Dann hab ichs wohl versemmelt. Also nochmal:
Ich bin gerade examinierte Religionslehrerin in Bayern, deshalb find ich Euer Thema so interessant. Wollte eigentlich nur mal der "anderen Seite" eine Stimme geben. Und zwar stellt sich das für die Kirche
inhaltlich folgendermaßen dar:
Es soll ihrer Ansicht nach nicht nur
über Ethik, Moral und andere Religionen geredet werden und nicht nur über den rein kognitiven Inhalt gehen. Dies ist zwar auch wichtig gerade im Hinblick auf den interreligiösen Dialog, aber der Religionsunterricht soll auch ein Ort der
religiösen Erfahrung sein.
D.h. mal für die Christen gesprochen, dass man z.B. betet im Unterricht, die Herkunft unserer Feiertage ergründet, religöse Räume und das Verhalten darin kennenlernt, Chancen für spirituelle Erfahrungen erhält, seinen Zugang zu Gott sucht, ... Dies soll auf keinen Fall eine Missionierung sein, sondern sowohl SchülerInnen als auch LehrerInnen sollen sich als Mitglied einer suchenenden Gemeinschaft sehen. (Ja ich weiß, das wär der Optimalfall

, aber ich glaube auch hier hat sich was getan im Vergleich zu unserer Jugend...) Es soll halt eine Chance sein, die Kinder geboten bekommen, da ja bei vielen diese religiöse Erziehung zu Hause nicht mehr geleistet wird.
Deshalb ist das Ziel der evangelischen und katholischen Kirche in Deutschland der konfessionell gebundene Religionsunterricht, weil nunmal solche religiösen Erfahrungen in einem neutralen Ethikunterricht schlecht möglich sind. Übrigens ist das auch das Ziel der Muslime, die von den christlichen Kirchen darin unterstützt werden. (Mein Thema der Zulassungsarbeit).
Allerdings muss der Religionsunterricht unter staatlicher Aufsicht stattfinden, bedeutet:
1. der Unterricht muss auf Deutsch sein
2. LehrerInnen müssen entsprechend ausgebildet sein (ich glaube, deutsches Examen ist Pflicht)
3. die Inhalte dürfen der deutschen Verfassung nicht widersprechen
Diese drei Punkte sind z.B. ein Problem bei gewissen Koranschulen, die auf arabisch unterrichten, deren Lehrpersonen häufig Mullahs sind, die nur für 5 Jahre in Deutschland verweilen und deren Inhalte man oft nicht so genau kennt, u.a. aufgrund der sprachlichen Barriere. Soweit die Argumentation gegen den Verweiß des Religionsunterrichts aus der Schule in die religiösen Gemeinschaften. (Auch im Hinblick auf eine gewisse Fundamentalismus-Prävention)
Das Hauptproblem an der ganzen Sache ist wohl das
organisatorische:
1. Wie soll man den vielen Konfessionen gerecht werden? (Es gibt ja z.B. bei den Muslimen Schiiten, Sunniten, Aleviten, ..., denen eigentlich dann auch der konfessionell gebundene Unterricht zusteht, genauso wie bei den Christen orthodoxe, Methodisten, Baptisten, Neuapostolische Kirche...)
2. Wo kriegt man so schnell qualifizierte Lehrer her?
3. Wie löst man das Problem, wenn nur wenige Schüler einer Konfession an einer Schule sind?
4. Wohin mit den Atheisten? (Sorry, wer war noch mal Atheist von Euch?

Ist nicht respektlos gemeint!)
...
Berufsbedingt glaube ich, dass diese spirituelle Dimension für Kinder eine sehr wichtige ist und es schade ist, wenn man ihnen die Chance dazu nicht gibt. Eine Lösung allerdings die allen gerecht wird hab ich, wie Eure ganzen schlauen Köpfe in Berlin auch nicht....
