Nachdem ich mich lange Zeit mit dem Thema Stillen auseinander gesetzt habe und auch immer mehr lerne im Bereich Kommunikation, Beziehungen und Menschlichkeit, habe ich eine ganz differenzierte Meinung dazu entwickelt.
Für mich kommt etwas anderes als Stillen gar nicht in Frage und meine Jüngste ist ein Schreikind und klebt 24 Stunden an mir. Das war nie einfach, ist es immer noch nicht. Doch es entspricht ihrer ureigenen Persönlichkeit.
Was sich tatsächlich ändern müsste ist der Umgang unserer Gesellschaft mit Kindern. Das würde sich auch auf die Mutter-Kind-Beziehungen direkt auswirken.
Wir leben in einer Gesellschaft, die von Müttern verlangt, dass sie ihren Nachwuchs sofort daran gewöhnen um bestimmte Uhrzeiten die Nachbarn nicht zu stören; wo Kinder von einem Spielplatz weggeschickt werden weil sie zu laut sind; wo Spielplätze geschlossen und Parkplätze gebaut werden usw.
Und in dieser Welt wollen wir Mütter unsere Kinder großziehen, sie stillen, sich frei entfalten lassen usw.
Mütter leben heute unter dem Druck, das ihre Kinder einer Richtlinie entsprechen sollen: mit 6 Monaten krabbeln und essen, mit 12 Monaten laufen und vielleicht schon in die Krippe, damit Mutter wieder arbeiten gehen kann. Und dann sollte ein Kind nie schreien, immer addrett aussehen, intelligent sein, kreativ, freundlich, gut gelaunt, höflich usw.
Ist es da ein Wunder, dass viele Frauen gar nicht mehr wissen was sie tun sollen? Ein gestilltes Kind trinkt fast immer öfter als alle 4 Stunden, denn Muttermilch ist leichter verdaulich als adaptierte Kuhmilchprodukte. Ergo es weint öfter und ist anhänglicher an Mama, was auch normal ist, das hat die Natur alles so vorgesehen.
Doch in einer Welt geprägt von Tabellen, Normen und Regeln bleibt nicht mehr viel Platz für ein natürliches Aufwachsen von Kindern.
Ich finde es manchmal schwer mein Kind immer verteidigen zu müssen, das mit fast 26 Monaten noch stillt und das 5-6 mal pro Tag und ich komme mir vor wie eine Ausserirdische, wenn ich meine Tochter der Einfachheit halber im Tragetuch über unsere große Kirmes trage. Jedenfalls werde ich so angesehen.
Wenn man in einer so kinderunfreundlichen Gesellschaft aufwächst und sich der natürlichen mütterlichen Fähigkeiten besinnt und sich freudig darauf stürzt, weil man seinem Kind etwas Gutes tun will, dann wird man oft umgeblasen von dem Gegenwind, den man dann von seinen Mitmenschen erhält. Und dann fällt es leicht in die genormten Rollenmuster reinzufallen......weil das leichter ist, als dem Wind stand zu halten
Aber wenn Frau sich nicht reinreden lässt und ihre Beziehung zum Kind auf ihre Art und Weise entdeckt und sich von dem ganzen Mist nicht beeindrucken lässt, dann ist Stillen, Tragen und Nähe mit dem Kind eine unvergleichbar schöne und intensive Erfahrung, die ich jeder Mutter wünsche. Ein super Start für eine gute Mutter-Kind-Beziehung.