Lesen lernen?

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ehUrt2

Re: Lesen lernen?

Beitrag von ehUrt2 »

Gaby hat geschrieben:
tania hat geschrieben:lesen lernen halte ich nicht für ein zeichen von besonderer intelligenz, sondern von umständen und interesse. ich kenne einige hochbegabte, die sehr spät erst gelesen haben. lesen lernen ist eine fähigkeit, die meiner menung nach alle kinder von alleine lernen würde, wenn sie es in ihrem tempo tun dürft. die streuung ist ähnlich breit wie beim laufen lernen, ich kenne ein kind, was mit unter drei schilder gelesen hat (allerdings von rechts nach links - der sohn einer freundin) und ein kind einer anderen freundin, was auf einer freien schule jetzt mit elf noch nicht fließend liest. auch er wird irgendwann lesen, der vorteil zum zwangslesen lernen mit 6/7 ist, dass er es höchstwahrscheinlich nicht ablehnen wird wie viele, die früher lesen lernen mussten.
Das unterschreibe ich, genauso ist auch meine Erfahrung und Beobachtung, und so hat es mir vor kurzem auch die Lehrerin meines Sohnes erklärt.
Der Aspekt interessiert mich. Ich würde Lesen lernen nicht mit Laufen lernen vergleichen, weil Lesen eine Kulturtechnik ist. Natürlich haben Kinder Interesse an Buchstaben, weil die Erwachsenen sich täglich damit beschäftigen, aber würden sie es wirklich ganz allein lernen? Das sind nur meine Überlegungen und es würde mich sehr interessieren, falls jemand dazu genaues weiss.
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Seerose
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Re: Lesen lernen?

Beitrag von Seerose »

fragaria hat geschrieben:Hallo ihr,

das ist jetzt vielleicht eine ziemlich komische Frage .. Aber gibt es hier jemanden, dessen Kind eigenständig Lesen gelernt hat?
Meine Tochter interessiert sich in letzter Zeit in besonderem Maße für Buchstaben und ist inzwischen in der Lage, einzelne
zu erkennen und auch im Fließtext herauszusuchen.

Vielleicht ist das hysterisch, aber ich hab Sorgen, dass sie lesen lernt - sie ist ja noch nicht mal drei. Ich möchte eigentlich
vermeiden, dass sie sich in den ersten Schuljahren langweilt (ging meinem Bruder so, Katastrophe). Gleichzeitig möchte
ich sie in ihrem Lerneifer nicht bremsen. Jetzt eiere ich so ein bisschen rum zwischen "hej, alles super, sie fragt, ich
antworte, sie merkt sich die Sachen" und "uuuaahh, bloß nicht übertreiben".

Wie wahrscheinlich ist es, dass ein bücheraffines Kind mit Interesse an Schrift selbst lesen lernt? Und falls ja, wann?
Grenze ich mein Kind damit aus dem zukünftigen Klassenverband aus (oder war nur mein Bruder doppelt unangepasst)?
Ihr dürft auch gerne ne Runde über mich lachen, sofern euch das hypochondrisch vorkommt ;-)
:mrgreen: Ich versteh Dich gut und nein, es ist nicht hysterisch. (Allerdings kenn ich den Thread noch nicht und der ist bestimmt interessant)

Meine Tochter hat mit 2 angefangen Worte draußen wie Apotheke und so zu lesen und auch aus einer ganz negativen persönlichen Erfahrung, hab ich ihr dann schlichtweg zu Hause ihre Holzbuchstaben wieder weggenommen - was übrigens hier auf Kritik gestoßen ist als ich darüber schrieb. :wink:
Ob sie jetzt wirklich in dem Alter lesen und schreiben gelernt hätte, weiß man nicht. Ich hab sie bewußt weggehalten von Buchstaben, also eher dagegen gearbeitet und nicht unterstützt und so hat sie ganz normal mit 5 lesen und schreiben gekonnt, was ja nun in einem normalen Rahmen ist vom Alter her gesehen.

Ich hatte wie Dein Bruder ein großes Problem in der gesamten Grundschulzeit (danach sind wir umgezogen) und konnte zum 4. Geburtstag fließend lesen und schreiben. (Das weiß ich nur weil ich 6 Wochen im Kinderheim zur Ferienerholung war und Postkarten nach Hause geschrieben hatte, die noch bei meiner Mutter irgendwo existieren) Die Wahrscheinlichkeit ist also da, daß ein Kind, das sich langweilt (ich war mangels KiGa-Plätze nicht im Kindergarten), aber auch nicht gefördert wird, von ganz allein lesen und schreiben lernt. Meine Mutter meint, ich wäre 3 gewesen und hätte diese Ravensburger Taschenbücher gelesen. Naja, und den Stern, den wir abonniert hatten (wir reden von den 60ern:)), der auch nicht die ideale Kinderlektüre war.

Die "Katastrophe" in der Grunschule hatte für mich Auswirkungen auf meine gesamte Schulzeit UND Unizeit. Also, ich verstehe Dich! :wink:
__________________________________________________

Liebe Grüße,
Seerose
luna24
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Re: Lesen lernen?

Beitrag von luna24 »

Ganz von allein würden sie es wahrscheinlich nicht lernen - der Prozentsatz von Erwachsenen, die nicht richtig lesen und schreiben können ist ja auch hierzulande erschreckend hoch. Aber ich denke, jedes Kind, das in einem Umfeld aufwächst, in dem gelesen und geschrieben wird, wird ganz von sich aus irgendwann Interesse zeigen, lesen und schreiben zu lernen, und dann von sich aus die nötige Motivation aufbringen. Ganz ohne Zwangslernen in der Schule - was vermutlich eher den gegenteiligen Effekt hat, nämlich das Kinder, die in dem Alter einfach noch nicht so weit sind, entmutigt werden und aufgeben...
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tania
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Re: Lesen lernen?

Beitrag von tania »

luna24 hat geschrieben:Ganz von allein würden sie es wahrscheinlich nicht lernen - der Prozentsatz von Erwachsenen, die nicht richtig lesen und schreiben können ist ja auch hierzulande erschreckend hoch.

hierzulande liegt analphabetismus meiner meinung nach vor allem am ZWANG, in einem bestimmten alter lesen zu lernen. kinder, die dazu noch nicht bereit sind, entwickeln widerwillen, weil sie schlicht NICHT IN DER LAGE SIND, diese in der schule so extrem zentrale fähigkeit zu lernen. ohne lesen kannst du alles weitere ohne probleme lernen - außerhalb der schule. in der schule geht ohne lesen eigentlich gar nichts (logisch, bei einem lehrer auf 30 kinder muss viel über schrift laufen). und dass kinder nicht lesen lernen in einem umfeld, in dem es kaum bücher und schrift gibt - auch logisch.

Aber ich denke, jedes Kind, das in einem Umfeld aufwächst, in dem gelesen und geschrieben wird, wird ganz von sich aus irgendwann Interesse zeigen, lesen und schreiben zu lernen, und dann von sich aus die nötige Motivation aufbringen. Ganz ohne Zwangslernen in der Schule - was vermutlich eher den gegenteiligen Effekt hat, nämlich das Kinder, die in dem Alter einfach noch nicht so weit sind, entmutigt werden und aufgeben...
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Re: Lesen lernen?

Beitrag von tania »

raeubertochter2010 hat geschrieben:Der Aspekt interessiert mich. Ich würde Lesen lernen nicht mit Laufen lernen vergleichen, weil Lesen eine Kulturtechnik ist.

nein, ich habe nur in bezug auf die streuung verglichen. aber der vergleich mit der sprache passt ganz gut. auch sprache ist eine kulturtechnik. ein kind, mit dem nicht gesprochen wird, lernt auch nicht sorechen. trotzem muss (und kann!) man einem kind nicht das sprechen "beibringen". wie soll das denn funktionieren?

Natürlich haben Kinder Interesse an Buchstaben, weil die Erwachsenen sich täglich damit beschäftigen, aber würden sie es wirklich ganz allein lernen?

was meinst du mit "würde"? meinst du, es gibt kinder, die es nicht von alleine lernen würden? ich kenne sehr viele menschen, dren kinder auf freie schulen gehen, dann gibt es die unschooling bewegung in den USA, die kinder der ersten generation sind in den dreißigern. die haben alle lesen ohne beibringen gelernt. natürlich kann ich dir nicht sagen, ob das auf alle kinder zutrifft (es gibt ja eindeutig kinder, die nie lesen lernen). aber lesen in den ersten beiden grundschulklassen lernen zu müssen, führt definitiv auch nicht dazu, dass alle kinder lesen lernen.

Das sind nur meine Überlegungen und es würde mich sehr interessieren, falls jemand dazu genaues weiss.
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fragaria
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Re: Lesen lernen?

Beitrag von fragaria »

Danke für eure Antworten! Und die Tatsache, dass hier einige schriftinteressierte Kinder nicht lesen gelernt haben, beruhigt mich ehrlich gesagt.

Problematisch finde eben auch dieses "woooooooowww, das Kind kann LESEN!" Meine Tochter ist ein aufgewecktes Kind mit sprachlicher Begabung, weiß viel und ist blond gelockt.
Ich finde das alles ziemlich normal und mache kein Aufhebens drum. Es ist allerdings frappierend, wie andere Leute auf sie reagieren. Sie wird auch von Fremden regelrecht vergöttert.
Das schreibe ich nicht, um anzugeben, sondern weil es mir Sorgen macht ... hab halt immer die Furcht, dass sie eingebildet wird :roll: :oops: Eingebildetsein finde ich total ätzend.
Und wenn sie jetzt noch lesen lernen würde ... nicht auszudenken :wink:

Jetzt werd ich halt einfach weitermachen wie bisher und alle Fragen beantworten und sehen, was dann passiert :wink:
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fragaria
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Re: Lesen lernen?

Beitrag von fragaria »

Und das mit "eine passende Schule finden": JA! Wie mach ich das? Also, geben tut es sicher eine, aber wie finde ich sie?
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Re: Lesen lernen?

Beitrag von Karinke »

Was ich noch, Erfahrungslos aber, einwerfen will ist, dass mir das Buch von Rita Messmer: Mit Kindern Lernen lernen sehr geholfen hat zu entspannen, und zumindest im Herz die Haltung einzunehmen, meine Tochter zu begleiten in dem, was sie lernen will.

Aber eben das schreibe ich dir als noch unerfahrene erstlingsmama mit 15monate-Kind, welches aber seit sie 11 Monate alt ist die Mandarinen selbst schält. :mrgreen:

Rita Mesmer zeigt in ihrem Buch den Natürlichen Lernprozess eines Kindes, und wie wir als Eltern ohne Fördern und ohne druck sie trotzdem darin begleiten können. Kann es dir wirklich sehr empfehlen.
Bild Grosses M, KS, 12.1010 Bild J, VHBAC, 8.2012 Bild Kleines M, 2.HG 9.2015
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Re: Lesen lernen?

Beitrag von Luja »

Ich war auch ein Kind, das früh lesen konnte, so ca. mit vier. Wie ich das gelernt hab, weiß ich nicht mehr so genau. Meine Mama hat mir immer viel vorgelesen und ich hab mich wohl irgendwann einfach dafür interessiert ;)
Ich weiß noch genau, wie ich sooo stolz war, Kleinbuchstaben zu können und das meiner besten Freundin erzählt hab - die meinte daraufhin "Ist doch babyleicht" und schrieb ihren Namen gaaanz klein 8)
Gelangweilt hab ich mich wenig in der Grundschule - ich erinnere mich zwar an einige Übungen, die ich total sinnlos fand, weil sie (für mich) so banal waren, aber im Umgang mit anderen Kindern war alles normal ;)
Dafür hatte ich mit Mathe lang Probleme. Das hat sich dann erst auf der weiterführenden Schule gegeben.
Liebe Grüße
Julia


(die noch unbestimmte Zeit auf ihr Baby warten muss ;))
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Re: Lesen lernen?

Beitrag von jusl »

Nur so generell: Buchstaben erkennen und benennen ist NICHT lesen. Andere "Bilder" erkennen Kinder ja auch auch ;-), ob ich das Ding auf dem Papier nun "Kringel" nenne oder "G", ist egal. Mit einfachen Wörtern wie MAMA verhält es sich ähnlich - das Ding mit den vielen Zacken heißt halt "Mama".

Beim echten Lesenkönnen geht es um die Kombination von Buchstaben zu Lauten - d.h. ein lesekompetentes Kind kann z.B. auch Wörter lesen, die es nie zuvor gesehen, aber eben gehört hat und erkennt diese beim inneren Hören als solche, und sinnfreie Phantasiewörter. Derart flüssig lesen Kinder mit 4 meiner Erfahrung nach sehr selten, auch wenn sie mit 2 schon alle Buchstaben erkennen und aufmalen konnten. Vom VERSTEHEN des Geschriebenen mal ganz abgesehen :)
Problematisch finde eben auch dieses "woooooooowww, das Kind kann LESEN!" Meine Tochter ist ein aufgewecktes Kind mit sprachlicher Begabung, weiß viel und ist blond gelockt.
Ich finde das alles ziemlich normal und mache kein Aufhebens drum. Es ist allerdings frappierend, wie andere Leute auf sie reagieren. Sie wird auch von Fremden regelrecht vergöttert.
Das schreibe ich nicht, um anzugeben, sondern weil es mir Sorgen macht ... hab halt immer die Furcht, dass sie eingebildet wird :roll: :oops: Eingebildetsein finde ich total ätzend.
Und wenn sie jetzt noch lesen lernen würde ... nicht auszudenken :wink:
Find ich etwas übertrieben, ehrlich gesagt. Etwas besonderes zu können und sich mit anderen darüber zu freuen, macht doch nicht automatisch eingebildet. :?

LG
Julia
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