Unter Druck

Fragen und Antworten rund um das Thema Stillen

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vam
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Unter Druck

Beitrag von vam »

Liebe alle,

ich bin seit September Mama eines ganz wunderbaren Buben und eigentlich könnte ich gar nicht glücklicher sein, wenn dieses Gewichtsthema nicht wäre.

Die Zunahme war zu Beginn großartig, er ist die ersten beiden Monate entlang der 50. Perzentile gewachsen. Im November plötzlich dann der Absturz um eine Hauptperzentile. Seitdem sind wir unter „Dauerkontrolle“ bei Kinderärztin oder Stillberaterin. Jede Woche wiegen, ich halte den Druck nicht mehr aus.

Es gibt keinen offensichtlichen Grund: Zungenband beim Chirurgen kontrolliert, wir stillen nach Bedarf, das Baby hat einen ordentlichen Zug drauf, beendet die Mahlzeit, ich denke, ich habe genug Milch (kann derzeit 150 ml pumpen), etc. Auch von Seiten der Experten kein konnte kein Problem benannt werden.

Von meinem Umfeld kommt nur „du musst dich entspannen“ (toller Ratschlag!), „ignorier den Arzt, der Kleine ist einfach aktiv“, „na gib ihm halt ein Flascherl“ - das möchte ich nicht. Mein Baby weint auch nicht nach dem Essen, er ist fröhlich oder schläft beim Trinken ein.

Es dreht sich alles nur noch ums Gewicht und ich bin bei jeder Mahlzeit unsicher, ob es denn „genug“ war.

Ich füttere schon abgepumpte, aufgerahmte Muttermilch zu. In der ersten Woche hatten wir eine tolle Zunahme von über 200 g, die Woche drauf nur noch 100 g. Woran kann das liegen, dass der Rahm nicht mehr „funktioniert“?

Da ja viele von euch auch schwierige Situationen durchgemacht haben und trotzdem eine lange Stillbeziehung aufrecht halten konnten: Wie habt ihr es geschafft, mit diesem Druck umzugehen? Hat jemand Erfahrung mit dem Verfüttern von aufgerahmter Milch?

Danke schon vorab für eure Erfahrungen!

Liebe Grüße
eine verzweifelte Mama
... mit dem kleinen Wilden (09/2019)

AnnaKatharina
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Re: Unter Druck

Beitrag von AnnaKatharina »

Liebe Vam,

Die großartigen Stillbersterinnen werden dir sicher helfen!
Dafür brauche sie alle Daten die im dem Post " wie funktioniert Stillberatun im SuT" aufgeführt sind.
Schau dir das mal an und ergänze alles hier im Thread.

Herzlich Willkommen
Mit K1 (4/2010) und K2 (5/2015)

vam
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Re: Unter Druck

Beitrag von vam »

Danke, aber da ich ja betreut werde, bin ich hier glaube ich kein Fall für die StillMods, wenn ich das richtig verstanden habe, oder?!
... mit dem kleinen Wilden (09/2019)

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Pelufer
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Re: Unter Druck

Beitrag von Pelufer »

Die wöchentliche Zunahme wird mit der Zeit weniger. Ich würde mir erstmal nicht zu viel Druck machen. Eventuell kannst du ab Beikostreife ein paar Extrakalorien untermogeln. Wenn du in Betreuung bist und die Kontrolle engmaschig erfolgt, hat jemand ein Auge drauf und würde Alarm schlagen, wenn es wirklich besorgniserregend wäre.
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Rinrin
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Re: Unter Druck

Beitrag von Rinrin »

vam hat geschrieben:
27.01.2020, 15:21
Danke, aber da ich ja betreut werde, bin ich hier glaube ich kein Fall für die StillMods, wenn ich das richtig verstanden habe, oder?!
Ohne deine stillberatung zu kennen wollte ich nur mal erwähnen dass es da scheinbar große Unterschiede auch auf fachlicher Ebene gibt von Person zu Person - auf persönlicher natürlich auch. Bei bekannten hat erst die dritte Beraterin ordentlich gepasst und nachhaltig helfen können.

Zu deinem Problem mit dem Druck: es ist eine extrem emotionale Situation (()) - manchmal hilft es sich ein wenig zu distanzieren und zu versuchen aus einem anderen blickwinkel draufzusehen. Hast du stressbewältigungsstrategien im Job die du adaptieren kannst? Oder vllt hilft dir autogenes Training um etwas mehr Ruhe für dich zu erwirken? Ändert nichts an der Situation aber hier geht es ja auch um dich und dein Wohlbefinden!
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Rinrin
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Re: Unter Druck

Beitrag von Rinrin »

vam hat geschrieben:
27.01.2020, 15:21
Danke, aber da ich ja betreut werde, bin ich hier glaube ich kein Fall für die StillMods, wenn ich das richtig verstanden habe, oder?!
Ohne deine stillberatung zu kennen wollte ich nur mal erwähnen dass es da scheinbar große Unterschiede auch auf fachlicher Ebene gibt von Person zu Person - auf persönlicher natürlich auch. Bei bekannten hat erst die dritte Beraterin ordentlich gepasst und nachhaltig helfen können.

Zu deinem Problem mit dem Druck: es ist eine extrem emotionale Situation (()) - manchmal hilft es sich ein wenig zu distanzieren und zu versuchen aus einem anderen blickwinkel draufzusehen. Hast du stressbewältigungsstrategien im Job die du adaptieren kannst? Oder vllt hilft dir autogenes Training um etwas mehr Ruhe für dich zu erwirken? Ändert nichts an der Situation aber hier geht es ja auch um dich und dein Wohlbefinden!
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lunovis
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Re: Unter Druck

Beitrag von lunovis »

Erstmal ein herzliches Willkommen und es tut mir Leid, dass du mit dem Stillen so einen Ärger hast!

Bei meinem Großen vor 6 Jahren gab es auch Probleme mit dem Gewicht und rückwirkend würde ich sagen, mein größter Fehler war, mich nicht hier beraten zu lassen ;)
Dabei habe ich schon viel im Forum gelesen, da aber schon verschiedene Leute mitgemischt haben (die sich natürlich alle nicht einig waren, was mir persönlich deutlich mehr Stress gemacht hat), habe ich davor zurückgeschreckt.

Vielleicht überlegst du es dir nochmal ;) Jenachdem, wie gut du dich bei deiner Stillberaterin und Kinderarzt betreut fühlst...


Zum Druck:
Ich denke, ganz wird der nicht weggehen, solange objektiv eine Gedeihstörung besteht. Da bleibt einem nicht viel, als am eigenen Umgang mit dem Stress anzusetzen (was natürlich besonders schwierig ist in so einer Belastungssituation).
Allerdings habe ich die Erfahrung gemacht, dass es viel ausmacht, ob man sich gut begleitet und aufgehoben fühlt, denn dann fällt ein ganzes Stück Druck auf einen selbst weg.

In jedem Fall wäre es sinnvoll, jemandem "vom Fach" die Interpretation der Gewichtsdaten zu überlassen. Dass die Zunahme diese Woche weniger war, als letzte, muss nicht bedeuten, dass irgendetwas schlechter geklappt hat.

Und Pelufer hat es schon erwähnt:
Eventuell ist dein Sohn bald beikostreif (meine ehemaligen Septemberbabys waren es um die Zeit schon). Dann müsstest du nicht allein beim Stillen ansetzen, sondern könntest hochkalorische Beikost anbieten. Vielleicht nimmt dir allein diese Möglichkeit am Horizont schon etwas Druck?
lunovis mit dem Großen (9/13), der Kleinen (9/16), dem Klitzekleinen (10/19), den Sternengeschwisterchen und ganz besonders tollem Mann

FrolleinS
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Re: Unter Druck

Beitrag von FrolleinS »

Hallo!

Damit dir geholfen werden kann, wäre es sicher gut, wenn du diese Fragen hier beantwortest.
viewtopic.php?f=2&t=212847

Aber bleib erst einmal ganz ruhig. Wenn er zwischen 100 und 200 g zunimmt, dann ist das doch in seinem Alter gar nicht mal so wenig. Und dass du so viel abpumpen kannst, ist super! Ein Kind muss ja auch nicht seine gesamte Kindheit hindurch einer Perzentile folgen. Gewisse Abweichungen sind durchaus normal.
https://www.stillkinder.de/gewicht-und- ... n-kindern/

Bestimmt nimmt sich ein StillMod bald deiner an.

Liebe Grüße
FrolleinS

vam
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Re: Unter Druck

Beitrag von vam »

Danke euch allen für eure Rückmeldungen und lieben Worte!

@Pelufer: Leider schaffe ich es nicht mehr so gut, mir keinen Druck zu machen ... auf die Beikostreife hoffe ich auch, der Zungenstoßreflex ist aktuell noch sehr ausgeprägt ...

@Rinrin: Die Job-Strategien funktionieren tageweise ganz gut, nur mit jedem Wiegetermin wird es schlimmer und der Tag/die Tage davor bin ich so extrem angespannt ... das spürt natürlich der Kleine auch.

@lunovis: Danke für deine Erfahrung und fürs Mutmachen!

@FrolleinS: Ich habe deine Geschichte mitverfolgt. Mein nächster Schritt ist auch das BES ...

Mir ist wichtig, dass mein Sohn gut versorgt ist und auch die Stillbeziehung zu ihm, da ich mir wirklich vorstellen kann, dass wir lange stillen. Er spürt meinen Druck sicher auch und ich will ihm das nicht antun, da tut er mir schon so leid.
... mit dem kleinen Wilden (09/2019)

vam
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Re: Unter Druck

Beitrag von vam »

* Ist Euer Baby ein Junge oder ein Mädchen?
Junge
* Wird oder wurde Euer Baby zugefüttert, wenn ja, mit was (Muttermilch, Formulanahrung)? Schreibt bitte die Mengen auf (wie oft und wieviel täglich) und womit zugefüttert wird oder wurde.
Ja, seit 16.1. mit aufgerahmter Muttermilch. Die genaue Rahmmenge kann ich nicht sagen, ich konnte täglich zw. 50 und 120 ml pumpen, die ich aufrahmen ließ.
* Bitte beschreibt, wie Euer Stillalltag für gewöhnlich aussieht: Wie oft und wie lange wird üblicherweise gestillt? Wie lang sind die Schlafpausen?
Wir stillen relativ genau im 2-Stunden-Takt, tendenziell eher kürzere Abstände. Auch nachts, hier ist die max. Pause 3 Stunden, nur selten verschläft er eine Mahlzeit und es werden ca. 5 Stunden. Wir stillen meist alleine in einem anderen Zimmer, damit er nicht abgelenkt ist. Er trinkt nicht immer beide Seiten, ich biete sie aber an. Brustkompression wende ich schon an.
* Wie oft pro Tag scheidet das Baby aus? Wie häufig hat es Stuhlgang?
Stuhlgang jeden Tag, meist ein Mal, manchmal bis zu vier Mal; einzelne Tage werden ausgelassen, dafür nachher umso mehr. Urinwindeln sind schwer zu sagen, da wir auch abhalten, aber sicher öfter als 6 mal.
* Berichtet auch von Eurem Stillstart und den ersten Wochen nach der Geburt, v.a.: Wie klappt(e) das Stillen? Unruhiges Baby? Andock-Probleme? Ganz großartiger Start! Hat sofort im Kreissaal angedockt, die ersten Wochen liefen super. Er ist ein wildes Baby, im November hatten wir eine Phase mit Brustweinen und Unruhe, das ist aber mittlerweile vorbei. Er strampelt viel, auch beim Stillen, nach wie vor. Manchmal ist er sehr aufgedreht und ich muss ihn erst beruhigen, bevor er andocken kann.
* Kennt es künstliche Sauger, also z.B. Flaschen, Hütchen, Schnuller?
nein
* Seid Ihr (bzw. Ist Euer Kind) bereits woanders in Behandlung/Beratung? Stillberatung, Kinderarzt, Hebamme, Osteopath, Krankengymnastik...?
Kinderarzt und Stillberatung, beim Osteopath waren wir auch, keine Blockaden
* Gibt es medizinische Besonderheiten, die das Stillen betreffen könnten? Z.B. Orthopädische Auffälligkeiten, Frühgeburt, Gelbsucht beim Baby? Brust-Operationen, Schilddrüsen- und andere chronische Erkrankungen (Übergewicht, Diabetes, PCOS,...) bei der Mutter? Medikamenteneinnahme?
kurzes Zungenbändchen, das vom Chirurgen kontrolliert und für ok befunden wurde

Der nächste Schritt ist nun das Brusternährungsset, über das ein Drittel der täglichen Gesamttrinkmenge zugefüttert werden soll (ca. 300 ml). Alternativ sollen Stillproben über einige Tage durchgeführt werden, um zu dokumentieren, dass er genug bekommt. Das kann ich mir aber nicht vorstellen, wie ich das nervlich schaffen soll.

Ich bin natürlich bereit zuzufüttern, aber Pre in der Flasche ist keine Option für mich. Da schiebe ich lieber noch eine Pumpsession ein ...

Liebe StillMods, da mich die anderen Mamis hier ermutigt haben, gebe ich euch doch noch weitere Details. ich weiß, dass Doppelberatungssituationen nicht sinnvoll sind. Leider konnte ich nicht durchgängig von einer Stillberaterin betreut werden und es gibt Fragen, die mir nicht beantwortet werden konnten:
Warum hat das Aufrahmen in der ersten Woche funktioniert und in der zweiten nicht? Was kann ich optimieren?
Ist das BES die sinnvollere Anwendung in unserem Fall?
Wie soll mir die Wiegeprobe weiterhelfen?
Warum ist mein Baby nie nach dem Essen unzufrieden? Er müsste dann ja vor Hunger weinen, wenn er zuwenig bekommt, oder?
Mein Baby spuckt oft (jeden Tag mehrmals). Ist das nicht ein Zeichen, dass es voll wäre? Wie gehe ich damit um, wenn dann noch mehr verfüttert werden soll?
Welche Gründe für die mangelnde Gewichtszunahme kann es noch geben?

Was ist aus eurer Sicht das Sinnvollste? Vielleicht habt ihr ja doch einen Tipp oder Input für mich, ich bin für jeden kleinen Hinweis sehr dankbar!

Gewichtsverlauf:
12.09.: 3.600 g, KH
13.09.: 3.410 g, KH
14.09.: 3.440 g, KH
17.09.: 3.520 g, Hebamme
19.09.: 3.640 g, Hebamme
23.09.: 3.840 g, Hebamme
02.10.: 4.200 g, Hebamme
07.10.: 4.380 g, Hebamme
25.10.: 4.960 g, Kinderarzt
13.11.: 5.460 g, Kinderarzt
19.11.: 5.610 g, Kinderarzt
28.11.: 5.700 g, Kinderarzt
04.12.: 5.790 g, Kinderarzt
09.12.: 5.870 g, Kinderarzt
18.12.: 5.910 g, Kinderarzt
07.01.: 6.240 g, Kinderarzt
10.01.: 6.300 g, Stillberaterin
17.01.: 6.540 g, Stillberaterin
24.01.: 6.640 g, Stillberaterin
... mit dem kleinen Wilden (09/2019)

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