Ich war als Kind alles andere als ein Mädchen. Kleider und Röcke trage ich bis heute sehr, sehr selten (bzw. das beschränkt sich auf meine Dirndl zu feierlichen Anläßen), ich habe damals Mamas Schreibmaschine zerlegt (und wieder richtig zusammengebaut), hatte kurze Haare, war extrem sportlich und habe mich gerne mit Jungs gekloppt, die eigentlich immer verloren haben (oder ich habe die Niederlagen verdrängt
Kinder geschlechtsneutral aufwachsen lassen
- Kleine
- Power-SuTler
- Beiträge: 5800
- Registriert: 13.01.2011, 15:47
- Wohnort: zw Muc und dem Bayerwald
Re: Kinder geschlechtsneutral aufwachsen lassen
Ich habe auch darauf wert gelegt, dass mein Sohn nicht nur blau trägt, aber das hat ihn nicht davon abgehalten, das zu werden, was er ist: ein Junge. Er ist wild (im Sinne von sehr aktiv), er liebt technische Sachen und ganz wichtig: Autos, Autos, Autos... Ich verspreche Euch, weder mein Mann noch ich haben ihn in diese Ecke gedrängt, es kam einfach so, ohne Einwirkung von außen.
Ich war als Kind alles andere als ein Mädchen. Kleider und Röcke trage ich bis heute sehr, sehr selten (bzw. das beschränkt sich auf meine Dirndl zu feierlichen Anläßen), ich habe damals Mamas Schreibmaschine zerlegt (und wieder richtig zusammengebaut), hatte kurze Haare, war extrem sportlich und habe mich gerne mit Jungs gekloppt, die eigentlich immer verloren haben (oder ich habe die Niederlagen verdrängt
). Blaue Augen, verkratze Schienbeine und sonstige Blessuren waren an der Tagesordnung und meine Mutter: die hat sich immer ein "richtiges" Mädchen gewünscht... 
Ich war als Kind alles andere als ein Mädchen. Kleider und Röcke trage ich bis heute sehr, sehr selten (bzw. das beschränkt sich auf meine Dirndl zu feierlichen Anläßen), ich habe damals Mamas Schreibmaschine zerlegt (und wieder richtig zusammengebaut), hatte kurze Haare, war extrem sportlich und habe mich gerne mit Jungs gekloppt, die eigentlich immer verloren haben (oder ich habe die Niederlagen verdrängt
LG
Anika
mit Grinsebacke (04/11) & Mini-Kämpfer (11/14) an der Hand, Blondinchen und den wilden Jungkatern auf der Bettdecke sowie Apportierkatze, rotem Einohrtiger und Kampfkuschelkater fest im Herzen
Anika
mit Grinsebacke (04/11) & Mini-Kämpfer (11/14) an der Hand, Blondinchen und den wilden Jungkatern auf der Bettdecke sowie Apportierkatze, rotem Einohrtiger und Kampfkuschelkater fest im Herzen
- Laquiqui
- alter SuT-Hase
- Beiträge: 2216
- Registriert: 11.01.2008, 19:26
- Wohnort: Zuhause
Re: Kinder geschlechtsneutral aufwachsen lassen
Aber was bedeutet das, sie ist ein Mädchen?
Ich habe ja einen Jungen und ein Mädchen und ich muss auch sagen, in den letzten zwei Jahren habe ich meine Abneigung gegen rosa usw. ziemlich aufgegeben. Ich habe sogar entdeckt, dass mir rosa ganz gut steht (obwohl ich es nicht trage, geschmackvolle Mädchenkleidung, das trifft es und ich muss sagen, ich freue mich über Röcke und Kleider usw. Ich denke eher, dass es für meinen Sohn viel schwieriger ist, seine Rolle zu finden. Weil er in viele dieser Jungs-Stereotype nicht reinpasst. Aber das z.B. im Kindergarten nicht so anerkannt wird.
Das völlig geschlechtsneutrale Aufwachsen halte ich auch für nicht wirklich realistisch, wir sind ja auch einfach geprägt als Männer und Frauen und merken garnicht, wie sehr diese Stereotype in uns fortwirken. Dazu gibt es ja auch Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Sicher, die werden erst in der Pubertät manifest, vorher würde ich sie nicht groß machen wollen. Aber ich bin oft genug genervt von dieser Stereotypisierung. Ich finde es garnicht so einfach, da den Weg zu finden.
Und ich verfolge interessiert die Diskussion.
Ich habe ja einen Jungen und ein Mädchen und ich muss auch sagen, in den letzten zwei Jahren habe ich meine Abneigung gegen rosa usw. ziemlich aufgegeben. Ich habe sogar entdeckt, dass mir rosa ganz gut steht (obwohl ich es nicht trage, geschmackvolle Mädchenkleidung, das trifft es und ich muss sagen, ich freue mich über Röcke und Kleider usw. Ich denke eher, dass es für meinen Sohn viel schwieriger ist, seine Rolle zu finden. Weil er in viele dieser Jungs-Stereotype nicht reinpasst. Aber das z.B. im Kindergarten nicht so anerkannt wird.
Das völlig geschlechtsneutrale Aufwachsen halte ich auch für nicht wirklich realistisch, wir sind ja auch einfach geprägt als Männer und Frauen und merken garnicht, wie sehr diese Stereotype in uns fortwirken. Dazu gibt es ja auch Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Sicher, die werden erst in der Pubertät manifest, vorher würde ich sie nicht groß machen wollen. Aber ich bin oft genug genervt von dieser Stereotypisierung. Ich finde es garnicht so einfach, da den Weg zu finden.
Und ich verfolge interessiert die Diskussion.
Liebe Grüße von Kirsten
"Es gibt mehrere Arten, etwas richtig zu machen" Mama Muh
"Es gibt mehrere Arten, etwas richtig zu machen" Mama Muh
- Lyra
- alter SuT-Hase
- Beiträge: 2818
- Registriert: 31.12.2008, 12:24
- Wohnort: Niedersachsen
Re: Kinder geschlechtsneutral aufwachsen lassen
... nur ganz kurz vom Handy....Laquiqui hat geschrieben:Aber was bedeutet das, sie ist ein Mädchen?
.
Sie hat eine Vagina, genau wie die Mama, denn die ist auch ein Mädchen.
Der kleine Mann hat einen Penis, genau wie der Papa, denn der ist auch ein Junge.
Alles andere dürfen sie sich selber aussuchen. Die Püppi hat sich in dem Alter, wo der kleine Mann ist, nicht für Puppen interessiert. Er schleppt ab und an eine rum.
Trotzdem hat sich vieles von alleine "typisch" entwickelt. Püppi ist sehr emphatisch, puzzelt gerne, liebt Ballett. Der kleine Mann liebt seine Autos, malt gerne und ist eher rabiater aber auch nicht so empfindlich, wenn er sich stößt.
Hab I-Phonitis.....
Viele liebe Grüße
Lyra mit dem Mann, der Püppi (09/08), dem kleinen Mann (04/11) und einem * (05/10) für immer im Herzen.
Schau doch mal in meinem Blog die Rumpelbutze vorbei.

Es ist ein alchemistischer Augenblick, in dem sich Wissen in Verstehen verwandelt.
Lyra mit dem Mann, der Püppi (09/08), dem kleinen Mann (04/11) und einem * (05/10) für immer im Herzen.
Schau doch mal in meinem Blog die Rumpelbutze vorbei.
Es ist ein alchemistischer Augenblick, in dem sich Wissen in Verstehen verwandelt.
- Laquiqui
- alter SuT-Hase
- Beiträge: 2216
- Registriert: 11.01.2008, 19:26
- Wohnort: Zuhause
Re: Kinder geschlechtsneutral aufwachsen lassen
Meine Frage bezog sich eher auf den Beitrag von Sakura: Sie ist ein Mädchen ist ein Mädchen ist ein Mädchen.Lyra hat geschrieben:... nur ganz kurz vom Handy....Laquiqui hat geschrieben:Aber was bedeutet das, sie ist ein Mädchen?
.
Sie hat eine Vagina, genau wie die Mama, denn die ist auch ein Mädchen.
Der kleine Mann hat einen Penis, genau wie der Papa, denn der ist auch ein Junge.
Alles andere dürfen sie sich selber aussuchen. Die Püppi hat sich in dem Alter, wo der kleine Mann ist, nicht für Puppen interessiert. Er schleppt ab und an eine rum.
Trotzdem hat sich vieles von alleine "typisch" entwickelt. Püppi ist sehr emphatisch, puzzelt gerne, liebt Ballett. Der kleine Mann liebt seine Autos, malt gerne und ist eher rabiater aber auch nicht so empfindlich, wenn er sich stößt.
Hab I-Phonitis.....
Wer welche Geschlechtsorgane hat, das ordnet meine Tochter auch sehr gern und interessiert zu. "E. hat einen Penis. Und Papa hat einen Penis. Und ich haben keinen Penis. Und die Oma auch nicht."
Es scheint also an diesem Unterschied durchaus was faszinierendes zu sein.
Liebe Grüße von Kirsten
"Es gibt mehrere Arten, etwas richtig zu machen" Mama Muh
"Es gibt mehrere Arten, etwas richtig zu machen" Mama Muh
- Malo81
- alter SuT-Hase
- Beiträge: 2327
- Registriert: 28.06.2009, 17:01
- Wohnort: Ba-Wü
Re: Kinder geschlechtsneutral aufwachsen lassen
Mmh, ich verstehe das Ziel noch nicht ganz. klar, es sollen die gängigen Geschlechterrollen- und bilder überholt werden. Ich verstehe nur nicht, warum ich dafür das Geschlecht verheimlichen muss.
Unser Sohn darf anziehen was er möchte- sein liebstes Teil ist ein Pulli mit Müllauto. Er trägt gern mein rosafarbenes Haarband und schiebt seinen Puppenwagen durch die Gegend. Mal mit Puppe, mal mit einem Bagger. Er stillt seine Puppen und schießt mit seinem Legoschießdingens. Er darf also alles. Und mischt alles. Er sieht dass mein Mann genauso selbstverständlich abwäscht, Windeln wechselt,kocht. Genauso sieht er, dass ich ebenso selbstverständlich bohre, Schränke aufbaue, tapeziere etc. Ist ein solches Vorleben nicht zielführender?
Je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr fragen stellen sich mir. Zunächst: warum will man die Unterschiede (die es nunmal gibt) künstlich nivellieren? Also mit aller Macht? Dann: wieviele neutrale Namen gibt es? Wenn viele Familien ihre Kinder so aufwachsen lassen- dann gibt es immer gleiche Namen.
Spätestens in der Schule (ich vermute eher KiGa): wie benennen dann andere Kinder das Kind bzw. wie gehen sie mit ihm um? Wie ist es für das Kind, wenn es derart neutral aufwächst? Kann es sich irgendeiner Seite zurodnen (welche ist ja zunächst egal).
und: wie leben die Eltern das vor? Sprachlich müsste man alles umstellen (wenn man konsequent ist). Wie ist das dann in der Schule für das Kind, wenn alles sächlich war und es nun lernen muss, dass es auch eine männliche und eine weibliche Form gibt?
Und die Frage die hier auch schon aufegworfen wurde: wo leben die Familien? in welchem Umfeld? Ist es ein begrenztes? Wenn ja, wird sich in der Allgemeinheit wenig ändern, oder? Ich befürchte auch, dass bei extremen Formen zumindest bei vielen sicg ganz schnell ein innerer Widerstand bildet.
Was sagen die Eltern, wie sollen Außenstehende das Kind ansprechen? also Lehrer und Co.
Und grenzt man sein Kind dadurch nicht aus?
Es geht mir nicht um dieses Jungs sind eben Jungs und Mädchen sind Mädchen. Wobei es da in der Zeit mal einen Artikel gab, wo 4fache Mädchen Eltern einen Jungen bekommen haben und dieser dementsprechend "mädchenlastige" Kleidung und Speilzeug hatte, aber mit allem geschossen hat und sich auf jedes Auto gestürzt hat. Vielleicht ist doch irgendwo tief drinnen etwas verwurzelt, was nicht allein Sozialisation ist.
Ansonsten bin ich bei Sandküste und Zierbanane: wir sind keine geschlechtsneutralen Wesen. Ich denke, man sollte vorleben, dass ein Junge weinen kann und tanzen kann und ein Mädchen boxen und Rennautos fahren kann. Dass man das machen soll, was einem gefällt. Genauso bei der Kleidung. Und sonstigen. Aber es gibt allein biologische Unterschiede. Und die kann ich schlecht nivellieren. Und gehören diese auch nicht tzur eigenen Identifikation? Wie ist das dann in der Pubertät?
ich lese gespannt mit.
Unser Sohn darf anziehen was er möchte- sein liebstes Teil ist ein Pulli mit Müllauto. Er trägt gern mein rosafarbenes Haarband und schiebt seinen Puppenwagen durch die Gegend. Mal mit Puppe, mal mit einem Bagger. Er stillt seine Puppen und schießt mit seinem Legoschießdingens. Er darf also alles. Und mischt alles. Er sieht dass mein Mann genauso selbstverständlich abwäscht, Windeln wechselt,kocht. Genauso sieht er, dass ich ebenso selbstverständlich bohre, Schränke aufbaue, tapeziere etc. Ist ein solches Vorleben nicht zielführender?
Je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr fragen stellen sich mir. Zunächst: warum will man die Unterschiede (die es nunmal gibt) künstlich nivellieren? Also mit aller Macht? Dann: wieviele neutrale Namen gibt es? Wenn viele Familien ihre Kinder so aufwachsen lassen- dann gibt es immer gleiche Namen.
Spätestens in der Schule (ich vermute eher KiGa): wie benennen dann andere Kinder das Kind bzw. wie gehen sie mit ihm um? Wie ist es für das Kind, wenn es derart neutral aufwächst? Kann es sich irgendeiner Seite zurodnen (welche ist ja zunächst egal).
und: wie leben die Eltern das vor? Sprachlich müsste man alles umstellen (wenn man konsequent ist). Wie ist das dann in der Schule für das Kind, wenn alles sächlich war und es nun lernen muss, dass es auch eine männliche und eine weibliche Form gibt?
Und die Frage die hier auch schon aufegworfen wurde: wo leben die Familien? in welchem Umfeld? Ist es ein begrenztes? Wenn ja, wird sich in der Allgemeinheit wenig ändern, oder? Ich befürchte auch, dass bei extremen Formen zumindest bei vielen sicg ganz schnell ein innerer Widerstand bildet.
Was sagen die Eltern, wie sollen Außenstehende das Kind ansprechen? also Lehrer und Co.
Und grenzt man sein Kind dadurch nicht aus?
Es geht mir nicht um dieses Jungs sind eben Jungs und Mädchen sind Mädchen. Wobei es da in der Zeit mal einen Artikel gab, wo 4fache Mädchen Eltern einen Jungen bekommen haben und dieser dementsprechend "mädchenlastige" Kleidung und Speilzeug hatte, aber mit allem geschossen hat und sich auf jedes Auto gestürzt hat. Vielleicht ist doch irgendwo tief drinnen etwas verwurzelt, was nicht allein Sozialisation ist.
Ansonsten bin ich bei Sandküste und Zierbanane: wir sind keine geschlechtsneutralen Wesen. Ich denke, man sollte vorleben, dass ein Junge weinen kann und tanzen kann und ein Mädchen boxen und Rennautos fahren kann. Dass man das machen soll, was einem gefällt. Genauso bei der Kleidung. Und sonstigen. Aber es gibt allein biologische Unterschiede. Und die kann ich schlecht nivellieren. Und gehören diese auch nicht tzur eigenen Identifikation? Wie ist das dann in der Pubertät?
ich lese gespannt mit.
-
Marilu
Re: Kinder geschlechtsneutral aufwachsen lassen
Spätestens im Kindergarten fangen diese wertenden Einteilungen an - und spätestens dann, wenn ein Kind in einen normalen Kindergarten kommt, ist es aus mit dem geschlechtsneutralen Aufwachsen. Denn dort gibt es "Mädchenfarben" und "Jungsspielzeug" und "Jungsverhalten" und "Mädchenzickerei".
Mich nerven solche Einteilungen dann, wenn sie Einzelne davon abhalten, das zu tun oder zu mögen, was sie tatsächlich wollen, aber ich kann sie nicht von meinen Kindern fernhalten. (Darum bin ich sehr froh, einen Sohn zu haben, der so Sachen sagt wie "Die Jungs sagen, Glitzer ist für Mädchen. Aber das ist Quatsch, gell? Ich finde Glitzer auch schön.")
Die vermeintliche Bestätigung all dieser Geschlechterklischees ("Aber es stimmt doch, Mädchen spielen wirklich lieber mit Puppen") ist in meinen Augen ganz oft die Folge selektiver Wahrnehmung und infolgedessen selektiver Förderung. Man sieht einfach die Eigenschaften in einem Menschen, die man sehen will und die einem passend erscheinen.
Beim Kaffeetrinken bei einer Freundin waren mal einige Kinder da und ein großes Playmobil-Piratenschiff gab es auch. Irgendwann sagte eine Mutter "jaja, da sieht man es mal wieder, die Jungs spielen mit dem Piratenschiff und die Mädchen mit den Handpuppen." Stimmte. In diesem Moment. Dass davor 2 Mädchen ganz ausgiebig mit dem Piratenschiff gespielt hatten, war schlicht nicht wahrgenommen worden.
Ich bin auch sehr froh, zwei sehr unterschiedliche Söhne zu haben, denn sie zeigen mir (und meinem sehr auf Mädchen-Jungs-Rollen gepolten Umfeld), dass die Unterschiede zwischen Individuen viel größer sind, als die zwischen Jungen und Mädchen. Ich bin mir 100% sicher, wäre der zweite ein Mädchen geworden, wären einige - auch im Vergleich mit dem Großen - schnell dabei "ganz Mädchen" zu rufen: viel aufgeschlossener anderen Kindern gegenüber; malt viel lieber; nicht so verkopft; sehr eigen in der Auswahl der täglichen Kleidung; viel kuscheliger.
Auch beim Großen kann man mit dem richtigen Blick das typische Mädchen finden: Liebt rosa und Glitzer, liebt Bücher und kochen, ist lieber daheim und hängt an Mama, ist ein "Angsthase"...
Und so, wie es ist, sind beide "typische Jungs": Raufen und tragen Jeans und lieben Baustellen und Autos
Für mich sind sie einfach Knirps und Knurps und genauso sollten alle Kinder in erster Linie nicht Mädchen oder Jungen sondern Individuen sein (die auch als Mädchen Schminksets und als Jungen Starwars lieben dürfen
).
Mich nerven solche Einteilungen dann, wenn sie Einzelne davon abhalten, das zu tun oder zu mögen, was sie tatsächlich wollen, aber ich kann sie nicht von meinen Kindern fernhalten. (Darum bin ich sehr froh, einen Sohn zu haben, der so Sachen sagt wie "Die Jungs sagen, Glitzer ist für Mädchen. Aber das ist Quatsch, gell? Ich finde Glitzer auch schön.")
Die vermeintliche Bestätigung all dieser Geschlechterklischees ("Aber es stimmt doch, Mädchen spielen wirklich lieber mit Puppen") ist in meinen Augen ganz oft die Folge selektiver Wahrnehmung und infolgedessen selektiver Förderung. Man sieht einfach die Eigenschaften in einem Menschen, die man sehen will und die einem passend erscheinen.
Beim Kaffeetrinken bei einer Freundin waren mal einige Kinder da und ein großes Playmobil-Piratenschiff gab es auch. Irgendwann sagte eine Mutter "jaja, da sieht man es mal wieder, die Jungs spielen mit dem Piratenschiff und die Mädchen mit den Handpuppen." Stimmte. In diesem Moment. Dass davor 2 Mädchen ganz ausgiebig mit dem Piratenschiff gespielt hatten, war schlicht nicht wahrgenommen worden.
Ich bin auch sehr froh, zwei sehr unterschiedliche Söhne zu haben, denn sie zeigen mir (und meinem sehr auf Mädchen-Jungs-Rollen gepolten Umfeld), dass die Unterschiede zwischen Individuen viel größer sind, als die zwischen Jungen und Mädchen. Ich bin mir 100% sicher, wäre der zweite ein Mädchen geworden, wären einige - auch im Vergleich mit dem Großen - schnell dabei "ganz Mädchen" zu rufen: viel aufgeschlossener anderen Kindern gegenüber; malt viel lieber; nicht so verkopft; sehr eigen in der Auswahl der täglichen Kleidung; viel kuscheliger.
Auch beim Großen kann man mit dem richtigen Blick das typische Mädchen finden: Liebt rosa und Glitzer, liebt Bücher und kochen, ist lieber daheim und hängt an Mama, ist ein "Angsthase"...
Und so, wie es ist, sind beide "typische Jungs": Raufen und tragen Jeans und lieben Baustellen und Autos
Für mich sind sie einfach Knirps und Knurps und genauso sollten alle Kinder in erster Linie nicht Mädchen oder Jungen sondern Individuen sein (die auch als Mädchen Schminksets und als Jungen Starwars lieben dürfen
- Heidisdottir
- hat viel zu erzählen
- Beiträge: 241
- Registriert: 10.10.2012, 21:49
Re: Kinder geschlechtsneutral aufwachsen lassen
Klar, dass viele einfach nur prinzipiell ablehnend einem solchen Vorhaben gegenüber stehen. Aber ich glaube, diese Leute muss man einfach mal links liegen lassen. Viel wichtiger ist es tatsächlich, dass durch solche Dinge Diskussionen losgetreten werden, die konstruktiv sind, dass Menschen anfangen, sich Gedanken machen, die über ihr festgelegtes Weltbild hinausgehen. Dass einfach jeder mal anfängt, seine eigene, unerschütterliche Wirklichkeit in den Grundfesten zu erschüttern und zu schauen, was übrig bleibt und was man darauf neu aufbaut.
Solche Vorreiter, die Kinder geschlechtsneutral erziehen - also diese Leute, wegen denen diese Diskussion startete - sollten auch meiner Meinung nach Einzelfälle bleiben. Es ist wunderbar, wenn viele hier schreiben, dass sie ihren Kindern selbstverständlich vorleben, dass es keine strenge Trennung zwischen den Geschlechtern gibt. Das ist ein wunderbarer Anfang.
Und schwierig finde ich es, wenn man ständig alles im Alltag hinterfragt und überall Stereotypisierung vermutet und sich so sein Leben schwer macht. Es ist verdammt schwer, da einen guten Weg zu finden. Aber ich glaube einfach, dass in mir noch so viele Rollenklischees verankert sind, die gut und gerne mal verschwinden könnten. Ich hoffe einfach, dass mein Kind es da in Zukunft einfacher haben wird und dafür muss auch ich aktiv was tun.
Man kann aber in einer freien Minute auch gerne mal hinterfragen, warum es nach Mann und Frau getrennte Umkleidekabinen und Toiletten gibt, warum oder ob Eltern von Zwittern schon entscheiden dürfen, welches Geschlecht ihr Kind haben soll und hmm... mehr fällt mir jetzt gerade nicht ein. Nur vielleicht noch die Tatsache, dass es Menschen auf der Welt gibt, die ihr Kind abtreiben, weil es ein Mädchen wird und die das völlig selbstverständlich tun, weil es irgendwie ein Teil ihrer Kultur ist. Es ist einfach so.
Beste Grüße,
Heidisdottir
Ps.: Lese gerade in der Vorschau den Text von Marilou. Sehr schön geschrieben, spricht mir weitestgehend aus der Seele.
Solche Vorreiter, die Kinder geschlechtsneutral erziehen - also diese Leute, wegen denen diese Diskussion startete - sollten auch meiner Meinung nach Einzelfälle bleiben. Es ist wunderbar, wenn viele hier schreiben, dass sie ihren Kindern selbstverständlich vorleben, dass es keine strenge Trennung zwischen den Geschlechtern gibt. Das ist ein wunderbarer Anfang.
Und schwierig finde ich es, wenn man ständig alles im Alltag hinterfragt und überall Stereotypisierung vermutet und sich so sein Leben schwer macht. Es ist verdammt schwer, da einen guten Weg zu finden. Aber ich glaube einfach, dass in mir noch so viele Rollenklischees verankert sind, die gut und gerne mal verschwinden könnten. Ich hoffe einfach, dass mein Kind es da in Zukunft einfacher haben wird und dafür muss auch ich aktiv was tun.
Man kann aber in einer freien Minute auch gerne mal hinterfragen, warum es nach Mann und Frau getrennte Umkleidekabinen und Toiletten gibt, warum oder ob Eltern von Zwittern schon entscheiden dürfen, welches Geschlecht ihr Kind haben soll und hmm... mehr fällt mir jetzt gerade nicht ein. Nur vielleicht noch die Tatsache, dass es Menschen auf der Welt gibt, die ihr Kind abtreiben, weil es ein Mädchen wird und die das völlig selbstverständlich tun, weil es irgendwie ein Teil ihrer Kultur ist. Es ist einfach so.
Beste Grüße,
Heidisdottir
Ps.: Lese gerade in der Vorschau den Text von Marilou. Sehr schön geschrieben, spricht mir weitestgehend aus der Seele.
Heidisdottir mit Kronprinz Janasson (05/12)
- Giraeffchen
- Moderatoren-Team
- Beiträge: 5639
- Registriert: 10.01.2011, 15:31
Re: Kinder geschlechtsneutral aufwachsen lassen
Das ist ja ein interessanter Gedanke. Denn dann muss das Kind ja auch 'das xy' sein. (Was ist ein geschlechtsneutraler Name? Oder sind das reine Kosenamen, weil laut Standesamt das Geschlecht ja aus dem Namen hervorgehen muss?)Malo81 hat geschrieben:Sprachlich müsste man alles umstellen (wenn man konsequent ist).
Also sagen wir mal, mein Kind wäre 'das Knopf', ja?
Ich müsste sagen: 'Dann frag es doch mal', statt 'Dann frag ihn doch mal'? 'oder 'Ich mache das Essen für es fertig?'
Uh, nein, das klingt mir viel zu künstlich konstruiert.
Wichtig ist mir alleine, dass das Kind sein darf. So sein darf, wie es will, wie es ist. Dass es selber ausleben darf, was es bewegt und was ihm wichtig ist.
Meine Beobachtungen, beruflich und privat, sind ganz oft die: Es gibt eine nicht selten eine Gruppendynamik, die quasi schon 'vorschreibt', wer was gut zu finden hat. Fernsehsendungen und leider auch Bücher bestätigen das (zum Glück nicht immer, aber doch oft) schnell, da ist es nicht immer einfach, wirklich Dinge zu finden, die nicht schon massiv vorschreiben, was das Kind gut zu finden hat. So schaukelt sich vieles auch noch künstlich hoch, zudem eben durch Sätze wie: 'Aber ein Junge/ Mädchen macht doch dies oder das nicht...'
Ein Kind darf sich oft eben nicht ausprobieren, weil vermeintliche gesellschaftliche Normen das ablehnen.
Und das ist für mich das Hauptproblem. Wenn mal all die dummen Sätze unterbleiben würden, die so rasch dahergesagt werden, wenn auch Medien sich an dem orientieren würden, was Kinder wirklich brauchen, dann wäre vieles viel offener und leichter für Kinder. Viel eher möglich, sich auszuprobieren ohne Angst vor Scham und einem dummen Spruch.
Oft geben Kinder doch nur 1:1 wieder, was ihnen selber vorgegeben wurde. Und lernen schnell, dass sie auch noch gelobt werden, wenn sie sich 'normkonform' verhalten.
Das ist das eine.
Das andere ist, dass sich die Kinder, die ich kenne (und das sind nicht wenige
Es gibt diesen körperlichen Unterschied doch nun mal.
Viel wichtiger finde ich also, zusammenfassend, den Respekt vor dem einzelnen Menschen. Und die Annahme seines Wesens. Unabhängig von allen Vorurteilen und Bildern, die da (oft ja schon seit Generationen) in den Köpfen kreisen und immer wieder unreflektiert weitergegeben werden.
Es sollte normal sein, dass Jungen auch (z.B.) lackierte Nägel schick finden können. Aber wieviele Kinder trauen sich gar nicht erst das zu äußern, weil sie schon mitbekommen haben, dass das nicht gut ankommt?
Und es sollte auch normal sein, dass Mädchen nicht automatisch in dieses rosa Rollenmuster geschoben werden, nur weil sie eben Mädchen sind.
-
Marilu
Re: Kinder geschlechtsneutral aufwachsen lassen
@ Giraeffchen: So in der Art wollte ich es auch sagen
Richtig "echt" geschlechtsneutral ihren Kinder gegenüber müssen (? Keine Ahnung, ich kenne keine Familie, in der das so ist) ja Eltern von intersexuellen Kindern sich verhalten. Jedenfalls wird heute, wenn ich richtig informiert bin, nicht mehr automatisch eine OP durchgeführt und die Kinder wachsen in dem Bewusstsein auf, weder Junge noch Mädchen zu sein. Wie diese Eltern das machen, weiß ich auch nicht. Ob sie dann ihr Kind wirklich als "es" bezeichnen? Auf jeden Fall ist das dann keine künstliche Situation, so wie im Ausgangspost beschrieben.
Richtig "echt" geschlechtsneutral ihren Kinder gegenüber müssen (? Keine Ahnung, ich kenne keine Familie, in der das so ist) ja Eltern von intersexuellen Kindern sich verhalten. Jedenfalls wird heute, wenn ich richtig informiert bin, nicht mehr automatisch eine OP durchgeführt und die Kinder wachsen in dem Bewusstsein auf, weder Junge noch Mädchen zu sein. Wie diese Eltern das machen, weiß ich auch nicht. Ob sie dann ihr Kind wirklich als "es" bezeichnen? Auf jeden Fall ist das dann keine künstliche Situation, so wie im Ausgangspost beschrieben.
- greenie bird
- ist nicht mehr wegzudenken
- Beiträge: 1797
- Registriert: 18.04.2011, 17:08
- Wohnort: 夏洛滕堡
- Kontaktdaten:
Re: AW: Kinder geschlechtsneutral aufwachsen lassen
Ich hab leider im Moment auch nur kurz Zeit für einen Einwurf. Vor nicht allzu langer Zeit wurde für "schädlich" gehalten, dass "Mädchen" ja eigentlich sächlich ist und Mädchen so in eine Identitätskrise stürzen könnten, weil sie eben weder als männlich noch weiblich bezeichnet würden. Sich also als Ding fühlen...
Ich weiß auch nicht welchen Vorteil Kinder davon haben sollten, denn ich habe kein Problem, wenn mein Mädchen Fußball spielt und mein Sohn mit Puppen.
Wichtig finde ich dann ihnen beizubringen, dass sie so Ok sind, wie sie sind,egal ob jemand sagt, dass Mädchen/Jungen dies oder jenes nicht machen.
Gesendet von meinem U9200
Ich weiß auch nicht welchen Vorteil Kinder davon haben sollten, denn ich habe kein Problem, wenn mein Mädchen Fußball spielt und mein Sohn mit Puppen.
Wichtig finde ich dann ihnen beizubringen, dass sie so Ok sind, wie sie sind,egal ob jemand sagt, dass Mädchen/Jungen dies oder jenes nicht machen.
Gesendet von meinem U9200
Sprache ist ein mangelhaftes Instrument zum Ausdrücken von Gefühlen bzw. scheine ich schlecht darin zu sein, bitte fragt bei zweifelhaften Äußerungen von mir nach...
Gazelle (08/07)+Katerchen (07/10)
Gazelle (08/07)+Katerchen (07/10)




