Einmal windelfrei und zurück

Hier ist Platz für Eure Erfolgs- oder Misserfolgsberichte ;-)
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Nina
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Beitrag von Nina » 01.12.2007, 20:28

Naja zum Beispiel ist es für Paare, die hier Kinder bekommen, völlig normal, daß sie das Baby dann zu den Großeltern nach China geben um hier beide arbeiten zu können. Den Gedanken finde ich so ungeheuerlich und schrecklich, ich würde lieber alles aufgeben, als mein Kind so weit wegzugeben :(

Und grundsätzlich habe ich die Beobachtung gemacht, daß Kinder nicht als richtige Personen wahrgenommen werden, also nicht so ernst genommen werden. Ich habe mich mit meiner Schwiegermutter ein paar Mal mächtig in die Haare bekommen, weil sie darüber gelacht hat als Emily geweint hat. Auch bei anderen habe ich das schon beobachtet.

Auch daß in Gegenwart von (älteren) Kindern negativ über sie gesprochen wird habe ich schon öfter erlebt. Zb ist im Bekanntenkreis ein Junge (9 Jahre alt), der Vater ist Deutscher und die Mutter Chinesin. Wir waren dort nicht oft, aber ich habe zweimal erlebt, daß der Junge geweint hat, weil seine Mutter in seiner Gegenwart gesagt hat daß er so fett und so faul ist. Dabei wundert es mich gar nicht, daß er übergewichtig ist, wenn er den ganzen tag nur vorm Fernseher sitzt und mit Süßkram und Chips vollgestopft wird.

Auch habe ich noch nie erlebt, daß sich irgendjemand Gedanken darüber macht, WOMIT Kinder spielen, WAS sie im Fernsehen sehen, was sie essen usw., also es wird einfach pragmatisch alles angenommen, was funktioniert. Und wenn das Kind eben gerne mit Plastikwaffen Krieg spielt, und sich den ganzen Mist im chinesischen Fernsehen gibt (alle 5 Minuten Werbung), dann ist es halt so.

Und auch kleinere Sachen, zB daß immer der Fernseher läuft, in Gegenwart von Kindern hemmungslos geraucht wird (sogar BEIM Essen :shock: ) und vieles mehr.

Ich frage mich, ob dieser Umgang vielleicht damit zu tun hat, daß ein menschenleben in China generell einen anderen Stellenwert hat, als hier...
LG,

Nina mit Emily (08/05), Jonathan (02/08 ), Katharina (01/11) und Überraschungs-Doppelpack (05/12)

Tief im Winter lernte ich endlich, dass in mir ein unbesiegbarer Sommer lag.
(Albert Camus)

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owaki
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Beitrag von owaki » 02.12.2007, 13:12

Nina hat geschrieben:Ich frage mich, ob dieser Umgang vielleicht damit zu tun hat, daß ein menschenleben in China generell einen anderen Stellenwert hat, als hier...


Danke für deinen Bericht! Ich kann mir gut vorstellen, daß es so ist. :?
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Viele tausend Jahre lang wurden Kinder zu Hause geboren, lange gestillt, viel getragen, schliefen bei Mama und Papa und gingen ohne Pampers. Krankenhausgeburt, Flasche, Kinderwagen, Impfungen, Wegwerfwindeln, Gute-Nacht-Brei und Gitterbett sind zum Teil noch nicht mal hundert Jahre alt.
Was also ist hier die Modeerscheinung?


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Emmal J.
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Beitrag von Emmal J. » 15.12.2007, 01:31

Dazu mal wieder mein Lieblingszitat vom Herrn Stummer:


Auf dem Weg in die Irre ist Rückschritt Fortschritt.

lg
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Beitrag von Nina » 03.01.2008, 10:07

Emmal J. hat geschrieben:Auf dem Weg in die Irre ist Rückschritt Fortschritt.


Wie wahr, wie wahr...
LG,

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Beitrag von krikri » 09.01.2008, 13:57

Vielen Dank für deine Erfahrungen. Ist schön nicht nur Erfolgsberichte zu hören, wenn es bei einem selbst nicht so gut lief.
Ich habe von Windelfrei zufällig gelesen, als mein Sohn etwa 4 1/2 Monate alt war. Vorher hatte ich ihn aber schon immer sehr eingehend beobachtet, um rauszufinden, ob man sieht wenn er pinkeln muss, weil es mich einfach interessiert hat.
Stuhlgang konnte man gut vorher erkennen. Pippi kam aber so oft, dass ich es für unmöglich hielt, ein bekleidetes Baby windelfrei zu lassen, ohne ständig die Klamotten zu wechseln. Als ich dann zufällig in der Bücherei ein Buch mit dem Thema ausgeliehen hatte, wollte ich es dann aber doch mal versuchen. Mit dem Ergebnis, dass ich ein paar Wochen nichts anderes mehr tat, als zu versuchen, Ausscheidungsrhythmen zu erkennen. Und wenigstens schneller zu sein, als die Pippis, die nackig auf der Wickelunterlage gemacht wurden. Selbst das gelang mir nur sehr bedingt und nachdem ich dem Haushalt überhaupt keine Zeit mehr widmen konnte, beschloss ich das Experiment abzubrechen.
Wir kombinieren Stoff und Wegwerf...

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Re: Einmal windelfrei und zurück

Beitrag von AnKaHe » 11.02.2010, 09:21

Danke, dein Bericht, erst jetzt gelesen, entlastet!
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Re: Einmal windelfrei und zurück

Beitrag von karotte » 20.04.2010, 14:26

in der tat ein interessanter bericht!
meine tochter ist teilzeit-windelfrei, und sie hat es (sozusagen) angefangen in dem sie beim wickeln gepinkelt hat, also sobald die windel auf war - und a-a irgendwann ausschließlich beim wickeln...
ich kannte windelfrei schon vor der geburt meiner tochter (von einer freundin), dachte aber nicht, dass das was für mich ist. nun bin ich da so reingerutscht und finde es super - aber eben teilzeit, wobei der windelfreie teil überwiegt.
und ich glaube meine tochter findet es toll nicht auf einer vollen windel zu sitzen!

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majaluna
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Re: Einmal windelfrei und zurück

Beitrag von majaluna » 25.07.2010, 14:27

Danke für deinen Bericht. Es ist wirklich interessant zu lesen wie vielfältig und unterschiedlich die Erfahrungen mit WIndelfrei sind und sein können. Ich denke auch, dass vor allem ein entspannter Umgang mit dem Thema für alle Beteiligten ganz wichtig ist und dass auch hier gesagt werden kann, dass Kinder vor allem ausgeglichene Eltern brauchen, die autentisch sind, in dem was sie tun. Und ich kann mir auch gut vorstellen, dass es auch auf den Charakter des einzelnen Kindes ankommt, ob es sich wohler fühlt ohne Windel und das auch deutlich zeigt, oder ob es "einfach nur da sein will" und erst später beginnt, seine Ausscheidungen wirklich warzunehmen und kontrollieren lernt.
mit der großen Prinzessin 09/2006, Juno* im Herzen 06/2009, dem kleinen Bauarbeiter 06/2010 und dem süßen Wurzelzwerg 09/2012

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