Ich habe hier auch eine von dieser Sorte, und mittlerweile ist sie zweieinhalb.
Meine Strategie besteht im Mitgehen. Ist gerade ein bisschen schwierig für mich, Dir das zu erklären.
Beispiel: Essen. Sie isst soviel sie will wann sie will. Mal mit uns zu den Mahlzeiten, mal außerhalb.
Draußen mit Dreck und Gras etc.. Ich greife dann ein, wenn sie sich mit ihrem Verhalten schaden kann, nicht vorab.
Grenzen, Verbote etc... Meine Überlegung ist immer wieder folgende: Verbiete ich etwas aus meiner Bequemlichkeit heraus (dreckig machen weil ich dann mehr Wäsche waschen muss...) oder weil es wirklich gefährlich ist (Kabel, Steckdosen, im Auto losschnallen)
Wir fahren mit dieser Strategie sehr gut.
Und wie eine Vorschreiberin meinte: Verabschiede Dich von der Idee, dass einer nach des anderen Pfeife tanzen muss/ soll. Wie wäre es, stattdessen gemeinsam zu tanzen? Mitgehen eben? Mal gehst Du mit, mal Dein Sohn. So lernt er auch, wie "die Gesellschaft" funktioniert - wer ist das eigentlich?!?
Ich weiß einfach nicht mehr weiter
Moderatoren: klecksauge, Mondenkind
-
Lisabet
- Herzlich Willkommen
- Beiträge: 16
- Registriert: 15.03.2013, 20:42
- Wohnort: Ruhrpott
- MamaMonster
- Dipl.-SuT
- Beiträge: 5347
- Registriert: 03.03.2015, 12:10
- Wohnort: Schweiz
Re: Ich weiß einfach nicht mehr weiter
Für mich klingt das auch, als hättest du eigentlich ein ganz normales, aktives und Unabhängigkeit liebendes Kind. Mein Sohn hat auch einen ähnlichen Charakter und trotzdem läuft es hier ganz anders. Ich habe auch den Eindruck, das Hauptproblem sind deine Erwartungen, wie es laufen sollte. Löse dich davon, dann geht es schon viel besser. Du hast am Anfang geschrieben, "er hat dich im Griff" und "tanzt dir auf der Nase rum" und jetzt etwas von "lernen, dass nicht alles nach seiner Pfeife tanzt". Das klingt für mich nach der Angst, sich einen kleinen Tyrannen zu erziehen, der nur klar kommt, wenn es nach seinen Wünschen läuft und sonst im Leben scheitert. Liege ich da in etwa richtig?
Wenn ja, und falls du etwas zum Thema lesen magst, kann ich dir Alfie Kohn und "Liebe und Eigenständigkeit" sehr empfehlen.
Zu den konkreten Schwierigkeiten: ich schliesse mich den anderen hier an. Begrenze nur, wo es wirklich notwendig ist. Und ich glaube, das ist viel seltener als du denkst. "Erzieherisches" Verbieten, damit er lernt, dass es nicht so läuft, wie er will bringt recht wenig. Das lernt er schon selbst, es gibt immer noch mehr als genug Situationen, wo er an seine Grenzen stösst. Du kannst da keinen "richtigen Moment verpassen". Und es ist eine Illusion, zu glauben, dass er lernt nicht an Steckdosen und Kabel zu gehen, weil du ihm das zu Hause verbietest. Babys und Kleinkinder können noch keine solchen Kategorien bilden. Er lernt also nur, dass du nicht willst, dass er an DIESE Steckdose geht. Und zwar DIESES Mal. Beim nächsten Mal muss er testen, ob das gilt. Und dann wieder. Und auch wenn er verstanden hat, dass diese Steckdose tabu ist, heisst das noch nicht, dass er dem Impuls widerstehen kann. Impulskontrolle lernen Kinder nur langsam und sie ist erst so mit 5 wirklich erlernt. Oft "gehorchen" kleine Kinder also nicht, weil sie nicht anders können... Du machst dir da also eine Menge Druck für wenig Resultat. Sinnvoller ist es, die Wohnung (oder den Bereich, den er erreicht) so zu gestalten, dass es möglichst wenig Verbote braucht.
Wir haben deshalb auch etwas ummöbliert: notwendige Kabel sind hinter Möbeln oder in einer Schiene, das sieht eh besser aus. Wertvolles und zerbrechliches ist unerreichbar. Das selbe gilt draussen: unser Garten ist nicht geeignet, da wächst zu viel Giftiges, das ist stressig. Und lange hat er sich Sachen nicht nur in den Mund gesteckt, sondern auch geschluckt, da war ich vorsichtig. Ich habe deshalb einen Sandkasten, wo er essen darf. Jetzt gehen wir oft in den Park oder auf den Spielplatz, da krabbelt er rum und sabbert alles an. Natürlich schaue ich, was er nimmt, aber wirklich Gefährliches hat es da selten. Auto hasst er auch, wir haben einen Spiegel hinten, so sieht er mehr, das macht es besser. Und ich vermeide unnötige Autofahren. Ist eh besser fürs Klima [emoji6].
Wir haben von Anfang an BLW gemacht und nie gefüttert, das hat sich sehr bewährt. Für nicht gestillte Kinder wird das eigentlich nicht empfohlen, weil nicht sicher gestellt ist, dass sie ausreichend versorgt sind (ausgeschlossen ist es auch nicht). ABER dein Kind isst ja sowieso wenig und einseitig. Also ob es jetzt wenig Fingerfood isst, oder wenig Brei, spielt das wirklich eine Rolle? Und ich glaube nicht, dass er so ein gesundes Essverhalten lernt. Das Verschlucken ist bis zu einem gewissen Grad normal und Teil des Lernprozesses. Ruhig bleiben ist auch da wichtig. Da kannst du dich ja im BLW-Thread einlesen.
MamaMonster mit Monsterjungen 7/14
Gesendet von iPad mit Tapatalk
Wenn ja, und falls du etwas zum Thema lesen magst, kann ich dir Alfie Kohn und "Liebe und Eigenständigkeit" sehr empfehlen.
Zu den konkreten Schwierigkeiten: ich schliesse mich den anderen hier an. Begrenze nur, wo es wirklich notwendig ist. Und ich glaube, das ist viel seltener als du denkst. "Erzieherisches" Verbieten, damit er lernt, dass es nicht so läuft, wie er will bringt recht wenig. Das lernt er schon selbst, es gibt immer noch mehr als genug Situationen, wo er an seine Grenzen stösst. Du kannst da keinen "richtigen Moment verpassen". Und es ist eine Illusion, zu glauben, dass er lernt nicht an Steckdosen und Kabel zu gehen, weil du ihm das zu Hause verbietest. Babys und Kleinkinder können noch keine solchen Kategorien bilden. Er lernt also nur, dass du nicht willst, dass er an DIESE Steckdose geht. Und zwar DIESES Mal. Beim nächsten Mal muss er testen, ob das gilt. Und dann wieder. Und auch wenn er verstanden hat, dass diese Steckdose tabu ist, heisst das noch nicht, dass er dem Impuls widerstehen kann. Impulskontrolle lernen Kinder nur langsam und sie ist erst so mit 5 wirklich erlernt. Oft "gehorchen" kleine Kinder also nicht, weil sie nicht anders können... Du machst dir da also eine Menge Druck für wenig Resultat. Sinnvoller ist es, die Wohnung (oder den Bereich, den er erreicht) so zu gestalten, dass es möglichst wenig Verbote braucht.
Wir haben deshalb auch etwas ummöbliert: notwendige Kabel sind hinter Möbeln oder in einer Schiene, das sieht eh besser aus. Wertvolles und zerbrechliches ist unerreichbar. Das selbe gilt draussen: unser Garten ist nicht geeignet, da wächst zu viel Giftiges, das ist stressig. Und lange hat er sich Sachen nicht nur in den Mund gesteckt, sondern auch geschluckt, da war ich vorsichtig. Ich habe deshalb einen Sandkasten, wo er essen darf. Jetzt gehen wir oft in den Park oder auf den Spielplatz, da krabbelt er rum und sabbert alles an. Natürlich schaue ich, was er nimmt, aber wirklich Gefährliches hat es da selten. Auto hasst er auch, wir haben einen Spiegel hinten, so sieht er mehr, das macht es besser. Und ich vermeide unnötige Autofahren. Ist eh besser fürs Klima [emoji6].
Wir haben von Anfang an BLW gemacht und nie gefüttert, das hat sich sehr bewährt. Für nicht gestillte Kinder wird das eigentlich nicht empfohlen, weil nicht sicher gestellt ist, dass sie ausreichend versorgt sind (ausgeschlossen ist es auch nicht). ABER dein Kind isst ja sowieso wenig und einseitig. Also ob es jetzt wenig Fingerfood isst, oder wenig Brei, spielt das wirklich eine Rolle? Und ich glaube nicht, dass er so ein gesundes Essverhalten lernt. Das Verschlucken ist bis zu einem gewissen Grad normal und Teil des Lernprozesses. Ruhig bleiben ist auch da wichtig. Da kannst du dich ja im BLW-Thread einlesen.
MamaMonster mit Monsterjungen 7/14
Gesendet von iPad mit Tapatalk
MamaMonster mit Goldjungen (7/14) und Goldmeitli (2/17)
Blog:www.goldwaendlerin.ch
Blog:www.goldwaendlerin.ch
-
Lisabet
- Herzlich Willkommen
- Beiträge: 16
- Registriert: 15.03.2013, 20:42
- Wohnort: Ruhrpott
Re: Ich weiß einfach nicht mehr weiter
Von mir auch eine Stimme für Kohns "Liebe und Eigenständigkeit"
-
Mamorea
- ist nicht mehr wegzudenken
- Beiträge: 1210
- Registriert: 13.10.2014, 15:16
- Wohnort: Göttingen
Re: Ich weiß einfach nicht mehr weiter
Ich sehe das exakt so wie MamaMonster. Von einem Kind in dem Alter zu erwarten, dass es lernt was es darf und was nicht, ist echt zu viel. Wir haben hier das Wohnzimmer so hergerichtet, dass eigentlich nix passieren kann, auch wenn ich nicht ständig dabei bin. In der Küche kann sie alles erkunden wenn ich dabei bin beim kochen oder Abwaschen. Alle anderen Türen müssen einfach immer geschlossen bleiben.
Ansonsten würde ich bei so einem neugierigen und aktiven Kind auch empfehlen, für die ganze Familie babygeeignet zu kochen und das Kind mitessen zu lassen. Dann hat es verschiedenste Farben, Formen, Gewürze und Geschmacksrichtungen zum erkunden und hoffentlich Spaß am Essen.
mit Schneckchen 09/14
Ansonsten würde ich bei so einem neugierigen und aktiven Kind auch empfehlen, für die ganze Familie babygeeignet zu kochen und das Kind mitessen zu lassen. Dann hat es verschiedenste Farben, Formen, Gewürze und Geschmacksrichtungen zum erkunden und hoffentlich Spaß am Essen.
mit Schneckchen 09/14
mit Schneckchen 9/14
Als Mutter ist dein Leben doppelt so schrecklich und doppelt so schön. Es ist voller Leiden und Unzufriedenheit, aber die Liebe rettet uns.
Sarah Napthali
Als Mutter ist dein Leben doppelt so schrecklich und doppelt so schön. Es ist voller Leiden und Unzufriedenheit, aber die Liebe rettet uns.
Sarah Napthali