Liebe Alice,
Das hört sich wirklich nach einer sehr stressvollen und Vorallem unruhigen Zeit an! Und ich wünsche Dir, das Du und 'die Kröte' in den kommenden Wochen etwas Ruhe zum kennenlernen und beschnuppern, kuscheln und kennenlernen finden könnt! (Soweit das im Trubel mit zwei großen Kindern möglich ist!)
Hast du derzeit Unterstützung? Und hast du eine Hebamme?
Hmm...auch die Geburt meiner zweiten Tochter lief komplett anders, als wie ich es mir vorstelle!
In meiner Vorstellung wären mein Mann und ich ins Krankenhaus gefahren, wenn es eben 'losgegangen' wäre. Und im Idealfall wäre ich nach einigen Stunden mit dem Mini-Baby wieder nach Hause, ins eigene Bett/Nest gegangen...
Wäre... ging aber nicht!
In der 24. Schwangerschaftswoche stellte die Gyn fest, das mein Bauchbaby plötzlich nur eine Herzfrequenz von 52-57 bpm hat. (Drei Wochen zuvor war alles ok! Und das Baby bewegte sich nach wie vor fleißig).
Wir wurden direkt zum Krankenhaus weitergeleitet und es stand für die Ärzte sofort fest, das das Bauchbaby trotz der Herzfrequenz nicht in Gefahr war, aber weitere engmaschige Beobachtung bedarf und das die Entbindung via Sectio im Bestfall geplant (im schlimmsten Fall kurzfristig) erfolgen muss und das eine Operation möglicherweise ansteht .
Das Bauchbaby hat gekämpft und so konnte der Termin zur Entbindung auf die 38+4 Woche gelegt werden. D.h. Sie wurde (nach Berechnungen) reif geboren.
Wir durften uns im Kreissaal kurz 'begrüßen'... kurz heißt es waren vielleicht 1-2 Minuten ehe sie abgenabelt wurde und sie in den Nebenraum gebrach wurde für weitere Untersuchungen.
Kurz zusammengefasst: Sie lag auf der NeoIntensivstation, ich auch der Wöchnerinnenstation. Der interne Krankenhaustransport musste mich jedesmal hoch bringen... ich hab sie ein oder zweimal anlegen dürfen! Und es machte mich so Glücklich zu sehen, dass sie genau weiß wie das Stillen läuft!!
Aber zeitgleich war auch die Angst um Ihr Leben und um den weiteren Verrlauf so groß, dass dieses Glücksgefühl nur sehr kurz da war... und ich in den Momenten auch Angst hatte mich zu freuen!
Sie wurde nach 28Std ins Herzzentrum verlegt und operiert... es verging weitere Zeit bis sie wieder 'im gleichen Haus war'... und bis sie so stabil war, dass wir in ein gemeinsames Zimmer durften.
Wir waren mit dem Tag der Entbindung nur 12 Tage im Krankenhaus... Ängste, Kleines Glück, Hormone, körperliche Beschwerden (also die Schmerzen nach der Sectio)... und all die anderen Emotionen die hätten auch gut für ein 1/2 - 1 Jahr gereicht.
Und auch wenn die Situation anders war, als die Deinige... und auch wenn man sagen könnte, dass ich Zeit gehabt habe mich darauf emotional vorzubereiten... ich hatte (und an manchen Tageb habe) auch das Gefühl, dass das Bauchbaby (aka Fräulein Igel) und ich uns diese. weg nicht gemeinsam 'erarbeitet' haben. Dass das ganze intime kuschelige, welches die Schmerzen der Wehen 'heilt', dass das fehlte!
Ich hab geheult, weil ich eifersüchtig war auf andere Frauen die Wehen hatten! Da Wehen für mich immer 'die Kraft des gemeinsamen Weges' symbolisierten.
Es dauerte! Es dauerte bis ich mit meinem mann drüber sprechen konnte und bis ich das Gespräch mit meiner Hebamme suchte... und es dauerte bis dieses kleine Menschlein und ich 'wieder eng' miteinander wurden.
Trotz der Zufütterung im Krankenhaus hab ich ihr ab Tag 6 fast Stündlich die Brust angeboten (davor stritt ich mich ein bisschen mit den Schwestern über die Zufütterung)
und ja, das stillen heilte ein bisschen die Wunden!
Zu Hause fordere mein Kind soviel Körperkontakt, das ich sagen kann: sie lebte ab dann auf und an mir!
Unsere erste Tochter war schon sehr Körpernah, aber dieses kleine Minibaby entspannte nur auf mir liegend!
Im Krankenhaus sagte man mir, ich darf sie noch nicht im Tragetuch tragen... Kinderwagen fahren war ein Graus! Bis ich an Tag 26 bei einer Nachuntersuchung den Chirugeb direkt fragte. Er sagte ich darf Sie sofort ins Tragetuch nehmen, wenn sie es mag! Es wäre von Anfang an möglich gewesen.
Zwei Stunden später saß sie das erstmal im Tragetuch! Und wenn sie nicht auf oder an mir lag, war sie im Tuch bei mir! (Bei Papa wollt sie nie ins Tuch, Bzw protestierte) heute ist sie 7,5 Monate... den Kinderwagen nutzten wir ab dem Tag noch zwei mal!
Ich habe jeden Tag mehr das Gefühl, dass wir zusammen wachsen! Das die Bindung wächst!
Und ich bin noch nicht 'rein' mit dem drum herum der Geburt! Aber es wird besser! Mit jedem Mal wo ich es erzähle und mit jedem Tag wo sie mich anlächel fällt es mir leichter die Situation wieder ein Stück weit anzunehmen.
Ich versuche ruhige Momente mit ihr bewusst zu erleben, zu genießen... und dann ist es ihr Atem... oder das Geräusch wenn sie an etwas krazt, wenn sie gluckst oder oder oder was mir sagt 'Du kleiner Mensch! Du bist aus meinem Bauch! Und ja unser Start war nicht schön, und darum bin ich heute um so mehr froh, dass du bei mir bist und das wir unseren Weg gehen!'
Hmm... es ist ein bisschen viel Text geworden. Dabei hab ich schon versucht mich kurz zu fassen
Ich wollt noch sagen, dass bei uns das Tragen sehr wichtig geworden ist und das neben dem Stillen für uns einen heilsamen Effekt hat!!
Und ich glaube auch, dass du darüber nachdenkst und dass Du es hier zu Deinem Athens gemacht hast, ist ein Prozess der Verarbeitung. Was meinst Du?
Ich sende Dir liebe Grüße und wünsche Dir und 'der Kröte' viel Ruhe und Zeit!!!