Re: Betreuungsnotfallplan Kindergarten
Verfasst: 02.06.2023, 16:39
Ich glaube, dass mit der Ampel ist bei euch falsch rübergebracht worden:
Grün bedeutet: alles in Ordnung
Gelb bedeutet: es gibt Maßnahmen, um den Personalausfall auszugleichen. Die sind individuell festgelegt. In der Regel: -Reduzierung der Angebote für die Kinder
-Reduzierung von Eingewöhnungen
- Überstunden und Verlängerungen des Personal
- Personal nimmt nicht an Fobis teil, hat keine Verfuegungszeit, gibt seine Teambesorechungszeit auf, kann keine Überstunden nehmen, hat Urlaubssperre
-Gruppen werden zusammengelegt
- freiwilliger Verzicht der Betreuung
Rot bedeutet: es gibt Einschränkungen bei den Öffnungszeiten: auch hier nicht sofort das volle Programm, sondern z.B. die Nestgruppe muss früher schließen oder ab 15 Uhr nur noch Notbetreuung. Eine komplette Schließung habe ich persönlich noch nie erlebt.
Was den freiwilligen Verzicht angeht: leider gibt es kaum noch Bereitschaft, freiwillig zu verzichten. Wir dürfen aber einen gewissen Schlüssel nicht unterschreiten, also werden dann im nächsten Schritt die Öffnungszeiten komplett eingeschränkt.
Zur Frage, warum hat es vor Corona geklappt: Zumindest hier in RLP gab es den Maßnahmenplan schon vor Corona. Allerdings denke ich auch, dass er, zumindest in meinem Erleben, seltener zum Einsatz kam:
Ich denke, die KollegInnen sind insgesamt mehr belastet und gesundheitlich angegriffen. ( in meinem Team hatte jeder mindestens dreimal Corona trotz Impfungen, manche haben seitdem dauerhafte Probleme) Zusaetzlich ist zeitgleich mit dem Ende der Corona-Pandemie das gute -Kita -Gesetz in Kraft getreten: das bedeutet in RLP: bei geringerem Personalschlüssel bleiben die Kinder wesentlich länger in der Kita. Jedes Kind hat Anspruch auf ein Essen. in meiner Einrichtung haben Ende Juni 2021 49 Kinder gegessen, Ende Juli mussten mir plötzlich 110 verköstigen, ohne zusätzliches Personal, ohne zusätzliche Räumlichkeiten. Das bedeutet: wir brauchen statt zwei Essens Gruppen die von vier ErziehrInnen betreut werden 5 Gruppen, die von 10 betreut werden, zusätzlich müssen die anderen im Hof betreut werden, es sind also mindesten 11 Leute in der Mittagszeit nötig, und dann ist schon keiner mehr übrig, der wickeln könnte oder gar vorlesen oder kuscheln.
Ich kann ja nur für RLP sprechen, aber hier ist es eher die Realität, das ständig am Personallimit gearbeitet wird.
Dazu kommt, dass die Wertschätzung der Eltern auch immer weiter sinkt, die Eltern wünschen sich in erster Linie Betreuung, je mehr desto besser. Die KollegInnen haben aber den Anspruch an sich, wertvolle pädagogische Arbeit zu machen. Der Schwerpunkt liegt nicht mehr darauf, dass die Kita eine Bildungseinrichtung ist, sondern es geht den meisten um Betreuung, so viel und solange wie möglich, das steht in starkem Widerspruch zu dem, was wir uns alle für die Arbeit wünschen.
Hinzu kommen immer mehr administrative Aufgaben, Dokumentationen, Entwicklungsbereiche, Berichte für Gerichte und Hugendaemter….
Jemand schrieb hier: was macht es für einen Unterschied, wenn nur die Hälfte des Personals da ist:
Das macht einen Riesenunterschied (abgesehen davon, dass es nicht legal ist) : Hier bedeutet das; Die KollegInnen verbringen ihren Tag im Durchgang zu zwei Räumen, um diese gleichzeitig zu betreuen, ein(e) Erzieherin betreut beim Essen alleine 18-25 Kinder, ich denke, jeder hier kann sich vorstellen, dass das weit entfernt von einer angenehmen, kingerechten Essensathmosphaere ist.
Für Beschäftigung mit einzelnen oder Kleingruppen bleibt keine Zeit: zwei Kollegen übernehmen am Fließband die ganze Wickelarbeit, während die anderen betreuen.
Ich glaube nicht, dass sich das jemand fuer sein Kind wünscht rund ganz gewiss erfüllt es auch nicht unseren eigenen Anspruch a die Arbeit.
Dieses nicht erfüllen der eigenen Ansprüche und der ständige Stress durch die schlechten Arbeitsbedingungen, der ständige Druck führt zu einer Zunahme von Burnoutsyndromen und Krankheiten überhaupt.
Die Lösungen, die die Politik zu bieten hat, sind doch sehr zweischneidig: die zusätzlichen Regenerationstage zum Beispiel, generieren einen Personalausfall, der wieder von den anderen ausgeglichen werden muss,
Ungelernte Unterstützungskraefte dürfen viele Tätigkeiten nicht ausführen: Eingewöhnungen, paedagogische Angebote, Wntwicklungsberuchte und Gespräche, außerdem dürfen sie nicht in Randzwiten eingesetzt werden. D.h. All diese Di he werden auf weniger Köpfe der ohnehin schon bis zur Grenze belasteten Kollegen verteilt.
Also, nicht falsch verstehen: ich bin selber eine berufstätige Mutter und brauche zwangsläufig Betreuung, da ich keine Alternative habe, ich habe da vollstes Verständnis für, aber das Problem ist ein politisches, dass nicht in den Kitas gelöst werden kann. Wer jedem Betreuung zusichert, muss auch dafür sorgen, dass diese gewährleistet werden kann. Die verbliebenen (meistens durchaus motivierten ) Fachkräfte bis weit über ihre Grenzen hinweg zu belasten, wird das Pro len höchstens verschärfen
Sorry, für den langen Text, ich denke, wir alle wünschen uns zuverlässige Betreuung die auch noch qualitativ hochwertig ist, unter den derzeitigen Bedingungen ist dies aber nicht möglich. ( zumindest in RLP) ich komme hier regelmäßig mit den verschiedenen Arbeitskreisen in Kontakt, und die Situation ist überall gleich/ zuwenig Personal, zu hohe Krankenstände, zu hohe Belastung…
Grün bedeutet: alles in Ordnung
Gelb bedeutet: es gibt Maßnahmen, um den Personalausfall auszugleichen. Die sind individuell festgelegt. In der Regel: -Reduzierung der Angebote für die Kinder
-Reduzierung von Eingewöhnungen
- Überstunden und Verlängerungen des Personal
- Personal nimmt nicht an Fobis teil, hat keine Verfuegungszeit, gibt seine Teambesorechungszeit auf, kann keine Überstunden nehmen, hat Urlaubssperre
-Gruppen werden zusammengelegt
- freiwilliger Verzicht der Betreuung
Rot bedeutet: es gibt Einschränkungen bei den Öffnungszeiten: auch hier nicht sofort das volle Programm, sondern z.B. die Nestgruppe muss früher schließen oder ab 15 Uhr nur noch Notbetreuung. Eine komplette Schließung habe ich persönlich noch nie erlebt.
Was den freiwilligen Verzicht angeht: leider gibt es kaum noch Bereitschaft, freiwillig zu verzichten. Wir dürfen aber einen gewissen Schlüssel nicht unterschreiten, also werden dann im nächsten Schritt die Öffnungszeiten komplett eingeschränkt.
Zur Frage, warum hat es vor Corona geklappt: Zumindest hier in RLP gab es den Maßnahmenplan schon vor Corona. Allerdings denke ich auch, dass er, zumindest in meinem Erleben, seltener zum Einsatz kam:
Ich denke, die KollegInnen sind insgesamt mehr belastet und gesundheitlich angegriffen. ( in meinem Team hatte jeder mindestens dreimal Corona trotz Impfungen, manche haben seitdem dauerhafte Probleme) Zusaetzlich ist zeitgleich mit dem Ende der Corona-Pandemie das gute -Kita -Gesetz in Kraft getreten: das bedeutet in RLP: bei geringerem Personalschlüssel bleiben die Kinder wesentlich länger in der Kita. Jedes Kind hat Anspruch auf ein Essen. in meiner Einrichtung haben Ende Juni 2021 49 Kinder gegessen, Ende Juli mussten mir plötzlich 110 verköstigen, ohne zusätzliches Personal, ohne zusätzliche Räumlichkeiten. Das bedeutet: wir brauchen statt zwei Essens Gruppen die von vier ErziehrInnen betreut werden 5 Gruppen, die von 10 betreut werden, zusätzlich müssen die anderen im Hof betreut werden, es sind also mindesten 11 Leute in der Mittagszeit nötig, und dann ist schon keiner mehr übrig, der wickeln könnte oder gar vorlesen oder kuscheln.
Ich kann ja nur für RLP sprechen, aber hier ist es eher die Realität, das ständig am Personallimit gearbeitet wird.
Dazu kommt, dass die Wertschätzung der Eltern auch immer weiter sinkt, die Eltern wünschen sich in erster Linie Betreuung, je mehr desto besser. Die KollegInnen haben aber den Anspruch an sich, wertvolle pädagogische Arbeit zu machen. Der Schwerpunkt liegt nicht mehr darauf, dass die Kita eine Bildungseinrichtung ist, sondern es geht den meisten um Betreuung, so viel und solange wie möglich, das steht in starkem Widerspruch zu dem, was wir uns alle für die Arbeit wünschen.
Hinzu kommen immer mehr administrative Aufgaben, Dokumentationen, Entwicklungsbereiche, Berichte für Gerichte und Hugendaemter….
Jemand schrieb hier: was macht es für einen Unterschied, wenn nur die Hälfte des Personals da ist:
Das macht einen Riesenunterschied (abgesehen davon, dass es nicht legal ist) : Hier bedeutet das; Die KollegInnen verbringen ihren Tag im Durchgang zu zwei Räumen, um diese gleichzeitig zu betreuen, ein(e) Erzieherin betreut beim Essen alleine 18-25 Kinder, ich denke, jeder hier kann sich vorstellen, dass das weit entfernt von einer angenehmen, kingerechten Essensathmosphaere ist.
Für Beschäftigung mit einzelnen oder Kleingruppen bleibt keine Zeit: zwei Kollegen übernehmen am Fließband die ganze Wickelarbeit, während die anderen betreuen.
Ich glaube nicht, dass sich das jemand fuer sein Kind wünscht rund ganz gewiss erfüllt es auch nicht unseren eigenen Anspruch a die Arbeit.
Dieses nicht erfüllen der eigenen Ansprüche und der ständige Stress durch die schlechten Arbeitsbedingungen, der ständige Druck führt zu einer Zunahme von Burnoutsyndromen und Krankheiten überhaupt.
Die Lösungen, die die Politik zu bieten hat, sind doch sehr zweischneidig: die zusätzlichen Regenerationstage zum Beispiel, generieren einen Personalausfall, der wieder von den anderen ausgeglichen werden muss,
Ungelernte Unterstützungskraefte dürfen viele Tätigkeiten nicht ausführen: Eingewöhnungen, paedagogische Angebote, Wntwicklungsberuchte und Gespräche, außerdem dürfen sie nicht in Randzwiten eingesetzt werden. D.h. All diese Di he werden auf weniger Köpfe der ohnehin schon bis zur Grenze belasteten Kollegen verteilt.
Also, nicht falsch verstehen: ich bin selber eine berufstätige Mutter und brauche zwangsläufig Betreuung, da ich keine Alternative habe, ich habe da vollstes Verständnis für, aber das Problem ist ein politisches, dass nicht in den Kitas gelöst werden kann. Wer jedem Betreuung zusichert, muss auch dafür sorgen, dass diese gewährleistet werden kann. Die verbliebenen (meistens durchaus motivierten ) Fachkräfte bis weit über ihre Grenzen hinweg zu belasten, wird das Pro len höchstens verschärfen
Sorry, für den langen Text, ich denke, wir alle wünschen uns zuverlässige Betreuung die auch noch qualitativ hochwertig ist, unter den derzeitigen Bedingungen ist dies aber nicht möglich. ( zumindest in RLP) ich komme hier regelmäßig mit den verschiedenen Arbeitskreisen in Kontakt, und die Situation ist überall gleich/ zuwenig Personal, zu hohe Krankenstände, zu hohe Belastung…