Ich denke, in den heutigen vernetzten Zeiten, wo quasi sämtliche Informationen nur noch einen Mausklick entfernt sind, kann sich mit harten Fakten jeder problemlos selbst versorgen. Dass eine Mutter nicht stillt, "weil sie sich gründlich informiert hat und dann informierterweise festgestellt hat, dass sie lieber doch nicht stillen will", kommt sicherlich nur sehr selten vor.
Ein Teil der während der Schwangerschaft noch
unentschiedenen Mütter trifft ihre Entscheidung sicherlich durchaus auf Grund der Informationen, die sie dann noch bekommen, so nach dem Motto: "Oh, ich wusste ja gar nicht, wie wichtig das Stillen ist und welche Unterschiede es macht! Jetzt wo ich das weiß, werde ich auf jeden Fall nach der Geburt stillen, denn es gibt sehr gute Gründe dafür."
Aber diejenigen Mütter, die sozusagen schon vor der Schwangerschaft sagen, dass sie nicht stillen
wollen, tun dies in aller Regel nicht auf Grund der (fehlenden) Informationen, sondern wegen sozial-emotionaler Gründe, die auch ganz viel mit Identifikation und Selbstbild zu tun haben. "Wie sehe ich mich selbst mit Baby?", "Welche Beziehung, welchen Umgang, welchen Betreuungsstil werde ich mit meinem Baby entwickeln?", "Welches Image hat Mutterschaft für mich?", "Kann und möchte ich mich auf mein Baby einstellen und eigene Bedürfnisse eine Zeit lang zurückstellen?", "Mache ich die Frage "stillen oder nicht stillen" von meinen voraussichtlichen mütterlichen Fähigkeiten abhängig?" - meiner Erfahrung nach sind es SOLCHE Fragen, die junge Mütter oft viiiiiel mehr beschäftigen, als die Fragen nach Qualität von Fetten und Eiweiß, Brustkrebsrisiko oder Hormonen.
Eine werdende Mutter, die von sich selbst z.B. die Vision hat, mit Baby weiterhin unabhängig zu sein, viel Babysitting in Anspruch zu nehmen, schnell wieder "wie vorher" auszusehen/zu denken/zu leben, die Stillen mit Angebunden-(Gefesselt?)-Sein assoziiert und viele für sie postiv besetzte Vorbilder hat, bei denen Nichtstillen die Norm ist, wird kein Argument der Welt dazu bringen, "stillen zu wollen" - da kann das Stillen in noch so bunten Farben "wunderschön" beschrieben werden.
Angenehme, wertschätzende, druckfreie Gespräche mit anderen stillenden Müttern können aber bewirken, dass dieses Selbstbild aufgeweicht wird (dies setzt wirklich viel Aufgeschlossenheit voraus!), manchmal sogar so weit, dass die Schwangere sagt:"ich probier's! Wenn's klappt, OK, wenn nicht, auch OK." Und wir alle kennen die Berichte, in denen die Hormone dann tatsächlich sehr erfolgreich "den Rest" erledigt haben, und doch noch eine schöne Stillzeit folgte
LG;
Julia