Tiamat hat geschrieben:
ich fühle mich so furchtbar, nie wollte ich mein baby schreien lassen und grade jetzt tu ich es doch weil ich nicht weiter weiss und kann, weil ich angst habe aggressiv zu werden wenn ich jetzt da reingehe
Ja ... ich kenn das Gefühl nur zu gut...
Ich hab auch schon mehrere solche Phasen hinter mir und werde sicher noch einige haben, Theodor ist nicht das pflegeleichteste Kind.
Auch ich wollte ihn nie schreien lassen, ihn nie allein lassen. Aber wenn ich merke, ich krieg sonst einen Vogel und würde ihm eine klatschen, dann zwinge ich mich, rauszugehen und die Tür zuzumachen. Dann geht's mir nicht besser, aber ich leg mich 5 Minuten in sein Bett und heule und dann geh ich wieder hin. Oder ich koche mir einen Tee oder ich geh auf den Balkon und atme ein paar Minuten tief durch (was übrigens alles nicht heisst, dass die o.g. Konsequenz nicht schonmal passiert wäre

).
Es bringt unseren Kindern nichts, wenn wir uns für sie aufarbeiten und fertig machen. Sicher, sie brauchen uns und sie brauchen uns umso mehr, je weniger sie es "verdient" haben und je weniger sie sich verdient machen darum. Aber ich kann nur für mein Kind da sein, wenn ich nicht neben mir stehe vor lauter Verzweiflung. Wenn solche Situationen sind, erkläre ich Theodor das. Klar, versteht er meine Worte nicht. Aber er hört, dass ich mir nicht mehr andes zu helfen weiss - ich hoffe und denke, dass er spürt, dass das jetzt sein muss, damit es hinterher besser ist.
Und letztendlich muss jeder unterscheiden zwischen "mein Kind braucht mich weil es ein existenzielles Bedürfnis wie Angst hat" oder "mein Kind ist sauer, weil ich nicht 2 Stunden neben ihm liegen und ihm beim Einschlafen zugucken will, was er tunlichst zu vermeiden versucht". Bei letzterem kann ich schonmal schneller und ihm auch zeigen, dass ICH sauer bin, dass er sich extra wachhält weil er rumquatschen will. Dann brüllt er auch wie am Spieß, wenn ich dann rausgehe weil ich nicht mehr kann. Aber nach 5 Minuten ist er eingeschlafen. Und dann geh ich hin, deck ihn zu, leg mich kurz neben ihn, streichel und küsse ihn und rede mit ihm. Das hört er sicher noch und so hat er nicht im Kopf, dass er brüllend und alleingelassen eingeschlafen ist.
Scheisse ist das ganze trotzdem. Aber es kommt immer wieder zu dem einen Punkt zurück - wie im Flugzeug im Notfall: Setz Dir zuerst die Sauerstoffmaske auf und hilf dann Deinem Kind. Wenn Du erst versuchst Dein Kind zu versorgen und es für Dich schon zu spät ist, hat Dein Kind auch nichts mehr davon...ich bin sicher, dass wenn man die Intention und die Gründe für sein Verhalten rüberbringen kann und wenn man sich sonst konsequenterweise anders verhält, werden es uns unsere Kinder nicht übelnehmen bzw. auch nicht als ein prägendes Erlebnis behalten.