Ich habe irgendwann mal gelesen, die Verantwortung der Eltern ist, gesundes und abwechslungsreiches Essen zur Verfügung zu stellen und zu bestimmen, wann und wie gegessen wird (also zum Beispiel, nicht vorm Fernseher und dauernd zwischendurch, sondern alle zusammen am Tisch oder was auch immer). Die Verantwortung des Kindes ist, zu entscheiden, was und wieviel es isst, und zwar völlig unkommentiert (also nicht: iss doch noch mehr davon, bist du wirklich schon satt, nicht so viel Nudeln, probier doch mal...).
Fand ich super und daran halten wir uns bis jetzt auch, wobei ich es wirklich nicht immer leicht finde, mich zurückzuhalten, wenn es mal Tage gibt, wo nur die Nudeln gegessen werden. Allerdings entspannt es die Ess-Situation wirklich, wenn man das Auf-die-Zunge-Beißen mal verinnerlicht hat
Dass Kinder die Sachen nicht so gerne gemischt essen, habe ich auch schon öfters gehört, ist bei uns auch manchmal so. Ich habe bei uns das Gefühl, dass es besser funktioniert, wenn ich meinen Sohn mit kochen lasse und dann am Tisch nochmal zeige und erkläre, was die einzelnen Bestandteile sind. Und wenn ich mich dann wirklich nicht mehr einmische, wenn nur die Karotten oder Kartoffeln oder Dinkelstücke aus dem Eintopf gegessen werden. Manchmal hat er nämlich auch eine eigene Reihenfolge und isst die Sachen trotz gemischten Essens nacheinander, und wenn man interveniert, hat er keine Lust mehr, das konnten wir schon bei meiner Schwiegermutter beobachten, die in dieser Hinsicht unbelehrbar ist.
Zu dem Ansatz gehört allerdings auch, dass ich mich nicht verbiege und (im Rahmen) auch koche, worauf ich Lust habe und mich nicht an einen vermeintlichen Kindergeschmack anpasse, d.h. ich mische zum Beispiel die Nudeln immer schon mit der Soße im Topf, und wenn er die Zucchinistücke darin nicht mag, kann er sie auf dem Teller lassen.
Wenn ich etwas koche, was wirklich "heikel" ist, zum Beispiel Curry, dann dünste ich meist im Dampfgarer etwas Gemüse dazu und biete es als "Beilage" mit noch etwas einigermaßen Nahrhaftem an, so dass es mir egal ist, wenn er nur die beiden Sachen isst.
Ich versuche allerdings schon immer, die Alternativen nicht zuuuu verlockend und einfach zu gestalten, also vielleicht nicht unbedingt das Lieblingsobst oder Nudeln pur anzubieten.
Zum Probieren lade ich ihn höchstens mal kurz ein, mehr nicht. Ich finde es absolut legitim, Nahrungsmittel auch aufgrund ihres Aussehens, angenommener Konsistenz o.ä. abzulehnen. Ich sage dann immer, okay, heute keine Olive, vielleicht nächstes Mal, und biete auch immer wieder an, selbst wenn er probiert und ausspuckt. Manchmal klappt es dann beim 20. Mal plötzlich ohne ersichtlichen Grund. Wir hatten auch schon regelrechte Lebensmittel-Phasen, wo ein paar Monate Möhren total in sind und dann wieder links liegengelassen werden. Er wird schon wissen, warum.
Puh, ist ein kleiner Roman geworden. Danke fürs Lesen, wer bis hierhin gekommen ist.
