Hallo Rica,
wenn ich Deine Zeilen lese, könnte ich meinen, jemand beschreibt meine Tochter in diesem Alter

Sophia ist unser zweites Kind und ich dachte vor der Geburt, ich wäre eigentlich mit meinem zu Beginn sehr schlechtschlafenden und "ich-will-alle-halbe-Stunde-an-die-Brust"-Sohn bestens gerüstet - von wegen. Die Kleine hat ständig geweint, meist auch im Tuch, was das Tragen leider auch sehr anstrengend machte, wurde dauergestillt, schlief, wenn überhaupt, nur auf meinem Bauch usw.. Ich war so verzweifelt, weil ich anfangs dachte, ich mache irgendetwas falsch. Es war schlimm zu sehen, wie unwohl sich das Baby dauernd fühlte, und nichts dagegen tun zu können. Gegen Abend haben wir oft stundenlang im Bett gelegen, Sophia immer an der Brust, damit sie nicht schreit. Wie oft habe ich mir gewünscht, einfach mal eine halbe Stunde kein Kind an meinem Körper zu haben. Ich liebe die Kleine, aber damals gab es Moment, in denen ich die ständige Nähe nicht mehr ertragen zu können glaubte. Ich habe bei meinem Großen immer alles nach "Instinkt" getan, gestillt, getragen, Bedürfnisse befriedigt und das gute Gefühl gehabt, dass es richtig ist, bei Sophia aber war ich so unsicher durch das ständige unglückliche Weinen, dass ich anfing das Vertrauen in meine "Methoden" zu verlieren. Dann bekam sie auch noch mit zwei Monaten chronische Bronchitis
Besser gefühlt habe ich mich dann, als ich nach dem Lesen des Sears-Buches begriffen habe, dass mein Kind einfach so ist wie es ist, und sein Verhalten nichts mit mir oder mangelnder Zuwendung zu tun hat. Ich habe ihr alles gegeben, was in meiner Kraft steht - mehr geht einfach nicht. Nachdem ich das so akzeptieren konnte, wurde ich auch viel entspannter. Ich hatte ja auch noch unseren Sohn, der unter der Situation gelitten hat und in er Zeit viel zurückstecken musste.
Aber: es wurde sukzessive besser! Heute ist Sophia 15 Monate alt, quietschfidel, fröhlich, schläft sehr gut, ist sehr selbstbewusst, weiß genau, was sie will und äußert das auch. Sie ist immer noch "anstrengender" als ihr Bruder, aber hat eben auch einen anderen Charakter. Keiner, der sie heute erlebt und sie nicht die ersten Monate kannte, will mir glauben, wie schwierig und kräfteraubend die erste Zeit mit ihr war. Und ich bin der festen Überzeugung, man kann dem Verhalten solcher Kinder nur mit Geduld und absoluter Bedürfnisbefriedigung begegnen (also als Babys, mittlerweile gibt's natürlich schon auch Neins). Man kann ihr Verhalten ohnehin nicht ändern, aber ihnen Sicherheit und Geborgenheit geben. Sie brauchen einfach von allem ein bisschen mehr.
Vielleicht hilft es Dir ein bisschen zu wissen, dass die Situation sich verbessert - früher oder später.
Ich wünsche Dir noch viel Kraft und Geduld mit Deinem Sohn - er wird Dir Deine Fürsorge sicher um das tausendfache zurückgeben

Liebe Grüße, coriandoli