Ich will es meinem Mann zum Geburtstag schenken
Er liest bisher auch wenig Erziehungsliteratur, aber ich hoffe, dass ihn das ansprechen wird. In die kompetente Familie, die auch auf dem Klo liegt, hat er auch schon immer reingelesen.
Was ihr bisher geschrieben habt, klingt ja ganz gut.
lG
liebe Grüße von Tina
mit Zwillings-Jungs (2008) und noch ein Junge (2014)
Ui, das klingt nach etwas, das ich meinem Freund kaufen könnte.. nur um meine eigenen Sorgen zu bekämpfen.
Wir lesen aber gar keine Erziehungsliteratur (fast schon aus Prinzip). Nur so wie das verstanden habe, ist es einfühlsam und auf den Leser sowie dessen Verhältnis zum eigenen Vater bezogen und weniger im so-sollst-du-deine-Kinder-erziehen Stil?
AFS-Stillberaterin
Ich hab keine Erfahrung im Muttersein. Keine Anleitung, keine Einarbeitungszeit, kein Failsafe. Ich weiß also *die ganze Zeit über nicht* ob ich es "richtig" mache.
Und: ich habe nur den einen Versuch.
Ich kenne jetzt das spezielle Buch nicht, obwohl ich auch finde, dass mein Mann es lesen sollte. Aber Jesper Juul sagt in keinem seiner Bücher: So sollst Du Deine Kinder erziehen. Es geht ihm eigentlich darum, den eigenen Weg zu finden und zu gehen.
Liebe Grüße von Kirsten
"Es gibt mehrere Arten, etwas richtig zu machen" Mama Muh
Ich habe es selber noch nicht gelesen, aber mein Mann erzählt mir ganz seltsame Dinge daraus...
z.B. sollte der Vater mit dem Baby, wenn es ca. 5 Monate alt ist, wegfahren (die Mutter soll vorher abpumpen und der Vater gibt dann die Flasche), damit die beiden eine gute Bindung aufbauen können- weiß nicht mehr, ob ein WE oder sogar eine ganze Woche und das später immer wieder...
die Grundidee davon finde ich schon gut, aber doch nicht bei so einem kleinen Baby, was noch gestillt wird. Der Vater kann sich doch so im Alltag auch gut einbringen und mal paar Stunden mit dem Kind alleine sein, oder wie seht ihr das?
Dann hat mein Mann noch erzählt, dass z.B. der Papa das Baby oder Kleinkind (?) baden möchte. Das Kind weint aber nach der Mama. Der Papa soll dann zum Kind sagen "du bist mein Sohn, ich kann das ebenso gut wie die Mutter" (oder irgend so etwas in der Art) und darauf bestehen, dass er das Kind weiter badet. Mir kommt das ziemlich egoistisch vor, denn wenn das Baby nach der Mama weint und sie ist verfügbar, warum sollte man ihm den Wunsch nicht ermöglichen? Bei uns weinen die Kinder mal nach Mama und auch mal nach Papa und dann gehe ich diesem Wunsch doch auch nach, wenn möglich...
Also ich muss es mal lesen, ob mein Mann es richtig verstanden bzw. wiedergegeben hat, aber für mich klingt das ziemlich komisch...
liebe Grüße von Tina
mit Zwillings-Jungs (2008) und noch ein Junge (2014)
Oh, ich spielte auch mit dem Gedanken, das Buch zu kaufen, aber wenn da tatsächlich solche Dinge drinstehen, wie Du berichtest, dann würde das meine Meinung von JJ ja sehr negativ beeinflussen... Berichte doch mal, wenn Du Deinen Mann nochmal gefragt hast, ja?
Habe meinen Freund gerade zu den Textstellen befragt.
Es steht da wirklich drin, relativiert sich im Kontext gesehen aber. Jedenfalls Beispiel 1 scheint eher eine Anregung bzw. ein wirkliches "etwa so" Beispiel zu sein um die Bindung zum Vater zu verstärken. Das 5 oder 6 Monate alte Kind kann/soll dabei stundenweise mit dem Vater allein bleiben, in der Zeit die Mutter ins Theater/Kino/mit Freundinnen weg geht. Die abgepumpte Milch dient dann quasi als Sicherheit für den Vater, falls der Säugling stillen möchte in dieser Zeit. Bis zum zweiten bzw dritten Lebensjahr kann das immer mal wieder so gemacht werden, die Abstände dürfen/sollen dabei größer werden, also zB auf ein Wochenende oder eben länger ausgedehnt werden. Das ist zweiseitig: der Mutter wird Freizeit (= Zeit für sich alleine) ermöglicht, während der Vater für das gemeinsame Kind da sein kann. Juul schreibt das recht zwanglos.
Beispiel 2 konnte mein Freund so schnell nicht wieder finden und vorlesen, sagte aber, dass stehe da wirklich so drin, allerdings mit der Voraussetzung, dass die Mutter bisher 'Mädchen für alles' rund ums Kind war, der Vater sich also gewissermaßen aktiv "einklinken" muss, um überhaupt mal ans Kind ranzukommen (überspitzt formuliert).
AFS-Stillberaterin
Ich hab keine Erfahrung im Muttersein. Keine Anleitung, keine Einarbeitungszeit, kein Failsafe. Ich weiß also *die ganze Zeit über nicht* ob ich es "richtig" mache.
Und: ich habe nur den einen Versuch.
Ich kann das auch bestätigen, es steh so drin. Ich denke aber, er meint damit, daß sich ein Vater eben aktiv dafür einsetzen sollte, daß eine Bindung zum Kind entsteht. Es soll ja Väter geben, die sich tatsächlich nicht fürs Kind interessieren und sich auch nicht einbringen wollen und deshalb ALLES der Mutter überlassen.
Er meint weniger, daß man das Kind in der Situation nicht respektieren sollte sondern daß der Vater auch seinen Anteil an Verantwortung dem Kind übernehmen sollte, eben auch was die Beziehung angeht.
Ob man dann das so macht wie er vorschlägt ...
Allisa, 2 Kinder, geb. 05 und 07
What will our children do in the morning if they do not see us fly?
— Rumi
Ich habe jetzt auch mal quergelesen.
Situation 1 stimmt, während der Stillzeit sollte der Vater mit dem Kind mal für paar Stunden alleine sein, später auch mal ein WE. ok. Hatte mein Mann wohl etwas verwechselt.
Grundsätzlich finde ich, dass er Recht hat, dass der Vater die Möglichkeit haben soll, eine Beziehung zum Kind aufzubauen. Mir ist auch klar, dass es so Obermütter gibt, die den Papa bestimmt nicht "ranlassen", immer alles besser wissen usw. Aber ich glaube dass die Mehrzahl der Mütter den Vätern dies ermöglicht, wenn sie es denn möchten. Bei mir in der Trageberatung waren jetzt mehrere Elternpaare da, wo von Anfang an klar ist, der Papa kümmert sich auch, er nimmt Elternzeit oder Urlaub, trägt sein Kind usw. und da hatte ich jetzt nicht das Gefühl, dass ihnen da Steine in den Weg gelegt werden, sondern eher, dass die Mamas das toll finden.
Ich habe ja selber Zwillinge, da packt der Mann sowieso von Anfang an mehr an, aber meine Kinder haben auch eine gute Bindung zum Papa.
Er beschreibt z.B. Familien, wo der Papa nicht mal das Kind ins Bett bringen darf, aber meiner Meinung nach versucht er es in dem Buch schon mit Gewalt durchzudrücken. Mir scheint es auch, als würde es um Familien gehen, in denen sich der Papa anfangs kaum gekümmert hat aber nun von heute auf morgen die Beziehung aufbauen will.
Ich zitiere mal ein paar Stellen, die ich spontan gefunden habe und sehr krass finde:
...und wenn dein Kind protestiert, brüllt, schreit oder weint, wenn es sagt, es will seine Mutter bei sich haben, dann sag ihm in einem freundlichen Ton: "Ich bin dein Vater und ich möchte dich heute alleine baden." Selbst wenn deine frau neben dir steht und dich für dein Verhalten kritisiert, weil sie dich als kalt und ohne jegliche Empathie empfindet, mach dir keine Sorgen: Was du vorhast, ist genau das, was ihr, du und dein Kind, braucht, um wieder in eine gute Beziehung zu treten. Du fragst dich vielleicht: " Ist das nicht eine grobe Missachtung der Grenzen meines Kindes?"- Nein, es ist Führung.
Ein weiteres Beispiel ist, dass die "Obermutter" (er nennt es Mutterchauvinismus) immer an den Mann rummeckert und er soll sie bitten, damit aufzuhören. Wenn sie das nicht macht, sondern immer weiter argumentieren möchte, soll er sie wieder bitten und wenn sie nicht aufhört, soll er sie einfach ignorieren oder den Raum bzw. die Wohnung verlassen und dabei natürlich das Kind mitnehmen....
Und für mich klingen seine Worte auch nicht wie Vorschläge, sondern wie klare Aufgaben an den Mann gerichtet.
Also ich verstehe seine Intension sehr gut und bin auch der Meinung, dass Kinder beide Elternteile brauchen, aber ich habe bei dem Buch schon ein wenig die Befürchtung, dass manche Männer diese Zeilen in den falschen Hals kriegen könnten...
liebe Grüße von Tina
mit Zwillings-Jungs (2008) und noch ein Junge (2014)
Ich glaub das schlimmste an obigen Zitaten ist für mich dieses "Es ist Führung"
AFS-Stillberaterin
Ich hab keine Erfahrung im Muttersein. Keine Anleitung, keine Einarbeitungszeit, kein Failsafe. Ich weiß also *die ganze Zeit über nicht* ob ich es "richtig" mache.
Und: ich habe nur den einen Versuch.
Ist das Buch auch was für jemanden, der eigentlich nicht Vater werden wollte,
sich nun doch drüber freut, aber auch irgendwie Angst hat vor allem.
Und der total angenervt ist von der Erwartungshaltung und dem Druck von Freunden und Verwandten?
Und selber noch nicht genau weiß wie er als Vater sein wird und sich viele Gedanken macht weil er vielleicht einiges anders sieht als seine Umgebung?