Grundinfo Beikost

Was kommt nach dem Vollstillen?

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Mondenkind
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Grundinfo Beikost

Beitrag von Mondenkind »

Viel Spaß beim Essen! Bei Fragen stehen wir natürlich immer gern zur Verfügung. Bitte erstellt dafür eigene Threads.

Euer Modteam Stillberatung

Grundinformationen zur Einführung von Beikost


Offizielle Empfehlungen:

Die teils unterschiedlichen Empfehlungen, die man auch von offizieller Seite hört, führen immer wieder zu Verwirrung.

Die Grundregeln vereinfacht und in Kürze:
1. Mit Beikost sollte abgewartet werden, bis das Baby beikostreif ist (s.u.).
2. Es sollte nicht vor dem Alter von 4 vollendeten Monaten, also nicht vor dem 5. Lebensmonat mit Beikost begonnen werden.
3. Mit Erreichen des 7. Lebensmonats sollte prinzipiell Beikost angeboten werden. Das Kind bestimmt, was und wie viel es möchte. Wenn es nicht möchte, sollte es nicht gezwungen werden. Es sollte aber in regelmäßigen Abständen zwanglos Beikost angeboten werden.
4. Einem beikostreifen Kind sollte Beikost nicht vorenthalten werden, auch wenn es jünger als 6 Monate ist.
5. Bei ehemaligen Frühchen kann mit der Beikost ggf. länger abgewartet werden (korrigiertes Alter), das sollte aber individuell betrachtet werden, darauf wollen wir hier jetzt nicht ausführlich eingehen. Bei Fragen hierzu eröffnet ggf. einen eigenen Thread.

Die offiziellen Empfehlungen:
1. WHO: Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt für alle Babys überall auf der Welt „6 Monate ausschließlich stillen, danach neben geeigneter Beikost weiter stillen bis zum 2. Geburtstag oder darüber hinaus, solange Mutter und Kind wünschen.“
2. AAP: Die American Association of Pediatrics empfiehlt 6 Monate Vollstillen, dann Einführen von Beikost und Weiterstillen bis min. zum 1. Geburtstag oder darüber hinaus, wenn Mutter und Kind es wünschen.
3. Die Europäischen Empfehlungen der ESPGHAN-Experten (European Society for Pediatric Gastroenterology, Hepatology and Nutrition) lauten: "Ausschließliches oder überwiegendes Stillen für ungefähr sechs Monate ist ein wünschenswertes Ziel."
4. Am wenigsten präzise äußern sich die deutschen Empfehlungen: „Beikost sollte frühestens mit Beginn des 5., spätestens mit Beginn des 7. Monats eingeführt werden. Auch nach der Einführung der Beikost soll weitergestillt werden.“ Entgegen landläufiger (auch kinderärztlicher!) Interpretation bedeutet das NICHT, dass mit 5 Monaten Beikost eingeführt werden MUSS.

Beikosteinführung bei ehemaligen Frühgeborenen:
Die aktuelle Datenlage zeigt, dass es für frühgeborene Säuglinge sinnvoll ist, erst mit korrigiert 6 Monaten mit der Beikost zu beginnen.

Beikostreife

Beikostreife lässt sich an folgenden Kriterien gut erkennen:
* das Baby kann mit Unterstützung sitzen, auf dem Schoß oder im Hochstuhl,
* das Baby kann selbst Nahrung gezielt greifen und zum Mund führen
* das Baby kann Kaubewegungen machen. Dazu muss der sog. Zungenstoßreflex verschwunden sein, der bei jüngeren Babys kleine Gegenstände reflexhaft direkt wieder aus dem Mund heraus befördert.
Babys unter 4 vollendeten Monaten (d.h. 5. Lebensmonat, min. 17 volle Wochen) sollten keinesfalls schon feste Nahrung bekommen. Sie könnten sie nur schlecht verwerten und das Risiko für eine Reihe von Gesundheitsstörungen wie Allergien, Nährstoffmangelerscheinungen und Verdauungsbeschwerden wäre deutlich erhöht. Viele Babys sind mit etwa 6 vollen Monaten beikostreif. Hieran orientiert sich auch die internationale Empfehlung, nach der 6 Monate voll gestillt werden sollte.

Ab sechs vollen Lebensmonaten sollte Beikost angeboten werden. Das Baby muss dieses Angebot nicht annehmen, es entscheidet selbst, ob es essen möchte! Es sollte aber regelmäßig die Möglichkeit bekommen, Beikost zu sich zu nehmen. Einem Kind, das vor 6 Monaten eindeutig beikostreif ist (sich z.B. Essen von eurem Teller nimmt, in den Mund steckt und kaut), sollte Beikost regelmäßig angeboten werden.


Geeignete Lebensmittel

Grundsätzlich gut geeignet für den Start mit Beikost sind frische, möglichst unverarbeitete Obst- und Gemüsesorten guter Qualität, am besten aus kontrolliert biologischem Anbau. Gedünstet werden viele Obst- und Gemüsesorten besser vertragen und verwertet als roh, bzw. können vom Kind leichter gegessen werden (z.B. gedünstete Äpfel, es gibt Sorten, die behalten gut die Form und zerfallen nicht, hier bietet sich etwas Experimentieren an).
Welches Obst und Gemüse genau angeboten wird, ist schlichtweg Geschmackssache. Neben den klassischen Sorten wie Kartoffel, Karotte und Apfel usw. sind je nach Saison auch Beeren- und Südfrüchte, Frucht-, Blatt- und Wurzelgemüse, Hülsenfrüchte und Steinobst genauso gut geeignet.
Gerne dürfen auch Lebensmittel, die das Kind ein oder zwei Mal ablehnt, mehrfach angeboten werden, oft probieren Kinder mehrfach, scheinen es nicht zu mögen, und nehmen das Lebensmittel mit der Zeit dann doch an. Dies sollte jedoch ohne Zwang geschehen!

Ebenso geeignet sind die verschiedenen Getreide – diese müssen im Allgemeinen „aufgeschlossen“ sein, d.h. mit Wärme behandelt bzw. gegart (als Brei oder körnig) oder gebacken (Brot). Getreide, das roh lediglich gequetscht/geschrotet/gemahlen wurden (Frischkornbrei z.B.), ist (auch für Erwachsene mitunter) schwer verdaulich und für Babys nicht geeignet.

Fleisch, Fisch und Eier dürfen – jeweils durchgegart - ebenfalls ab Beikoststart angeboten werden. Sie sind gute Quellen für hochwertiges Eiweiß. Fleisch enthält außerdem nennenswerte Mengen Eisen.

Grundsätzlich dürfen Babys ab dem Beikoststart SELBST auswählen, was und wie viel sie gern essen mögen. Bei sehr leichten/untergewichtigen Babys ist es sinnvoll, dabei auf besonders hochkalorische Beikost zu achten.


Ungeeignete Lebensmittel

Nur wenige Lebensmittel sind für die Babyernährung prinzipiell ungeeignet, und dies zum Teil aus ganz unterschiedlichen Gründen, sei es wegen möglicher Vergiftungen oder wegen der Darreichungsform. Dazu zählen:

* Fisch, Fleisch, Eier im rohen, d.h. nicht durchgegarten Zustand
* Rohmilch und Rohmilchprodukte
* Honig und Ahornsirup (auch erhitzt nicht)
* Nüsse, die größer sind als im gemahlenen Zustand

Zucker (und andere Süßungsmittel) und extra Salz haben in der alltäglichen Babyernährung nichts verloren, v.a. wegen der zu erwartenden Gewöhnung an diese Geschmacksverstärker. Einfach weglassen, egal wie „fad“ es uns Erwachsenen schmeckt. Vollreifes Obst ist sowieso süß genug, und würzen kann man auch bestens mit frischen Kräutern wie Schnittlauch, Kresse, Petersilie und Mittelmeer-Kräutern. Seltener Verzehr von gesüßten oder gesalzenen Speisen spielt sicherlich keine Rolle. Geringe Mengen Salz an frisch gekochtem Familienessen sind in Ordnung. So dürfen Nudeln oder Reis o.ä. für den Familientisch in gesalzenem Wasser gekocht werden.
Finger weg von Zutaten, die eher an „Chemiebaukasten“ als an Essen erinnern. E-Nummern, Konservierungsstoffe, Geschmacksverstärker, Süßstoffe, Aromen und Farbstoffe scheinen unvermeidlich in der industriellen Lebensmittelherstellung. Deren gesundheitliche Unbedenklichkeit jedoch ist nicht gesichert, und bei der Etablierung gesunder Essgewohnheiten können sie definitiv Schaden anrichten.

Alles andere darf Kindern zum essen gegeben werden.


Rund um die Milch


Stillkinder brauchen keine Tiermilch, sie bekommen ja bereits Menschenmilch. Ebenso ist Kuhmilch kein Ersatz für Muttermilch im ersten Lebensjahr. Im ersten Lebensjahr ist Muttermilch als Hauptnahrungsmittel vorgesehen. Kinder, die nicht gestillt werden oder deutlich vor dem ersten Geburstag vorzeitig abgestillt werden, sollten Muttermilchersatznahrung erhalten. Der Verzehr geringer Mengen Tiermilch und Milchprodukte (z.B. wenig Kuhmilch im Brei, Sahne im Gratin, etwas Käse und Joghurt, …) ist ab dem Beikoststart erlaubt, aber bietet auch keine Vorteile, wenn noch häufig gestillt wird.

Zu den Mengen: Solange noch mindestens 2 mal in 24 Stunden gestillt wird, sind keine weiteren Milchprodukte notwendig. Für bereits abgestillte Kinder, die demnächst eins werden, werden pro Tag 2 Milchportionen empfohlen (z.B. morgens ein Glas Milch und abends ein Käsebrot, oder morgens ein Müsli mit Milch und nachmittags einen Joghurt usw.). Aber auch milchfreie Ernährung ist ab dem 2. Geburtstag problemlos möglich, wenn das Kind auf anderem Wege genug Calcium und Eiweiß bekommt. Siehe hierzu auch den Abschnitt „vegane Ernährung“.

Wieviel Kuhmilch ist in Ordnung im ersten Lebensjahr?
Im deutschsprachigen Raum gehen die Empfehlungen auseinander. Zusammenfassend kann man sagen, wenn im 7. LM Beikost mit Kuhmilchprodukten eingeführt wird, sollten nicht mehr als 200ml Kuhmilch täglich gegeben werden. Wird ein anderes Milchprodukt zusätzlich angeboten, entsprechend weniger. Als "Getränk" sollte Kuhmilch nicht vor dem 10. Lebensmonat angeboten werden. Wobei zu beachten ist: Kuhmilch ist in dem Sinne nie ein Getränk, immer ein Nahrungsmittel. Sie sollte im Becher, nicht in der Trinkflasche angeboten werden. Es sollte Vollfettmilch mit 3,5% genutzt werden. Für Säuglinge ungeeignet ist Rohmilch, Vorzugsmilch, fettarme oder Magermilch. Die sog. Getreide"milchen" wie Hafermilch etc. sind keine Milch.

Ausführliche Info zu künstlicher Säuglingsmilch gibt's hier.


Vegetarische Ernährung

Diese ist für Babys möglich. Wichtig ist dann, dass das Baby auf anderem Wege genug Eisen und Eiweiß bekommt (häufiges Stillen, eisenhaltige Getreide und Früchte, Eiweiß aus Hülsenfrüchten und Eiern).

Vegane Ernährung

Die führenden Fachgesellschaften im deutschsprachigen Raum empfehlen vegane Ernährung nicht, insbesondere nicht für Säuglinge und Kleinkinder (siehe Stellungnahme der DGE). Dies hier soll auch keine Empfehlung sein, sondern der Tatsache Rechnung tragen, dass sich eine wachsende Zahl von Menschen vegan ernährt und dies auch für ihre Kinder möchte.

Vegane Ernährung bei Säuglingen und Kleinkindern benötigt Planung und Wissen über Ernährung im Allgemeinen und vegane Ernährung im Speziellen. Tierische Lebensmittel bieten einiges an bedeutsamen Nährstoffen. Um auf sie zu verzichten, muss genau geplant werden, wie pflanzliche Quellen genutzt und kombiniert werden können um Mängel zu vermeiden. Mängel wirken sich bei einem in Entwicklung befindlichen Organismus gravierender aus als bei Erwachsenen. Leider gibt es derzeit kaum Studien zu vegan ernährten Säuglingen und Kleinkindern.

Bei veganer Beikost muss insbesondere auf die Bereiche Omega-3-Fettsäuren, Vitamin B12 und D, Eisen, Jod und Zink geachtet werden.

Falls ihr euch unsicher seid, ernährt euer Kind vegetarisch oder sogar mit gelegentlich Fisch und Fleisch und verschiebt die vegane Ernährung eures Kindes auf später.

DHA: ist die Omega-3-Fettsäure, die vorwiegend in Fisch vorkommt. Sie ist auch in der Muttermilch enthalten, wenn die Mutter ausreichend versorgt ist. Für die vegane Beikost sind zusätzlich Leinöle geeignet, die mit DHA aus Algen angereichert sind. Es gibt auch vegane Nahrungsergänzungsmittel mit DHA.

Vitamin B12: muss zwingend in Form von Nährungsergänzungsmitteln supplementiert werden. Es gibt keine pflanzliche Quelle! Spirulina ist zur Supplementierung nicht geeignet, da es nur B12-Analoga enthält, die im Körper nicht aktiv sind, jedoch die Aufnahme von echtem B12 verhindert. Hier findet ihr Informationen darüber wie man Vitamin B12 korrekt dosiert.

Vitamin D: ist in der Muttermilch enthalten und wird von der unbedeckten Haut unter Sonneneinstrahlung selbst gebildet. Viele Menschen, auch solche, die sich nicht vegan ernähren, haben Vitamin-D-Mangel. Auch für nicht vegan ernährte Kinder wird die Supplementation empfohlen. Vitamin D kommt in der veganen Ernährung nur selten vor, daher empfehlen sich Nahrungsergänzingsmittel auf Algen- oder Flechtenbasis (herkömmliche Vitamin-D-Präparate sind in der Regel nicht vegan), sowie angereicherte Lebensmittel zur Supplementierung.

Eisen: wird aus pflanzlichen Quellen schlechter aufgenommen und durch viele andere Nahrungsmittelbestandteile in der Aufnahme gehemmt. Informiert euch hier über die entsprechenden eisenreichen Lebensmittel (z.B. Amaranth, Mandelmus, Hirse, Hafer ...) und Zubereitungsmethoden, die die Aufnahme verbessern (wie einweichen, garen, pürieren etc.). Vitamin C verbessert die Aufnahme.

Jod: ist auch bei unveganer Ernährung kritisch. Auch viele Milchköstler haben Jodmangel. Jod wird als Nahrungsergänzungsmittel in der Stillzeit für die Mutter empfohlen (zur Ernähung der stillenden Veganerin) . Dann hat die Muttermilch einen guten Jodgehalt. Da Beikost salzarm gehalten werden soll, ist Jodsalz noch keine ausreichende Quelle für das Kind. Nudeln und Reis, etc. dürfen aber in leicht mit Jodsalz gesalzenem Wasser für den Familientisch und den Beikostesser gekocht werden.

Zink: kann aus der Nahrung aufgenommen werden, es gilt jedoch bei veganer Ernährung wie bei Eisen verschiedene Kombinations- und Zubereitungstechniken zu beachten.


Darreichungsform


Beikost kann als Brei oder als Fingerfood angeboten werden. Hier einfach nach den Vorlieben des Babys gehen. Püriertes ist leichter verdaulich. Fingerfood-Babys essen zunächst mengenmäßig weniger als Brei-Liebhaber, werden dafür aber recht schnell geschickt im Umgang mit Essen. Für Kinder mit Gedeihstörungen oder mangelnder Gewichtszunahme ist reines Fingerfood mitunter nicht ausreichend. Nimmt das Kind größere Mengen Obst und Gemüse (-Brei) an, dann sollten stets 1-2 Teelöffel Fett (Butter, Öl, Mandelmus, Nussmus…) zugegeben werden. Brei bitte ausschließlich vom Löffel (oder mit den Fingern), aber niemals aus der Flasche geben. Überfütterung, Bauchweh, Karies und Verdauungsbeschwerden sind häufige Folgen von Breiflaschen.

Uhrzeit und Häufigkeit spielen überhaupt keine Rolle. Dem Baby ist es vollkommen wurscht, ob es 10 Uhr morgens oder 4 Uhr nachmittags ist, und es ist auch egal, ob zu Beginn einmal täglich Beikost angeboten wird, oder ob es gleich 3 mal über den Tag verteilt in einen Apfel beißen oder am Brötchen lutschen darf.

Auch die genaue Essensmenge spielt nicht die geringste Rolle. Babys müssen weder Mindestmengen erreichen (nein, "eine Portion" sind nicht 190 g! ;-)), noch sollten Mengen künstlich begrenzt werden (à la "mit wenigen Löffen starten"), wenn das Baby gerne essen mag. Am besten misst man der Menge überhaupt keine Bedeutung bei


Ob vor oder nach oder während dem Essen fester Nahrung gestillt werden sollte, ist im Grunde völlig egal – insbesondere wenn sowieso „ohne Mahlzeitenkonzept“ gestillt wird. Hier einfach nach den Signalen des Babys gehen. Jedenfalls gilt: Stillmahlzeiten sollten nicht durch Beikostmahlzeiten ersetzt werden, sondern das Stillen wird durch Beikost ergänzt.
Es heißt absichtlich BEIkost, nicht ANSTATTkost.
Stillmahlzeiten durch Beikostmahlzeiten zu ersetzen ist eine recht erfolgreiche Abstillmethode. Wer das wünscht, kann diesen Effekt natürlich für sich nutzen. Stillen und Beikost dürfen bzw. sollten jedoch ganz unabhängig voneinander weiter laufen, bzw. gerade am Anfang sollte vor der Mahlzeit gestillt werden, wenn man das Stillen nicht beeinträchtigen möchte.

"Baby Led Weaning (BLW)"

Hinter diesen Begriff (eigentlich: "Baby-gesteuertes Abstillen") verbirgt sich die Tatsache, dass gesunde Babys (wie alle anderen Tiere auch ;-)) über angeborene, instinktive Fähigkeiten verfügen, ihre Nahrungsaufnahme selbst zu steuern. Babys "wissen" selbst, mit welchen Nahrungsmitteln sie am besten zurecht kommen, welche sie am besten vertragen, wie viel sie davon essen sollten - sprich: wie ihr individueller Nährstoffbedarf aussieht und wie sie den decken können.
Dies klappt allerdings nur unter der Voraussetzung, dass Babys (und Kinder) lediglich Zugang zu Lebensmitteln haben, die im mutmaßlich natürlichen Nahrungsangebot des Menschen vorgesehen sind! Nur dann dürfen und sollen wir Babys frei wählen lassen.

Wir Erwachsenen wissen, welche Lebensmittel uns eigentlich schaden, weil uns Bücher oder unser Arzt (oder Spiegelbild ;-)) dies sagen. Wir begrenzen uns dann mehr oder weniger erfolgreich, halten Maß und hören auf unseren Kopf, der uns sagt, dass wir jetzt besser nicht so viel Schokolade, Chips oder Dosensuppen essen sollten, wie wir laut unserer Hirnchemie eigentlich gerade gern würden... (und wir alle wissen, dass die Hirnchemie oft stärker ist als der Intellekt: trotz unseres Wissens gelingt uns ein gesunder Umgang mit überzuckerten, übersalzenen, überaromatisierten Industrieprodukten oft nicht.)
Babys und Kinder können nicht Maß halten. Industrienahrung mit künstlich zusammengesetzten Inhaltsstoffen ist im natürlichen Speiseplan des Menschen nicht vorgesehen, deshalb funktioniert ein instinktiv richtiger Umgang damit nicht. BLW funktioniert tatsächlich, aber nur, wenn Babys und Kinder vor eine entsprechend faire (Aus-)Wahl an gesunden Nahrungsmitteln und Speisen gestellt werden.

BLW ist keineswegs gleichbedeutend mit "ausschließlich Fingerfood". Es ist nicht das Gegenteil von "Brei". BLW bedeutet schlichtweg, dass
1. die Mutter so lange stillt, bis das Kind seiner biologischen Stillzeit von allein entwächst ("natürliches Abstillen"),
2. Hunger- und Sättigungssignale, Essverhalten und Nahrungsmittelvorlieben des Babys konsequent respektiert werden,
3. Speisen unterschiedlicher Konsistenz, Textur und Zusammensetzung angeboten werden ("abwechslungsreiche Mischkost"), und
4. das Baby meistens selbst isst, ob mit Fingern oder mit Werkzeug.

Selbstverständlich muss bei jeder Form der Beikost darauf geachtet werden, dass das Kind nicht alleine isst und nichts in einer Darreichungsform angeboten bekommt, die unter Umständen Erstickungsgefahr birgt (ganze Erdnüsse, ganze Trauben etc).

Getränke

Babys trinken - ganz anders als Erwachsene - eigentlich nur aus einem Grund: Durst. Klassische Beikost ist oft sehr wasserhaltig (Breie, Obst, Gemüse,... haben Wassergehalte von oft über 90%), die zusätzlich zum Stillen sehr häufig den Flüssigkeitsbedarf des Babys komplett deckt. Deshalb "verweigern" viele Babys das Trinken. Keine Sorge deswegen! Sobald das Kind 2 Stunden im Garten rumgetobt und dann noch 2 Knäckebrote gegessen hat, wird es trinken.
Im Grunde einzig empfehlenswertes Getränk: Wasser. Einfach Leitungswasser (abkochen nicht nötig!), oder Mineralwasser aus der Flasche, diese können auch eine gute Calciumquelle sein. Hierfür einfach auf den Calciumgehalt schauen.
Regelmäßiges Anbieten von Saft oder anderen (zuckerhaltigen) Getränken ist nicht empfehlenswert. Bei einem kranken Kind, zum Beispiel bei Durchfallerkrankungen, kann Schorle aber sinnvoll sein, um den Flüssigkeits- und Elektrolythaushalt aufzufüllen.
Ein Kind, welches kein Wasser trinkt, aber Saft oder Schorle sehr wohl, trinkt nicht aus Durst, sondern bereits aus falschen Ernährungsgewohnheiten! Regelmäßiger Konsum von Fruchtsäften oder -schorlen begünstigt Karies, Übergewicht und Diabetes.
Manche Babys finden Wassertrinken bereits ab Beikoststart lustig, dagegen spricht natürlich nichts. Ab Beikoststart kann Wasser in einem kleinen Becher, Schnapsglas oder Eierbecher angeboten werden.

Beikosteinführung bei nicht (mehr) gestillten Babys

Es gibt keine gesicherte Antwort auf die Frage, ob das Prinzip "Beikost, nicht Anstattkost" auch für künstlich ernährte Babys gilt (sprich: ob sie ihre Flaschen wie Stillkinder weiterhin wie gewohnt nach Bedarf bekommen sollten und Beikost zusätzlich, oder nicht). In gängigen Ernährungsempfehlungen werden die Flaschenmahlzeiten nach und nach erst durch Gemüse, dann Gemüse/Kartoffel/Fleisch, dann zusätzlich Obst und Getreide in der Tat ERSETZT, d.h. die Beikost ANSTATT Flaschenmilch angeboten.
Am besten wird wohl sein: in Absprache mit dem Kinderarzt nach dem eigenen Gefühl und den Vorlieben des Babys richten…

Allergische Veranlagung

Entgegen den früheren Empfehlungen können heute mehrere Lebensmittel gleichzeitig eingeführt werden.
Auch müssen zwischen verschiedenen, neu eingeführten Lebensmitteln keine Mindestabstände eingehalten werden.
Viele Babys haben überhaupt kein Problem damit, von Beikostbeginn an ganz normal vom Familientisch mitzuessen, ohne Beachtung spezieller Abstände oder Einzelkost.
Auch bei Allergierisiko, z.B. wenn die Eltern bestimmte Lebensmittelallergien haben, darf das Kind von Anfang an alles zu essen bekommen, auch die Lebensmittel, gegen die die Eltern allergisch sind.
Mindestabstände oder einzelnes Einführen von Lebensmitteln ist nur bei konkretem Verdacht auf Unverträglichkeiten sinnvoll.


Beikost für Kinder mit Erkrankungen und Unverträglichkeiten


Alles bislang geschriebene gilt für gesunde Babys. Wenn ein Baby bereits eine Unverträglichkeit entwickelt hat (dies kann z.B. eine Allergie sein, ein Enzymmangel oder eine unspezifische Unverträglichkeitsreaktion ohne Beteiligung des Immunsystems), dann kann und sollte das betreffende Lebensmittel normalerweise problemlos aus dem Speiseplan gestrichen werden, ohne dass gleich Mangelerscheinungen drohen. Reagiert das Baby aber auf viele Lebensmittel oder zeigt es schwere Symptome wir Atemnot, blutige Stühle oder schlimme Hautverletzungen, dann muss der Kinderarzt ran. Infos zum Thema "Unverträglichkeiten beim (Still-)Baby" gibts hier.
Zuletzt geändert von Mondenkind am 15.02.2019, 21:43, insgesamt 2-mal geändert.
Liebe Grüße, Mondenkind, Modteam Stillberatung

Niemand hat das Recht zu gehorchen. Hannah Arendt

Mondenkind mit Glitzerschnecke 11.3.08 und Buntschnuppe 12.3.11

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