Hallo,
also ich weiß nicht recht, wie ich es finden soll:
- einerseits leuchten mir Eure Begründungen dagegen total ein: Kind soll lernen, dass es nicht nur für materielle Dinge Leistung bringen soll, soll sich an den eigenen Erfolgen freuen können etc etc
- andererseits habe ich mich als Kind schon irgendwie gefreut, wenn ich die Möglichkeit hatte, mir irgendeinen Wunsch selbst zu erfüllen, durch eigene Anstrengungen mir "etwas zu erarbeiten", einen Wunsch, der eben außer der Reihe war und den mir meine Eltern nicht einfach so erfüllt hätten (meine Eltern haben kein festes Belohnungssystem gehabt - also bei Note 1 gibts dies oder bei einer 2 das - aber wenn sie gesehen haben, dass ich mich angestrengt habe und wenn das dann erfolgreich war, dann war ein guter Zeitpunkt, um eine besondere Gefälligkeit zu erfragen

) - und so ganz schlimm kann ich das eigentlich nicht finden, das gilt aber eigentlich erst für die Belohnungen bei Größeren Kindern, meine sind noch klein, ich habe daher keine Erfahrungen aus erster Hand.
Aber mein Hauptproblem liegt vorrangig im Alltag:
Es ist recht schwierig, meinen Großen zu irgendetwas zu motivieren, was er von grundauf ablehnt. In vielen Dingen ist das nicht so schlimm - er macht Sachen dann eben in seinem Tempo (Fahrradfahren lernen, schwimmen lernen etc). Oder ich schaffe es, ihn zu überzeugen, dass manche Dinge eben notwendig sind, auch wenn man den Erfolg nicht sofort sieht (Zähneputzen).
Aber es gibt ja auch Dinge, die sind notwendig und er kann aber keinen Sinn darin erkennen bzw der Erfolg liegt in so weiter Ferne, dass er es nicht einsehen kann:
- ZB bei Arztbesuchen, insbesondere Impfen (bitte keine Diskussion darüber, ob impfen notwendig ist oder nicht!)
- Das mehrmalige Wiederholen von Logopädieübungen zur Mundmuskulaturstärkung - bei der Logopädin macht er es, zuhause weigert er sich konsequent. Eigentlich bringt die Logopädie wenig, wenn er sich verweigert...
- Das Einnehmen von Medizin, die nicht schmeckt
und ähnliches.
In solchen Fällen fällt mir eigentlich keine andere Lösung ein, als zu versuchen, ihn zu bestechen - bzw ihm als "Anerkennung" dafür, dass er die unangenehmen Sachen auf sich nimmt, eine Belohnung in Aussicht zu stellen.
Aber wenn hier irgendjemand eine Alternatividee hat, wie man Kinder dazu bringt, mitzumachen ohne sie mit Gewalt zu zwingen oder zu bestechen, dann bin ich für Vorschläge offen...
´Mein Mann hat keine Probleme mit Belohnungen und versucht öfter, durch Bestechung zu motivieren - und ich muss leider sagen, der erfolg scheint ihm Recht zu geben

. Beispiel "schwimmen": gelernt hat es der Große, weil er es toll findet. Das Seepferdchen hat er stolz gemacht. Im Kurs ist er zuverlässig geschwommen. Und mit mir im Bad hat er sich nicht überreden lassen, nur einen Schwimmzug zu machen

Der Papa ist dann einmal pro Woche mit ihm ins Bad, damit das Erlernte nicht gleich wieder verlernt wird, aber es sah einge Wochen so aus, als könne er wirklich nicht mehr schwimmen. Dann stellte der Papa in Aussicht, dass der Große, wenn er beim Üben etwas mitmacht, und es dadurch schafft, 50 m zu schwimmen etwas zu tauchen und zu springen, mit ihm in ein ganz tolles Bad fährt (Hintergedanke: das dauert sicher ein paar Wochen). Das Kind stieg ins Wasser und schwamm 50 m, sprang vom 1m Brett und tauchte. Der Große war offensichtlich selbst von sich überrascht, dass es geklappt hat und er war superstolz. Und der Papa ist am nächsten Tag mit ihm ins Bad gefahren

Ich war auch begeistert, aber hin- und hergerissen: Ja, es gibt gute Gründe gegen Belohnungen. Ich will nicht, dass er in Zukunft nur dann schwimmt, wenn er dafür belohnt wird. Aber ich habe auch gesehen, wie stolz der Große auf seine eigene Leistung war, er hat plötzlich gemerkt, dass mehr in ihm steckt als er dachte. Ohne den Anreiz hätte er vermutlich eher aufgegeben und garnicht bemerkt, dass er das Zeug dazu hat so weit zu schwimmen.
Manchmal habe ich das Gefühl, man muss ihm einen kleinen Schubs geben, damit er zeigt, was er kann...
Wie machen das die Belohnungsgegner bei ihren Kindern?
LG Muli