Stillfrust

Fragen und Antworten rund um das Thema Stillen

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Giggles
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Stillfrust

Beitrag von Giggles »

Hallo,

Nach einigen kummervollen Nächten wende ich mich nun nochmal an das Forum, um einfach mal ein paar Dinge loszuwerden und vielleicht aber auch den ein oder anderen hilfreichen Tipp zu bekommen.

Ich bin total frustriert und genervt vom Stillen. Seit ein paar Tagen nervt es mich so sehr, dass ich mir sehnlichst den Zeitpunkt wünsche, abstillen zu können. Aber erstmal kurz ein paar Fakten.

Mein Sohn ist jetzt 12 Wochen alt und sehr kräftig (zur Geburt 4620g, jetzt 7800g). Ich stille voll, das hat auch jederzeit geklappt. Ich habe einen starken Milchspendereflex und es kam schon zu dem ein oder anderen (fiebrigen) Milchstau. Ich stille nach Bedarf, versuche aber für mein eigenes Wohlbefinden möglichst 2h-Abstände einzuhalten (ich weiß, dass ich dann nicht genau nach Bedarf stille, mir ist es aber wichtig, zwischendurch "Luft zu holen")

Eigentlich klappt das Stillen prima. Seit etwa 2 Wochen ist es aber so, dass mein Sohn tagsüber konsequent alle 2h an die Brust möchte und dort auch konsequent für eine halbe Stunde bleibt. Für viele andere Frauen mag das kein Problem, vielleicht sogar schön sein, mich nervt es tierisch. Mir graut es schon, wenn ich auf die Uhr gucke, dass ich gleich wieder "ran muss". Das Ziehen und Ziepen, was meist nach etwa einer Viertelstunde in der Brust auftritt, empfinde ich als sehr unangenehm und noch dazu kommt, dass er seit längerem sehr unruhig an der Brust ist (die Tipps zur Unruhe an der Brust habe ich schon gelesen). Wenn es am Anfang des Stillens auftritt, vermute ich, dass es von dem starken Milchspendereflex kommt, dann drücke ich noch bisschen Milch raus oder warte ab bis die Milch nicht mehr spritzt, das hilft schon ein bisschen. Jetzt tritt es aber seit einiger Zeit so nach etwa 10-15min Stillen auf. Er strampelt dann wild mit den Beinen oder haut auf die Brust. Meine Hebamme vermutete, dass die Milch dann vielleicht alle ist und er wütend darüber ist, was ich mir allerdings nicht so recht vorstellen kann, da ja wenige Minuten zuvor noch die MIlch herausgespritzt ist.. ??

Soviel zu den offensichtlichen, körperlichen Problemen. Hinzu kommt, und vermutlich ist es das größte Problem, dass mich das Stillen zunehmend seelisch belastet. In meiner Vergangenheit habe ich (vermutlich) Missbrauchserfahrungen gemacht, die auch zum Teil von mir therapeutisch aufgearbeitet wurden, aber eben noch nicht ganz verarbeitet sind, wodurch es im Alltag immer mal wieder zu Problemen kommt. Eines dieser Probleme ist das Stillen leider geworden. Es macht mich total wütend und aggressiv, vor allem wenn mein Sohn dann selber auch noch zappelt und tritt und boxt. Ich habe inzwischen schon versucht mich abzulenken (Lesen hilft, Fernsehen nicht). Wenn es schlimm wird, nehme ich irgendwas in die Hand, was ich drücken kann. VOr allem Nachts empfinde ich es als besonders schlimm. Dann fließen oft bei mir die Tränen. (Und das obwohl er nachts wirklich gut schläft und mir oft 5-6h Pause gönnt)

Im Moment weiß ich nicht so recht weiter und sehne mich dem 5. Monat entgegen, wo es ja theoretisch möglich ist abzustillen. Gerade hier im FOrum traue ich es mich kaum zu schreiben, weil sich so viele Frauen das Stillen wünschen und es nicht klappt, aber ich glaube, dass es mir sehr gut tun würde recht zeitnah abzustillen oder zumindest 1-2 Mahlzeiten mit Brei zu ersetzen, um mir etwas mehr Luft zu verschaffen. Mit Prenahrung und Flasche möchte ich ungern noch anfangen, weil ich es ja schon so weit geschafft habe. Wie funktioniert das denn generell mit dem Abstillen? Geht das Problemlos im 5. Monat? Wäre es auch möglich relativ schnell die Abend- oder Nachtmahlzeit zu ersetzen, da diese mich mit am meisten belastet?

Ich weiß, dass Stillen für das Kind das Beste ist, deshalb bitte keine erhobenen Zeigefinger bezüglich des Abstillwunsches. Mir fällt das wirklich nicht leicht, das schlechte Gewissen schwingt mit und ich bin trotzdem froh, es überhaupt bis hierhin geschafft zu haben. Gleichzeitig glaube ich, dass die negativen Gefühle, die mich beim Stillen beschleichen sich auch auf mein Kind übertragen (er vielleicht auch deshalb rumzappelt?) und ich deshalb glaube, dass ein (teilweises) Abstillen für uns langsam die bessere Entscheidung sein könnte.

Ich hoffe auf ein paar motivierende Worte und vielleicht auch noch den ein oder anderen hilfreichen Tipp. Danke!

Liebe Grüße
Giggles
Viele Grüße

Mit Tigger (03/15) und Frechi (11/18) unterwegs.
ghwennyfair
hat viel zu erzählen
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Re: Stillfrust

Beitrag von ghwennyfair »

Hallo,

ich gehöre hier zu den Müttern, die unbedingt stillen wollen und dafür sehr viel tun. Dennoch kann ich deinen Abstillwunsch gut nachvollziehen und finde nicht, dass du dir Vorwürfe machen solltest! Fühl dich einfach mal gedrückt!

Zur Einführung von Beikost kann ich nicht so viel sagen, meine Tochter ist erst 14 Wochen alt. Was ich aber meine verstanden zu haben ist, dass Beikost während des Stillens eingeführt wird und das dauert so seine Zeit. Man kann nicht von einen Tag auf den anderen abstillen und das Baby isst dann ab sofort Brei. Ich meine gelesen zu haben, dass man mindestens noch ein halbes Jahr stillt und erst dann alle Mahlzeiten durch Brei ersetzt sind. Wenn man das denn will.
Mehr will ich dazu nicht sagen, ich hab ja keine Erfahrungen und andere wissen das ganz sicher viel besser als ich :)
Jedenfalls kann man ab dem 4.Monat Beikost einführen und es würde dir bestimmt helfen, wenn du zumindest eine Stillmahlzeit bald ersetzen kannst. Die Mods hier haben sicher auch noch einige Tipps, wie das Stillen für dich angenehmer werden könnte.

Viele Grüße!
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Schokoflocke
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Re: Stillfrust

Beitrag von Schokoflocke »

Hey, tut mir echt leid, dass das Stillen so belastend für dich ist. Toll, dass du trotzdem soweit gekommen bist. Ich würde an deiner Stelle trotzdem versuchen ganz nach Bedarf zu stillen (bin keine Stillberaterin). Nur so kann sich deine Brust jederzeit auf den Bedarf deines Babys einstellen und genug produzieren. Gerade wenn ihr jetzt vielleicht in einem Schub seid und das Baby mehr braucht. Außer dem kann es dann auch zwischendrin mal abtrinken und vielleicht hilft das ja gegen deine Staus.

Wenn du vor dem Ende des 1. Lebensjahres abstillen willst, wirst du vermutlich um Pre nicht herum kommen, denn Muttermilch oder Ersatznahrung ist das Hauptlebensmittel für Babys bis zu 1 Jahr (+-). Abstillen kannst du im Grunde jederzeit, du brauchst dich da nicht unter Druck setzen. Natürlich ist jede Woche länger ein Gewinn für dein Baby.

Bestimmt meldet sich noch eine Stillmod, ich wünsche dir auf jeden Fall alles Gute.
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Sabina
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Re: Stillfrust

Beitrag von Sabina »

Es wird sich bestimmt ein Mod melden. Ich habe aber ein paar Anmerkungen:

1. ich meine, dass es um die 10. oder 12. Woche einen Schub in Babys Entwicklung gibt. Ist also gut möglich, dass der Schub bald vorbeo ist und dein Sohn dir wieder etwas mehr Freiheiten lässt.

2. Stillen ist so viel mehr als Nahrungsaufnahme. Es gibt dem Baby Sicherheit, Nähe, Wärme und damit ein gutes Urvertrauen. Es ist Ventil zum Stressabbau und auch physisch für Mamma und Baby gesund.

3. Trotz Punkt 2 ist Stillen nicht der einzige Weg deinem Baby alle Liebe, Nähe und Geborgenheit zu geben, die es braucht. Es verurteilt dich niemand für deine zwiespältigen Gefühle oder den Wunsch nach dem Abstillen. Wenn du auch mit Hilfe der Stillberaterinnen hier das Stillen als so unangenehm empfindest oder es dich so belastet, dann darfst du auch schon früher abstillen. Ich wünsche dir allerdings, dass du lernen kannst es zu geniessen. Vielleicht stillt ihr dann plötzlich viel länger als bis zum fünften Monat?

4. Auch zum BEIkostbeginn braucht dein Baby noch viel Milch. Anfangs sind Brei und Co. eben 'Bei-' Kost und das Baby isst davon eine Miniminiportion. Den Rest der Kalorien nimmt es über die Milch auf. Du kannst jetzt also nicht dem Beikoststart entgegenfiebern und auf ein schnelles Abstillen hoffen. Wenn du dann abstillst, wirst du nicht drumrum kommen deinem Baby Milch aus der Flasche zu geben.

5. Du darfst jederzeit abstillen! Keine Mutter sollte sich gezwungen fühlen zu stillen, wenn es so überhaupt nicht stimmt für sie und sie bereits den einen oder anderen Trick probiert hat sich das Stillen zu erleichtern. Zum Stillen gehören zwei. Es muss für beide stimmig sein.
Signaturen sind halt doch praktisch für die Mitleser:innen…

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Giggles
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Re: Stillfrust

Beitrag von Giggles »

Danke für eure lieben Worte. Ich befinde mich eben noch im Zwiespalt zwischen dem Wunsch meinem Kind die Muttermilch nicht vorzuenthalten und dem gleichzeitigen Wunsch meinen Körper wieder für mich zu haben.

Ich hatte gehofft dass es vielleicht eine Kompromisslösung gibt mit zeitnahem Abstillen ganz ohne Premilch und Flasche. Aber so wie es scheint gibt es die nicht... :(
Viele Grüße

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Morgaine47
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Re: Stillfrust

Beitrag von Morgaine47 »

Abpumpen und MuMi mit der Flasche füttern? Ist allerdings insgesamt aufwändiger.
LG
Morgaine

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Re: Stillfrust

Beitrag von Aroma »

Morgaine47 hat geschrieben:Abpumpen und MuMi mit der Flasche füttern? Ist allerdings insgesamt aufwändiger.
Das wäre doch einen Versuch wert. Ich kenne eine Frau, eine sehr liebevolle Mutter, der das Stillen nicht gefallen hat. Für die war Pumpen die richtige Lösung. So hat das Kind MuMi bekommen, was sie gerne wollte, und sie hat sich wieder freier gefühlt.

Ich gehöre auch zu denen , die sehr kämpfen, um stillen zu können, und auch ich finde nicht, dass du dich durch etwas durchquälen solltest, das dich belastet. Wichtiger noch als MuMi ist für dein Baby eine glückliche Mama.
Mama von Emma, geb. 25.04.15
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Re: Stillfrust

Beitrag von Giggles »

Hm. Ihr meint also ich fange jetzt an mit abpumpen und friere ein und könnte dann irgendwann abstillen?
Viele Grüße

Mit Tigger (03/15) und Frechi (11/18) unterwegs.
Linda81
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Re: Stillfrust

Beitrag von Linda81 »

Ich glaube, Aroma meint Pumpstillen: abpumpen und direkt mit der Flasche verfüttern, anstatt das Baby an die Brust zu nehmen. Es erfordert etwas Aufwand (Pumpen, säubern, auskochen, Flasche geben, Flasche säubern) und Koordination, man ist auch nicht mehr so beweglich (weil man regelmäßig abpumpen muß, sonst Milchstau). Ich kenne jemanden, die hat das über zehn Monate durchgehalten. Geht alles.
Auf Vorrat abpumpen und dann mit voller Tiefkühltruhe würde ich so nicht tun: Du weißt nicht, wie lange und wieviel Milch Dein Kind braucht und mußt dann evtl doch Pre zufüttern. Außerdem steigerst Du damit die Produktion weiter - ernährst quasi zwei Kinder - was ich mir bei einer Tendenz zum Milchstau nicht so gut vorstelle.
Giggles, ich wünsche Dir, daß Du einen guten Weg findest. Man darf Baby haben und Stillen zwischendurch richtig scheiße finden und auch heulen. Das tun wir alle - nur sagen wir es nicht alle. Wenn die Last zu groß wird, müssen wir auch jede unseren Weg finden. Wir anderen dienen da gerne als Unterstützer und Ideensammler.
Trägst du Dein Baby? Da war für mich immer ein Weg, das Baby ohne Stillen sehr glücklich zu machen und so sehr zu genießen.
Linda mit Sohnio (10/2014), dem Freudenstrahl (01/18) und der Überraschung (01/21)
Linda81
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Re: Stillfrust

Beitrag von Linda81 »

Mit voller Tiefkühltruhe "abstillen", meinte ich...
Linda mit Sohnio (10/2014), dem Freudenstrahl (01/18) und der Überraschung (01/21)
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