Marilu hat geschrieben:
Ich bin mir auch immer noch nicht sicher, ob es ein stilistischer Trick ist, dass sie den Weißen immer wieder Gedanken unterstellt. Nach dem Motto „dann sehen die mal, wie es uns immer geht“. Oder ob sie das wirklich so meint. Auch im Interview mit einem schwarzen Pfarrer (?) kommt die Frage „Warum tun sich die Weißen mit xy so schwer?“ (oder so ähnlich). Da fehlt mal mindestens ein „deiner Meinung nach“ – denn woher soll der schwarze Pfarrer denn das nun wissen? Wieder so ein Punkt, an dem ich mir nicht sicher bin, ob sie die Weißen in die „angestammte“ schwarze Position rücken will, um ihren Punkt zu verdeutlichen, oder ob sie es wirklich so meint.
Ich bin mir ziemlich sicher, dass es sich um einen "Rollentausch" handelt, um die Weissen fuer das Empfinden eines Schwarzen zu sensibilisieren. So habe ich es verstanden und finde es eine gute Idee, weil es einfach so schwierig ist, denn der Rassismus ist so versteckt.
Da ich in Deutschland aufgewachsen bin und dadurch mit der hier ueblichen Darstellung des Schwarzen Menschens, habe ich auch lange gebraucht um zu verstehen, wo das Problem eigentlich liegt. Ich habe mich zwar oft angegriffen oder herabgewuerdigt gefuehlt, konnte es aber lange nicht auf den Punkt bringen.
Und dann hab ich noch eine Frage: Sie sagt „Afroamerikaner“ sei das neue „N-Wort“ – also tabu. Aber „afrodeutsch“ verwendet sie selber. Was denn nun? Versteh ich nicht.
Wie Zierbanane schon erklaert hat. Ich habe mit Amerika wenig am Hut, deswegen bin ich also keine Afroamerikanerin, sondern Afrodeutsche.
Und hier noch meine Gedanken zu dem Begriff „Schwarz“.
Sow sagt, die Weißen tun sich schwer das Wort „Schwarz“ auszusprechen, weil sie tief im Innern immer noch (obwohl ihnen das vielleicht gar nicht bewusst ist) „schwarz“ für was Negatives halten und es daher nicht aussprechen wollen.
Ich hab jetzt echt lange drüber nachgedacht, aber ich behaupte mal, für mich hat(te) das andere Gründe. Nämlich: Wie Sow sagt, ist es immer „Herrenrecht“, die anderen zu bezeichnen und Namen zu vergeben. Und es ist respektvoll, die selbstgewählten Begriffe zu benutzen.
Jetzt hatte ich in meinem Leben öfter Kontakt zu Schwarzen, aber noch nie hat die Hautfarbe eine so große Rolle gespielt, dass wir darüber ins Gespräch gekommen wären. Also habe ich als Weiße gar keine Ahnung, wie „die Schwarzen“ im Allgemeinen sich nennen. Einzige Quelle: Den Englischlehrer aus der Schule, der gesagt hat, die Schwarzen nennen sich „blacks“, aber nur sie selbst sich, pc sei „African American“ (von schwarzen Deutschen war natürlich nie die Rede, obwohl wir auch welche an der Schule hatten).
So. Und wenn ich nun nicht weiß, was der selbstgewählte Begriff ist, käme ich nie im Leben auf die Idee, dass das ausgerechnet „schwarz“ sein sollte. Denn schwarz ist die Haut ja wohl nicht. Bisher war ich immer der Annahme, dass die Bezeichnung schwarz bestimmt von den Weißen kam – im Kontrast zu ihrer eigenen hellen Haut. Also eiert man ein bisschen rum, weil man ja nichts Falsches sagen will, hat aber keine echten Begrifflichkeiten und vermeidet es, überhaupt was zu sagen.
Hier moechte ich mal Partei fuer die Weissen ergreifen. Ich kann gut nachvollziehen, dass es fuer einen weissen Menschen sehr schwierig ist, den richtigen Begriff zu waehlen. Ich persoenlich bin da auch nicht so pingelig. Fuer mich macht der Ton die Musik. Ich habe keine Problem, wenn jemand von Farbigen spricht. Das N-Wort geht gar nicht und bei Mischling fuhele ich mich auch auf ein Tier reduziert. Schwarz ist politisch korrekt, auch wenn wir nicht wirklich schwarz sind, egal. Aber wenn jemand das Wort "schwarz" genauso abfaellig benutzt wie das N-Wort, hilft alle politische Korrektheit nicht.
Ich will damit sagen, dass man sich als Weisser nun auch nicht zu sehr den Kopf zerbrechen muss. Mir ist es oft sehr unangenehm, wenn Menschen in meiner Gegenwart nach Worten suchen, um ja nicht als rassistisch dazustehen. Keine Sorge, ein schwarzer merkt den Unterschied und ich "verzeihe" auch einen ungluecklich gewaehlten Begriff und bei Gelegenheit weise ich daraufhin, wie sich derjenige ohne Gestammel ausdruecken kann.
@Uta: du sprichst einen Punkt an, bei dem ich mich immer unsicher fuehle, weil ich nicht weiss wie die korrekte Selbstbezeichnung von Menschen mit Behinderung ist.
Bezueglich asiatischer Herkunft bin ich auch unsicher. Wenn es wichtig ist, sage ich auch asiatischer Abstammung. Weiss ich das Herkunftland, dann natuerlich Japaner, Koreaner etc. Allerdings hatte ich nur in der Sprachschule in Barcelona asiatische Mitschueler. Bis auf eine Japanerin alles Chinesin und sie hatten auf meine Anfrage hin kein Problem mit der Wortwahl der asiatischen Abstammung.
Zu "Indianern" sage ich Native American oder eben Ureinwohner Amerikas.
Wie Uta schon sagte, der Mensch braucht Kategorien. Es geht darum, nur dann bezueglich der Herkunft zu kategorisieren, wenn es fuer das Thema wichtig ist.
Uta hat geschrieben:Vermutlich ist man wirklich rassistischer, als man gerne wäre, aber eine junge Frau, die in Deutschland studiert, würde ich z. B. nicht fragen, ob sie Deutsch auch lesen könne, eine Hausordnung oder so.
Das ist aber leider nicht die Regel. Zum Beispiel hatte ich mich waehrend meiner Studienzeit fuer einen Telefonjob beworben und beim Vorstellungsgespraech musste ich dann "beweisen", dass ich die deutsche Sprache fliessend beherrsche. Ich fand das ziemlich krass, denn aus meinen Bewerbungsunterlagen ging hervor, dass ich in Deutschland geboren und anhand meines Lebenslaufes auch hier aufgewachsen bin. Das Gespraech ging bis zu diesem Zeitpunkt schon 30min.
Es passiert auch oft, dass man mir in "Auslaenderdeutsch" antwortet, obwohl ich ganz normal etwas gefragt habe. Zum Bsp nach einem Weg oder beim Kartenkauf im Kino, oder, oder, oder.
Am besten ist mir noch in Erinnerung als ich ein Konto eroeffnen wollte und alle fuenf Minuten ein "du haben verstanden" entgegenkam. Abgesehen von der frechen Dutzerei. deutsch ist meine Muttersprache und das kann man nicht uerberhoeren. Ich habe natuerlich dort kein Konto eroeffnet.
Marilu hat geschrieben:Mein Sohn fragte mich neulich, warum manche Kinder in seinem Kindergarten so anders aussehen. Hätte ich da sagen sollen "Die sind schwarz"? Das wäre doch eine Kategorisierung gewesen, die ihn von den anderen abgrenzt - oder sie von ihm. Ich habe stattdessen gesagt, dass alle Menschen unterschiedlich aussehen, verschiedene Haare, Haut, Augen, alles... haben. Damit bleibt er in einer Kontinuität mit den anderen Kindern. Hab ich ihm da was verschwiegen/vorenthalten/falsch erklärt? Wie seht ihr das?
Ich finde deine Antwort gut. Wie gesagt, solange es nicht wirklich um die Hautfarbe geht ist es doch auch egal. Und dass alle Menschen anders aussehen stimmt doch.
Mir persoenlich geht es jedenfalls darum. Ich bin in erster Linie deutsch, sehe aber etwas anders aus. Aber im Grossen und Ganzen gleicht mein Lebenslauf meinen weissen Freunden und Bekannten.
Das ist doch genau der Punkt, der mich stoert, dass ich nicht als Deutsche akzeptiert werde und immer in der "Beweispficht" bin. Ich habe auch schon den Versuch gemacht mich einmal in "echt" zu bewerben und einmal mit deutschen Nachnamen ohne Foto. Und obwohl die Qualifikation und alles ander gleich war, wurde meine "deutsche Kopie" bevorzugt. Und genau da liegt das Problem.
Zum Schluss noch, ich finde es sehr schoen, dass es doch einige Interessiert an diesem schwierigen Thema gibt. Das macht mir Hoffnung!!!