Hallo, Britta.
Britta23 hat geschrieben: 29.04.2020, 11:09Habe mir schon das BES bestellt. Frage mich allerdings, ob ich das ohne Hilfe hinbekomme.
Das bekommst Du hin.

Sehr empfehlenswert ist die Lektüre der
ElternInfo. Darin findest Du alle wichtigen Informationen.
Ist das BES schon da?
Tagsüber ca. alle zwei Stunden, die Mahlzeiten sind oft sehr kurz, nur ein paar Minuten, dann wird genuckelt oder geschlafen. Deswegen tue ich mich such schwer, die Anzahl der Mahlzeiten aufzuschreiben.
Die Definition ist: Wenn die Pause länger als das Stillen davor dauert, dann wird das nächste Stillen als neue Einheit gezählt.
Nachts stelle ich mir für die erste Mahlzeit nach ca drei Stunden den Wecker (zwischen 2 und 3Uhr). In den frühen Morgenstunden hat er viel Darmaktivität, weint kurz und schläft dann weiter. Kaum effektives Trinken, fast nur Nuckeln. Richtig hungrig ist er nie. Das kommt mir komisch vor.
Das klingt tatsächlich auffällig. Ich denke, wir müssen vor allem am Thema Effektivität arbeiten. Zusätzliches Zufüttern wird eine zeitlang auch notwendig sein.
Wie lang sind die Schlafpausen?
Die erste drei-vier Stunden, zwischen 3 und 8Uhr, siehe oben.
4h sind zu lang. Du solltest tagsüber alle 2h und nachts alle 3h stillen. Dabei wird jeweils von Stillbeginn zu Stillbeginn gezählt.
Leider hatten wir es von Anfang an nicht so einfach. Direkt nach seiner Geburt kam er auf die Kinderklinik wegen Atemaussetzern. Dort wurde natürlich zugefüttert. Kolostrum hat er mit der Spritze bekommen. Nach fünf Tagen sind wir trotzdem vollgestillt nach Hause und er hatte nach 11 Tagen wieder sein Geburtsgewicht erreicht.
Puh, da hattet Ihr keinen leichten Anfang.
Zum Stillen an sich: er trinkt oft nur kurz und schläft oder nuckelt dann. Lippen sind selten nach außen gestülpt.
Korrigierst Du die Lippen? In welchen Positionen stillt Ihr?
Manchmal, aber nicht immer, hat er Schwierigkeiten mit dem Vakuum. Er hat oft Schluckauf. (...) An der Flasche hat er Schwierigkeiten mit dem Vakuum.
Das könnte für anatomische Gründe eines geringen Milchtransfers sprechen.
Zum Einschlafen in der Trage nuckelt er an meinem kleinen Finger.
Das ist auf jeden Fall die bessere Alternative zur Brust als der Schnuller. Kommt er an der Brust abends nicht zur Ruhe?
Wir haben eine Hebamme. Sie meint, dass er einfach lang und schmal ist. Sie ist auch noch entspannt, was die Gewichtskurve anbelangt.
Das kann ich nicht wirklich nachvollziehen.
Sie hat mir geraten, in der Layback Position zu stillen (wegen des Kinns). Damit komme ich aber nicht so gut klar.
Woran hakt es?
Der Kinderarzt hat zu einer Stillprobe geraten. Davon halte ich aber nichts. Bzw. glaube ich nicht, dass es an meiner fehlenden Milch liegt.
Stillproben würden auch nicht mehr Informationen bringen. Wir wissen, dass Dein Baby eine Gedeihstörung hat und aktuell zu wenig Milch trinkt. Daran können wir aber einiges verbessern. Einerseits können wir durch unterschiedliche Methoden Deine Milchbildung mehr anregen, als es Dein Baby aktuell selbst schafft (z.B. Brustkompression, Pumpen etc.). Andererseits können wir durch Zufütterung Deinem Baby zeitnah mehr Energie zur Verfügung stellen, so dass er nicht mehr so schnell müde vom Stillen wird.
Bei der U3 meinte der Kinderarzt, dass Emil auffällig aussehen würde, fliehendes Kinn. Er hat uns mit Verdacht auf Pierre Robin Sequenz zu einer Humangenetikerin geschickt. Der Ärztin ist dann auch noch der hohe Gaumen und eine kurze Zunge aufgefallen. Wir machen jetzt eine Chromosomen Analyse, das Ergebnis steht aber noch aus. Sie geht aber eher nicht von der Sequenz aus, da er voll gestillt wird.
Beim Pierre-Robin-Syndrom treten Ernährungs-, Saug- und Schluckstörungen auf. Von daher
könnte die Gedeihstörung darauf zurück zu führen sein. Wann bekommt Ihr denn das Ergebnis?
Das alles setzt uns natürlich ziemlich zu. Er ist allerdings ein zufriedenes Kind, was viel lacht, deswegen kann ich mir nicht so richtig vorstellen, dass er krank ist.
Schön, dass Dein Kleiner so fröhlich ist.
Ich musste außerdem wegen Plazenta Resten operiert werden.
Wann wurdest Du operiert?
Er ist mein zweites Kind, mit dem ersten hatte ich zwei
Jahre eine unproblematische, wunderschöne Stillbeziehung.
Wunderbar. Das ist eine gute Grundlage.
Britta23 hat geschrieben: 29.04.2020, 14:48Brustkompression bin ich schon dran, bin mir aber noch nicht sicher, ob ich es richtig kapiert habe.
Schau mal hier. Vielleicht wird es dann klarer.
Wechselstuben probiere ich gleich beim nächsten Stillen mal...
Ich rate in Eurer Situation vom Wechselstillen ab. Korrektes Anlegen scheint schwierig zu sein. Da sollte man das Baby lieber gut angedockt lassen und durch Brustkompression effektiver stillen. Ein Wechsel pro Stilleinheit reicht aus.
Britta23 hat geschrieben: 30.04.2020, 10:20Habe gerade gelesen, dass eine Gedeihstörung vorliegt, wenn das Baby zwei Hauptperzentilen nach unten kreuzt. Das ist ja bei uns der Fall. Ist es denn zwangsläufig so, dass ein zur Geburt schweres Baby immer schwer bleiben muss?
Die Gewichtsentwicklung unterscheidet sich tatsächlich, jenachdem wie schwer ein Kind bei der Geburt war. Wir unterscheiden uns ja auch als Erwachsene bei Normalgewicht durch Körpergröße und Körperbau. Das ist genetisch vorgegeben.
Kinder sollten sich ihrer Genetik entsprechend entwickeln. Das kann sehr unterschiedlich sein. Dabei sollten sie ungefähr im gleichen Korridor der Geburtsperzentile bleiben (natürlich vorausgesetzt, es gibt nicht gute Gründe dafür, zu denken, das Geburtsgewicht sei verfälscht). Ein Baby, das zwei Hauptperzentilen nach unten kreuzt, verlässt den Korridor jedoch deutlich und daher ist dies eine behandlungswürdige Entwicklung.
Wenn das Baby dauerhaft 20g am Tag zunimmt, wäre das ja noch innerhalb WHO, würde in den Perzentilen aber immer weiter nach unten gehen?
Die 20 würden selbst für ein Baby, das bei der Geburt auf der 5. Perzentile ist, nicht ausreichen, um langfristig nicht abzusinken. Es geht nicht nur um "Hauptsache zugenommen", sondern darum, dass das Baby sich typgerecht entwickelt. Und das ist bei Babys auf der 50. Perzentile anders als bei Babys auf der 15. Deshalb kann man auch keine generellen Angaben von x g/Woche für alle Babys nennen, sondern muss jedes einzeln betrachten. Dafür sind die Perzentilen da.
Habe gestern mal die Pipi Windeln gewogen, die lagen bei 430g. Aber das ist nicht entscheidend, oder?
Nein, denn Feuchtigkeit wird auch über den Atem und die Haut abgegeben. Die Häufigkeit der Ausscheidungen ist wichtig. Daher wirst Du hier in der Beratung die Anzahl getrennt nach Urin und Stuhl angeben (jede schmutzige Windel wird als Stuhl gezählt, auch wenn sie zusätzlich nass ist).
Emil schläft übrigens sehr viel. Mir kommt es im Vergleich zu meinem ersten Kind extrem viel vor. Liegt das auch an der Gedeihstörung?
Ich vermute, dass da ein Zusammenhang besteht. Daher ist es wichtig, dass Du ihn zum Stillen weckst.
Hier findest Du Tipps für schläfrige Kinder.
Britta23 hat geschrieben: 03.05.2020, 09:05
Heute Nacht bin ich allerdings wieder beim Anlegen eingeschlafen und prompt war heute Morgen kaum was in der Windel drin.
Einschlafen beim nächtlichen Stillen ist
normalerweise auch wünschenswert. Aber in der nächsten Zeit ist es wichtig, dass Du ihn gerade nachts regelmäßig anlegst und er effektiv trinkt. Denn nachts ist alles darauf ausgelegt, dass Deine Milch besser fließt und da wird auch die Grundlage der Milchproduktion des nächsten Tages gelegt. Das nächtliche Stillen ist also besonders wichtig.
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Hier meine Empfehlungen auf einen Blick:
- mindestens 10-12 x stillen in 24 h
- tags alle 2h, nachts alle 3h (dazu auch wecken)
- korrektes Anlegen (Lippen nach außen gestülpt)
- Stilleinheiten mit 20 min effektivem Stillen
- Brustkompression
- keine künstlichen Sauger
- Zufütterung von 360 ml in 24h (z.B. 6x60 oder 8x 45 ml) per BES
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Noch ein paar Fragen:
- Hast Du Erfahrungen mit Milchgewinnung von Hand oder per Pumpe? Wie stehst Du dazu?
- Was denkst Du über medikamentöse Unterstützung der Milchbildung?
- Hast Du Schmerzen beim Stillen?
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Damit ich Dich aus der Ferne gut beraten kann, brauche ich Daten. Das bedeutet, dass Du mir täglich eine Liste schickst, die so aussieht:
02.04. 3050 g Geburt KH
05.04. 2800 g Entlassung KH
09.04. 2900 g Hebamme
15.04. 3060 g Hebamme
16.04. 3090 g, 11x gestillt (davon 4x BES), 150 ml PRE, 50 ml MuMi, 5x Urin, 1x Stuhl
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Ich bin überzeugt, dass wir die Gedeihstörung beheben können. Packen wir es gemeinsam an?