Einmal windelfrei und zurück

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Nina
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Einmal windelfrei und zurück

Beitrag von Nina »

Hallo zusammen,

ich möchte meinen Erfahrungsbericht gerne hier in einem gesonderten Fred nochmal zusammenfassen und ergänzen, da ich vieles von "damals" einfach nicht mehr so sehe.

Von windelfrei gehört hatte ich ja schon vor Emilys Geburt, hatte es aber als esoterischen Schwachsinn abgetan. In der Stillgruppe lernte ich dann eine Frau kennen, die mit ihrem Sohn windelfrei praktizierte und bei denen klappte es total super. Mein Interesse war wieder geweckt, und als Emily 4 Wochen alt war, fing ich an, sie abzuhalten. Parallel dazu wickelte ich ab dann auch in Stoff, wenn ich denn wickelte. Es klappte mal gut, mal schlecht, und als sie 5 Monate alt war, war sie dann Tag und Nacht windelfrei.

Nachts ging immer was ins Bett und auch tagsüber hatten wir dauernd "Unfälle", aber darum ging es ja nicht. Ich habe natürlich auch beide Bücher verschlungen und war soooo überzeugt, daß windelfrei ganz toll ist. Immer mal wieder gab es ganz schlechte Phasen, wo ich nur noch am Waschen und Umziehen war, dann kamen auch mal wieder ein paar Highlights, das übliche Auf und Ab eben. Ich versuchte auch, immer noch praktischere Kleidung, noch bessere Backups zu ersinnen und anzuschaffen, es war schon fast ein Hobby. Vollgepinkelt wurde trotzdem alles.

Inzwischen ist Emily über 2 Jahre alt und wir wickeln voll (Stoff) und das seit vielen Monaten. Auch habe ich nicht die Absicht, bei Nummer 2 windelfrei zu praktizieren. Beim Wickeln abzuhalten wäre da dann wohl das höchste der Gefühle.

Wie kam es zu diesem Sinneswandel? Nun, es heißt ja, man soll auf das Kind achten. Und Emily hat, sobald sie dazu in der Lage war, mir ziemlich deutlich signalisiert, daß sie absolut keinen Bock auf diesen Stress dauernd hat. Einer der ersten Zweiwort-Sätze war "Nicht Pipi." Irgendwann wurde gar nicht mehr signalisiert, und es war ein einziges Geziehe und Gezerre, wenn ich sie aufs Klo setzen wollte. Sie wollte nicht, mußte aber, hat eingehalten, irgendwann doch gepullert, dasnn mußte ich sie wieder umziehen, was sie wieder doof fand... schrecklich.

Dazu kam dann noch, daß meine Schwiegermutter aus China da war und ich mal das richtige, hochgelobte traditionelle chinesische Windelfrei live erleben durfte. Ich spare mir lange Ausführungen, aber es wird da mit viel Druck, mit Schimpfen usw gearbeitet.

Inzwischen halte ich windelfrei auch nicht mehr wirklich für praktikabel. Die Völker, auf die sich in der Theorie immer berufen wird, leben unter Umständen, die man nicht so einfach auf unsere Gesellschaft übertragen kann. Daß es fürs Kind schöner ist, kann ich mir auch nicht mehr vorstellen. Ich finde, es ist einfach nur Stress für alle Beteiligten.

Was ich hingegen nach wie vor ziemlich ätzend finde, sind Wegwerfwindeln. Aber das ist ja ein anderes Thema.
LG,

Nina mit Emily (08/05), Jonathan (02/08 ), Katharina (01/11) und Überraschungs-Doppelpack (05/12)

Tief im Winter lernte ich endlich, dass in mir ein unbesiegbarer Sommer lag.
(Albert Camus)

EUfqtw

Beitrag von EUfqtw »

Danke für deinen Bericht :D

Ich finde es sehr interessant, was du schreibst, weil sich deine Praxiserfahrung sehr mit meinen theoretischen Überlegungen deckt.
Bei meiner Großen kannte ich windelfrei noch nicht, bei Nelio jetzt halte ich gelegentlich ab - wenn es gerade passt oder ich das Gefühl habe, dass ihm was "querhängt". Doch Vollzeit-Windelfrei habe ich in den Berichten hier auch immer eher als ein 24h-Projekt empfunden, dem man eine Menge Aufmerksamkeit schenken muss. Wozu ICH wohl nicht bereit wäre.

Ich finde es aber echt toll, dass du deine Meinung dazu nahezu komplett geändert hast, weil deine Erfahrung etwas anderes zeigte.
Weder Windelfrei noch nicht-Windelfrei sollte ein persönliches Dogma auf Kosten des Kindes sein.

Sara

Beitrag von Sara »

Hallo Nina!

Ich habe deinen Beitrag mal festgepinnt, so wie sich das gehört mit den Berichten :wink:

Ich finde es interessant, wie du eure Situation beschrieben hast.
Letzendlich hast du aber auf dein Kind gehört, das dir absolut klar zu verstehen gegeben hat, das es nicht will. Und ich finde, bewußt einen Schritt "zurück" zu gehen braucht manchmal mehr Überwindung und Mut als das durchhalten.
Du hast einen Weg für euch gefunden, der es euch beiden angenehm und stressfrei gemacht hat und so soll es doch auch sein.
Windelfrei ist eben kein MUSS, zumindest nicht in unseren Breitengraden(wenn man die Wahl hat - ich hab sie nicht) !

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owaki
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Re: Einmal windelfrei und zurück

Beitrag von owaki »

Nina hat geschrieben:
Dazu kam dann noch, daß meine Schwiegermutter aus China da war und ich mal das richtige, hochgelobte traditionelle chinesische Windelfrei live erleben durfte. Ich spare mir lange Ausführungen, aber es wird da mit viel Druck, mit Schimpfen usw gearbeitet.


Das hätte ich auch gern miterlebt. :wink: Warst du eigentlich mal in China? Vielleicht wird das dort je nach Persönlichkeitstyp auch sehr unterschiedlich gehandhabt. Als man bei uns die Kinder ab 9 Monate auf den Topf setzte, gab es sicher auch nicht nur Mütter, die das mit Zwang, Druck und Verbissenheit gemacht haben. Keine Ahnung.
Aber ich kann dich schon verstehen. Wenn es keinen Spaß mehr macht, würde ich auch aufhören.
owaki mit Tochter *09/06, Sohn *7/08, Sohn *5/10 und Aprilbaby 2012 in Arbeit

Viele tausend Jahre lang wurden Kinder zu Hause geboren, lange gestillt, viel getragen, schliefen bei Mama und Papa und gingen ohne Pampers. Krankenhausgeburt, Flasche, Kinderwagen, Impfungen, Wegwerfwindeln, Gute-Nacht-Brei und Gitterbett sind zum Teil noch nicht mal hundert Jahre alt.
Was also ist hier die Modeerscheinung?


http://tim-and-sarah.blog.de
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Nina
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Beitrag von Nina »

Ja, ich war über ein Jahr in China. Ursprünglich wollte ich sogar dort entbinden, ein Glück daß ich in der Frühschwangerschaft dann doch Heimweh bekommen habe :wink:

Der Umgang mit Schwangeren, Babys und Kindern ist dort ein ganz, ganz anderer.
LG,

Nina mit Emily (08/05), Jonathan (02/08 ), Katharina (01/11) und Überraschungs-Doppelpack (05/12)

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Talgaro
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Beitrag von Talgaro »

Positiv oder negativ anders?


Gruß Talgaro
Liebe Grüße von Talgaro & ihren drei Räuberkindern (Juni 2002 - Juli 2006 - März 2010)

Sara

Beitrag von Sara »

Ich vermute negativ...

Ich vermute aber auch, das es auf die Region ankommt und wie hier auch gesellschaftlich geprägt ist.

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Verena
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Beitrag von Verena »

ja.... spannend zu lesen, Dein Bericht.

Ich war ja schon immer 100% für windelfrei. Und es lief ja unterm Strich auch ganz gut. Seit Matteo 1 3/4 ist, sind wir durch *aufholzklopf*

Aber was ich mittlerweile echt merke ist, dass das Leben so GANZ ANDERS ist, seit wir das windelfrei-Thema los sind. Ich kannte ja nur das windelfrei-Leben mit Kindern. Ich hatte ja auch nur Matteo. Und hab ehrlich gesagt oft den Tagesablauf nach den Pinkelzeiten ausgerichtet :oops:

Das Leben ohne windelfrei, also eben ohne ständig drauf achten zu müssen, es ist so leicht, so unkompliziert. Und ich denke viel drüber nach, was mach ich mit Nummer zwei? Ich würde mir ja wünschen, dass wir ein windelfrei-wollendes Baby kriegen, so eins, wie aus den Büchern, so eins, dass gut und gern und ganz oft signalisiert. Von Anfang an...

Ich bin ganz gespannt und auch in jede Richtung offen. Ob Stoffies was für uns sind, wage ich zu bezweifeln, denn ich find die Teile einfach Mega-riesig, oder hat jemand noch nen Tipp?
Wegwerfteile hasse ich eigentlich auch. Also doch windelfrei?

Keine Ahnung. Einfach mal kommen lassen :wink:
Ganz liebe Grüße von Verena (02/78 ) mit großem Sohn (11/04) und auch schon wieder großer Tochter (02/08 )

FREIHEIT bedeutet, dass man nicht alles so machen muss, wie andere Menschen. Astrid Lindgren

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Nina
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Beitrag von Nina »

Ich habe vieles als negativ anders empfunden. Vieles davon mag sicher regional- oder auch Generationenbedingt so sein. Aber einiges ist leider grundsätzlich so, selbst bei Chinesen, die schon lange hier leben und hier Kinder haben und eigentlich ziemlich "verwestlicht" sind :?
LG,

Nina mit Emily (08/05), Jonathan (02/08 ), Katharina (01/11) und Überraschungs-Doppelpack (05/12)

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owaki
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Beitrag von owaki »

Kannst du das genauer beschreiben? So an Beispielen vielleicht? Würde mich echt interessieren! Ich kann mich in diese Kultur bisher so gar nicht reinfühlen...
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