juhle hat geschrieben:Es gab hier vor einer Weile eine ganz fürchterliche Krise beim Großen wegen seinem Vater, weil er nicht verstehen konnte, wieso der nicht da ist. Er hat es auf sich bezogen und wollte ihm schreiben, was er alles schon kann, damit er stolz und neugierig werden sollte auf seinen Sohn.

Das tat schrecklich weh. Ich habe dem KV Briefe geschrieben, dass er sich doch bitte besinnen soll und seinen Jungs wenigstens das Gefühl geben soll, dass sie wichtig sind. Vielleicht wenigstens einen Brief schreiben, dass er so schwer beschäftigt ist, dass er sich nicht kümmern kann, und habe ihm angeboten, dass ich mich auch gern um den Rest kümmere, nur so viel Entgegenkommen brauchte ich dafür.
Er hat dem Großen dann einen Brief geschrieben, und ihm versprochen, bei der Einschulung dabei zu sein. Und mein Großer war für ein paar Momente der glücklichste Typ der Welt. Und der Tag der Einschulung kam und das Handy war aus. Und er kam nicht. Und mein Großer erwähnte ihn mit keinem Wort. Irgendwann sagte er dann, dass er sowieso nicht daran glaubt, dass der kommt.

Seitdem hatte er ganz lange nicht mehr von ihm gesprochen und wurde nur zusehens unglücklicher. Ich habe dann mit ihm gesprochen und ihm viel von seinem Vater erzählt. Wo wir uns kennengelernt hatten und weshalb ich ihn so gern mochte und was er für besondere Fähigkeiten hat - und mein Großer hat sich immer damit verglichen, das Bedürfnis sich mit ihm zu identifizieren.. es hat ihm soooooo gut getan. Ich habe ihm auch erzählt, dass sein Vater aber auch sehr viel Unfug macht und nicht zuverlässig ist, weil er viel an sich selbst denkt und gar nicht gern an andere. Die große Erleichterung bei meinem Sohn war aber letzten Endes, wenn er auch sehr traurig war, dass sein Vater nicht speziell bei ihm so unzuverlässig ist sondern auch bei anderen Menschen seines Umfeldes.
Ich habe ihm erklärt, dass es eben solche und solche menschen gibt, so wie die Oma nicht nur immer mit mir herumzankt sondern mit allen Leuten, so ist sein Vater einfach allen Leuten gegenüber gleichermaßen unzuverlässig und egoistisch.
Das fand er seeeeehr tröstlich. Und ich habe ihm auch gesagt, dass ich sehe, dass er überlegt, ob vielleicht etwas mit ihm nicht stimmt, weshalb sein Vater nicht zu ihm kommt. Naja, jedenfalls... Gespräche darüber sind wichtig. Und dem Kind immer wieder mitteilen, dass es keine Schuld trägt. Gefühle ernstnehmen und den Papa so wenig wie möglich schlecht machen. Sondern neutral bis freundschaftlich abhandeln.
Das, was du erzählst, über die zerschlagenen Hoffnungen deines Sohnes, tut mir in der Seele weh. Ich finde es so schlimm, dass es immer wieder so Situationen gibt, wo manche Männer sich einfach rausschleichen und nicht wissen, was sie damit anrichten. Ich weiß noch, wie ich Jonaels Vater ganz lieb und sachlich vor knapp 2 Jahren gebeten habe, sich Gedanken zu machen, wie der Kontakt zu uns aussehen soll. Er hatte
eigentlich am Anfang vorgehabt, uns wenigstens einmal im Monat für ca. 2h zu besuchen. Dann hat er sich aber ein halbes Jahr nicht mehr gemeldet; nicht mal zu Jonaels erstem Geburtstag kam eine Meldung (klar, war das damals Jonael noch egal, aber mir nicht). Mir ging es so schlecht, dass ich überlegt habe, was ich brauche, damit ich nicht so darunter leide und ich habe ihm ruhig, aber ernst gesagt, dass ca. einmal im Monat für mich das absolute Minimum ist, weil ich für mich und später für Jonael eine Verlässlichkeit brauche. Er hat sich dann das erste Mal bei unseren Besuchskontakten Jonael zugewendet, wir hatten einen wirklich schönen Nachmittag, er schrieb mir hinterher noch eine SMS, wie schön er es mit uns gefunden habe, und dass er über alles nachdenken würde und schon eine Lösung finden würde, und seitdem habe ich nie wieder etwas von ihm gehört. Dass er nicht mal den Mut hatte, mir diese Entscheidung, mitzuteilen, nehme ich ihm besonders übel.
Ich finde es sehr schön, wie du versucht hast, deinem Sohn etwas Schmerz zu nehmen, indem du ihm viel gutes von früher erzählst und dass du ihm damit helfen konntest, dass er sehen konnte, dass er nicht nur zu ihm so blöd ist. Ich weiß auch noch nicht, ob ich - wenn Jonael vehement nach seinem Vater fragt oder später zu ihm Kontakt aufnehmen möchte (so wie du das bei deinem ja auch beschreibst, um zu beweisen, dass man "gut" ist) - das möglich machen soll und ihn "ins Messer laufen" lassen soll oder ob es besser ist, wenn ich den Kontakt bis zu einem gewissen Alter verhindere. Denn Jonaels Vater ist leider sonst zu allen toll und ist auch nach wie vor ein toller Mann, macht vieles richtig, lebt ein gutes, solides Leben, nur Jonael findet er blöd. Er will keine Kinder und er will kein Vater sein. Hm...
