Jaja, die Haltung zum Kind.... Das erinnert mich an den ersten Kurstag vor vielen vielen Jahren, als ich die Montessoriausbildung gemacht habe. Die Dozenten meinten, wir würden uns in unserer gesamten Persönlichkeit und Haltung verändern. Ich dachte mir: "So ein Blödsinn. Ich möchte mich nicht verändern! Ich möchte doch bloß diese Pädagogik kennenlernen!"

Weit gefehlt! Und auch jetzt ist es in den Kursen zu Beginn immer spannend zu sehen, dass die Leute mit der Montessoripädagogik in erster Linie das tolle Material verbinden. Die Veränderung der Teilnehmer passiert dann aber relativ rasch

Die vermehrte Achtsamkeit den Dingen gegenüber, die Geschwindigkeit in ihren Handlungen, usw. werden deutlich. Ein Beispiel: Am ersten Kurstag bereiten wir eine Stilleübung vor, ein Tuch liegt auf dem Boden, in der Mitte eine Kerze, rundherum die nötigen Gegenstände. Am ersten Kurstag steigen die Teilnehmer noch über das Tuch drüber. Mit jedem Kurstag werden sie achtsamer, langsamer und berichten das aber auch von ihrer Arbeit in der Klasse!
Nun zurück zu Montessori zu Hause: Auch hier spielt die Achtsamkeit den Dingen gegenüber eine große Rolle. Ebenso die Geschwindigkeit, gerade wenn es darum geht, den Kindern eine (neue) Handlung zu zeigen. Die "Übungen des täglichen Lebens" ergeben sich bei uns von selbst, da ich den Haushalt NUR mit den Kindern mache. So sitzen sie entweder auf der Arbeitsplatte in der Küche oder stehen mit einem kleinen Sessel daneben, wenn ich in der Küche arbeite. Sie helfen mir beim Zusammenlegen der Wäsche ebenso wie beim Abwischen des Tisches, beim Saugen, beim Arbeiten auf der Baustelle usw. Als Montessori gelebt hat, war es nicht üblich, so kleine Kinder zu integrieren, aus diesem Grund sind solche Übungen Teil ihres "Programms". Was die Kinder aber trotzdem noch sehr gerne zusätzlich machen sind die Schütt- und Löffelübungen, ebenso die Arbeit mit verschiedenen Pinzetten, usw.
Noch zur vorbereiteten Umgebung zu Hause: Mein Großer genießt es in vollen Zügen, hier eine vorbereitete Umgebung zu finden, die schon sehr speziell ist. Die Kleinen wissen das natürlich noch nicht zu schätzen, aber das wird schon noch kommen. Wir leben ja im Paradies: Bauernhof, Wald und Wiesen, Werkstätte mit allem, was man sich vorstellen kann und was Bubenherzen höher schlagen lässt: Holz, Metall, alle nur erdenklichen Werkzeuge und Maschinen, altes Gerümpel zum Verwerten in Hülle und Fülle, Fahrzeuge und Platz, Platz, Platz. In so einer Umgebung, die aber natürlich schon lange vor den Kindern vorhanden war und nicht für sie gemacht wurde, lässt es sich leicht kreativ sein
