Johana: Ich hatte auch nicht gemeint, dass jedes Kind ab einem Jahr nachts abgestillt gehört.

Meine "Propaganda" bezog sich lediglich auf die TE, die sich so anhörte, als habe sie tatsächlich hohen Leidensdruck. Ich erkannte mich in ihrer Situation sehr wieder und weiß, wie schwer es sein kann, in diesem Zwiespalt zu sein: Einerseits seinem Kind auf jeden Fall all das geben zu wollen, was es braucht, um stark und glücklich heranwachsen zu können - andererseits aber unter bestimmten Dingen (wie dem nächtlichen Schlafentzug) auf Dauer sehr zu leiden, wenn man es einfach "laufen lässt", weil dies das vermeintlich Beste für das KInd ist.
Ich habe mich zum Thema Langzeitstillen/nächtliches Stillen von Kleinkindern aus meiner eigenen Situation heraus sehr belesen. Ich habe alle einschlägigen Bücher gewälzt, Internetforen durchforstet, sogar wissenschaftliche Arbeiten gelesen...

...nur, um für mich eine Entscheidung zu treffen, was wohl nun WIRKLICH das Richtige ist für mein Kind (und mich)...
Mein Fazit ist (auf das Stillen über das erste Lebensjahr hinaus bezogen): Die Situation muss für alle Beteiligten passen. Im ersten Lebensjahr steht die prompte Bedürfnisbefriedigung an allererster Stelle. Da sind die Eltern einfach gefordert, da gibts keine Kompromisse. Am Ende des ersten Lebensjahres hat sich so eine sichere Bindung - erstmal an die Primärbezugsperson, meist die Mutter - entwickelt. Nun beginnt für das Kind (aus sich selber heraus) die Phase der Loslösung. Hier kommt der Vater (oder eine Ersatzbezugsperson) als wichtiger Part ins Spiel. Die Autonomiebestrebungen des Kindes sehen vor, dass es sich gaaaanz langsam aus der engen Symbiose zur Mutter löst; hierbei dient der Vater quasi als Identifikationsfigur. Das Stillen KANN hierbei unter Umständen ein wenig die Loslösungsbestrebungen behindern bzw. verzögern. Es muss aber nicht so sein, und selbst wenn, ist es keine Katatrophe. Das Kind findet dennoch i.d.R. Möglichkeiten, die Loslösung voranzutreiben (wenn es nicht von der Mutter aktiv darin behindert wird). Was aber Fakt ist: Das Kind ist auf das Stillen nicht mehr direkt angewiesen. Der Verlust des Stillens ist für es gut verkraftbar. Viel wichtiger ist die Präsenz und Nähe der Bezugspersonen.
Was ich sagen will: Wenn es auch für die Mutter gut passt, ist ganz sicher nichts gegen das Langzeitstillen einzuwenden, auch nachts nicht. Das Kleinkind bleibt dann eben oft quasi im Säuglingszeit-Trinkmodus. Das ist halt so; das kann man (wie Du, Johana) als Mutter akzeptieren und einfach abwarten. Man MUSS aber nicht. Die heutigen Lebensumstände (Wiedereinstieg in den Job, weitere zu versorgende Kinder usw.) machen es den Müttern oft schwer, das alles einfach unbeeindruckt und ohne Leidensdruck anzunehmen. Und DANN halte ich es für angebracht, etwas zu verändern. Das aktive nächtliche Abstillen ist eine Möglichkeit.
Und, klar: Man kann auch sagen, man traut dem Kind zu, den Zeitpunkt selber zu bestimmen. Aber es MUSS ihn nicht selber bestimmen, um ein glückliches, psychisch gesundes Kind zu sein und zu bleiben.
Hui, schon wieder so ein langer Monolog von mir.

Nun ja. So sehe ich es mittlerweile eben. Und mir persönlich tut es sehr gut, es so zu sehen.
Liebe Grüße,
Mascha.