Verfasst: 01.10.2015, 13:29
von Mutterhenne
LottiBerlin hat geschrieben:
Dein Körper weiß aber nicht, dass Du ein Kulturwesen bist :D und möchte artgerecht ernährt werden. Und Natürlichkeit....wir sind doch hier alle AP, plädieren für einen natürlichen, artgerechten Umgang mit unseren Kindern. Wieso sollte das bei der Ernährung anders sein? Naturvölker, Jäger udn Sammler die ihne Getreide leben, kennen übrigens keine Zahnpasta - und kein Karies.
Doch, genau das wolle ich sagen: Schon im Pleistozän war der Mensch ein Kulturwesen. Das spricht natürlich (;-) blödes Wort in diesem Kontext) überhaupt nicht dagegen, seine Ernährung oder seine Lebensweise (oder die seiner Kinder) möglichst artgerecht zu gestalten. Zum Artgerechten gehört aber eben auch die Kulturproduktion, daher diese eigentlich paradoxe Formulierung des 'von Natur aus künstlich'. Und das bietet die Chance, sein Handeln zu überdenken, zu argumentieren, neue Lebensmittel und Zubereitungsarten in den Speiseplan aufzunehmen (oder sie rauszuschmeißen, wenn man merkt, dass sie einem persönlich oder dem menschlichen Körper generell nicht gut tun); aber auch Werte zu vertreten, zu reflektieren, über gutes Leben nachzudenken. Oder Karies nicht mit Zuckerverzicht, sondern mit Zahnpasta (oder mit beidem, oder mit dem Verzicht auf das Vorkauen der Nahrung für den Nachwuchs...) vorzubeugen. ich will überhaupt nicht gegen Paleo argumentieren, finde den Ansatz sehr spannend (wenn auch für mich nicht passend)!! Ich denke nur, dass es den Menschen auszeichnet, auf sehr verschiedene Weise (über)leben und zufrieden sein zu können.

Re: Diskussionsthema vegan

Verfasst: 01.10.2015, 13:31
von Mutterhenne
Mutterhenne hat geschrieben:
LottiBerlin hat geschrieben:
Dein Körper weiß aber nicht, dass Du ein Kulturwesen bist :D und möchte artgerecht ernährt werden. Und Natürlichkeit....wir sind doch hier alle AP, plädieren für einen natürlichen, artgerechten Umgang mit unseren Kindern. Wieso sollte das bei der Ernährung anders sein? Naturvölker, Jäger udn Sammler die ihne Getreide leben, kennen übrigens keine Zahnpasta - und kein Karies.
Doch, genau das wolle ich sagen: Schon im Pleistozän war der Mensch ein Kulturwesen. Das spricht natürlich (;-) blödes Wort in diesem Kontext) überhaupt nicht dagegen, seine Ernährung oder seine Lebensweise (oder die seiner Kinder) möglichst artgerecht zu gestalten. Zum Artgerechten gehört aber eben auch die Kulturproduktion, daher diese eigentlich paradoxe Formulierung des 'von Natur aus künstlich'. Und das bietet u.a. die Chance, neue Lebensmittel und Zubereitungsarten in den Speiseplan aufzunehmen (oder sie rauszuschmeißen, wenn man merkt, dass sie einem persönlich oder dem menschlichen Körper generell nicht gut tun); aber auch Werte zu vertreten, zu reflektieren, über gutes Leben nachzudenken. Oder Karies nicht mit Zuckerverzicht, sondern mit Zahnpasta (oder mit beidem, oder mit dem Verzicht auf das Vorkauen der Nahrung für den Nachwuchs...) vorzubeugen. ich will überhaupt nicht gegen Paleo argumentieren, finde den Ansatz sehr spannend (wenn auch für mich nicht passend)!! Ich denke nur, dass es den Menschen auszeichnet, auf sehr verschiedene Weise (über)leben und zufrieden sein zu können.
Oh, sh*. da ist mir irgendwie die Zeile verrutscht in meinem Sermon. Ich habs mal korrigiert :oops:

Re: Diskussionsthema vegan

Verfasst: 01.10.2015, 13:32
von chennai
LottiBerlin hat geschrieben: Dein Körper weiß aber nicht, dass Du ein Kulturwesen bist :D und möchte artgerecht ernährt werden. Und Natürlichkeit....wir sind doch hier alle AP, plädieren für einen natürlichen, artgerechten Umgang mit unseren Kindern. Wieso sollte das bei der Ernährung anders sein? Naturvölker, Jäger udn Sammler die ihne Getreide leben, kennen übrigens keine Zahnpasta - und kein Karies.
Ich finde ja einiges bei Paleo ganz sinnvoll, z.B. Lebensmittel möglichst naturbelassen zu sich zu nehmen, aber ich stimme Mutterhenne da schon teilweise zu, dass die Definition von 'natürlicher und artgerechter' Ernährung umstritten ist und es auch fraglich ist, inwiefern sie erstrebenswert ist. Der Mensch ist heute ein anderer Organismus als vor 10000 Jahren, er hat seine Nahrungszufuhr immer wieder optimiert, z.B. indem er bestimmte Nahrung kocht und somit gewisse Bestandteile leichter aus der Nahrung lösen und aufschließen kann. Ackerbau und Milchwirtschaft haben in bestimmten Kulturen (unserer) etwas verändert, wäre es nicht sinnvoll für die Spezies, wäre die Laktasepersistenz in unserer Kultur nicht so ein Erfolg geworden.

Ich, selbst omnivor, kenne eigentlich auch nur Veganer, die nicht missionieren, die es zum Teil aber satt haben, ihren Veganismus mit jeder neuen Bekanntschaft wieder zu erklären und rechtzufertigen. Ich selbst finde vegane und Rohkost-Experimente durchaus spannend, ich kann die ethischen Überlegungen hinter Veganismus verstehen, aber mir geht es eher wie EllenRipley bei der Gewichtung von Mensch und Tier. Und auch in Sachen Menschenrechte udn Fair Trade bin ich kein leuchtendes Vorbild, ich versuche darauf zu achten, aber ich weiß genau, dass mir das nur zu einem geringen Prozentsatz gelingt.

Re: Diskussionsthema vegan

Verfasst: 01.10.2015, 13:46
von Lösche Benutzer 1828
LottiBerlin hat geschrieben: Dein Körper weiß aber nicht, dass Du ein Kulturwesen bist :D und möchte artgerecht ernährt werden. Und Natürlichkeit....wir sind doch hier alle AP, plädieren für einen natürlichen, artgerechten Umgang mit unseren Kindern. Wieso sollte das bei der Ernährung anders sein? Naturvölker, Jäger udn Sammler die ihne Getreide leben, kennen übrigens keine Zahnpasta - und kein Karies.
Also, erstmal sind wir hier lange, lange nicht alle gleich ;) - und ich habe da ganz andere Berichte gelesen, wo auch Steinzeitmenschen schon elendig an Eiterabzessen im Kiefer aufgrund verfaulter Zähne gestorben sind.

Re: Diskussionsthema vegan

Verfasst: 01.10.2015, 13:48
von Lösche Benutzer 1828
Paleo finde ich total eklig - ich esse nicht viel Fleisch, Innereien finde ich eklig und auch ungesund zum Teil (Leber und Nieren sind Ausscheidungsorgane - bah). Nichts für mich.
Und wenn man es denn richtig machen wollte, dürfte man ja eh nur regional essen - der Speiseplan dürfte dann hierzulande im Winter sehr karg aussehen.

Re: Diskussionsthema vegan

Verfasst: 01.10.2015, 14:02
von Yvi19
Ich finde den regionalen Winterspeiseplan gar nicht so schlecht? Rüben, Pilze, Kartoffeln, Kohl, Kürbis, rote bete, Wurzeln, Zwiebeln. Alleine bei Rüben und Wurzeln und Kohl gibt es ja soooo viel. Und Knollen. Dann gibt es jede Menge Salate die man im Winter ernten kann. Und Äpfel und Birnen. Und dann all die Sachen die man trocknen konnte. Oder auch einmachen.

Re: Diskussionsthema vegan

Verfasst: 01.10.2015, 14:18
von Giraeffchen
[quote"Sandküste"]

Aber das erklärt noch immer nicht, warum es immer mehr Allergien gibt. Also, als ich Kind war, war das gar kein Thema. Heute sprechen junge Eltern ständig darüber.[/quote]


Hm, in meiner Klasse gab es mehrere Kinder mit Allergien, denen es phasenweise deswegen auch echt dreckig ging. Bekannte meiner Eltern sind über 70 und haben beide Allergien. Er schlimm Pollen Allergie und sie eine Anaphylaxie auf Nüsse. Und das, solange ich denken kann.
Es gab auch früher schon Allergiker. Oft waren sie unbehandelt.
Bis erkannt wurde, dass ich tatsächlich keine Äpfel vertrage und nicht nur Schau mache, weil ich sie nicht essen will, vergingen Jahre.

Meine Freundin bekam in der Grundschule schon Medikamente gegen ihren Heuschnupfen.

Und mein Großer wuerde ohne Medikamente vermutlich den Verzehr von bestimmten Lebensmitteln ohne Medikamentengabe nicht ueberleben.

Ich denke, dass Umweltbelastung da keine kleine Rolle spielt. Dass aber soviel mehr hineinspielt, Veranlagung, Wohnort... dass vieles schlicht spekulativ bleibt.

Re: Diskussionsthema vegan

Verfasst: 01.10.2015, 14:25
von Lotti
Sandküste hat geschrieben:Paleo finde ich total eklig - ich esse nicht viel Fleisch, Innereien finde ich eklig und auch ungesund zum Teil (Leber und Nieren sind Ausscheidungsorgane - bah). Nichts für mich.
Dein Ekel ist vermutlich auch kulturell anerzogen [emoji6]
Schau dir mal den Vitamingehalt von Leber an, da wirst du staunen. Natürlich Bio [emoji4] wegen der Schadstoffe. Und auch nicht gerade jede Woche ein Riesen Stück.

Und noch kurz zum Thema Wertschätzung der Nahrung: Dazu gehört auch, den Stiel und die Blätter vom Brokkoli mitzuessen oder mal eine Suppe aus Radieschenblättern zu kochen. Schmeckt übrigens super [emoji1] Blätter von Rote Bete gehen auch super.

Re: Diskussionsthema vegan

Verfasst: 01.10.2015, 14:25
von Seerose
Sandküste hat geschrieben:
LottiBerlin hat geschrieben: Dein Körper weiß aber nicht, dass Du ein Kulturwesen bist :D und möchte artgerecht ernährt werden. Und Natürlichkeit....wir sind doch hier alle AP, plädieren für einen natürlichen, artgerechten Umgang mit unseren Kindern. Wieso sollte das bei der Ernährung anders sein? Naturvölker, Jäger udn Sammler die ihne Getreide leben, kennen übrigens keine Zahnpasta - und kein Karies.
Also, erstmal sind wir hier lange, lange nicht alle gleich ;) - und ich habe da ganz andere Berichte gelesen, wo auch Steinzeitmenschen schon elendig an Eiterabzessen im Kiefer aufgrund verfaulter Zähne gestorben sind.

Ja, das ist auch für mich ein sehr interessantes Thema und keineswegs eindeutig.

Der Vater meiner Tochter erzählt auch immer, daß sein Uropa mit über 90 noch alle Zähne hatte und kein einziges Loch. Und das ohne Zähneputzen und einem unbeschreiblich großem Zuckerverzehr beim Tee trinken. Und der hat quasi den ganzen Tag Tee getrunken, um nicht zu sagen Zuckerwasser.

Ich hab auch in Syrien alte Leute mit fantastischem Gebiß getroffen, die noch nie eine Zahnbürste benutzt haben, allerdings sich die Zähne mit einer Wurzel gesäubert haben.

Und Kinder mit lauter braunen Zahnstummeln im Mund. :?


Und das mit den Allergien, da muß ich widersprechen. Das stimmt einfach nicht daß Eltern ihre Kinder nicht als "normal" ansehen oder wie das auch immer hier ausgedrückt wurde.

Ich hab ja nun in der Tat fast drei Jahre gewartet bis wir wirklich was unternommen haben.

Und ich kenne Kinder die sehr tragisch auf gewisse Dinge reagieren wobei es einfach ein Segen ist daß es überall Ambulanzen zum Thema gibt und auch die Hausärzte mittlerweile sehr engagiert sind.