Carraluma hat geschrieben: 09.11.2017, 23:29
Aber was ist mit Audiomedien wie Hörspielen? Wie wirken sich die auf die Entwicklung unserer Kinder aus? Beschränkt ihr die Hörzeit eurer Kinder? Glaubt ihr, dass oft Hörspiele hören negative Auswirkungen hat (verglichen mit Büchern?) Ist das auch ein "ruhig stellen" wie mit dem Fernsehen (der mMn Kinder oft komplett erstarren lässt)?
Also ich denke, das muss man einfach am jeweiligen Kind beobachten. Und auch individuell ein wenig abwägen, wie die Lage Drumherum ist.
Unser Großer war zum Beispiel schon immer sehr medienanfällig, Fernsehen war bei ihm ein großer Suchtfaktor. Wir haben inzwischen den Konsum auf zweimal eine halbe Stunde pro Woche beschränkt und es geht. Hörspiele begrenze ich bei ihm nicht, da er die inzwischen oft nutzt, um runterzukommen. Er ist ein sehr unruhiger Geist, das Hörspiel hilft ihm, sich auf eine Ruhepause einzulassen. Abends darf er im Bett auch noch ein Hörspiel hören, wenn er mittags geschlafen hat. Das ist dann schon irgendwie ruhig stellen, da wir uns dann ja nicht mehr kümmern müssen, aber auch da hilft es ihm, im Bett zu bleiben und zur Ruhe zu kommen. Er wählt dort auch bewusst kürzere Geschichten aus. Auch Vorlesen ist für ihn eine Ruheinsel, auf die ich zurückgreifen kann, wenn es gilt, die physische Aktivität einzudämmen. Klingt im ersten Moment doof, aber er ist zum Beispiel auch so, dass er anfängt rumzutoben, wenn er eigentlich müde ist und eine Pause bräuchte. Das endet dann früher oder später in Tränen durch Verletzung, Grenzüberschreitung gegenüber anderen usw. Eine Geschichte oder Infos aus Sachbüchern, der er in irgendeiner Art folgen kann, hilft ihm, die Ruhe zu finden, die er braucht.
Die Kleine ist wiederum ganz anders gestrickt. Sie ist wesentlich unempfindlicher, was Medien angeht, weshalb ich bei ihr recht tolerant bin, wodurch sich dann zum Beispiel ein Fernsehtag dann eigentlich recht gruselig liest:
- morgens 10 Minuten fernsehen (hier beschränke ich die Dauer auf einen recht kurzen Zeitraum, mag aber auch nicht auf meinen ruhigen Morgenkaffee verzichten)
- vormittags Hörspiel (oft alleine oben, während ich unten noch ein bisschen am PC sitze, Haushalt mache oder dusche; meist nicht sooo lange, aber auch schon mal eine Stunde. Wird es arg lange, rege ich an, dass sie mal was anderes macht, was sie dann gerne annimmt)
- nach dem Mittagsschlaf einen kleinen Film (ein animiertes Kinderlied oder eine Szene aus dem Dschungelbuch, die sie oft nach dem Aufwachen guckt)
- nachmittags obendrein eine halbe Stunde Fernsehen mit ihrem Bruder zusammen (Da schaue ich, dass es nicht zu aufgeregte Sachen sind. Die beiden schauen zum Beispiel furchtbar gerne Dino Dan, wo dann zwar riesige, brüllende Dinos durch die Gegend stelzen, die Story an und für sich aber eher harmlos ist.)
Alles in allem also an so einem Tag definitiv mehr als empfohlen (wenngleich auch nur zweimal die Woche) aber bis auf das Fernsehen hat sie das halt jeden Tag. Bisher keine Probleme. Bis zu dem Tag, als ich am Fernsehtag auch noch mit ihr in der Bücherei war und zum genannten dann noch zwei neue Bücher (und eine CD, die sie jedoch quasi nicht gehört hat) dazu kamen. Und prompt war das Kind abends überreizt. Obwohl ja eigentlich nur zwei Bücher dazu gekommen waren, die wir allerdings beide komplett gelesen hatten. Wären es einfach ihre normalen, bekannten Bücher gewesen, wäre der Effekt nicht so gewesen.
Deswegen denke ich, dass man auch ein wenig gucken muss, wie viel neue Info dazu kommt. Ein neues Hörspiel würde ich zum Beispiel als schlimmer bewerten als eines, dass sie schon zehnmal gehört haben. Ist übrigens imo etwa, was vielleicht das Hörspiel auch noch etwas besser macht als Fernsehen. Die Geschichte wird immer wieder gehört, man kann sie also wieder und wieder durchgehen, bis man sie richtig verstanden hat. Unser Sohn nimmt zum Beispiel auch oft neue Ausdrücke von dort mit, was beim Fernsehen eher weniger passiert. Bücher finde ich dann noch ein bisschen unaufgeregter, aber wenn es was ganz Neues, spannendes ist, über das vielleicht noch Redebedarf besteht, sollte man es auch nicht verkennen. (Räuber Hotzenplotz mussten wir dreimal hintereinander lesen und es kamen immer viele Nachfragen.) Allerdings ist man durch das Vorlesen ja aktiv am Kind dran und kann dort auftretende "Probleme" schneller erkennen und auffangen.