radikales abstillen?

Fragen und Antworten rund um das Thema Stillen

Moderatoren: Anjamaria01, klecksauge, SchneFiMa, Mondenkind

Benutzeravatar
Carraluma
alter SuT-Hase
Beiträge: 2332
Registriert: 28.04.2013, 10:57

Re: radikales abstillen?

Beitrag von Carraluma »

Wie ist denn das Verhältnis von Kind zu Vater oder anderen vertrauten Personen tagsüber? Wenn wirklich ein Problem wegen der zu großen Nähe zwischen Mutter und Kind bestehen sollte (unabhängig, ob das hier der Fall ist, oder überhaupt sein kann in diesem Alter), würde ich versuchen in einfachen Situationen den Bezug zu anderen Bezugspersonen zu verbessen, z.B. Vater mit Kind immer längere Ausflüge unternehmen lassen usw.
Ich glaube nicht, dass durch Zwang ein wirklich gutes Verhältnis entsteht.


Ich bin irgendwie auch geschockt, dass von Fachpersonal so ein Druck aufgebaut wurde zum Abstillen...
Carraluma mit der großen Tanzmaus (*2012), dem Fußballer (*2016) und der kleinen Tanzmaus (*2019)
Benutzeravatar
tania
ModTeam-Stillberatung
Beiträge: 14983
Registriert: 24.02.2009, 18:09
Wohnort: Italien

Re: radikales abstillen?

Beitrag von tania »

wenn du abstillst, tu es fuer dich, bzw wegen dir und deinen beduerfnissen.

zum muede/weinerlich sein: vielleicht mal wieder ihre schlafzeiten anschauen? vielleicht geht es ihr besser frueher oder spaeter einzuschlafen oder aufzuwachen, laenger oder gar nicht mehr tagsueber zu schlafen.

tagsueber stillst du doch nicht mehr? warum kannst du dann nicht tagsueber oder fruehen abend zwei stunden weg? der papa kommt von der arbeit, er geht mit eurer tochter auf den spielplatz und du kannst baden oder schlafen oder spazieren gehen und kaffee trinken. du bist unersetzlich, aber wirklich nicht in jeder stunde jeden tages.

bei meinem grossen wurde das stillen um den zweiten geburtstag rum wieder sehr viel mehr. sich von der mutter loesen ist anstrengend und ambivalent. ich hatte richtig das gefuehl, wie er sich mit milch ausruestete um sich wieder ein kleines stueckchen mehr von mir zu entfernen. er stillte also, um sich von mir zu loesen. da nur das stillverhalten anzuschauen haette einen voellig falschen eindruck vermittelt. er genoss es in dem alter, ganz alleine im garten zu sein und hinten das grundstueck zu verlassen (voellig ungefaehrlich, da kam weder wasser noch strasse).

du kannst sehr wohl auch nachts abstillen (oder nur nachts und das einschlaf- und aufwachstillen beibehalten). es gibt viele berichte hier im forum. du darfst dein kind dabei sehr wohl auch selber troesten. hier im forum gibt es berichte, wo der papa uebernommen hat, berichte von alleinerziehenden, berichte von muettern, die den schmerz ihrer kinder uebers abstillen gerne selber begleiten wollen.

aber als generellen rat: schau nicht so sehr darauf, wie schlimm das abstillen wird, sondern ueberlege dir genau, warum du abstillen willst. wenn es dir um mehr als nur das stillen geht, wuerde ich dir eher abraten. oftmals veraendert das abstillen wirklich nur das stillverhalten an sich. manche kinder schlafen laenger am stueck, andere wachen weiterhin auf und haben sogar hunger. und die wahrscheinlichkeit, dass das stillen oder nicht ueberhaupt keinen einfluss auf weinerlich und muede sein hat, ist relaativ hoch.
tania mit sohn *09 und sohn *12
evilina
Herzlich Willkommen
Beiträge: 7
Registriert: 30.08.2014, 09:54

Re: radikales abstillen?

Beitrag von evilina »

Hallo Ihr Lieben,
vielen Dank für die vielen mitfühlenden Beiträge! Das Problem bei uns ist, dass mein Freund sehr viel arbeitet und abends nicht vor sieben nach Hause kommt. Dann spielt er meist noch kurz mit unserer Tochter, aber sobald sie müde wird, braucht sie die Mama. Oft ist sie dann sehr quengelig, will sofort ins Bett.... Und nach fünf Minuten Brust und Kuscheln mit mir, möchte sie mit Papa noch reihenweise Bücher lesen!
Es scheint, sie braucht kurz Mama zum "Runterfahren" und ist dann noch mal zu neuen Taten aufgelegt. :o Sie schläft meist erst gegen halb neun/neun. Die Oma hat nur einen Vormittag in der Woche für uns Zeit. Die Vormittage sind aber leider sehr kurz, weil wir schon gegen elf/halb zwölf Uhr Mittagessen. Später geht kaum, weil die Kleine so müde ist und dringend einen Mittagsschlaf braucht. Ich wecke sie dann nach spätestens zwei Stunden, damit sie abends wieder schläft!
Auch am W-E muss mein Freund öfter arbeiten. Ich bin also wirklich die meiste Zeit alleine mit ihr!
Wir haben es mit einer Tagesmutter probiert, ich wollte auf 2x2 Stunden kommen, aber nach einer guten Anfangsphase war plötzlich der Wurm drin und die Tagesmutter meinte dann, dass unsere Tochter so unglücklich sei und wahrscheinlich noch nicht bereit für die Trennung von Mama. Wir sollten sie erst noch mal ein paar Monate zuhause lassen und es dann nochmals versuchen. Es gab auch wieder Schwierigkeiten, sie alleine bei meinem Partner oder der Oma zu lassen! Das alles hat mich ziemlich aufgewühlt und mir tat auch die Kleine Leid, da sie wirklich so abhängig von mir und scheinbar extrem unglücklich ist, wenn die Mama nur mal kurz verschwindet.

Ich muss also wirklich noch mal darüber nachdenken, was für uns die Pros und Contras des Abstillen wären. Mir geht es in erster Linie darum, dass es ihr gut geht. Aber wenn es mir immer schlechter geht, bringt ihr das ja auch nichts!
Viele von Euch haben ja Vorschläge gemacht, konsequenter teilweise abzustillen. Zum Mittagsschlaf braucht sie auch noch die Brust, aber da habe ich mich jetzt auf jeden Fall entschieden, das einzustellen. Dann hätte ich zumindest mal die Möglichkeit, am Wochenende oder wenn mein Freund frei hat, einen halben oder ganzen Tag etwas für mich zu tun. Ich merke erst jetzt, wie dringend ich das brauche, denn die "Trotz"-Phase ist in vollem Gange und kostet jede Menge Energie.
Danke, dass Ihr mir Eure Erfahrungen schreibt und Mut macht. Ich muss noch lernen, mehr auf meine eigene Intuition zu hören!!! :?
powerlady
möchten wir nicht mehr missen
Beiträge: 363
Registriert: 19.05.2014, 21:07
Wohnort: Sauerland

Re: AW: radikales abstillen?

Beitrag von powerlady »

Ich denke nicht, dass das Abstillen da etwas ändert. Du bleibst ja trotzdem die Hauptbezugsperson.
Unser Großer war auch ein extremes Mama-Kind, selbst jetzt darf nur ich ihn ins Bett bringen. Auch Nachts will er vom Papa nichts wissen (er schläft zwischen uns), wurde aber übrigens leider nur 3 Wochen gestillt. Familienbett abschaffen und abstillen gleichzeitig würde bestimmt psychologisch nicht ohne Spuren an der Kleinen vorbei gehen, sie ist doch erst 2.
großer Zwerg 06/2011
kleiner Zwerg 03/2014
powerlady
möchten wir nicht mehr missen
Beiträge: 363
Registriert: 19.05.2014, 21:07
Wohnort: Sauerland

Re: AW: radikales abstillen?

Beitrag von powerlady »

Was ich vergessen habe zu erwähnen, kurz vor seinem dritten Geburtstag fing es an, dass er nur noch im KiGa Essen wollte, nicht mehr mit nach Hause wollte und wenn dann direkt zur Oma, um mit ihr zu spielen. Vorher war jeder Abschied eine Katastrophe, jetzt winkt er nur nur kurz und ist weg.
großer Zwerg 06/2011
kleiner Zwerg 03/2014
Benutzeravatar
deidamaus
Mod a.D.
Beiträge: 16206
Registriert: 20.06.2013, 06:38
Wohnort: Landkreis Karlsruhe

Re: radikales abstillen?

Beitrag von deidamaus »

Ob DU zum Mittagsschlaf dein Kind noch stillst, oder nicht, ändert nichts daran, wie das bei einer anderen Person mit dem Zu-Bett-Bringen funktioniert. Es gibt hier im SuT haufenweise Mütter, deren Kinder problemlos in der Kita, bei der Tagesmutter oder bei Oma, Papa schlafen, obwohl sie noch gestillt werden. Und ganz viele Kinder, die sich nur von Mama ins Bett bringen lassen, obwohl sie nicht (mehr) gestillt werden.

Nur als Beispiel: Meine Grosse liess sich problemlos schon immer vom Papa ins Bett bringen und mein Mittlerer erst ab 3 1/2, obwohl er sich mit 2 3/4 abgestillt hat. Beide nahmen keinen Schnuller oder die Flasche.

Das hängt also weniger am Stillen, sondern an der Persönlichkeit des Kindes.

Höre auf deinen Bauch, gönne dir kleine Ruhepausen im Alltag (z.B. dann, wenn dein Kind Mittags schläft) und gib ihr den Halt zu dir, den sie gerade jetzt in der schwierigen Phase braucht. Um den zweiten Geburtstag rum brauchen viele Kinder einfach ihre Hauptbezugsperson zur Absicherung beim Die-Welt-Entdecken. Gib ihr diesen Halt und sorge für dich. Lass lieber mal den Haushalt liegen, wenn die Kleine schläft und leg dich dazu.

Liebe Grüße
deidamaus
Liebe Grüße von deidamaus, ModTeam-Stillberatung
mit den drei Mäusen (Grosse 12/06, Mittlerer 5/10 und Kleiner 4/13)

Kruschelkiste Bewertungen
Lösche Benutzer 17774

Re: radikales abstillen?

Beitrag von Lösche Benutzer 17774 »

Was mir gerade noch einfällt: musst du denn wirklich tagsüber zum Mittagsschlaf abstillen, um mal Zeit für dich zu haben? Ich kann nicht aus Erfahrung sprechen, wir stillen zum Schlafen sowohl tagsüber, als auch nachts. Und deine Maus ist ja auch älter.
Aber: unser geht seit seinem ersten Geburtstag in die Kita und macht da Mittagsschlaf. Zu Hause geht aber nix ohne Brust. Und bisher bring ich ihn auch immer ins Bett. Ich hab mir da gesagt, in der Kita ist eh eine völlig neue Schlafsituation und bei den Erzieherinnen erwartet Räubi keine Brust. Warum also abstillen, wenn wir das gar nicht wollen...
Vielleicht klappt das bei euch auch, wenn du dir am WE mal Zeit für dich nimmst? Wenn Mama gar nicht zum Stillen da ist, kann sie sich vielleicht auch mit Papa zusammen kuscheln und Mittagsschlaf machen?

Gesendet via Tapatalk (Jellicle mit Räubi * 05/2013)
Benutzeravatar
Jule
Moderatoren-Team
Beiträge: 4880
Registriert: 11.11.2005, 09:52

Re: radikales abstillen?

Beitrag von Jule »

Da schließ ich mich an! Meine Kinder wurden ab1 Jahr regelmäßig von Oma betreut - und bei ihr wurden sie eben nicht einschlafgestillt wie bei mir, sondern im Kiwa gefahren... und hier jetzt beim Mini (8 Monate) liebt es die große Schwester sich mit ihr hinzulegen, gibt ihr den Schnuller und beim Cd hören schläft mini ein..... Das ist ihr Weg! Klar funktioniert das nicht bei jedem Kind so problemlos ( und bei meinen anderen hätte es so früh wahrscheinlich auch nicht so geklappt) aber ich denke das mit Geduld, Fantasie und eben durchs drüber eben im Alter deiner Tochter das machbar sein sollte! Du musst ihr und der Bezugsperson das eben auch zutrauen und zumuten. Nur Mut..... Ihr könnt euch doch in Ruhe rantasten, dafür zumindest musst du aber nicht ( teil-) abstillen. Hab Mut " euren " Weg zu finden!
Liebe Grüße von Jule mit den Mädels 06/05 und 08/07 und dem Mini-Weihnachtsmädel '13
Benutzeravatar
Carraluma
alter SuT-Hase
Beiträge: 2332
Registriert: 28.04.2013, 10:57

Re: radikales abstillen?

Beitrag von Carraluma »

Schläft die Kleine vielleicht beim Tragen oder im KiWa? Für den Mittagsschlaf bei Oma oder Papa ist das bei uns das Mittel der Wahl. Da stört es auch nicht, dass sie bei mir einschlafgestillt wird.

Du musst nicht tagsüber abstillen, um mal wegzugehen. Deswegen wird die Kleine auch nicht besser mit anderen zurechtkommen. Wenn du abstillst, dann bitte nur, weil DU das willst. Deiner Kleinen bringt das bestimmt keinen Vorteil.
Ich war als meine Kleine ein Jahr alt war öfters tagsüber bis zu 8 Stunden weg und das war kein Problem, weil sie super mit den Großeltern zurecht kommt. Dabei habe ich das Stillen in keiner Weise bewusst eingeschränkt, wenn ich da war.

Hat vielleicht die Oma auch mal am Wochenende Zeit, um sich länger mit der Kleinen zu beschäftigen oder kann sich dein Mann dann mal bewusster Zeit nehmen? Abends, wenn Kinder müde sind, ist halt leider oft nichts mehr vernünftiges mehr mit ihnen anzufangen.

Wie stets eigentlich mit dem Umgang mit anderen Kindern? Trefft ihr regelmäßig Freunde mit Kindern oder könnt wöchentlich in eine Krabbelgruppe gehen. Ist deine Kleine eigentlich schüchtern, wenn du dabei bist?
Carraluma mit der großen Tanzmaus (*2012), dem Fußballer (*2016) und der kleinen Tanzmaus (*2019)
evilina
Herzlich Willkommen
Beiträge: 7
Registriert: 30.08.2014, 09:54

Re: radikales abstillen?

Beitrag von evilina »

Interessant, was Ihr alles berichtet. Ich glaube, da werden wir mal experimentieren...
Was die Kindergruppen betrifft: das war ja ein Grund mit, warum ich mit ihr zur KÄ gegangen bin.
Sie ist schon immer wenig zärtlich im Umgang mit anderen Kindern gewesen, doch in letzter Zeit ist
es so schlimm, dass ich aus unsere Musikgruppe verlassen musste, weil sie ununterbrochen andere
Kinder angegriffen hat. (Ich weiß, das ist in dem Alter auch normal, dass die Kleinen angriffslustiger werden...)
Aber nachdem drei Kinder weinten und ich sie eigentlich nur noch festhalten musste, damit nicht mehr passierte, bin ich lieber gegangen.
Die KÄ meinte, dass wir die Spielgruppen für eine Weile mal ausfallen lassen sollten. Ohje!
Ich habe zum Glück noch Freunde (mit und ohne Kindern, mit denen wir uns ab und zu treffen. Aber bei einigen mit Kindern wird es schon schwierig, da die Situation völlig unentspannt ist und ich meine Tochter nicht eine Sekunde aus den Augen lassen kann. Das will ich auch nicht!).
Laut KÄ gehört das wohl alles zu dem Problem der Regulation, ist es Ausdruck eines seelischen Schmerzes. Ich würde sie zu sehr bemuttern...
Sie ist kognitiv sehr weit, aber fühlt sich mehr als Teil von Mama als in ihrem eigenen Körper zuhause. So in etwa hat die KÄ das ausgedrückt. Durch das Alleine-Einschlafen-Können und das eigene Bett würde sie dann mehr zu sich selbst finden...
Was ich schade dabei fand, war, dass sie mir den Eindruck vermittelt hat, mit unserem Kind stimme etwas nicht. :(
Daher meine Verunsicherung und der Wunsch, etwas zu verändern. Das ist natürlich ein Teufelskreis, denn je unsicherer ich bin, desto mehr verwirre ich unsere Tochter!
Antworten

Zurück zu „Stillforum“