Brustverweigerung, Trinkschwäche? Stillen mit Sonde

Fragen und Antworten rund um das Thema Stillen

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Lijo
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Brustverweigerung, Trinkschwäche? Stillen mit Sonde

Beitrag von Lijo »

Hallo Zusammen,

mein Sohn ist 12 Wochen alt und wir haben leider von Anfang an große Stillprobleme.


* Ist Euer Baby ein Junge oder ein Mädchen?
- Junge

* Wird oder wurde Euer Baby zugefüttert, wenn ja, mit was (Muttermilch, Formulanahrung)? Schreibt bitte die Mengen auf (wie oft und wieviel täglich) und womit zugefüttert wird oder wurde.
- Seit dem 29.3 Pre mit Spritze und Fingerfeeder bis der MSR ausgelöst wurde und bei Bedarf falls noch Hunger besteht. Ca 90 bis 230 ml

* Bitte beschreibt, wie Euer Stillalltag für gewöhnlich aussieht: Wie oft und wie lange wird üblicherweise gestillt? Wie lang sind die Schlafpausen?
- Ca. 8 Stillmahlzeiten. Er schläft nachts (zu) gut 1ste schlafphase 6-10 stunden danach 3 stunden, tagsüber stündlich bis alle 2 stunden.
Stilldauer ist leider oft sehr kurz ca. 8-10 min. Selten 20 min (beides insgesamt)

* Wie oft pro Tag scheidet das Baby aus? Wie häufig hat es Stuhlgang?
6x pipi 1-2x großes Geschäft

* Berichtet auch von Eurem Stillstart und den ersten Wochen nach der Geburt, v.a.: Wie klappt(e) das Stillen? Unruhiges Baby? Andock-Probleme?
- im Krankenhaus habe ich ihn stündlich angelegt, allerdings konnte ich ihn nicht dazu bringen seinen Mund sehr weit aufzumachen. Die Schwestern konnten mir leider nicht helfen, stillberaterin gab es nicht. Mit anderen Stillpositionen hat es mal etwas besser geklappt aber immer nur von kurzer Dauer. An der rechten Brust schnalzt er. Linke Brust hat er das erste Mal beim Milcheinschuss verweigert, mit Stillhütchen ging es. Allgemein ist er sehr unruhig beim Trinken. Am Anfang war er mit dem MSR sehr überfordert, jetzt geht es ihm viel zu langsam.

* Kennt es künstliche Sauger, also z.B. Flaschen, Hütchen, Schnuller?
- ja, er nimmt den Schnuller und hat aus avent flaschen getrunken

* Seid Ihr (bzw. Ist Euer Kind) bereits woanders in Behandlung/Beratung? Stillberatung, Kinderarzt, Hebamme, Osteopath, Krankengymnastik...?
-osteopath 2 Behandlungen, Kinderarzt

* Gibt es medizinische Besonderheiten, die das Stillen betreffen könnten? Z.B. Orthopädische Auffälligkeiten, Frühgeburt, Gelbsucht beim Baby? Brust-Operationen, Schilddrüsen- und andere chronische Erkrankungen (Übergewicht, Diabetes, PCOS,...) bei der Mutter? Medikamenteneinnahme?
Nein

* Falls dieses Kind nicht Dein erstes ist, beschreibe bitte kurz Deine Stillerfahrung mit Deinem/Deinen größeren Kind/ern.
Meine Tochter habe ich 5 Monate gestillt. Sie war auch eine Schnelltrinkerin und häufig unruhig, schlief selten an der Brust ein. 2 x Milchstau mit Fieber

Entschuldigung für den Roman aber ich weiß nicht was davon wichtig und was unwichtig ist, deshalb hab ich unsere ganze Stillgeschichte geschrieben

Wir haben mittlerweile eine Odyssee hinter uns und ich habe leider keinen roten Faden wie ich zurück zum ganz normalen stillen komme, ohne jedes Mal den Gedanken zu haben "hoffentlich lehnt er die brust nicht ab 😣"

Josha macht den Mund nicht weit genug auf, die Lippen sind nicht umgestülpt, rechte Brustseite schnalzt er. Ich habe alle Stillpositionen ausprobiert, außer Hoppe reiter, da dockt er erst gar nicht an.
Beim Milcheinschuss war er ziemlich überfordert, linke Brustseite kommt deutlich mehr, die hat er dann schnell komplett verweigert, mit Stillhütchen ging es. Habe dann das Blockstillen angefangen und 3 Tage je 1 Tasse Pfefferminztee getrunken. Milchmenge ging zurück und ich konnte beide Seiten ohne Hütchen stillen. Dann fing er an sehr gut nachts zu schlafen und schlief mit 3 wochen 10 Stunden am Stück, nachmittags konnte ich seinen Hunger nicht mehr stillen und habe ihm eine Flasche gegeben. Danach habe ich mir eine Pumpe besorgt und bevor ich ins Bett ging und 1x nachts abgepumpt und ihm das nachmittags gegeben. Danach kam er nachts etwas häufiger und alles spielte sich einigermaßen ein, ich habe 1,5 Wochen gestillt ohne pumpen und zufüttern zu müssen.
Er schlief sogar hin und wieder an der Brust ein aber ich konnte ihn nicht dazu bringen seinen Mund weiter zu öffnen und das schnalzen blieb genauso. Ich akzeptierte es und dachte wenn wir aber so zurecht kommen ist es halt nicht perfekt aber für uns gut genug..

Dann bekam er plötzlich "Durchfall" und hatte bis zu 16x grünen Stuhlgang am Tag (immer 2x direkt beim Stillen, Mengenmäßig aber sehr wenig) , sonst war er fit wie immer, nahm aber 1 Woche nicht zu, der Kinderarzt konnte auch nichts feststellen. Einen Abend hatte er noch so einen Hunger dass ich ihm eine Pre Flasche gab und prompt war der Stuhlgang viel gelblicher und in den stunden darauf nur 1-2x(bei abgepumpter MuMi war der Stuhlgang auch normal). Paar Tage später stillte er sehr wenig pro Mahlzeit was mich wunderte und wurde auf der linken Seite sehr unruhig und trank dort noch viel weniger. Abends beim stillen schrie er plötzlich los und war kaum zu beruhigen. Danach hat er die brust komplett verweigert. Ich habe abgepumpt und ihm die Muttermilch mit der Flasche gegeben. Nach 24 Stunden versuchte ich ihn anzulegen aber nichts war zu machen, er schrie die brust nur noch an und ich war am Boden zerstört und nur noch am weinen. Abends hab ich dann wohl einen Milchstau bekommen, allerdings erst ohne Schmerzen nach 3 Tagen und fast 40 Fieber tat mir die linke Brust minimal weh, hab aber die ganze zeit gedacht ich bekomme eine Erkältung. In der Zeit versuchte ich ihn mit dem BES wieder an die Brust zu bekommen, was auch klappte, allerdings lief durch sein gezappel ständig alles aus weil er an den Schläuchen riss. Ich hab immer wieder versucht ihn zwischendurch ohne alles anzulegen. Ansonsten bekam er abgepumte Milch. Dann nahm er die brust, ich weinte vor Freude und bei der nächsten Mahlzeit verweigerte er sie wieder. Mir ging es dadurch psychisch schlecht, ich wollte unbedingt stillen. Mittlerweile waren wir nochmal bei einer osteopathin vorstellig, diese fand Blockaden in der HalsWirbelsäule, und stellte fest, dass er sehr sehr schwach saugt. 2 Wochen nach der Behandlung habe ich mich getraut ihn anzulegen und er trank. Seit dem 24.3 lehnt er die Brust nicht mehr ab.
Ich war überglücklich aber nun ist er ja von der Flasche gewohnt, dass sofort Milch kommt und kann nicht bis zum MSR abwarten, seitdem fütter ich etwas Pre mit Spritze und Fingerfeeder in den Mundwinkel während des Stillens bis zum einsetzen des MSR zu. Tagsüber ist meine milchmenge sehr gering, er wird kaum satt dann hab ich zur Spritze mit Sonde gegriffen womit wir besser zurecht kommen als mit dem BES. Ich werde ihn ab heute Nacht wecken zum stillen, da er wieder sehr lange schlafphasen hat.

Nachts ist die Brust natürlich so voll gelaufen dass er genug zu trinken hat bis zu MSR, da muss ich nicht "zufüttern" kann ich meine Milchmenge wieder so steigern dass er auch tagsüber ein kleines Puffer bis zum MSR hat? Der lässt so 2 minuten auf sich warten.
Wie lange darf ich ihn nachts maximal schlafen lassen?
Kann ich mit der Sonde die Milchmenge steigern so wie mit dem BES?
Ich wäre so unendlich dankbar für eine "Anleitung" um aus den Dschungel von Hilfsmitteln zu kommen

Vielen lieben Dank

Annika
Mit Babymaus 07/15 und Babybär 01/20

Donnerdrummel
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Re: Brustverweigerung, Trinkschwäche? Stillen mit Sonde

Beitrag von Donnerdrummel »

Herzlich willkommen und herzlichen Glückwunsch zum Nachwuchs!
Was du beschreibst klingt sehr anstrengend und kräftezehrend! Du hast neben vollen Respekt dass du so gut durchhälst. Fachlich kann ich dir leider nicht wirklich helfen, aber ich wollte dir trotzdem zumindest einen mentalen Drücker da lassen. Du legst dich ganz schön ins Zeug und es wird sich sicher noch auszahlen.
Eine Stillberaterin wird sich bestimmt bald bei dir melden und mit dir zusammen einen guten Weg finden wie das Stillen für dich und dein Kind entspannter wird. Ich drücke dir die Daumen!
Donnerdrummel mit Räuberhauptmann 05/19

Lijo
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Re: Brustverweigerung, Trinkschwäche? Stillen mit Sonde

Beitrag von Lijo »

Danke für die liebe Antwort! Das tut gut zu hören :)
Ja, es ist wirklich anstrengend vor allem wenn noch ein zweites Mäuschen hier rum läuft. Da nehme ich die Coronakrise gerade sehr positiv, wir haben absolut keine Termine und ich weniger Druck wie ich ihn in der Öffentlichkeit an die Brust bekomme. Und jedes Mal, wenn er ruhig trinkt und hinterher zufrieden an der Brust einschläft bestärkt mich ungemein, auch wenn das nicht oft ist.
Mit Babymaus 07/15 und Babybär 01/20

vam
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Re: Brustverweigerung, Trinkschwäche? Stillen mit Sonde

Beitrag von vam »

Hallo Annika,
hier gibt es ganz tolle Stillberaterinnen, die dir sicher weiterhelfen können! Super, dass du schon die Fragen beantwortet hast. Hast du noch Gewichtsdaten, damit sich die StillMods auch ein Bild von der Gewichtsentwicklung machen können?

Damit das Baby den Mund gut öffnet, kann intuitives Stillen/laid back nursing hilfreich sein. Du lehnst dich zurück, das Baby liegt auf dir und dockt selbst an. Hast du das auch schon versucht?

Hat mal jemand nach dem Zungenbändchen geschaut?

In den ganz unruhigen Zeiten konnten wir im Halbschlaf immer noch ganz gut stillen. Vielleicht ist das auch mal einen Versuch wert.

Ich drücke euch die Daumen!
... mit dem kleinen Wilden (09/2019)

Lijo
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Re: Brustverweigerung, Trinkschwäche? Stillen mit Sonde

Beitrag von Lijo »

vam hat geschrieben:
06.04.2020, 23:37
Hallo Annika,
hier gibt es ganz tolle Stillberaterinnen, die dir sicher weiterhelfen können! Super, dass du schon die Fragen beantwortet hast. Hast du noch Gewichtsdaten, damit sich die StillMods auch ein Bild von der Gewichtsentwicklung machen können?

Damit das Baby den Mund gut öffnet, kann intuitives Stillen/laid back nursing hilfreich sein. Du lehnst dich zurück, das Baby liegt auf dir und dockt selbst an. Hast du das auch schon versucht?

Hat mal jemand nach dem Zungenbändchen geschaut?

In den ganz unruhigen Zeiten konnten wir im Halbschlaf immer noch ganz gut stillen. Vielleicht ist das auch mal einen Versuch wert.

Ich drücke euch die Daumen!

Danke euch dir für deine Antwort! Das intuitive Stillen haben wir versucht, daa klappte leider auch nicht, habe es eben aber trotzdem einfach nochmal ausprobiert, ich hab das Gefühl dass er diese Position gar nicht mag. Er liegt lieber gerade als in Seitenlage, hab es in der Footballhaltung versucht, da bekomme ich aber einen Knoten wenn ich mit der Sonde zufütter. Eine Stillberaterin hat sich schonmal das Zungenbändchen angeschaut und meint das wäre in Ordnung und ich soll möglichst das asymmetrische anlegen probieren. Das ist auch tatsächlich am besten aber gerade nicht machbar weil ich mit einer Hand die Spritze drücken muss und mit der anderen den Kopf stütze,wenn er so an der Brust bleiben würde könnten wir das besser üben.

Das Gewicht trage ich heute abend nochmal dazu.

Könnt ihr mir vielleicht schonmal sagen ob das Ausstreichen nach dem stillen genauso anregt wie eine Milchpumpe? Mit der Pumpe kommt nach dem stillen so gut wie nichts, mit der Hand schon. Frage mich nur ob das was nützt und wirklich auch die Milchproduktion nochmal anregt
Mit Babymaus 07/15 und Babybär 01/20

Lijo
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Re: Brustverweigerung, Trinkschwäche? Stillen mit Sonde

Beitrag von Lijo »

vam hat geschrieben:
06.04.2020, 23:37

In den ganz unruhigen Zeiten konnten wir im Halbschlaf immer noch ganz gut stillen. Vielleicht ist das auch mal einen Versuch wert.
Ja das klappt prima nachts, da muss ich auch nicht tricksen bis zum MSR, einfach anlegen, warten und fertig. Tagsüber schläft er leider sehr schlecht, oft nur max 30 Minuten. Da wüsste ich nicht so recht wann ich ihn da anlegen sollte 🤔
Mit Babymaus 07/15 und Babybär 01/20

vam
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Re: Brustverweigerung, Trinkschwäche? Stillen mit Sonde

Beitrag von vam »

Schön, dass es nachts so gut klappt. Wir hatten auch eine lange und unruhige Phase. Ich habe begonnen, auch untertags im Bett zu stillen. Bei ersten Zeichen, dass er wach werden könnte, bin ich dazugerutscht. Oder ich habe ihn im Tragetuch beim Spazierengehen schlafen lassen und bin zurück solange er noch schlief, dann rasch das Baby auspacken und Trinken anbieten.

Hm, ob Ausstreichen anregt wie Pumpen kann ich leider nicht beantworten, aber Pumpen regt jedenfalls auch an, wenn keine oder nur wenig Milch kommt. Die gewonnene Menge ist kein Hinweis.

Es gibt sicher Möglichkeiten, eure Situation zu verbessern!
... mit dem kleinen Wilden (09/2019)

Leominor
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Re: Brustverweigerung, Trinkschwäche? Stillen mit Sonde

Beitrag von Leominor »

Ja, wenn ausstreichen bei dir besser funktioniert ist das super und regt auf jeden Fall die Milchproduktion an! Dann mach doch das. Spart auch das abwaschen der Pumpe.
Leominor mit dem kleinen Tigermädchen (12/17) und dem kleinen Bärenjunge (2/20)

Lijo
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Re: Brustverweigerung, Trinkschwäche? Stillen mit Sonde

Beitrag von Lijo »

vam hat geschrieben:
07.04.2020, 17:51
Schön, dass es nachts so gut klappt. Wir hatten auch eine lange und unruhige Phase. Ich habe begonnen, auch untertags im Bett zu stillen. Bei ersten Zeichen, dass er wach werden könnte, bin ich dazugerutscht. Oder ich habe ihn im Tragetuch beim Spazierengehen schlafen lassen und bin zurück solange er noch schlief, dann rasch das Baby auspacken und Trinken anbieten.
Ich habe ihn vorhin nach dem Schlafen direkt angelegt und es war wirklich so viel ruhiger! Das werde ich morgen auf jeden Fall häufiger probieren 👍
Mit Babymaus 07/15 und Babybär 01/20

Lijo
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Re: Brustverweigerung, Trinkschwäche? Stillen mit Sonde

Beitrag von Lijo »

Leominor hat geschrieben:
07.04.2020, 20:25
Ja, wenn ausstreichen bei dir besser funktioniert ist das super und regt auf jeden Fall die Milchproduktion an! Dann mach doch das. Spart auch das abwaschen der Pumpe.
Ach super. Genau das mit dem abwaschen hab ich mir erhofft. Für die kleine Menge lohnt sich der Aufwand kaum. Danke dir
Mit Babymaus 07/15 und Babybär 01/20

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