Liebe Julia,
danke für Deine Zeilen!
Genau, das ist es ja nun gerade: Ich weiß schlichtweg nicht, ob am Anfang oder später die Milchmenge zum Vollstillen reichte, einerseits wegen der Plazentareste, andererseits, weil ich auf Anraten zufütterte. Und weil mir der Mut fehlte, es herauszufinden.
Ich werde es unter den gegebenen Umständen wohl nie herausfinden.
Klar, ich könnte, aber möchte ich uns beiden das wirklich antun ...? Ich finde auch ich, dass mein Sohn eigentlich (...) schon zu weit ist, noch einmal komplett umgestellt zu werden. Er möchte die Flasche selbst festhalten, hält einen Löffel und schiebt ihn in den Mund ... Warum will ich eigentlich umstellen? Weil MIR das fehlt ... weil ich reuiig bin. Ihm fehlt es vielleicht nicht sonderlich (?).
In ein paar Monaten hätte ich vermutlich ohnehin abgestillt, weil ich selbständig bin und langsam wieder Termine wahrnehmen müsste/möchte. Und wie beruhigt es mich, jetzt zu lesen, dass er auch im Halbschlaf das Stillen mitbekommt. Ich meine, es ist ja eh müßig, darüber nachzudenken, denn im Erwachsenenalter erinnern wir uns an GAR kein Stillen mehr. Aber unbewusst an Nähe, Also, warum sollte er da nicht im Dämmerzustand Dinge wahrnehmen und für immer abspeichern ... Gerüche, Haut auf Haut, das zärtliche Streicheln über sein Haar und die Wange, die Wärme ...
Nun heule ich. Soviel zu mir momenten. Kannste vergessen.
"Hätte, hätte, Fahrradkette ..."
Punkt.
Ich habe vor Weihnachten eine Therapie angefangen (aus anderen Gründen), da kann ich das Thema sicherlich auch gut besprechen, und vielleicht hat der Therapeut auch noch eine Idee, wie ich meinen Frieden mit dem Thema machen kann. Und ich kann mich vielleicht irgendwann trauen, mir zu sagen: Ich habe es unter diesen Voraussetzungen ganz toll gemacht, ganz viel gegeben. Und: Ich kann es leider nicht mehr ändern. Und: Alles ist gut. Brust oder nicht. Mein Sohn ist schon mit vier Kilogramm auf die Welt gekommen (vielleicht ja ein weiterer Faktor ...) und strotzt nur so vor Gesundheit. Mit 20 Wochen trägt er zum Teil Größe 74.
Punkt.
Und was vergesse ich darüber hinaus? Dass ich mindestens zehn Wochen JEDE Mahlzeit teilgestillt habe (seltsamerweise fand ich das damals und vor den Koliken auch gar nicht so schlimm, denn ich konnte mal weg, der Papa konnte mal ran, ich konnte mal eine Stunde schlafen ...) und danach bis heute immer "auf Wunsch".
Besser als nichts.
Punkt. Punkt. Punkt.
Herzliche Grüße,
Mammamia.
P.S.: Deine Einschätzung: Glaubst Du, ich habe meinen Sohn "traumatisiert", als ich die Brust eines Tages tagsüber (ehrlich gesagt wegen der Koliken total entkräftet) weitestgehend durch die Flasche ersetzt habe? Ich weiß nicht mehr genau, wie das war, aber ich denke so zurück: Ich habe an diesem Tag nicht oder nur ein- oder zweimal gestillt, an den Folgetagen immer mal wieder. Nachts und morgens aber immer – bis er dann eben nicht mehr wollte. Würde ich ein Traume bemerken? Danke Dir. Für alles.