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Re: Nicht-Stillen-Können
Verfasst: 16.11.2009, 23:45
von Emilia Sonderbar
Ersteres war mir mehr als bewußt, dem zweiten kann ich auch nur zustimmen! Ich lese hier immer wieder gern deine Antworten, und habe insgeheim auch diesmal auf eine von dir gehofft. Und wie erwartet ist diese wieder besonders toll ausgefallen!
Mit dem Ansatz MSR habe ich nun einiges in der Literatur gefunden. Aber nirgens, dass sich das ganze erst neurologisch anlegen muss. UND Wie kann man denn da helfen? Mutter und Kind alleine in deren Schlafzimmer einschließen?
Und wenn du mir noch Lit. nennen kannst, wo ich über wirkliches Nicht-Stillen-Können etwas erfahre, verleihe ich dir den Stillorden

! Gibt es solche Lit. überhaupt? Oder lande ich da in tiefste medizinische Sphären? Ich habe hier ein Fall in Erinnerung, bei dem Mutter mit BES gestillt hat, weil Brust nur weige % des Bedarfs produzieren konnte (hab's auf die Schnelle nicht finden können).
Re: Nicht-Stillen-Können
Verfasst: 17.11.2009, 00:06
von jusl
Danke fürs Lob.
Mit dem Ansatz MSR habe ich nun einiges in der Literatur gefunden. Aber nirgens, dass sich das ganze erst neurologisch anlegen muss.
In welchen Büchern hast Du denn geschaut?
Also spontan fallen mir ein:
* Das AFS-Fachbuch "Stillen und Stillprobleme", welches derzeit neu überarbeitet und bald neu aufgelegt wird
* "Lactation - Physiology, Nutrition and Breast-Feeding" von Neville/Neifert,
* "Breastfeeding: A Guide for the Medical Profession "von Lawrence/Lawrence,
* "Counseling the Nursing Mother" von Lauwers/Swisher.
Bei diesen weiß ich, dass was dazu drinsteht.
UND Wie kann man denn da helfen? Mutter und Kind alleine in deren Schlafzimmer einschließen?
DAS kannst Du wunderbar in den Michel Odent-Büchern nachlesen, wie man dieserlei Prozesse am besten untersützt (besser gesagt: möglichst wenig stört

). "Einschließen" ist da manchmal der richtige Weg (sicher einer DER Gründe für Hausgeburten!..), manchmal aber auch gerade nicht, wenn z.B. Mutter und/oder Kind (gesundheitliche) Schwierigkeiten haben sollten, so dass professionelle Hilfe zum richtigen Zeitpunkt das richtige ist. (Bei starken Schmerzen etwa ist eine gute Schmerztherapie durch med. Fachleute absolut angemessen, da die Schmerzreize die Reizleitung in Sachen MSR eindeutig behindern können.)
Und wenn du mir noch Lit. nennen kannst, wo ich über wirkliches Nicht-Stillen-Können etwas erfahre, verleihe ich dir den Stillorden

! Gibt es solche Lit. überhaupt? Oder lande ich da in tiefste medizinische Sphären?
"Nicht-Stillen-können" deckt ja eine Palette an unterschiedlichsten Ursachen ab, teilweise tatsächlich schwer medizinisch, teilweise auch nicht.
Fehlbildungen der Brustdrüsen z.B., wie Micromastie oder gar Amastie (da wäre wohl für Profi-Wissen ein Physiologie- bzw. Gyn-Fachbuch das richtige), oder aber hormonelle Probleme wie PCO, Schilddrüse, Plazentaretention usw. (das wäre dann eher Endokrinologie), allgemeine medizinische Ursachen (bestimmte Infektionskrankheiten und nicht-stillkompatible Medikation) oder auch psychosoziale Ursachen (Psychose, Abusus, Bindungsstörungen usw.) - das ist ein WEITES Feld.
LG,
Julia
Re: Nicht-Stillen-Können
Verfasst: 17.11.2009, 09:28
von mayra
Huhu, ich hoffe, ich darf mich mal einmischen mit einer Frage: muss der MSR nur beim ersten Kind seine "Bahnen" finden? (Oder wie man das jetzt ausdrücken will?)
Oder geschieht das nach jeder Entbindung, also besteht bei weiteren Kindern bei einer Störung im Frühwochenbett zb. die Gefahr, ein zweites/drittes Kind nicht stillen zu können, weil kein MSR einsetzt?
Re: Nicht-Stillen-Können
Verfasst: 17.11.2009, 10:09
von jusl
Hallo Mayra,
diese Vorgänge sind beim ersten Kind sicher am störanfälligsten; allein schon, weil die Mutter das Stillen selbst erst lernen muss. Da der MSR durch körperlichen und psychischen Stress blockiert werden kann, sind Mehrfachmütter ebenfalls weniger gefährdet, da hier Beunruhigung, Aufregung, Angst, Hektik usw. selterner/ in geringerem Maße auftreten (hierbei würde u.a. Adrenalin ausgeschüttet, was zu einem verminderten Zufluss von Oxytocin zu den Brustdrüsen führt. Außerdem würde weniger Oxytocin ausgeschüttet.).
Und ganz so schicksalhaft ist es auch nicht - immerhin kennen wir alle Berichte von Frauen, die selbst unter sehr schweren Startbedingungen (Geburtskomplikationen, Trennung durch KH-Aufenthalt z.B. bei Frühgeburten, unerwünschter langer KH-Aufenthalt bei der Mutter, med. Besonderheiten, wenig Erholung im (Früh-)Wochenbett usw.) dennoch eine glückliche Stillbeziehung etablieren konnten. Oft geben dabei vermeintliche "Kleinigkeiten" den Ausschlag, dass das Stillen doch noch gelingt. (etwa: den vielen Besuch einfach mal rauszuschmeißen, oder ein einfühlsames Gespräch, was den Druck bei der Mutter soweit rausnimmt, dass Angst und Anspannung nachlassen.)
LG,
Julia
Re: Nicht-Stillen-Können
Verfasst: 17.11.2009, 12:55
von mayra
jusl hat geschrieben:Hallo Mayra,
diese Vorgänge sind beim ersten Kind sicher am störanfälligsten; allein schon, weil die Mutter das Stillen selbst erst lernen muss. Da der MSR durch körperlichen und psychischen Stress blockiert werden kann, sind Mehrfachmütter ebenfalls weniger gefährdet, da hier Beunruhigung, Aufregung, Angst, Hektik usw. selterner/ in geringerem Maße auftreten (hierbei würde u.a. Adrenalin ausgeschüttet, was zu einem verminderten Zufluss von Oxytocin zu den Brustdrüsen führt. Außerdem würde weniger Oxytocin ausgeschüttet.).
Stimmt, daran hatte ich gar nicht gedacht. Man wird wohl schon entspannter sein, als beim ersten....
jusl hat geschrieben:
Und ganz so schicksalhaft ist es auch nicht - immerhin kennen wir alle Berichte von Frauen, die selbst unter sehr schweren Startbedingungen (Geburtskomplikationen, Trennung durch KH-Aufenthalt z.B. bei Frühgeburten, unerwünschter langer KH-Aufenthalt bei der Mutter, med. Besonderheiten, wenig Erholung im (Früh-)Wochenbett usw.) dennoch eine glückliche Stillbeziehung etablieren konnten. Oft geben dabei vermeintliche "Kleinigkeiten" den Ausschlag, dass das Stillen doch noch gelingt. (etwa: den vielen Besuch einfach mal rauszuschmeißen, oder ein einfühlsames Gespräch, was den Druck bei der Mutter soweit rausnimmt, dass Angst und Anspannung nachlassen.)
LG,
Julia
Du hast Recht, wie so oft... es berichten ja hier genügend Frauen von Startschwierigkeiten mit späterem Still-Erfolg.

Re: Nicht-Stillen-Können
Verfasst: 17.11.2009, 20:33
von Emilia Sonderbar
jusl hat geschrieben:In welchen Büchern hast Du denn geschaut?
Soviel habe ich nicht da, halt das "Handbuch für die stillende Mutter" und noch weniger fachliche.
Danke dir auf jeden Fall nochmal für deine Antworten! Hast mir gut weitergeholfen, und genügend Stichworte gegeben, nach denen ich weiter schauen kann!
Re: Nicht-Stillen-Können
Verfasst: 17.11.2009, 21:35
von Anima
Hatte die betroffene Frau eventuell eine Brustoperation? eine operative Vergroesserung oder Verkleinerung der Brust kann auch zu Stillproblemen fuehren, da (vor allem bei Brustreduktionen) haeufig Milchgaenge durchtrennt werden. Das wuerde das Phaenomen erklaeren, dass zwar Milch da ist, aber nicht rauskommt.
Re: Nicht-Stillen-Können
Verfasst: 19.11.2009, 22:02
von Emilia Sonderbar
Anima hat geschrieben:Hatte die betroffene Frau eventuell eine Brustoperation? eine operative Vergroesserung oder Verkleinerung der Brust kann auch zu Stillproblemen fuehren, da (vor allem bei Brustreduktionen) haeufig Milchgaenge durchtrennt werden. Das wuerde das Phaenomen erklaeren, dass zwar Milch da ist, aber nicht rauskommt.
Nicht dass ich wüßte. Aber kann es nicht auch theoretisch sein, dass die Milchgänge zu eng sind aufgrund von Fehlbildg. ect.?