hi,
ich bin ebenfalls trageberaterin und mir geht es bei beratungen weder um perfektion noch um dogmatismus, sondern in erster linie die eltern kompetenter hinsichtlich des tragens zu machen.
zwei schlüsselerlebnisse hierfür sind a) die sachliche information (rücken, hüfte, bedeutung des tragens) und b) das aha-erlebnis beim korrekten tragen erst mit der puppe und dann mit baby
ich käme nie auf die idee 120% einzufordern und ich erlebe dieses forum auch überhaupt nicht mehr so ... ganz im gegenteil finde ich es mittlerweile etwas zu milde
nee, im ernst, bei einem neugeborenen und einem schlafenden baby kann man sehr gut die kriterien abchecken:
- rücken rund?
- beinchen angehockt?
- nicht zu stark gespreizt?
- ansicht der wirbelsäule frontal: gerade aufgerichtet, die wirbelsäule knickt nicht seitlich in irgendeinem bereich weg, sondern wie gesagt, seitlich betrachtet ist das baby rund, frontal betrachtet die wirbelsäule gerade und zwar vom lendenwirbelsäulenbereich bis zum ersten halswirbel
so und diese punkte können die eltern selbstständig kontrollieren ... dazu benötigen sie nicht meine wertung. in der regel binden die eltern innerhalb einer beratung sehr gut und da ich zu den eltern in der regel einen guten draht habe äußere ich dies auch sehr deutlich ... meine noten schwanken zwischen 1- und 2 ... wobei eine 1- bei mir schon perfekt ist ... es geht aber wie gesagt null um meine worte, sondern um ihr GEFÜHL ... aha, so ist tragen.
wenn man im realen leben, dann mal in deinem bereich einen abstrich macht oder in dem anderen spielt dies für mich keine rolle, wichtig ist, dass man es KANN ... ich kann z.b. theoretisch gut rückwärts einparken, es gibt aber tage an denen stehen parklücken und ich eher auf kriegsfuß (führe dies auf meinen zyklus oder die mondphasen zurück

)
wenn ich eltern sehe die gravierende fehler nach einer beratung machen, dann sehe ich die beratung nicht als gelungen an ... dies ist mir bisher aber nahezu nicht passiert, außer beim sling, bei dem die eltern dazu neigen in den, "ach, das geht schnell, das kann ich"-modus zu verfallen und mir dann nach der erlernten ersten bindetechnik nicht mehr richtig zuhören.
ich habe mein baby damals (ohne trageberatung) gut getragen, aber wenn ich auf die bilder gucke, war der schlafende kopf (auf dem rücken) in der regel unzureichend gestützt ... aber der rest war top
es hat für mich nichts mit perfektionsmus zu tun, wenn ich weiß wie etwas geht und dies anstrebe ... allerdings mit engstirnigkeit, wenn ich z.b. über feinheiten so stark diskutiere, dass es zu einer anspannung kommt. es mag sein, dass ich im fall x mit der tragevariante z ein besseres ergebnis erzielen könnte als mit y ... aber wenn es um den bereich gut bis sehr gut geht verzichte ich auf derartige auswüchse. die meisten eltern wollen tragen, weil sie ihrem kind nah sein wollen, wenn ich ihnen das tuch mit spass und kompetenz vermittele, tragen sie gerne, denn sie genießen die nähe zu ihrem kind ... die wenigsten wissen, um theoretische pfennigfuchsereien einzelner trageberaterinnen oder früheren diskussionen in diversen foren ... ich bin sehr froh, dass "wir" davon weg sind und freue mich über jedes elternpaar, das gut trägt.
by the way, wenn "meine" eltern eine tragevariante wirklich gut können steht ihnen der weg für alle anderen techniken offen, da sie das prinzip verstanden haben und sich vieles selber aneignen können ... das steht für mich im vordergrund ... wie oben geschrieben: wissen + aha-erlebnis ... dann packen sie alles was mit dem tragen zusammenhängt kompetent selber.
lg