Sibi hat geschrieben:wunderbabysmama hat geschrieben:In der Fernsehdiskussion gab es auch so ein Beispiel. Finde das Zitat jetzt auf die Schnelle nicht, aber er sagt sinngemäß, die Mutter solle ihr Kind schnell stillen, wenn es weint. Aber mit dieser Formulierung: "kommt die Mutter mit der Brust angedackelt".
Das war aber Dawirs.
Manche Formulierungen sind vielleicht nicht supergeschickt bei Renz-Polster, wobei ich das häufig eher ironisch lese und verstehe. Aber wenn man nicht weiß, wer das liest und wie das aufgenommen wird, birgt Ironie natürlich ein gewisses Risiko.
Ich hab diese und andere Stellen auch als ironisch gelesen. Im Zusammenhang wird es ja klar.
Er erklärt, das es eben kein Idiotenjob ist, sondern erlernt werden muss un dazu braucht es Vorbilder. Diese sind heute leider nicht mehr selbstverständlich verfügbar.
Es ist halt oft so, dass Frauen denken "das ist naturgegeben, das klappt schon..." sich zuwenig vorbereiten, informieren. Und wenn dann Probleme auftreten fühlen sie sich als schlechte Mutter, bei der etwas ganz natürliches einfach nicht klappen will.....
Die Formulierung von Dawirs, war auch ironisch gemeint!

Alles in allem hat er in der Diskussion viele wichtige Statements gegeben und kam seeeeeeeehr kinderfreundlich rüber. *find*
Ich hab Renz-Polster verschlungen und empfehle es gerne weiter.
Ich bin eine fast fertige Biogeographin und beschäftige mich schon seit meiner Kindheit gerne mit menschlichen Evolution und damit, was das für unser heutiges Leben bedeutet.
Daher war ich so froh, als mir dieses Buch in die Hände fiel. Es ist eben kein Ratgeber, sondern eher ein Konstruktionsplan. Es sagt: So sind unsere Kinder von Natur aus gemacht, mit diesen Erwartungen kommen sie auf die Welt, diese und jene Verhaltensweise hat einen biologischen Sinn und Zweck und zwar diese.
Obwohl ich schon viel zum Thema gelesen habe, waren mir doch einige Aspekte neu. Er geht z.B. sehr auf das Thema "altersgemischte Kindergruppe" ein, erklärt, warum der Umgang mit verschieden Altersggruppen so wichtig ist und das viele Sachen von anderen Kindern eben viel leichter erlernt werden als von Erwachsenen. In "Menschenskinder" kritisiert er die bei uns verbreitete Vorgehensweise, Kinder nach Alter einzugruppieren (in Schulklassen, Sportvereinen, Kursen, Einzelkinder, etc.)
Oder seine Sichtweise des Trotzalters/der Abstillkonflikt. Dass ein Kind von Natur aus so handeln muss, um eben nach 2-3 Jahren (wenn unter natürlichen Bedingungen i.d.R. das nächste Kind kommt) nicht vergessen zu werden, es mehr Aufmerksamkeit einfordert, als es brauch, weil die Mutter nicht mehr jedem Ruf nach Aufmerksamkeit folgen kann.
Oder die Tatsache, dass in der Muttermilch von Geburt an geringste Mengen Amylase zur Stärkeverdauung vorhanden sind und nach ca. 3 Monaten auch der kindlliche Speichel Amylase produziert. Das zeigt, dass die Natur den Umgang mit Beikost weniger streng vorgesehen hat, als heut allgemein empfohlen. Ich hab meiner Maus troztzdem erst nach 5,5 Monaten das erste Fingerfood gereicht, weil sie vorher nichts anderes verlangt hat. Aber unter natürlichen Bedingungen, wenn Nahrung also nicht immer verfügbar war, wär es von einer Mutter grob fahrlässig ihrem Kind nichts von einer gerade gefundenen Nahrungsquelle abzugeben. Toll finde ich es auch, dass er immer wieder betont, dass mit Beikost KLEINE Mengen gemeint sind, die LANGSAM gesteigert werden und das natürlich weiterhin gestillt werden soll.
Ich finde ihn auch uneingeschränkt empfehlenswert, da er (im Gegensatz zu manch anderen Autoren) Eltern, die sich gegegn Stillen, Tragen, Familienbett entscheiden nicht angreift oder ein schlechtes Gewissen einzureden versucht (das ist gerade bei Liedloff extrem der Fall). Er betrachtet die Zusammenhänge sachlich, in Form einer Kosten-Nutzen-Rechnung und lässt die Eltern selbst entscheiden.
Bei "Menschenkinder" betont er sogar nochmal, dass der Einfluss der Eltern viel kleiner ist, als viele Eltern glauben, da Kinder von Natur aus ab einem gewissen Alter nach außerfamilischen Vorbildern suchen.
Ich finde das sehr entspannend: Man darf Fehler machen (schließlich ist man auch nur ein Mensch

). Solange die Grundbedürfnisse erfühlt sind, gibt es viele Wege zum Ziel. Das Menschen(kinder) sehr flexibel und belastbar sind hat die Evolution, die Ausbreitung des Menschen über alle Kontinente, sämtliche Klimazonen, eindrucksvoll gezeigt.