Kommentare zum Stillen...

Fragen und Antworten rund um das Thema Stillen

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Lynn19
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Re: Kommentare zum Stillen...

Beitrag von Lynn19 »

Entschuldige Adjoa, ich hatte grade deinen Post übersehen.

Gott sei Dank sind die drei Frauen bei mir recht offen und auch sehr konstruktiv.
Meine Mutter zb hat mich nur so kurz gestillt, weil man es halt so machte (1987), und sagte selbst sie wurde dann selbstbewusster und selbstbewusster bei meinen Schwestern. Übrigens auch was das Schlafen angeht. Ich als älteste hatte von Anfang an mein eigenes Zimmer. In der Nacht hat mein Vater mich meiner Mutter zum Stillen gebracht und wieder zurückgelegt. Meine Schwestern haben direkt im Beistellbett geschlafen. Ich wurde nach Breifahrplan "abgeflascht", vor allem meine jüngste Schwester war ein nahezu 100% BLW Kind (ohne das man das damals schon benennen konnte :-) )
Am schwierigsten ist noch meine Oma, da habe ich mir manches auch zusammengereimt. Neulich hatten wir noch ein schönes Gespräch über Geburten, da meine Kleine eine ungeplante Hausgeburt wurde. Dies war natürlich zu Omas Zeiten ganz normal. Als Oma ihr zweites Kind im Krankenhaus bekam, war natürlich völlig normal, dass mein Opa nicht mit im Kreißsaal war.

Ich würde glaube ich mehrere kleine Gespräche zu Einzelthemen führen und so nach und nach die Geschichte vervollständigen. Oder auch unverfänglich anfangen als "ich habe gehört das...kannst du das bestätigen?" Oder in deinem konkreten Fall "ich bin neugierig, kannst du mir nochmal was zu den Stillproben erzählen damals?" Zb auch mit dem Nachsatz: eine Freundin/Bekannte muss das jetzt machen (auch wenn es gar nicht stimmt) und du hast da doch Erfahrung..natürlich neutral interessiert und nicht wertend. Vielleicht lässt sie sich ja darauf ein.
Lynn mit dem Großem (3/18) und der Kleinen (3/20)

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Loreen
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Re: Kommentare zum Stillen...

Beitrag von Loreen »

Ich finde es total krass, dass Rooming-In anscheinend noch nicht selbstverständlich ist heute :shock:

Mein Bruder und ich sind in der DDR geboren, er Anfang der 80er und ich Ende der 80er. Bei meinem Bruder gab es keinerlei Rooming-In (tagsüber aller vier Stunden zum Stillen), bei mir zumindest tagsüber. Bei meinem Bruder hat Stillen dadurch nur sehr kurz geklappt und bei mir wenige Monate - dann wurde die Milch "zu wenig". Wir wurden definitiv in der Klinik geferbert. Meine Mutter meinte, wir wären im Bezug auf Schlafen ja völlig unkompliziert gewesen. Sie hat aber nach Bedarf Flasche gegeben und bei den Gesprächen mit den Ärzten immer nur fleißig genickt und 'ja, mache ich' gesagt :lol: Schnuller war auch völlig normal von Anfang an und wenn es warm wird, muss man "natürlich" Tee zuführen...
Meine Mutter und ich haben nicht das beste Verhältnis, aber aus ihren Erzählungen hört man raus, dass sie uns als Babies geliebt hat und für uns da war. Dafür bin ich ihr bis heute dankbar. Der Rest, naja, da kann ich mit ihr nicht drüber sprechen, hat aber mit dem Thema nix zu tun ;)

Sie ist sehr offen gewesen für alles, was man heute so weiß und hat uns nie versucht zu erzählen, wir würden das falsch machen, weil früher... Als sie mir von der ersten Zeit mit meinem Bruder und eben mit mir erzählte, den Stillabständen und so, habe ich vorsichtig angedeutet, dass das wahrscheinlich dazu beigetragen hat, dass das Stillen nicht (mehr) gut ging. Ich habe aber hinzugefügt, dass das damals eben normal war. Woher hätte sie es denn anders wissen sollen? Ich denke, es ist wichtig, dass man keine Vorwürfe mit einer solchen Aufklärung transportiert. Ansonsten bin ich ganz oft bei mir und meinem Kind oder im "man"-Modus geblieben, wenn ich etwas zum Stillen/Bonding/Tragen/... erzählt habe.
Die Frage ist ja auch: Muss das jetzt wirklich aufgeklärt werden? Ich muss ja nicht für jemand anderen die Übertragungsarbeit leisten. Also "x ist gut, weiß man heute" zu "also war es schlecht, dass ich x nicht gemacht habe" - ganz grob vereinfacht. Das kann die Person ja für sich entscheiden.

Leominor, ich seh dich in der Vorschau. Ich finde deinen letzten Satz gut, da unterschreib ich.
Kleiner Widdermann April 2015 - gestillt, getragen, windelfrei und nachts im Familienbett

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Loreen
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Re: Kommentare zum Stillen...

Beitrag von Loreen »

Bei mir im Krankenhaus wurde ich darauf hingewiesen, dass es - ich weiß gar nicht mehr, was genau gesagt wurde - versicherungstechnisch? gefährlich? oder so wäre, wenn der Kleine mit im Fb schläft, als sie gesehen haben, dass er mit im Elternbett lag (Familienzimmer mit Doppelbett). Aber das war auch nur, weil sie das sagen mussten, so um sich abzusichern. Dagegen hatte da niemand was. Ich hätte mein Kind nicht auf dem Flur rumtragen wollen. Mein Beckenboden fühlte sich so schlimm an, der Wochenfluss war eher ein Sturzbach... Ich habe mein Kind in der Schale rumgeschoben, wenn er geschlafen hat.

Meine Oma hat mir erzählt, dass ihr zweites Kind zu einer sehr geburtenstarken Zeit zur Welt gekommen ist und die Kreißsäle voll mit Frauen waren, selbst der Flur war voll. Sie meinte, wenn sie bei der ersten Geburt nicht ganz tolle Begleitung gehabt hätte, hätte sie keine Ahnung gehabt, wie sie mit der Situation umgehen muss. So hat sie eben einfach ihr Ding gemacht und kam gut klar. Ich hab trotzdem so :shock: geguckt.
Kleiner Widdermann April 2015 - gestillt, getragen, windelfrei und nachts im Familienbett

Adjoa
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Re: Kommentare zum Stillen...

Beitrag von Adjoa »

Danke für eure Antworten! Ich find eure Ideen und Anregungen sehr wertvoll und werde euren Ansatz aufgreifen, um mit meiner Mutter ins Gespräch zu kommen.
Adjoa mit Motti (02/19)

Leja
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Re: Kommentare zum Stillen...

Beitrag von Leja »

Adjoa hat geschrieben:
20.06.2020, 20:51
Und eigentlich möchte ich diese Mythen und den ganzen Quatsch, den man ihr damals erzählt hat, so nicht stehen lassen.
Ich versuche bei dem Thema nur vehement zu sein, wenn mir entweder jemand einzureden versucht, dass mein Weg falsch ist oder wenn jemand vor Müttern oder potentiellen Müttern gefährliches Halbwissen verbreitet. Wenn meine Oma/ meine Schwiegermama erzählt haben, dass das Stillen bei ihren nicht geklappt hat aus diversen mittlerweile als überwindbar erwiesenen Problemen, dann hab ich ihnen das Recht auf ihre Sicht der Dinge zugestanden und immer wieder mal ein „heute gibt es ja glücklicherweise mehr Wissen/ bessere Beratung zu dem Thema“ oder was in der Art eingestreut. Ich kann ja aus meiner Perspektive wirklich nicht beurteilen, was passiert wäre, wenn... und sie haben auch nichts von nachträglichem schlechtem Gewissen. Ich mag nur nicht, dass zB meine noch kinderlose Schwägerin dann früh abstillt nur weil ihre Schwiegermutter ihr erzählt, dass sie ihr Kind wahrscheinlich bald abstillen und ihm die Flasche geben muss, weil dass damals bei ihrem Sohn auch so war als er so viel gestillt hat... (klingt jetzt eigentlich nachträglich viel schlimmer ... als sie das damals zu mir gesagt hat, hab ich es glaub ich gar nicht so arg gefunden und nur gesagt: „Werden wir dann ja eh sehn.“)
Zwuck (9/2014) und Mikrobaby im Bauch (11/2020)
-Ministernchen (9/2019)-

Adjoa
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Re: Kommentare zum Stillen...

Beitrag von Adjoa »

Leja hat geschrieben:
20.06.2020, 21:41
Adjoa hat geschrieben:
20.06.2020, 20:51
Und eigentlich möchte ich diese Mythen und den ganzen Quatsch, den man ihr damals erzählt hat, so nicht stehen lassen.
Ich versuche bei dem Thema nur vehement zu sein, wenn mir entweder jemand einzureden versucht, dass mein Weg falsch ist oder wenn jemand vor Müttern oder potentiellen Müttern gefährliches Halbwissen verbreitet. Wenn meine Oma/ meine Schwiegermama erzählt haben, dass das Stillen bei ihren nicht geklappt hat aus diversen mittlerweile als überwindbar erwiesenen Problemen, dann hab ich ihnen das Recht auf ihre Sicht der Dinge zugestanden und immer wieder mal ein „heute gibt es ja glücklicherweise mehr Wissen/ bessere Beratung zu dem Thema“ oder was in der Art eingestreut. Ich kann ja aus meiner Perspektive wirklich nicht beurteilen, was passiert wäre, wenn... und sie haben auch nichts von nachträglichem schlechtem Gewissen. Ich mag nur nicht, dass zB meine noch kinderlose Schwägerin dann früh abstillt nur weil ihre Schwiegermutter ihr erzählt, dass sie ihr Kind wahrscheinlich bald abstillen und ihm die Flasche geben muss, weil dass damals bei ihrem Sohn auch so war als er so viel gestillt hat... (klingt jetzt eigentlich nachträglich viel schlimmer ... als sie das damals zu mir gesagt hat, hab ich es glaub ich gar nicht so arg gefunden und nur gesagt: „Werden wir dann ja eh sehn.“)
Ja, das geht mir auch so. Ich möchte auch vermeiden, dass bspw. die Freundin meines Bruders solche Geschichten von meiner Mutter erzählt bekommt. Ich ärgere mich rückblickend sehr darüber, dass mir meine Mutter während meiner Schwangerschaft wiederholt gesagt hat, dass ich damit rechnen müsse, ggf. nicht stillen zu können und ich deshalb total verunsichert war.

Ach.. Schwieriges Thema.
Adjoa mit Motti (02/19)

vam
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Re: Kommentare zum Stillen...

Beitrag von vam »

Adjoa hat geschrieben:
20.06.2020, 21:50
Leja hat geschrieben:
20.06.2020, 21:41
Adjoa hat geschrieben:
20.06.2020, 20:51
Und eigentlich möchte ich diese Mythen und den ganzen Quatsch, den man ihr damals erzählt hat, so nicht stehen lassen.
Ich versuche bei dem Thema nur vehement zu sein, wenn mir entweder jemand einzureden versucht, dass mein Weg falsch ist oder wenn jemand vor Müttern oder potentiellen Müttern gefährliches Halbwissen verbreitet. Wenn meine Oma/ meine Schwiegermama erzählt haben, dass das Stillen bei ihren nicht geklappt hat aus diversen mittlerweile als überwindbar erwiesenen Problemen, dann hab ich ihnen das Recht auf ihre Sicht der Dinge zugestanden und immer wieder mal ein „heute gibt es ja glücklicherweise mehr Wissen/ bessere Beratung zu dem Thema“ oder was in der Art eingestreut. Ich kann ja aus meiner Perspektive wirklich nicht beurteilen, was passiert wäre, wenn... und sie haben auch nichts von nachträglichem schlechtem Gewissen. Ich mag nur nicht, dass zB meine noch kinderlose Schwägerin dann früh abstillt nur weil ihre Schwiegermutter ihr erzählt, dass sie ihr Kind wahrscheinlich bald abstillen und ihm die Flasche geben muss, weil dass damals bei ihrem Sohn auch so war als er so viel gestillt hat... (klingt jetzt eigentlich nachträglich viel schlimmer ... als sie das damals zu mir gesagt hat, hab ich es glaub ich gar nicht so arg gefunden und nur gesagt: „Werden wir dann ja eh sehn.“)
Ja, das geht mir auch so. Ich möchte auch vermeiden, dass bspw. die Freundin meines Bruders solche Geschichten von meiner Mutter erzählt bekommt. Ich ärgere mich rückblickend sehr darüber, dass mir meine Mutter während meiner Schwangerschaft wiederholt gesagt hat, dass ich damit rechnen müsse, ggf. nicht stillen zu können und ich deshalb total verunsichert war.

Ach.. Schwieriges Thema.
Da würde ich proaktiv vorgehen und die Halbwahrheiten aufklären oder das SuT bewerben 😉 Von Erfahrungen und Erfolgsgeschichten hier gibt es ja genug zu berichten, um ein bisschen Gegenwind zu den halbwahren Horrorstorys zu machen. Das kann man ja respektvoll rüberbringen, neuester Forschungsstand, etc. Oder auch etwas anderes Nettes sagen. Meine Mama hat mich nicht gestillt, aber es gibt ja noch tausende andere Dinge, für die ich ihr dankbar bin.

Bevor ich hier gelandet bin, hatte ich mit 2 Stillberaterinnen und 3 Hebammen Kontakt und alle (!) haben mir 1. Unterschiedliches geraten und 2. etwas Falsches erklärt! Also das Problem des schlecht-beraten-Seins gibt es meiner Erfahrung nach auch heute noch. Abstillen nach Breifahrplan ist z.B. beim Kinderarzt offenbar immer noch Standard. Wir haben zum Glück mehr Möglichkeiten, weiter zu recherchieren. Unsere Mütter mussten ja auf das vertrauen, was ihnen die „Experten“ sagten.
... mit dem kleinen Wilden (09/2019)

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ShinyCheetah
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Re: Kommentare zum Stillen...

Beitrag von ShinyCheetah »

Abstillen nach Breifahrplan ist ja nicht falsch ;)
mit Sohn F (Ende September 18)

vam
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Re: Kommentare zum Stillen...

Beitrag von vam »

Stimmt, das kann man so mit dem Ursprungsthema nicht mehr vergleichen.

Ich habe es auf langfristig stillfreundlich bezogen. Wenn ich das umgesetzt hätte, was mir geraten wurde, würde unsere Stillbeziehung wohl nicht mehr so sein und die möchte ich noch nicht beenden. Weil ich in der Hinsicht auch sehr einseitig informiert wurde, wie andere Mütter in meinem Umfeld, deren Kinder sich „plötzlich“ tagsüber abgestillt hatten und Essen bevorzugen. Ich hoffe, man versteht, wie ich das meine.
... mit dem kleinen Wilden (09/2019)

nido56
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Re: Kommentare zum Stillen...

Beitrag von nido56 »

Ich habe das hier, glaube ich schonmal erzählt. Ich bin ein Kind der frühen 70er und meine Mutter ist noch vor dem Krieg geboren und hat die volle Breitseite an Nazierziehung abbekommen. Sich offen gegen Autoritäten aufzulehnen, war bei ihr einfach nicht drin. Und dazu zählten eben auch Ärzte und Schwestern und die Familie.

Kurz vor der Geburt wurde sie in Vollnarkose gelegt, weil man das in ihrem Krankenhaus immer so machte. Keine Ahnung, wie man mich dann da raus bekommen hat, vermutlich mit Kristellern. Sie ist jedenfalls mit einem gigantischen Dammschnitt aufgewacht.

Dann 2 Wochen Krankenhaus, während derer sie mich tagsüber alle 4 Stunden für 30 Minuten zum Stillen sehen durfte. Das Resultat war dann dass sie "zu wenig Milch" hatte und ich zugefüttert wurde. Dann war ich "zu faul und bequem zum Stillen", so dass sie immer mehr zufüttern musste.

Auf jeden Fall kam ich schön fertig geferbert aus dem Krankenhaus, habe dann auch brav durchgeschlafen und war "überhaupt kein Kuschelkind". Wundert mich nicht wirklich.

Ganz abgestillt wurde ich dann mit 3 Monaten, weil da die Schwiegerfamilie beschlossen hat, dass es jetzt mal reicht und die Frau sich endlich mal wieder richtig um ihren Mann kümmern sollte. Also kam ich zu den Großeltern, und sie musste meinen Vater für ein Wochenende zu einem Geschäftsevent begleiten. Sie hat 4 Stunden im Auto durchgeheult und ist dort beim Galadinner umgekippt und ohnmächtig geworden. Aber da musste sie durch.

Meine Mutter ist klug und recht reflektiert. Sie weiß heute selbst, dass vieles hatte anders laufen können, wenn man sie anders beraten hätte. Ich denke, sie hatte damals eine ziemliche Wochenbettdepression. Wir hatten immer ein sehr gutes Verhältnis, allerdings kann ich mir nicht vorstellen, meine Mutter zu umarmen oder zu küssen.
nido mit dem kleinen Piraten (01/2012)

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