Dein Thread ging mir gar irgendwie nicht aus dem Kopf. Es tut mir leid, dass Du abstillen musst. Ich bin aber total zuversichtlich, dass Dein Baby, der Papa und Du das ganz bald und gut hinbekommen werdet. Du hast so viel gemeistert auf Deinem bisherigen Weg, Du hast sogar noch den bestmöglichen Kompromiss zwischen Stillen und notwendiger Medikation gefunden - Du kannst so unheimlich stolz auf Dich sein

! Den nächsten Schritt werdet Ihr mit vereinten Kräften jetzt auch schaffen.
Ich habe keine Erfahrung mit Gewöhnung an die Flasche
(und ich glaube, bei vielen Mutter-Kind-Paaren läuft das tatsächlich über "sehr oft die Flasche/Beikost anbieten und letztlich keine Alternative lassen", aber nicht jedes Kind schafft das problemlos und oft wird dann eben doch länger weitergestillt als geplant, was bei Euch verständlicherweise keine Option ist) und ich bin auch kein StillMod hier.
Aber ich wollte versuchen, ein bisschen Überblick/System in die vielen Ideen zu bringen, die Du hier (und ggf. auch noch von den Fachpersonen vor Ort) schon bekommen hast. In dieses System kannst Du dann vielleicht alle Vorschläge/Ideen ein bisschen einordnen und schauen, was für Euch im jeweiligen Abschnitt zum Erreichen des Teilzieles passt.
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DEINE SEITE des Abstillens:
Mir fiel ein
sehr zuversichtlicher Abstillbeitrag aus der LINKSAMMLUNG STILLWISSEN ein, den ich Dir (auch wenn das Baby dort schon im Beikostalter war/die Motivation anders lag) gern verlinken möchte.
Weiter unten in demselben Thread findest Du auch einen
schonenden Plan zum Herunterfahren der Milchproduktion für Deine noch laktierende Brust.
Sobald Dein Baby die PRE-Milch ohne Brust für den gesamten Tagesbedarf akzeptiert, kannst Du ja mit der Medikation beginnen. Dafür muss Deine Milchbildung noch nicht (komplett) runtergefahren sein, sondern Du kannst auch
im Anschluss an die Umstellung Deines Babys auf PRE noch durch Pumpen und Verwerfen Deine Milchbildung (in einem für Deinen Körper guten Tempo) beenden.
(Du schriebst von Flaschen mit Muttermilch, weshalb ich davon ausgehe, dass das Pumpen bei Dir grundsätzlich gut klappt.)
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DEINES BABYS Seite des Abstillens:
Wie viel Zeit hast du realistisch gesehen noch, bis Dein Kind komplett auf PRE umgestellt sein muss? Sind das noch einige Wochen oder sind das eher nur noch Tage?
Das gibt die Zeitschiene vor und macht Euch in Euren Entscheidungen klarer.
(Wie oben schon gesagt:
Wie viel Milch Du selbst noch bildest, ist für den Medikationsbeginn erstmal unerheblich - es geht für Eure Zeitschiene ausschließlich um die Fähigkeiten Deines Babys, abseits der Brust mit PRE ernährt zu werden.)
Für Dein Baby gibt es bei der Umstellung vom Stillen auf die PRE-Flasche im Prinzip drei unterschiedliche Herausforderungen:
A) Umgewöhnung des Mundgefühls und der Saugtechnik:
von weicher Haut, schwachem Reiz am Gaumen, wenig verformter Babyzunge, selbstbestimmt das Brustgewebe bis zum Gaumen einsaugen mit weit offenem Mund, selbst gesteuertes Auslösen eines oder - nach Pausen - mehrerer MSR [wodurch die Brust dann recht weit hinten im Mund Milch von sich gibt], anschließend melkende Bewegungen der Zunge, ...
hin zu: festerem Silikon, starkem Reiz am Gaumen, stärker verformter Zunge, je nach Sauger deutlich weniger weit geöffnetem Mund, anderer Zungenbewegung/Saugen, um die Milch zum Fließen zu bringen/am Fließen zu halten, ...
B) Umgewöhnung des Milchgeschmackes von Muttermilch auf PRE - dafür ist das WIE des PRE-Fütterns (Becher o.ä) erstmal unerheblich - es muss nicht gleich die Flasche sein.
[und letztlich:
C) mit diesen Veränderungen wieder Möglichkeiten zur Beruhigung/Regulation/Rückversicherung/Einschlafhilfe/... für Dein Baby zu finden, denn das hat alles viel mit dem zu tun, was ein Baby gewohnt ist, was sich vertraut anfühlt, riecht und schmeckt, mit Haut- und Körperkontakt, den das Stillen automatisch bot. Ich bin sicher, das wird sich alles neu und gut etablieren - aber ich denke, es hilft, sich das immer mal wieder bewusst zu machen, was das ganze Familiengefüge da grad leistet.]
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Zur Bewältigung der Herausforderungen (A), (B) und (C) könnt Ihr von zwei Seiten an die Sache herangehen:
1) Ausgangspunkt "gute Tage":
Hast Du eine Idee, was an den guten Tagen gut gelaufen ist/anders war als sonst? (30 ml ist gar keine so schlechte Portionsgröße für den Anfang - bei manchen Stillmahlzeiten trinkt ein Baby auch nicht mehr).
Hast Du evtl. die Chance, kurze Stichpunkte dazu zu machen, wie die Situation war, wenn es gut lief?
Oder eine Liste, in der Du Aspekte aufschreibst, die Ihr variiert, und dann jeweils einen Strich dahinter, wenn der Aspekt zutraf, als es gut lief?
Macht es einen Unterschied ob Mama oder Papa das Neue in Abwesenheit des anderen versucht?
Klappt anbieten der Neuerung eher wach oder halbwach?
Eher halbsatt+ruhig oder eher hungrig?
Premilch X, Y oder Z angeboten?
...
Wenn Du da
keinen Ansatzpunkt hast, warum es mal besser und mal schlechter geht oder welche veränderlichen Aspekte Du in den Blick nehmen könntest, funktioniert vielleicht:
2) Ausgangspunkt Herausforderung/was noch gar nicht klappt:
Ihr habt jetzt einen Monat lang bei (A) Technik und (B) Geschmack die Komplettumstellung in einem Schritt versucht ohne durchschlagenden Erfolg.
Außerdem habt Ihr bei (B) verschiedene PRE-Sorten versucht (ohne durchschlagenden Erfolg - oder gab es da Präferenzen?)
Und ihr habt (indem Ihr Muttermilch aus der Flasche angeboten habt) auch die Kombination "A komplett umstellen, B erstmal unverändert lassen". Ebenfalls ohne durchschlagenden Erfolg in Form von "Muttermilch aus der Flasche geht problemlos".
--> Es ist also auf jeden Fall kein reines Problem des Geschmacks (B) sondern mindestens auch der Technik (A).
[Vielleicht stellt sich sobald A gelingt auch B als völlig unerheblich raus?]
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Zu Herausforderung A (und auch C) passen alle Vorschläge, bei denen das Mundgefühl beim Saugen variiert/verändert wird, so dass Dein Baby da flexibler wird:
Annie2017 hat geschrieben: 26.04.2022, 12:28
Mein 2. Kind nimmt keinen Schnuller und gestillt wird ohne Hütchen.
- So lange Du jetzt sowieso noch (zumindest einige Tage lang) teilstillst:
Hast Du es schonmal mit Stillhütchen an der laktierenden Brust versucht? (So bliebe für Dein Baby bei den Stillmahlzeiten vom Ablauf und Geschmack her erstmal alles vertraut, aber das Mundgefühl würde einen deutlichen Schritt Richtung künstlichen Sauger gehen - evtl. kann Dein Baby so einen (vorübergehenden!) Zwischenschritt erstmal besser akzeptieren?)
Annie2017 hat geschrieben: 26.04.2022, 12:28
Wir haben erst tagelang viele verschiedene Flaschenhersteller und Saugergrößen durchtesten müssen, bis wir endlich eine Kombi gefunden haben, aus der sie auch etwas raus bekommt. Viele Sauger sind ihr zu groß gewesen und brachten sie zum Würgen, ihr Würgereflex liegt relativ weit vorne.
Dann haben wir natürlich verschiedene Pre-Sorten und auch Muttermilch aus der Flasche versucht zu geben. Wir bieten jetzt seit Wochen eigentlich jeden Tag mehrmals Pre an, vor dem Stillen, nach dem Stillen, im wachen oder im schlafenden Zustand. Aber meistens wird die Flasche angeschrien, mit der Zunge raus gestoßen oder nur drauf rum gekaut. An guten Tagen, wenn wir den perfekten Moment abgepasst bekommen, hat sie auch mal 30ml Pre getrunken, mehr aber noch nicht und das auch nicht jeden Tag. Meistens landen höchstens ein paar Tropfen Pre im Kind. Sie will einfach nur an die Brust.
- Würgt Dein Baby auch, wenn Du/Papa den Finger zum Saugen anbieten? (Finger ganz sauber, Fingernagel sehr kurz geschnitten und gut gefeilt, Fingernagel Richtung Babys Zunge, Fingerbeere nach oben [Richtung Gaumen des Babys] und dann: Finger an die Unterlippe/Zungenspitze legen und vom Baby selbst einsaugen lassen - nicht "reinstecken").
Der Finger ist fester als die Brust (und insofern für Zunge und Gaumen flaschensaugerähnlicher: (A)), bietet aber dennoch (im Gegensatz zum Schnuller)) den vertrauten Hautkontakt beim Saugen: (C)
Und der Erwachsene kann viel feiner abgestimmt als beim Schnuller erspüren/dosieren, wie weit in den Mund der Finger eingesaugt wird (und das ggf. dann schrittweise ausbauen, bis die Tiefe einem Schnuller/Flaschensauger entspricht (Problembereich A).
Ebenfalls zu Herausforderung A (und auch C) passen alle Vorschläge, bei denen möglichst viele Aspekte des Stillens beim Flaschegeben erhalten bleiben:
- Da Du u.a. von Pre-Anbieten in schlafendem Zustand (liegende Haltung?), aber auch sonst von Würgen und Stresszeichen beim Baby schreibst: kennst Du dieses Merkblatt zum babyfreundlichen Flaschegeben (PDF-Dokument, ausdruckbar) bzw. die dort vorgestellten Anregungen zum bedürfnisorientierten Flaschegeben?
Dort werden gleich mehrere Aspekte des Problemkreises A und C berücksichtigt. Vielleicht kann schon ein Wechsel zu konsequent aufrechterer Körperhaltung des Babys einen Unterschied machen, weil es seine Atmung und das Tempo des Sauger-in-den-Mund-Nehmens und des Milchflusses dann besser selbst bestimmen kann?
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Zur Herausforderung B (und auch C) passen alle obigen/vor Ort bekommenen Vorschläge, wo der Geschmack der Milch variiert/sich (schrittweise) verändert:
- evtl. für den Start einige Male beim Stillen per Sondenschläuchlein + Spritze oder per (geliehenem?) BES PRE-Milch beifüttern;
Oder (als Zwischenschritt) eine andere Möglichkeit, Muttermilch zu füttern:
- vielleicht klappt es mit den A angehenden Strategien plötzlich mit Muttermilch per Flasche;
- oder (vielleicht am erfolgversprechendsten: vom Papa in Deiner Abwesenheit) Muttermilch im Becherchen/Löffelchen anbieten
- oder notfalls übergangsweise sowas wie Fingerfeeding (ggf. bzgl. (A) später mit Stillhütchen/Flaschensauger auf dem Finger)
--> und da dann jeweils das Mischverhältnis abgepumpte Muttermilch/PRE relativ zügig Richtung PRE verschieben;
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Annie2017 hat geschrieben: 26.04.2022, 12:28
wir versuchen seit etwa einem Monat von vollstillen auf PRE umzusteigen.
Parallel würde ich angesichts der bereits verstrichenen Zeit schonmal die in Deinem Umkreis befindlichen
Stillberaterinnen (inkl. IBCLC) kontaktieren und jeweils nach deren Erfahrung/Weiterempfehlung bzgl. Saugverwirrung und ggf. Saugtraining fragen (z.B. ob sie da
ggf. eine gute Logopädie oder andere Stillberaterin an der Hand haben).
Auch Babys, die von Geburt an die Flasche bekommen (sollen), haben ja manchmal Probleme mit der Saugtechnik an der Flasche und auch dafür gibt es ja Behandlungsmöglichkeiten. Wenn Ihr da schonmal jemanden an der Hand hättet, um vor Ort Anleitung zu bekommen, macht Euch das evtl. ruhiger, wenn der Countdown zum Komplett-Flaschegeben läuft und es beim Baby nicht einfach spontan "Klick" macht.