Sorry, aber der Artikel von babynet.at ist ja nichts Anderes als Pampers-Werbung. Klebt doch sogar ein Ad daneben.

Vor allem die Aussage, dass Babys immer nur von oben bis unten gepuckt wurden - aber sicher! Über mehrere tausend Jahre lang wurden alle Babys immer nur komplett eingewickelt. Da finde ich die Aussagen auf der GIO-Seite schon logischer, auch wenn diese Anti-WWW-Aussagen sicher den Gegenpol darstellen. Aber das gefettete Zwischentuch macht Sinn.
Und wenn die Menschen früher Naturwolle hatten, dann war da doch auch, zumindest am Anfang ein hoher Restfettanteil drin, genau wie in der Windelwolle, die es heute zu kaufen gibt. Und doof waren die sicher auch nicht - ich meine, die Technik, wertvolle Gegenstände in gefettete Tücher zu packen, um sie vor Feuchtigkeit zu schützen, ist sehr alt, da wird schon irgendwer den Umkehrschluss gezogen haben.
Wir haben mal unterwegs ein älteres Paar getroffen (Ronja war noch sehr klein) und mussten sie dann abhalten und neu wickeln. Wir waren halt im Gespräch, und wie das mit Menschen der älteren Generation so ist, kam dann irgendwann der Spruch: "Ach, die jungen Mütter heutzutage haben es so gut mit den Wegwerfwindeln, das war ja so eine Arbeit!" Ich grinste: "Das hier ist eine Stoffwindel!" (Thirsties FabFitted plus passende MF-ÜH) "Wie, das sah bei uns ganz anders aus! Wir hatten die Mulltücher, und da waren die Einlagen drin, die hat mein Mann immer in den Kachelofen geworfen, das satnk bestialisch!" Die Einlagen waren wohl diese Flockenwindeln, die frau für den Wochenfluss heutzutage kaufen kann. Die gab es auch im Endlospack. (Iiih, muss das gefusselt haben! ) Es waren also in den 50ern und 60ern schon teilweise Wegwerfwindeln. Zumindest konnte ma das große Geschäft mit den Flockenwindeln entsorgen wie mit dem Windelvlies.
Ich habe außerdem eine Ausgabe von "Leben mit einem Neugeborenen" von 1981. Dort beschreibt die Autorin das Wickeln mit so genannten "T-Folien", die man anstelle der Gummihosen nehmen konnte.
Dazu habe ich hier was gefunden:
http://www.kurzefrage.de/history/17747/ ... ey1642498/
Und hier steht (bisschen runterscrollen), wie man damit wickelt:
http://www.chefkoch.de/forum/2,45,37619 ... Hilfe.html
Ich habe ja deshalb mal lachen müssen, als ich "Der Ruf der Trommel" von Diana Gabaldon gelesen habe. Die ersten paar Male hatte ich mich noch nicht so mit Stoffis beschäftigt, später aber schon, Und da rennt Claire mit ihrem Enkel über den feuchtkalten Berg und hat gerade ihren Unterrock zerschnippelt, weil sie drei Wickelkinder und eine menstruierende Frau und zuwenig trockene Tücher haben. Dann macht sie die vollgekäckerte Windel ihres Enkels sauber (ihm ist das Zeug schön an den Beinen runtergelaufen) und wünscht sich einfach nur wasserdichte Gummihosen - sie hat ihr Baby ja schließlich in den 1940ern bekommen. Da stellten sich mir ein paar Fragen:
1. Das älteste Wickelkind ist schon über zwei. Ich wage zu behaupten, dass in den Vierzigern Kindern noch nicht erlaubt wurde, den Zeitpunkt ihres Trockenwerdens selber zu bestimmen. Und im 18. Jahrhundert noch weniger, vor allem, wenn man noch nicht mal einen Waschkessel, sondern nur einen kalten Bach zur Verfügung hat.
2. Ähnliches gilt für das vollgekäckerte Baby. Mir kann niemand erzählen, dass das Abhalten und Auf-Signale-von-Babys-Achten neumodischer Hippiekram ist. Ich glaube einfach nicht, dass eine Frau, die solche Windeln von vorne bis hinten per Hand waschen muss (und dann noch unterwegs ist und nicht so viele Tücher dabeihat) ihr Baby nicht abhält, so gut es geht. Ganz ohne Windel, klar, das ist Luxus, den wir uns heutzutage leisten können mit Heizung etc. pp. Aber Abhalten ist doch echt eine Sache, die jede Mutter mit gesundem Menschenverstand eigentlich hätte praktizieren sollen.
3. Der geopferte Unterrock ist aus Wolle und wird zum Aufsaugen benutzt. Außerdem hat Brianna Sicherheitsnadeln für die Windeln gebastelt.

Ich glaube, die gute Frau Gabaldon hat nicht wirklich viel Ahnung vom Stoffwickeln. Ich meine, dreimal googeln, und irgendwoher bekommt man so eine Quelle, die einem das mit den Öltüchern oder zumindest mit Wollhöschen sagt. Aber da werden die Babys einfach in saugende Tücher gepackt und gut ist.
