Stillen in DDR - historische Frage

Fragen und Antworten rund um das Thema Stillen

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honigtopf2010
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Stillen in DDR - historische Frage

Beitrag von honigtopf2010 »

Hallo,
kann mir jemand gesichert erzählen, wie es beim Thema 'Stillen' in der DDR so zuging?
Ich schreib erst mal weshalb ich das wissen möchte: Für Frauen ab 50 scheine ich hier ein Phänomen zu sein. Mit 11 Monaten noch zu stillen ist eher ungewöhnlich. Die meisten Antworten die ich bekomme sind: 'Ich wollte, aber ich hatte keine Milch.' 'Ich wollte, aber das Kind war zu faul.' 'Ich hatte keine Brustwarzen.' 'Ich hatte nicht genug Milch.' usw... Ihr glaubt nicht, wieviele dramatische Stillgeschichten ich schon gehört habe. Also ich fand sie schlimm. Die Frauen meist gar nicht so. Das macht mich nachdenklich.
Ich schreib auch mal, was ich schon weiß: Die Frauen gingen früh wieder arbeiten. Anfangs gleich nach dem Mutterschutz. Erst Mitte der 70er gab es das bezahlte Babyjahr. In der Klinik wurden die Babys in einem extra Zimmer untergebracht. 4 Stunden war der Rhythmus. Es wurde zugefüttert. Aber gab es Stillberatungen? Wie war das Stillen angesehen?
Ich bin gespannt, ob jemand was zu berichten weiß.
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Urania
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Re: Stillen in DDR - historische Frage

Beitrag von Urania »

ich weiss nicht wie es in DDR war,aber hier in Süd Deutschland ging es genau so wie du beschreibst.
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Nilo
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Re: Stillen in DDR - historische Frage

Beitrag von Nilo »

Was du über KKH schreibst stimmt. Regelmäßiges Wiegen fand natürlich auch statt, ABER: auf der anderen Seite gab es ein gutes Netz an Milchbanken und es gab Prämien für pumpende (und spendende) Mütter.
Naja, und da es vermutlich keine Stillpausen während der Arbeit gab war Flasche geben natürlich praktischer.
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Nion-Saille
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Re: Stillen in DDR - historische Frage

Beitrag von Nion-Saille »

Hallo,

meine Schwiegermama erzählte mal was von Milchbanken, die Frauen bekamen gut Geld für Muttermilch.

Kann sie ja mal gerne fragen wie das fürher war (Beikost gabs recht früh, Kloß etc :roll: ).

LG
Moni
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sari popari
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Re: Stillen in DDR - historische Frage

Beitrag von sari popari »

Ich bin in der DDR geboren, genau wie meine Schwester und wir wurden beide nicht gestillt. Meine Mutter hat nie ein großes Wort darüber verloren, lediglich, dass die hygienischen Bedingungen nicht so optimal waren und sie sich jedesmal was eingefangen hatte und wegen irgendwelcher Entzündungen nicht stillen konnte. Ich weiß nicht, wie angesehen Mumi war, aber unterstützt hat man stillende Mütter nicht besonders gut. Ich weiß gar nicht, ob meine Mutter weiß, wa eine Stillberaterin ist?! Ich muss sie mal ausquetschen.. ;-)
Liebe Grüße,
sari mit groß A (2007) und klein A (2009)

honigtopf2010
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Re: Stillen in DDR - historische Frage

Beitrag von honigtopf2010 »

Ja, fragt doch mal! Es ist nämlich hoch interessant. Und hätte ich nicht zwei stillverrückte Hebis gehabt. Wer weiß. Naja. Ich war auch zu faul mich über Flaschen und den Kram zu belesen.:-)
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Sonnenschein
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Re: Stillen in DDR - historische Frage

Beitrag von Sonnenschein »

Also ich meine mal gehört zu haben, dass in der Dresdener und Leipziger Gegend schon zu DDR-Zeiten so was wie ne Hochburg für Stillberatung war über die LLL. Ob die sich da offiziell so nennen durften und wie aktiv sie waren, keine Ahnung.
Von einer entfernten Bekannten weiß ich, dass sie zu DDR-Zeiten bei ihrer Tocher eine Brustentzündung hatte und dann neben einem Rezept für Antibiotika ein zweites bekam, mit dem sie sich Milch für ihre Tochter bei der Milchbank abholen konnte, so dass sie danach problemlos weiter stillen konnte.
Stillryhthmus mit 4 Stunden und frühe Beikosteinführung kenne ich auch so. Meine Mutter war sooo stolz, dass meine Schwester mit 6 Monaten schon alles mögliche aß....
Liebe Grüße,

Peggy mit Musikus (*06/2004), Erzählbär (*07/2010) und Schelm (*07/2013)



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Steff
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Re: Stillen in DDR - historische Frage

Beitrag von Steff »

Zwar auch nicht DDR, aber ich hab letzte Woche noch in einem Gyn-Buch von 1975 ungefähr wie folgt gelesen.

Der Säugling (Neugeborenes) erhält 5 Mahlzeiten zwischen 6 und 21 Uhr. Es darf auf jeder Seite nur 15 Minuten angelegt werden. Danach muss die Brustwarze und der Hof mit einem sterilen Lappen gesäubert und anschließend mit einem sterilen Lappen abgedeckt werden.


Da wundert es mich überhaupt nicht, dass in den 70ern niemand stillen konnte, die Milchmenge weniger wurde und und und. Unter den Umständen würde es heute auch keiner schaffen.

Kamen in der DDR die Babys nicht auch früh in Krippen? Ich weiß von einer Bekannten aus Berlin, dass sie ihre Tochter ganz früh von morgens bis abends abgeben musste und sehr darunter gelitten hat. Finde dann gestaltet sich stillen auch schwierig.
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Re: Stillen in DDR - historische Frage

Beitrag von Mamma Ju »

Also von meiner Mutti weiß auch ich dass sie mich nachts garnicht anlegen sollte. Da gabs richtige Zeitvorgaben an die man sich halten sollte. Sie erzählte ich hab immer geschrien - auch tags- weil aller 4 Stunden. :roll: Zwischendurch hat sie wohl abgepumpt weil sie soviel Milch hatte und hat sie abgegeben.

Und sie findet es so toll dass es heutzutage die Nachsorgehebi gibt. Sie stand wohl damals ziemlich alleine da, da es außer Mütterberatung (ich glaube ziemlich selten- oder mit langer Wartezeit?) nix weiter gab. Sie hat dann alles nach Gefühl gemacht. Stillberatung gabs garnicht. (Dresdner Raum, 80er Jahre)

Ja mit 3 Monaten (?) wurden viele in die Grippe gegeben da die Muttis wieder arbeiten mussten. Solange hat man halt gestillt und dann gabs Flasche. Meine Mutti war ja zuhause (hat von zuhause gearbeitet- arbeitslos war ja keiner) hat mich allerdings auch nur einige Monate gestillt. Und dann wurde gleich Brei angefangen (Möhre -selbstgemacht natürlich)


Vielleicht fällt mir noch mehr ein was sie so erzählt hat... :)
viele Grüße Judith und der Rest :-)

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clermontine
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Re: Stillen in DDR - historische Frage

Beitrag von clermontine »

Meine Mutter war ganz erstaunt, dass bei mir mit dem Stillen so gut klappt, weil bei ihr auch die Milch nicht mehr reichte...
Sie erzaehlte mir, schon bevor ich selbst Mutter wurde, dass es bestimmte Zeitvorgaben, naemlich besagte 4 Stunden gab. Im Krankenhaus waren Mutter und Kind getrennt. Zu Hause habe ich wohl gleich die Nacht durchgeschlafen. Kein Wunder also, dass die Milch weniger wurde.
Mein Bruder war zu damaligen Zeiten ein "Schreikind" und meine Mutter ist sich heute ziemlich sicher, dass es einfach an diesem strengen 4 Std Rhythmus lag und er einfach Hunger hatte.

Mir tut das voll leid, denn meine Mutter haette gerne laenger gestillt (und hat nun, nachdem wir uns ueber das Stillen austauschten ein schlechtes Gewissen), aber sie wusste es halt nicht besser.
LG Clermontine mit Sohn (09/09) und Tochter (04/12)

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