Maryam+Leo hat geschrieben:
Naja also zu der eigentlichen Frage.... welche Vorteile für die Minimaus hat es wenn ich sie jetzt noch 2 Monate trotz rumgejammer weiter voll stille ? Oder gibt es keine ?
Ich seh' keine Vorteile. Ich kann nicht behaupten, dass es nicht unter Umständen doch irgendwo irgendwelche geben könnte, die sich mir grade nicht auf Anhieb aufdrängen - aber ich seh' zumindest keine.
Eine meiner Vorschreiberinnen schrieb "entspannt Euch!" - und ich finde, das bringt es eigentlich auf den Punkt.
Unser Ältester, inzwischen 16, wurde von uns nach damals aktuell vorherrschender "Pflege- und Aufzuchtsnorm für Säuglinge und Kleinkinder" behandelt. Mit 6 Wochen von Brust auf Flaschennahrung umgestellt (langes Stillen lässt Kinder unselbstständig werden. Außerdem brauchen die in dem Alter eine "vernünftige" Anfangsnahrung, wo man weiß, was in welchen Mengenverhältnissen drin ist, damit sie keinen Mangel erleiden), die Flaschennahrung wurde brav der jeweiligen Altersstufe strikt nach Termin angepasst, die Flaschen brav nach Plan durch Breimahlzeiten ersetzt (der Junior war nebenbei erwähnt ein schlechter, mäkeliger Esser), das wurde Kind komplett nach Plan durchgeimpft und geschlafen wurde im eigenen Kinderbett, weil Kinder im Elternbett unweigerlich an plötzlichem Kindstod sterben. Und trotzdem dass wir alles richtig gemacht hatten, bekam er mit 8 Wochen Neurodermitis, danach Pseudokrupp, stolperte von einer Bronchitis in die Nächste und wir arbeiteten uns erfolgreich bis zum 3. Lebensjahr zum Status "Kleinkind-Asthma" hoch.
Nach jeder Impfung und bei jedem Zahn waren wir mit über 40° Fieber trotz Fieberzäpfchen im Krankenhaus. Mit 6 Monaten mit einer Meningitis, die wenige Tage nach einer 5-fach-Impfung auftrat. Ein Schelm, der Böses dabei denkt. Ich dachte mir damals zumindest nichts dabei. Heute seh' ich das anders...
Unser Mittlerer, inzwischen 9, wurde 6 Wochen vor Termin geholt. Weil er so klein und so zart war, habe ich mich hier gegen einiges geweigert. Er hat allgemeiner Empfehlungen überwiegend bei uns im Bett geschlafen - und zwar entweder auf meinem Bauch oder auf dem Bauch meines Mannes. Und ob wohl er nur wenige Stunden ab und an mal im Kinderbettchen neben dem Elternbett schlief und ansonsten immer bei uns, hat er überlebt. Im Kinderbettchen hat dann auch tatwahrhaftig der Angel-Care, den wir aufgrund des frühen Geburtstermins und der Anpassungsstörungen nebst Vorhofseptumdefekt gekauft hatten, einmal Alarm geschlagen. Es folgte Krankenhaus und Ausstattung mit Monitor und der erhobene Zeigefinger, dass man das Kind aber doch auch nicht mit ins Elternbett nehmen dürfe und dass unser Sohn froh sein könne, dass er noch lebt und dass das nur der Tatsache zu verdanken sei, dass er im eigenen Bett gelegen und das Gerät Alarm geschlagen habe.
Impfen haben wir 2x versucht. Wir waren der Ansicht, das müsse wohl sein. Ärztlicherseits wurde uns auch nichts anderes gesagt. Wir haben uns allerdings einen späteren Termin zur ersten Impfung ausbedungen, da unser Zwerg so klein und Zart war. Langer Rede kurzer Sinn: 2x heftige Impfreaktionen und wir haben es ab dann einfach sein lassen.
Was essen angeht, hat uns der Junge Mann weitestgehend nach seinen Vorstellungen erzogen. Brust war toll, Flasche bäh (ich hatte über Abstillen und Umstellen auf Flasche nachgedacht, als er etwa ein halbes Jahr alt war. Wieder in der Sorge wie beim ersten Kind, dass der Zwerg eventuell sonst nicht alle Nährstoffe bekäme, die er brauchen würde. Da mein Sohn aber lieber 3x verhungert wäre, als Flasche zu trinken, haben wir den Gedanken schnell wieder verworfen und mit eigentlich schlechtem Gewissen weitergestillt).
Beikost wollte er mit 4 Monaten unbedingt. Ich war arg unsicher - gerade im Hinblick darauf, dass er ja 6 Wochen zu früh war und somit die 4 Monate eigentlich keine echten 4 Monate. Habe mich aber von meinem Kind überreden lassen. Ein Löffelchen pürrierte Möhren war in Ordnung. Mehr wurde zwar verlangt aber mit üblem Bauchweh quittiert. Aber er hat uns sooooo hungrig und sehnsuchtsvoll auf die Teller geschaut, wenn wir beim Essen saßen. Wir haben uns dann mit in Apfel und Möhre getauchten Plastiklöffeln zum ablutschen beholfen. Zwischenzeitlich verging das Interesse dann nochmal für kurze Zeit und beim nächsten Aufflackern wurde alles vertragen. Mit 6 Monaten hat er neben dem Stillen mit vom Familientisch gegessen. Und bis er ungefähr zweieinhalb war, auch immer noch zum Einschlafen bei mir getrunken. Obwohl wir hier fast alles falsch gemacht haben, ist aus dem Zwerg ein gesundes Kind geworden.
Bei unserer Jüngsten (13 Monate) waren wir noch unverantwortlicher. Sie hat - seit unserer Entlassung nach dem Kaiserschnitt - nie wieder allein in einem Kinderbettchen gelegen. Sie schläft nachts bei uns im Bett und tags nickert sie mal ein halbes Stündchen bei mir im Arm. Wir haben uns an keinen Ernährungsplan gehalten. Sie bekommt die Brust, so oft sie danach verlangt und sitzt am Familientisch, seit sie knapp 6 Monate ist. Probiert wird begeistert alles, was auf den Tisch kommt. Aber auch sie wollte mit knappen 4 Monaten schon deutlich erkennbar etwas Anderes, als "nur langweilige Milch".
Ich hab' anfangs in Muttermilch aufgeweichten Zwieback in relativ fest-breiiger Konsistenz gegeben. Da die Maus damals von sitzen können noch weit entfernt war, hatte ich sie halb aufrecht in meinem Arm sitzen/liegen und sie hat mir den Zwiebackbrei selig vom kleinen Finger genuckelt. Das Gleiche ging auch mit Möhrchen, Birnen und Apfel aus dem Glas. Später kam löffelchenweise stichfester Gläschenbrei dazu. Mengenmäßig waren wir aber auch da von echter "Beikost" im Sinne von Ernähren und auch nur ansatzweisem Ersetzen einer Mahlzeit weit entfernt. Es ging mehr ums Dabeisein und mit den Großen essen. Im Gegensatz zu unserem Mittleren, der zwischendrin nochmal komplett das Interesse an Beikost verloren hatte, futtert unsere Maus aber konsequent weiter mit, seit sie einmal damit angefangen hat.
Allerdings haben wir mit ihren inzwischen 13 Monaten immer noch keine komplette Mahlzeit ersetzt. Sie ist vom Tisch, so lang sie mag - das ist mal mehr und mal weniger - und an einem gewissen Punkt wird die Trinklerntasse vernehmbar laut beiseite gestellt, der Teller weggeschoben oder auf den Boden ausgeleert, wenn ich nicht schnell genug reagiere

... dann die Ärmchen in meine Richtung gereckt und verkündet: "Mama? Mimmi!"
Obwohl das sicher nicht der gängigen Norm entspricht, denke ich, passt das so. Für uns zumindest. Unser Umfeld schüttelt zwar kollektiv den Kopf, meine Mutter spart auch beim dritten Kind nicht mit guten Ratschlägen, was man früher alles noch gelernt hat und was wichtig für das Kind ist (wie zum Beispiel viel liegen auf dem Rücken. Von meiner ewigen Tragerei wird das Kind krumm! Und regelmäßige Schlafenszeiten. Ein Mittagsschlaf vor allem! So ein kleines Kind MUSS mittags zu einer festen zeit für mindestens 2 Stunden Mittagsschlaf halten und wenn es auch nicht die ganze Zeit schläft, dann doch zumindest liegen. Und dann MUSS man es auch zur Not mal schreien lassen. Das MUSS es lernen!), aber ich hab mir die kraftraubenden und zu nichts führenden Diskussionen und Rechtfertigungen abgewöhnt. Mit meiner Mutter über sämtliche Erziehungs- und Ernährungsfragen. Mit den Kinderärzten über Ernährung und Impfungen (allerdings habe ich hier auch 4 Kinderärzte durchprobiert, bis ich einen gefunden hatte, wo es dann endlich passte) und mit allen Anderen sowieso.
Wozu jetzt dieser ganze Roman? Ääh... ach ja, richtig; entspann dich!
Beobachte dein Kind und tu das was du intuitiv als richtig empfindest.
Jedes Kind ist anders. Und jede Situation auch. Und allgemeingültige Normen sind von daher eigentlich "für'n Pöppes". Und "ich hatte mir eigentlich fest vorgenommen" klappt zumindest bei uns sowieso nie...
LG Amy