coccolone hat geschrieben:Seerose hat geschrieben:Ja, lest mal, ich hab gerade noch 100 Seiten gelesen und bin schon wieder total aufgewühlt.
Und hab mich auch an Gefühle erinnert, die ich am Anfang des Buches hatte, also vor allem da wo der "gesunde" Bruder über sein Leben berichtet. Ich hatte das schon wieder verdrängt, aber mich nun beim Weiterlesen daran erinnert. Und mich auch ein bißchen geschämt dafür, aber ich berichte später davon.
Magst du da noch was zu schreiben?
Ja, natürlich, total gerne, aber ich hab mich zurückgehalten weil ich nicht vorgreifen wollte und ich ja fast das ganze Buch gelesen hab. Hab so gute 500 Seiten durch, aber komme die letzten Tage nicht zum Lesen. Hab Freitag, Sa und heute ständig das dicke Buch im Rucksack rumgetragen, aber es war einfach nicht die Zeit und Muße zum Lesen. Also ich hab festgestellt, daß es mich wahnsinnig nervt immer nur mal 20 oder 30 Seiten zu lesen, an der Haltestelle, in der S-Bahn etc. Ich lese lieber längere Stücke, gerade bei Picoult.
Es ist komisch, denn es gibt so viele Personen über die ich ständig nachdenke (also klar, das "Schicksal" der Mutter, Jacob selbst, Theo) aber merkwürdiger Weise beschäftigt mich gerade am meisten die Situation des Bruders, sein Leben, sein "Schicksal". Vermutlich auch, weil man (denke ich mal) doch nie über die Geschwister nachdenkt. Man denkt automatisch an den Betroffenen selbst und natürlich an die Eltern und in der alten Familienkonstellation wie früher eben (Vater arbeitet, Mutter ist Hausfrau) an die Mutter. Aber macht man sich jemals viel Gedanken um die Geschwister?
Auf jeden Fall waren meine Gedanken - warum auch immer - die ich oben ansprach, daß ich plötzlich eine Art Verständnis für diejenigen Frauen hatte, die in der Schwangerschaft eine negative Diagnose bezüglich ihres Kindes bekommen (nein, natürlich nicht Autismus, ich dachte an mehr oder weniger schwerwiegende "Anomalien" im allgemeinen) und sich ernsthaft Gedanken machen ob sie das Kind bekommen wollen oder nicht. Dabei geht es nicht um mich und klar muß ich mich nicht dafür schämen, aber es wurde mir zum ersten Mal klar, WAS es für Konsequenzen hat eben für die GANZE Familie. Und nicht falsch verstehen, es geht nicht um das Austragen eines autistischen Kindes, nein, um Himmels Willen, sondern es geht einfach darum, daß "man" jetzt immer bei eben erwähnter Situation an das Kind denkt und irgendwie wohl hofft das ganze stemmen zu können, aber macht man sich wirklich Gedanken was für lebenslange Konsequenzen das hat? Man könnte jetzt sagen, es hätte eher Konsequenzen für die Eltern als für die Geschwister, aber letztendlich, wer bleibt übrig nach dem Tod der Eltern? Auch das spricht Theo an, also wird in dem Buch erwähnt...
Tja, was sonst? Es bleibt bei mir so ein wenig die Sprachlosigkeit wie wenig die Gesellschaft in dem Buch über Autismus Bescheid weiß, bzw. wie naiv damit umgegangen wird. Hmmm, aber vielleicht ist das wirklich so? Ich würde sagen, ich weiß nur was alle wissen und habe bestimmt kein Spezialwissen darüber, aber wie die Menschen auf den Jungen reagieren, da bleibt oft nur Sprachlosigkeit. Möglicherweise kann ich dies aber gar nicht beurteilen, da ich das ganze ja nur theoretisch sehe und keine Autisten in meiner Umgebung kenne. Vielleicht sieht die Sache tatsächlich anders aus in der Praxis?
Ich möcht jetzt keine speziellen Sachen aus dem Buch ansprechen, da ich ja nichts vorwegnehmen möchte.
Hast Du Dein Buch schon, Vreni?