Malo81 hat geschrieben:Sprachlich müsste man alles umstellen (wenn man konsequent ist).
Das ist ja ein interessanter Gedanke. Denn dann muss das Kind ja auch 'das xy' sein. (Was ist ein geschlechtsneutraler Name? Oder sind das reine Kosenamen, weil laut Standesamt das Geschlecht ja aus dem Namen hervorgehen muss?)
Also sagen wir mal, mein Kind wäre 'das Knopf', ja?
Ich müsste sagen: 'Dann frag es doch mal', statt 'Dann frag ihn doch mal'? 'oder 'Ich mache das Essen für es fertig?'
Uh, nein, das klingt mir viel zu künstlich konstruiert.
Wichtig ist mir alleine, dass das Kind sein darf. So sein darf, wie es will, wie es ist. Dass es selber ausleben darf, was es bewegt und was ihm wichtig ist.
Meine Beobachtungen, beruflich und privat, sind ganz oft die: Es gibt eine nicht selten eine Gruppendynamik, die quasi schon 'vorschreibt', wer was gut zu finden hat. Fernsehsendungen und leider auch Bücher bestätigen das (zum Glück nicht immer, aber doch oft) schnell, da ist es nicht immer einfach, wirklich Dinge zu finden, die nicht schon massiv vorschreiben, was das Kind gut zu finden hat. So schaukelt sich vieles auch noch künstlich hoch, zudem eben durch Sätze wie: 'Aber ein Junge/ Mädchen macht doch dies oder das nicht...'
Ein Kind darf sich oft eben nicht ausprobieren, weil vermeintliche gesellschaftliche Normen das ablehnen.
Und das ist für mich das Hauptproblem. Wenn mal all die dummen Sätze unterbleiben würden, die so rasch dahergesagt werden, wenn auch Medien sich an dem orientieren würden, was Kinder wirklich brauchen, dann wäre vieles viel offener und leichter für Kinder. Viel eher möglich, sich auszuprobieren ohne Angst vor Scham und einem dummen Spruch.
Oft geben Kinder doch nur 1:1 wieder, was ihnen selber vorgegeben wurde. Und lernen schnell, dass sie auch noch gelobt werden, wenn sie sich 'normkonform' verhalten.
Das ist das eine.
Das andere ist, dass sich die Kinder, die ich kenne (und das sind nicht wenige

) ab einem gewissen Alter doch sehr für 'den kleinen Unterschied' interessiert haben. Wer einen Penis hat und wer nicht, wem mal Brüste wachsen. Warum ein Junge keine Babys stillen kann. Kinder sehen doch ganz schnell, dass Mama anders ausschaut als Papa, Mädchen anders als Jungs. Und dann kommen die Gespräche automatisch. Wie macht man das im geschlechtsneutralen Umfeld?
Es gibt diesen körperlichen Unterschied doch nun mal.
Viel wichtiger finde ich also, zusammenfassend, den Respekt vor dem einzelnen Menschen. Und die Annahme seines Wesens. Unabhängig von allen Vorurteilen und Bildern, die da (oft ja schon seit Generationen) in den Köpfen kreisen und immer wieder unreflektiert weitergegeben werden.
Es sollte normal sein, dass Jungen auch (z.B.) lackierte Nägel schick finden können. Aber wieviele Kinder trauen sich gar nicht erst das zu äußern, weil sie schon mitbekommen haben, dass das nicht gut ankommt?
Und es sollte auch normal sein, dass Mädchen nicht automatisch in dieses rosa Rollenmuster geschoben werden, nur weil sie eben Mädchen sind.