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Re: AW: Wie tief in die Diskussion gehen?
Verfasst: 03.12.2013, 08:55
von cn684
Johana hat geschrieben:Literaturempfehlungen SIND ungebetene Ratschläge!
Das kommt sehr auf die Situation an.

Es ist schon ein Unterschied ob ich im Gespräch sage: "In einer ähnlichen Situation hat mir das und das Buch sehr geholfen" (quasi als Denkanstoss in eine neue Richtung) oder "Dann lies mal das und das, dann löst sich auch dein/euer Problem."
Ich weiß auch nie wie weit ich in solchen Gesprächen meine Meinung kundtun soll

meistens bin ich dann eher vorsichtig und denke mir meinen Teil. Selbst wenn mein Gegenüber nicht gelangweilt/ignorant/genervt reagiert kann es ihm ja trotzdem zu aufdringlich sein... Wenn mir die Kinder leid tun und ich die Situation als "falsch" empfinde versuche ich es ganz dezent anzusprechen. Aber wenn der Versuch abgeblockt wird lasse ich es auch gleich. Ich denke, man tut weder den Eltern noch den Kindern damit einen Gefallen sich aufzudrängen, überzeugt bekommt man niemanden ohne seinen Willen, nur verärgert. ICH bin nämlich den ganzen Tag genervt wenn die "nette" Nachbarin (ca. 80 Jahre, kinderlos) mir zu erklären versucht was ich mit meinem Kind falsch mache...

Re: Wie tief in die Diskussion gehen?
Verfasst: 03.12.2013, 09:59
von 08u11
Ich denke auch, in einem Gespräch, dass der Papa selbst angefangen hat, kannst Du durchaus sagen, was Du in der Situation versuchen würdest.
Ich persönlich würde es aber sehr kurz halten - eine Richtung ansprechen und es darauf beruchen lassen. Der Vater weiß jetzt, dass es da noch was anderes gibt als seine bisherige Sichtweise. Vielleicht lässt er es sich ja nochmals durch den Kopf gehen und recherchiert entweder selbst weiter oder kommt nochmals auch Dich zurück.
Mehr Energie reinstecken bringt dem Kind nichts und kostet Dich nur unnötig Nerven.
Re: AW: Wie tief in die Diskussion gehen?
Verfasst: 03.12.2013, 14:43
von Lösche Benutzer 14297
Johana hat geschrieben:"Bekehren" und ungebetene Ratschläge erteilen finde ich SCHLIMM! Wie du selbst sagst, es ist überhaupt nicht dein Recht.
Und dass du besser weißt was für ein fremdes Kind besser ist, wage ich doch sehr zu bezweifeln.
Sorry, aber ich finde deine Haltung quasi unerträglich.
Mag daran liegen dass eines meiner Kinder ADS hat.
Ich muss Dir jetzt doch nochmal direkt antworten. Ich finde Deine Antwort sehr unpassend und angreifend. Ich weiß auch nicht, was es damit zu tun haben soll, dass eines Deiner Kinder ADS hat. Ich möchte Dich einfach bitten meine Beiträge genau durchzulesen - auch die nachträglich geschriebenen. Wenn Du dann meinst, weiterhin so über mich urteilen zu müssen, nur zu. Aber ich finde es traurig.
Zur Erläuterung: Mit bekehren meine ich, dass ich, wenn es sich aus der Situation ergibt, darauf hinweise, dass ich mich insbesondere mit Juul und Hüther beschäftigt habe und beide in ihren Ansichten toll finde und bisher nur positive Erfahrungen in der Umsetzung gemacht habe. Ich gehe aber bestimmt zu niemandem hin und zwinge ihm meine Meinung auf. Die Definition von ungebetenen Ratschlägen ist wohl wirklich von Person zu Person unterschiedlich. Ich persönlich freue mich über Anregungen und neue Ansichten. Ich bin aber auch nicht der Mensch, der sich hinstellt und sagt: Das musst Du so und so machen! Nein - ich erzähle von meinen Erfahrungen und rede dann in der "ich"-Form.
Wie ich in meinem ersten Post schon geschrieben habe, hat der Vater uns seine Situation erläutert und uns gesagt, dass er nicht mehr weiter weiß. Es kam schon so rüber, dass er Lösungen von uns hören wollte. Da wir jedoch alle jüngere, noch nicht schulpflichtige Kinder haben, konnten wir ihm die nicht geben. Keine von uns. Ich habe auch lediglich darauf hingewiesen, in welche Richtung er sich informieren könnte.
Als ungebetenen Ratschlag würde ich empfinden, wenn ich auf der Straße laufe und vielleicht einen Konflikt mit meinem Kind habe und eine fremde Person zu mir kommt und mir sagt was ich zu tun habe oder wie ich es viel besser mache. Wenn ich aber jemandem meine Situation schildere und dann quasi auf Lösungen hoffe, dann sehe ich das nicht als ungebeten. Mein Problem war dann eben, dass er meine Richtung nicht ernst genommen hat und ich mich dann gefragt habe, wieviel Energie ich da hinein investieren soll.
Es beschäftigt mich wirklich sehr was Du geschrieben hast. Ich bin ein Mensch, der verstanden werden möchte und bei Dir habe ich gerade das Gefühl, du verstehst mich komplett falsch. Daher dieser Post - ja, schon fast eine Rechtfertigung für mein Empfinden und Verhalten.
Re: Wie tief in die Diskussion gehen?
Verfasst: 03.12.2013, 14:47
von Lösche Benutzer 14297
kaehde hat geschrieben:Hallo,
ich finde es in solchen Situationen wichtig zu schauen, um was es dem gegenüber denn jetzt genau geht.
Will er nur sein Herz ausschütten (vollkommen ok!) oder geht es ihm um konkrete Hilfe bzw. Fragen.
Für mich klingt es so, als ob er nur sein Herz ausschütten wollte, mal loswerden, was für Probleme da sind.
Und dann höre ich einfach zu. Und nehme wahr, wie es dem Papa geht, auch wie es dem Kind geht, aber das weiß er ja. Er weiß ja, dass es dem großen gerade nicht gut geht... Vorrangig gebe ich also ihm Rückmeldung.
Wenn ich das Gefühl habe, der andere sucht schon konkrete Hilfe, fragt mich um Rat, dann Sage ich mehr in diese Richtung. Aber: ich bleibe immer bei mir. Wie würde ich in der Situation evtl. Handeln, was habe ich in ähnlichen Situationen gemacht. Und dann formuliere ich das auch. "Ich würde vielleicht versuchen...."
Aber, das ist, wie Du ja auch an den Antworten gesehen hast, ein schmaler Grat.
In dem Fall, den Du hier beschrieben hast, würde ich dem Papa rückmelden, dass es sicher gerade anstrengend und belastend ist. Er macht sich ja sorgen um das Kind!
Viele Grüße,
Katja
Kurz und knapp vom Handy aus
Das kann schon sein. Also das er "nur" sein Herz ausschütten wollte. Wobei ich inzwischen glaube er wollte eine Bestätigung von uns wie toll er doch ist (das ist jetzt meine Einschätzung aufgrund seines sonstigen Verhaltens). Er hat aber schon konkret gesagt, dass er ja jetzt drei Mamas hier hat und für Meinungen offen ist.
Danke für Deine Antwort

Re: AW: Wie tief in die Diskussion gehen?
Verfasst: 03.12.2013, 15:01
von Johana
Entschuldige bitte. Ich wollte dich nicht verletzen.
Da ich zum Thema ADS bereits mit gut gemeinten Ratschlägen überhäuft wurde, und viele Menschen zu glauben wissen, was das richtige für mein Kind ist, bin ich da etwas empfindlich. Sorry.
Re: Wie tief in die Diskussion gehen?
Verfasst: 03.12.2013, 15:07
von Lösche Benutzer 14500
Also, ich versuche mal, das auseinanderzuklabüsern: Dir ging und geht es nicht vorranging darum, diesen Vater von deinen Ansichten zu überzeugen (die ich in der hier geschilderten Kürze übrigens auch nicht teile, ich halte es da eher hiermit:
http://www.zeit.de/2013/36/bildung-schu ... lerautoren), sondern Ausgangspunkt für dein Posting war: Du hast ein schlechtes Gefühl und dir tut das Kind leid, weil es in einer Art und Weise "behandelt" oder "erzogen" wird, von der du annimmst, dass sie ihm nicht gut tut, richtig?
Ob du damit recht hast oder nicht, ist ja nun müßig zu beurteilen - das kann ja niemand hier, du kannst es auch nicht. Das weißt du aber auch, das lese ich heraus, und darum geht es nicht. Es geht darum: Was macht man denn mit diesem doofen Gefühl? Hätte der Vater seinen Sohn geschlagen, wäre die Sache klar: Anzeige oder Jugendamt informieren o.ä. Dann hättest du etwas getan, etwas in die Wege geleitet und würdest dich vielleicht besser fühlen, weil du weißt, nun wird dieser Familie, diesem Jungen wahrscheinlich geholfen. In dem von dir geschilderten Fall wird sich aber aller Wahrscheinlichkeit nach nichts ändern, weil der Vater deinen Rat offenbar nicht als hilfreich empfunden hat.
Es geht jetzt also erstmal darum, wie es dir damit besser geht, nicht? Ich glaube, ich würde versuchen, möglichst rational auf die Sache zu blicken: Kennst du den Jungen? Hast du den Eindruck, es geht ihm wirklich schlecht? Woran machst du das fest? Könnte es auch andere Gründe dafür geben? Wenn jetzt eine ADHS-Diagnostik läuft - könnte das dem Jungen nicht schon helfen? Wäre eine hütherige Lösung wirklich eine gute für DIESEN Jungen? (Mal abgesehen davon, dass das Ganze noch überhaupt gar nicht evaluiert wurde und ich daher kritisch bin, ist es ja auch immer so, dass NIE jedes Konzept "gut" für ALLE Kinder ist. Es gibt wirklich Kinder, die brauchen sehr feste Strukturen - mit einem Kind, das die nicht braucht, guckt man dann schonmal mit Unverständnis auf "strengere" Eltern.)
Ich denke, wenn man versucht, das so rational anzugehen, wird recht schnell klar: Vermutlich hat man als Außenstehende immer zu wenig Informationen um sowas Komplexes wie Familienleben und Erziehungsverhalten oder Beziehungen zwischen Eltern und Kindern wirklich gut einschätzen zu können. Es kann gut sein, dass es dem Jungen nicht so schlecht geht, wie du denkst. Oder es geht im schlecht, aber die Eltern handeln schon - und vielleicht wird dem Kind damit geholfen, obwohl es auf eine Weise passiert, die du - auf theoretischer Ebene - nicht gutheissen würdest. Es ist jedenfalls gut möglich, dass die Beteiligten zwar gerade eine schwere Zeit durchmachen, aber sich nicht halb so schrecklich fühlen, wie du denkst.
Vielleicht ginge es so?
Re: AW: Wie tief in die Diskussion gehen?
Verfasst: 03.12.2013, 15:11
von Lösche Benutzer 14297
Johana hat geschrieben:Entschuldige bitte. Ich wollte dich nicht verletzen.
Da ich zum Thema ADS bereits mit gut gemeinten Ratschlägen überhäuft wurde, und viele Menschen zu glauben wissen, was das richtige für mein Kind ist, bin ich da etwas empfindlich. Sorry.
Danke!
Das ist mit Sicherheit ein rotes Tuch, wenn dann diese drei Buchstaben in einem Text vorkommen in dem es um Ratschläge geht. Das kann ich verstehen. Ein Problem liegt denke ich auch einfach darin, dass geschriebenes immer anders rüber kommt als gesprochenes.
Ich kann nur sagen, dass ich kein Mensch bin, der sich so hinstellt als wüßte er alles und nur mein Weg ist richtig.
Re: Wie tief in die Diskussion gehen?
Verfasst: 03.12.2013, 15:18
von Lösche Benutzer 14297
Danke Miffi!
Ich kenne den betroffenen Jungen nicht. Ich kenne drei seiner Geschwister aus dem Kiga und ich kenne die Erzählungen seines Vaters: Ständig TV, Mutter kümmert sich nicht und liegt lieber bis 9h im Bett, keine regelmäßigen Mahlzeiten...
Ich bin dem Vater gegenüber gar nicht so konkret geworden

Ich habe ihm nur gesagt, dass er meiner Meinung nach versuchen soll, dass Kind im Focus zu behalten und nicht die Anforderungen der Schule. Er zwingt ihn zum Beispiel mittags 2 Stunden zum Hausaufgaben machen nachdem er mit seinen Geschwistern 2 Stunden TV schauen durfte. Das ist jetzt nur eine ganz kurze Kurzfassung...
Es kam auch die Aussage, dass seine Oma ihm früher einfach eine geknallt hätte und gut wärs gewesen.... heute ja leider nicht mehr erlaubt.
Vielleicht reagiere ich einfach zu sensibel auf solche Themen und lass es zu nah an mich ran.
Re: Wie tief in die Diskussion gehen?
Verfasst: 03.12.2013, 21:43
von Minimeu
Oh, ich kenne deine Situation glaub ich nur zu gut von mir selbst. Und mein Mann erst...der sagt dann haargenau das Gleiche, was auch deiner sagt: Kinder werden auf die unterschiedlichsten Weisen groß. Wir gehen diesen und andere Familien einen anderen Weg. Klar denken wir, so wie wir es machen ist es richtig, sonst würden wir es nicht so machen. Und die anderen Familien denken das auch. Und dennoch finde ich es wichtig, das verschiedene Sichtweisen ausgetauscht werden, ni
cht als Besserwisserei, sondern zum Perspektivenwechsel und einem "ah, so machen die das". Das hilft, die eigene Position zu finden, zu ändern, zu festigen. Ich gehe gerne in den Austausch mit Eltern, zu denen ich bereits eine gewissen Vertrauensbasis aufgebaut habe. Dann kann ich meine Meinung besser rüberbringen, wertschätzend und eben als ein "so mach ich das". Bei Eltern, bei denen ich merke, wir haben keinen gemeinsamen Nenner ( und du schreibst ja, dass du ihn nicht so magst), höre ich zu und versuche zu verstehen, aber bin nicht missionarisch. Aber dennoch beschäftigen mich solche Situationen später lange noch.(weil ich eben doch denke, das meine Sichtweise die "richtigerere" ist- aber das ist dann mein lernen, dass das vermessen ist zu denken). Bei mir hängt das sicherlich mit meinem Beruf zusammen, bei dir vielleicht ja auch?

Re: Wie tief in die Diskussion gehen?
Verfasst: 04.12.2013, 18:05
von Hasipfote
Also ich glaube zu wissen, was du meinst. Habe sowas schon oft erlebt...
Kurzfassung: Kind hat ein Problem und verhält sich dadurch problematisch. Eltern versuchen es mit Strafen, "Konsequenzen", Kalender mit Stickern und anderen Belohnungs- und Bestrafungsystemen usw. und man selbst fragt sich eigentlich nur: hat jemand mal geschaut, was dem Kind fehlt? Ihm mal zugehört?
Natürlich erhebe ich nicht den Anspruch, zu wissen, was andere Eltern richtig und falsch machen. Aber meistens ist es doch so, dass Kinder "Probleme machen", wenn sie Probleme haben. Ja, so einfach ist das leider nicht immer, aber oft habe ich es erlebt, dass die Lösung so einfach wäre. Statt an den Symptomen rumzudoktern und sich die nächste Erziehungsmethode auszudenken, muss man manchmal einfach nach der Ursache suchen.
Aber wie man das in Worte verpackt und ob man da überhaupt etwas sagen sollte... Keine Ahnung.