Vegan - Kinderarzt strikt dagegen

Was kommt nach dem Vollstillen?

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Serafin
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Re: Vegan - Kinderarzt strikt dagegen

Beitrag von Serafin » 05.02.2018, 10:14

Kalotta93 hat geschrieben:
05.02.2018, 10:11
Aber auch mit Fastfood fehlen einem erst mal ganz, ganz lange keine lebenswichtigen Dinge- bei vegan und nicht gutem Wissen schon sehr schnell, gerade kleinen Kindern.......Da sehe ich schon einen Unterschied.
Natürlich sollte der Arzt da eben mal genauer nachfragen, wenn er Zweifel hat.
[/quote]


Puuuh. Also mit frischem bio Obst und Gemüse, Nüssen, Samen, Hülsenfrüchten, Vollgetreide- und Pseudogetreideprodukten (=veganes Essen) werden Aminosäuren, Fette, Vitamine, Mineralien und Spurenelemente jedenfalls zuverlässiger abgedeckt, als mit McDoof und Tiefkühlpizza.
[/quote]

Und wie viele essen denn Samen, Nüsse, Hülsenfruüchte, Vollgetreide und Pseudogetreide, wenn sie nur das tierische weglassen?

Ich denke, da sind einfach Statistiken dahinter. So und so viele Veganer haben Probleme, so und so viele Vegetarier, so und so viele Allesesser. Und danach müssen! die Ärzte ihre Empfehlungen ausgeben.
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Mandala345
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Re: Vegan - Kinderarzt strikt dagegen

Beitrag von Mandala345 » 05.02.2018, 10:20

@Sandküste: In Regionen, in denen Fastfoodkonsum stark verbreitet ist, wie Amerika oder auch England, sind Mangelerscheinungen leider auch bei sehr kleinen Kindern oft weit verbreitet.

Ich kenne zwar nicht alle Veganer, aber ich würde behaupten, dass diese Lebensmittel doch sehr weit verbreitet sind in der veganen Esskultur :)
mit Elfe (05/16) und Fee (09/17)

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Re: Vegan - Kinderarzt strikt dagegen

Beitrag von Lösche Benutzer 24537 » 05.02.2018, 10:25

B Vitamine sind vor allem in Getreide, Hülsenfrüchten und Pseudogetreiden enthalten. Bei B12 kann man dann anfangen zu entscheiden. Auch absolut nicht vegan lebende Menschen haben einen B12 Mangel. Wieso? Meine seit Jahrzehnten vegan lebende Gastfamilie hat ohne Supplemente keinen B12 Mangel. Wieso? Kann der Körper doch selbst synthetisieren? Muss das Gemüse ungewissen aus eigenem Anbau gegessen werden? Fragen über Fragen. Sich mit ner B12 Zahnpasta die Zähne putzen tut jedenfalls keinem weh und ein jährliches Blutbild auch nicht. Naja. Doch. Das tut kurz weh ;)

Lösche Benutzer 24537

Re: Vegan - Kinderarzt strikt dagegen

Beitrag von Lösche Benutzer 24537 » 05.02.2018, 10:33

Ach kommt... ;) man muss kein Ökotrophologie studieren, sondern nur mal kurz in ne Tabelle vom Vebu schauen. Ich jedenfalls kenne überwiegend ungesund essende Omnivoren und überwiegend gesund essende Veganer. Aber so kennt halt jeder jemanden, der jemanden kennt...

Von viel Wissen über Ernährung kann man bei dem hier besprochenen Arzt jedenfalls nicht reden. Sonst wäre seine Reaktion definitiv anders ausgefallen. Zum Beispiel : "oh spannend! Nüsse, Samen und Co haben Sie bereits integriert?..."

Lösche Benutzer 24537

Re: Vegan - Kinderarzt strikt dagegen

Beitrag von Lösche Benutzer 24537 » 05.02.2018, 10:38

Damit einfach nur das Tierische weg zu lassen ist natürlich nur dann geholfen, wenn die zuvor nicht überwiegender Träger von Nährstoffen waren. An 3iner Schule, an der ich mal arbeitete hab ich mir diesbezüglich die Zähne ausgerissen. Für die Allesesser gab es hellen Nudeln mit Ei und Hähnchen. Für die Vegetarier Nudeln mit Ei und ihr könnt raten, was es für mich als Veganerin gab ;)

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Re: Vegan - Kinderarzt strikt dagegen

Beitrag von MamaDrache » 05.02.2018, 10:57

So, habe mir das Positionspapier der DGE ganz durchgelesen.

Die Zusammenfassung zu Beginn ist ja sehr abschreckend. Wenn man allerdings weiter liest, steht dann z.B.:

"Bei veganer Ernährung besteht eine Versorgungsproblematik für einige Nährstoffe (Tabelle 2), deren Auswirkungen insbesondere für Menschen in sensiblen Lebensphasen (z. B. Wachstum) nachteilig für die Gesundheit sein können. Sich vegan ernährenden Schwangeren und Stillenden, vegan ernährten Kindern vom Säuglingsalter an über die gesamte Wachstumsphase bis hin zu sich vegan ernährenden Jugendlichen muss daher gesonderte Aufmerksamkeit gelten. Diese speziellen Bevölkerungsgruppen haben ein höheres Risiko für Nährstoffdefizite [30]. Zur umfassenden Beurteilung der Versorgungssituation dieser genannten Risikogruppen fehlen aktuelle aussagekräftige Studien mit vegan lebenden Menschen. Fallberichte zeigen, dass bei Säuglingen, deren Mütter sich vegan ernährten, die Versorgung mit Vitamin B12 und Jod nicht ausreichend gewährleistet war und es zu neurologischen Störungen und megaloblastischer Anämie bzw. Struma kam [46, 47, 52, 56]. Die Nährstoffversorgung bei veganer Ernährung in der Schwangerschaft wurde in einer systematischen Übersichtsarbeit untersucht. Dabei war die Studienlage sowohl hinsichtlich der methodischen Herangehensweise der untersuchten Studien, deren Qualität teilweise als gering beurteilt wurde, als auch hinsichtlich der Ergebnisse heterogen. Unter Berücksichtigung dieser Einschränkungen kommen die Autoren zu dem Schluss, dass eine frei gewählte vegetarische oder vegane Ernährung ohne finanzielle Einschränkungen in der Schwangerschaft sicher ist, wenn die Nährstoffversorgung beobachtet wird und Nährstoffdefizite kompensiert werden [3]. Bei Bevölkerungsgruppen mit besonderem Anspruch an die Nährstoffversorgung ist daher eine gezielte Lebensmittelauswahl und -zubereitung (hochwertige, nährstoffdichte Lebensmittel, altersgerechte Zubereitungs- und Darreichungsform) erforderlich.
Besonders in Phasen des Wachstums und in Phasen mit erhöhtem Nährstoffbedarf sollten die Zufuhr und die Versorgung mit Nährstoffen regelmäßig überprüft werden (Ernährungsberatung, Arzt), um bei unzureichender Versorgung die Zufuhr einzelner Nährstoffe durch den präzise kalkulierten Verzehr entsprechend angereicherter Lebensmittel bzw. die Einnahme von Nährstoffpräparaten zu optimieren [2, 3]. Eine ausreichende Vitamin-B12-Versorgung ist nach derzeitigem Kenntnisstand bei veganer Ernährung ohne die Einnahme von Nährstoffpräparaten nicht möglich."

"[...] durch eine gezielte Lebensmittelauswahl und gute Planung ist es möglich, eine vegane Kost zusammenzustellen, bei der kein Nährstoffmangel auftritt."

"Menschen, die sich vegan ernähren möchten, sollten
• dauerhaft ein Vitamin-B12-Präparat einnehmen sowie die Versorgung mit Vitamin B12 regelmäßig ärztlich überprüfen lassen;
• sehr gezielt nährstoffdichte Lebensmittel und angereicherte Lebensmittel auswählen, um die Nährstoffversorgung, insbesondere die Versorgung mit den kritischen Nährstoffen (Tabelle 2), sicher zu stellen;
• gegebenenfalls die Versorgung mit weiteren kritischen Nährstoffen regelmäßig ärztlich überprüfen lassen und generell bei einem festgestellten oder möglichen Nährstoffmangel sowohl die Ernährung umstellen als auch über Nährstoffpräparate oder angereicherte Lebensmittel die kritischen Nährstoffe solange zuführen, bis der Nährstoffmangel behoben ist;
• sich von einer qualifizierten Ernährungsfachkraft [82] informieren und beraten lassen."

"Da sich mit dem Verzicht auf jegliche tierische Lebensmittel das Risiko für Nährstoffdefizite und damit das Risiko für Gesundheitsstörungen erhöht, wird eine vegane Ernährung in Schwangerschaft und Stillzeit sowie im gesamten Kindes- und Jugendalter von der DGE nicht empfohlen. Wer sich dennoch dafür entscheidet, sollte unbedingt die oben genannten Punkte beachten."
Feurige Grüße vom Mamadrachen mit dem Drachenkind (06/17)

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Re: Vegan - Kinderarzt strikt dagegen

Beitrag von chennai » 05.02.2018, 11:55

Nur kurz: Ich hab mal einen Mainstream-Babyratgeber übersetzt, da ist vegane Ernährung durchaus auch als Option erwähnt: https://www.amazon.de/Das-erste-Jahr-mi ... byratgeber
Lieben Gruß,
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Meine Blogs: http://mamafecit.blogspot.com/ und http://minikin-pin.blogspot.com/

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Re: Vegan - Kinderarzt strikt dagegen

Beitrag von nido56 » 05.02.2018, 12:09

Ich denke, Ärzte gehen meist zuerst vom Schlimmsten aus, dh uninformierte Eltern, die ohne nachzudenken einem Trend folgen. Daher gibt es halt auch als erstes die undifferenzierte Warnung.

Ich wurde sowohl beim Familienbett als auch bei der Beikosteinführung zunächst darauf hingewiesen, dass ich es "falsch" mache. Beim Familienbett sogar recht dramatisch (plötzlicher Kindstod und so). Nachdem ich dann entspannt erklärt habe, dass ich mich informiert und relevante Publikationen gelesen habe und glaube, alle wichtigen Maßnahmen getroffen zu haben und das Risiko verantworten zu können, hat unsere Kinderärztin sehr positiv reagiert. Sie hat gesagt, dass sie verpflichtet ist, mir die offiziellen Empfehlungen weiterzugeben, ich aber natürlich das Recht habe, eine eigene informierte Entscheidung zu treffen.

Ich glaube, die Ärzte denken sich oft "besser eine informierte Mutter verärgern als ein verantwortungslos Handeln übersehen".
nido mit dem kleinen Piraten (01/2012)

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Re: Vegan - Kinderarzt strikt dagegen

Beitrag von Serafin » 05.02.2018, 12:39

Hier wurde von der Ärztin gern mal gefragt, warum wir was so oder so wollen. Und dann gesagt, sie muss mir folgendes sagen, Text abgespult und fertig. Z.B. weil wir kein Vitamin K gegeben haben. Wir haben uns informiert, und die hebamme die schnell schnell für die Geburt eingesprungen ist hatte dann eh keines dabei.
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Re: Vegan - Kinderarzt strikt dagegen

Beitrag von Linnunrata » 16.02.2018, 08:52

Kalotta93 hat geschrieben:
05.02.2018, 10:25
Meine seit Jahrzehnten vegan lebende Gastfamilie hat ohne Supplemente keinen B12 Mangel. Wieso? Kann der Körper doch selbst synthetisieren? Muss das Gemüse ungewissen aus eigenem Anbau gegessen werden?
Der Körper kann ziemlich lange von seinen Speichern leben, bevor sich ein Mangel messen lässt. Wenn man ihn dann messen kann, ist es oft schon zu spät für Supplemente. Also die greifen dann nicht schnell genug.


Mein Mann war neulich mit dem Kleinen beim Kinderarzt und hat ohne mit der Wimper zu zucken gelogen auf die Frage, ob er im eigenen Bettchen schläft. Vielleicht die einfachere Lösung. Ich musste mir bei der u3 einen Vortrag anhören, dass ich das Kind nicht nuckeln lassen dürfe und jeden Tag fünf Minuten länger schreien lassen soll. :shock: Da wusste ich keine schlagfertige Antwort so irritiert war ich.

Bei der Ernährung ist die Mitarbeit des Kinderarztes allerdings wichtiger als beim Schlaf etc. Ich würde mich jedenfalls nicht alleine auf meine Nahrungszusammenstellung verlassen. Frische Lebensmittel haben ja keinen so konstanten Nährstoffgehalt wie angereichertes Fertigessen.
:tt_ruecken_1: *09/17

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