2 Monate windelfrei - Praktisches und Unpraktisches?

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Schneeflöckchen7
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2 Monate windelfrei - Praktisches und Unpraktisches?

Beitrag von Schneeflöckchen7 »

Wie wir zu Topffit kamen
Schon seit Wochen störte mich der Gedanke, dass mein Söhnchen Plastikunterwäsche tragen muss und ständig in seinen eigenen Ausscheidungen liegt, so dass sich unser Windelverbrauch von Tag zu Tag steigerte, was mächtig ins Geld ging und die Mülltonne unheimlich schnell füllte. Zum Glück habe ich dann ein E-Mail-Gespräch mit einer indonesischen Freundin angefangen, weil ich wissen wollte, wie man in Indonesien mit Babys umgeht (Zauberworte: Tragen, Stillen nach Bedarf, ohne Windeln, Familienbett bis 6/7 Jahre...). Das mit den WIndeln wollte ich dann genauer wissen. Da ihr Deutsch nicht so wahnsinnig gut ist, bin ich also auf die Suche im Netz gegangen und habe gleichzeitig vom ersten Tag an versucht, Babys Signale zu deuten. UND war sofort überrascht, wie gut es lief. Der erste Pups in die Schüssel hat uns beide noch ziemlich erschreckt. Ich bin wahnsinnig glücklich, dass Baby nach jedem erfolgreichen Pieseln über das ganze Gesicht strahlt und stelle fest, dass er insgesamt viel zufriedener und ruhiger ist, und ich einige Brüllattaken und nächtliche Unruhen im Nachhinein erklären kann. Und Blähungen sind auch von einem Tag auf den anderen verschwunden.

Was mich traurig macht
Hebammen, die frischgebackenen Eltern erklären, dass man Windeln gar nicht zu fest zu machen kann, denn sie hätten ja elastische Bündchen. Das finde ich unmenschlich und sicherlich sind viele Bauchschmerzen, Blähungen, Verdauungsbeschwerden und sogenannte Dreimonatskoliken durch Windeln bzw. zu fest geschlossene Windeln ausgelöst. Gerade bei kleinen Jungs wir das Pullern schwierig, wenn der kleine Pipimann von einer Windel platt gedrückt wird - das sieht man gut, wenn man ein Baby vom Plastik befreit und er sich vorm und beim Pipi machen anhebt. Wer kennt es nicht: Einen Tag lang eine am Bauch zu enge Hose angehabt - die Blähungen folgen bestimmt. Da ist es mir immer unbegreiflich, warum man Babys solche Gefühle abspricht.
Außerdem: Menschen, die es witzig finden, wenn ein kleines Kind mitten im Raum steht, einen konzentrierten Gesichtsausdruck bekommt und dann in die Windel drückt, wo doch jeder weiß, was das Kind da gerade tut und sich nur jemand die Mühe machen müsste, die Situation zu ändern. ...

Warum Windelfrei in Teilzeit?
1. deshalb, weil ich mit meiner Meinung in der Familie allein stehe, Baby aber ein- bis dreimal am Tag für ein/zwei Stündchen abgeben muss, da ich nebenher meine Arbeit erledigt bekommen muss.
2., weil ich noch nicht die besten (Kleidungs-)Lösungen für uns gefunden habe.
Und 3., weil es nur dann gut klappt, wenn ich mein Baby den ganzen Tag ohne Unterbrechung beobachte und quasi auf Pipi-Signale belauere. Wenn ich selbst mal den Raum verlasse, ohne ihn zu tragen, weil ich z.B. selbst auf die Toilette muss, verliere ich sozusagen den Faden und die Pannen sind vorprogrammiert. Pannen an sich sind nicht schlimm, aber da ich eben noch ein Klamottenproblem habe, kann das dann auf dreimal umziehen in einer Stunde hinauslaufen, wovon Baby und ich dann einfach irgendwann nur noch genervt sind.

So. Das könnte ich noch weiter ausführen, will aber hier kurz berichten, was ich bisher als praktikabel/unpraktikabel empfunden habe.

Unpraktisches:
    1. Schlitzhosen. Tolles Prinzip. Davon haben wir gleich drei Stück - eine von Mokoshop und zwei selbstgenähte. Unpraktisch sind sie mir deshalb, weil ich noch nicht herausgefunden habe, was ich am besten darunter anziehe. Ohne alles ist mir momentan im Winter für mein Baby zu kalt. Die angekletteten Backups beim Gena-Modell vom Mokoshop bringen nichts, zumindest wenn das Baby liegt, da der Schlitz ja dann im Liegen (fast) geschlossen ist und das Pipi in die Hose läuft und nicht in das Backup und man dann trotzdem alles wechseln muss.
    2. Babylegs. Wir haben mehrere ausprobiert (No Name, MokoBi, Babylegs, Kiddylegs) und vom Prinzip her finde ich die auch super, aber passen tun sie meinem Männlein nicht. Alle schneiden ziemlich in seine Speckbeinchen ein, rollen sich ab oder rutschen runter. Eingearbeitete Muster geben fiese Abdrücke, das Material juckt (zumindest mich, ich habe sie alle jeweils einen Tag zur Probe als Armstulpen getragen). Und drückende Socken, halterlose Strümpfe und alles, was in meinen Speck einschneidet, kann ich selbst nicht leiden, warum sollte mein Baby das besser finden.
    3. Moko Mini. Ein ziemliches Gewurschtel und Hosen kriegt man schon gar nicht drüber, was wiederum im Winter und in zugigen Räumen schlecht ist. Ich muss mein Baby warm anziehen - ich friere hier schließlich auch, wenn ich nur in Unterhose rumliege. Damit tragen ist auch nicht toll, denn das wirft beim Reinsetzen Falten und die Mullwindel knubbelt, was ich selbst auch nicht bequem fände. Das gilt übrigens für alle Lösungen mit gefalteten Stoffwindeln (habe es schon mit Stoffwindeln in normalen Unterhosen, Überhosen, Schurwollüberhosen, Bodys und Strumpfhosen probiert: Alles ein ziemliches Gefriemel und unbequem fürs Baby ist es auch). Das Wollflies von Mokoshop, das man dafür zusätzlich benutzen könnte, ist übrigens so kurz, dass ich es nicht vorne und hinten unter Moko Mini runterstopfen kann... Hat mein Baby einen überdurchschnittlich dicken Hintern?
    4. Trainerslips (z.B. ioBio von Popolini). Größe 62/68 krieg ich nicht gut über seinen Popo und an den Oberschenkeln schneiden sie fürchterlich ein. Am Bauch sitzt es mit dem festen Gummi enger als jede WWW. Er hatte schlimme Abdrücke und rote Stellen, als ich ihn damit getragen habe. Größe 74/80 ist an den Beinausschnitten noch so riesig, dass jede Panne am Bein entlang in die Kleider darüber läuft und nicht in die Verstärkung des Slips. In Kombination mit den Schlitzhosen sind diese und alle anderen Trainer, die keine Druckknöpfe haben, absoluter Käse.
    5. Stoffwindel in Schurwollüberhosen in Kombination mit Babylegs. Super unbequem für Baby, vor allem beim Tragen hat das starke Abdrücke hinterlassen. Zumal die Babylegs bei seinen dicken Schenkelchen nicht so weit hochgehen, dass nicht doch ziemlich viel Haut zwischen Stulpe und Hose freiliegt, die gleich ganz schnell auskühlt. Der lange Rest der Stulpen knubbelt sich dann irgendwo am Beinchen, vorzugsweise in der Kniekehle, was beim Tragen sehr unbequem ist.
    6. Strampler und Hosen zum Knöpfen zwischen den Beinen. Ist zwar schnell zu öffnen, aber auch die Knöpfe drücken beim Tragen und zwischen den Knöpfen liegt die Haut nackig, was durch Strumpfhosen behoben werden kann, die dann aber das ganze durch noch eine weitere Schicht Kleidung, die auch noch hinunter gezogen werden muss, verkompliziert.
    7. Babynachthemd. Zum Abhalten super. Verschlafe ich eine Pinkelei, muss denoch alles ausgezogen und wieder neu angezogen werden. Womit ich beim nächsten Punkt bin:
    8. Abhalten nachts. Funktioniert nicht gut. Ich weiß ganz genau, wann er muss. Er wälzt sich zum Teil stundenlang durch die Gegend, möchte manchmal stündlich nuckeln. Dabei drückt einfach nur die volle Blase. ABER: Er wird dabei nicht wach und halte ich ihn dann ab, wird er wach und schreit los.
    9. Abhalten beim Stillen. Da kann ich lange warten, auch nachts. Er macht in der Regel nicht mehr beim Stillen, sondern geraume Zeit danach. Wenn ich also schon beim Stillen den Topf drunter halte, bekommt er mindestens mal einen kalten Hintern...

Praktisches:
    1. Topfrand-Bezug. Eine großartige Erfindung, das bisher einzige Teil, dass ich extra für Windelfrei gekauft habe und dass mir auch etwas taugt. Endlich muss ich kein schlechtes Gewissen mehr haben, dass mein Baby mit dem (vorallem nachts und morgens) unangenehm kalten Plastik der verschiedenen Schüsseln in Berührung kommen muss. Damit der Bezug nicht nass gepieselt wird, ziehe ich ihn immer auf der vorderen Seite unter den Rand, was man eh machen muss, wenn der Topf ausgeschüttet wird. Wird er dennoch mal schmutzig, drehe ich ihn erst einmal so, dass der verschmutzte Teil heruntergezogen ist und Baby nur die frische, trockene Seite berührt. Ist er rundum schmutzig, kommt das gute Stück einfach in die Wäsche. Wir haben zwei Stück davon, die im Wechsel im Einsatz sind.
    2. Normale weiche Hosen. Bevorzugt aus Fleece, mit flachem breiten Yogabund. Da drückt dann auch nichts. Wenn ich sie einfach nur runterziehe, Baby über den Topf halte, werden sogar noch die Unterschenkel gewärmt. Unpraktisch wird das erst, wenn er zu sehr strampelt, dass ich ihn zum kompletten Anziehen wieder hinlegen muss.
    3. Strumpfhosen mit nichts drunter. Schnell runtergezogen, schnell raufgezogen, bequem, schnell gewechselt, Wollsocken oder Fellschühchen halten darauf ganz gut ohne weggestrampelt zu werden.
    4. Strumpfhosen mit einem Unterhöschen mit oder ohne Waschlappen drin. Drückt nicht so stark und trägt nicht so auf wie Stoffwindeln.
    5. Schlupfhemdchen von Mokoshop mit verlängertem Rückenteil. Da bleibt der RÜcken beim Abhalten schön warm. Blöd nur, wenn Mama und Backup versagen und das Pipi durchläuft bis hinten. Dann kann man nämlich genauso wie beim Body alles ausziehen und wechseln.
    6. Wasserdichte Unterlage unter Handtuch.

... Mehr fällt mir gerade nicht ein. Da mir also diese An- und Auszieherei fürs Abhalten und im Falle von Pannen ziemlich lästig ist, bin ich immer noch auf der Suche nach besseren Lösungen. Bin für alle Tips dankbar. Ansonsten hoffe ich auf den Sommer und freue mich, wenn Kerlchen endlich im Warmen windelfrei sein kann. Für den Übergang greife ich daher leider, leider momentan wieder verstärkt auf die Plastikunterwäsche namens WWW zurück, kombiniere diese mit Strumpfhose und/oder weicher Jogginghose, die ich einfach über die Knie runterziehe, die WIndel öffne, den Klettverschluss am Wollbody festhefte, sodass die Windel hinten wie Moko Mini herunterhängt und dann das Kind einfach über den Topf halte. Zum Anziehen muss ich ihn dann halt schon wieder hinlegen. Trotzdem ist mir das momentan am stressfreisten. Zumal wenigsten drei meiner Kritikpunkte an WWW behoben sind: Wir brauchen nur eine bis wenige Windeln am Tag, weil ich ihn meistens rechtzeitig abhalten kann, dadurch muss er seine Toilette nicht mit sich herum tragen, und wir sparen Geld und bei der Müllproduktion ein.

Ganz ohne Windeln traue ich mich nicht wirklich. Vormittags lasse ich ich sie oft aus, was mich allerdings absolut stresst, weil ich ständig nur daran denken und überpüfen muss, dass auch ja nichts nass wird, da uns das Umziehen inzwischen nervt und nackig ist einfach zu kalt. Da vertraue ich meiner Intuition und meinen Kenntnissen über mein Kind noch nicht genug. Und durch die zugigen Zimmer und die kühle Luft kann ich mich momentan auch nicht geduldig hinsetzen und mein Kind nackt für eine gewisse Zeit beobachten, um mit seinen Signalen besser vertraut zu werden.

Freue mich sehr gerne auf weitere Tips, wie ich mir den Alltag mit unseren windelfrei Versuchen leichter gestalten kann.
1. Fröschlein (10/2012), hoffentlich folgen weitere...

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Re: 2 Monate windelfrei - Praktisches und Unpraktisches?

Beitrag von sternderl »

danke erstmal, da hast Du Dir ja echt Mühe gemacht das alles aufzuschreiben! Wie wär's denn mit Stoffwindeln statt WWW als Backup? Wir benutzen die Storchenkinder Bindewindeln, die sind total schnell an- und ausgezogen und tragen auch nicht so auf wie manch andere Stoffie, auch ohne Überhose reichen sie für 1-2 Pipi-Pannen. oder 40x40er Molton zweimal gefaltet (4 Schichten) und darüber ein Stück Pannenwalk, einfach in Hose oder Body gelegt. finde ich weniger störend als eine Mulli. ansonsten warten wir auch aus wärmere Tage :mrgreen: ich habe jetzt angefangen die Stulpen am oberen Bündchen aufzuschneiden, außerdem klappe ich sie oben immer um, wenn sie zu lang sind. Bei uns geht das noch gut mit Stulpen und Woll-Überhosen (Storchenkinder oder Disana). Alternativ vielleicht Snaps oben an die (am Bündchen eingeschnittenen und evtl. mit einem kleinen Stoffkeil erweiterten) Stulpen und die Überhosenbündchen und das ganze verbinden?
Lieben Gruß von Steffi

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Schneeflöckchen7
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Re: 2 Monate windelfrei - Praktisches und Unpraktisches?

Beitrag von Schneeflöckchen7 »

Hallo Steffi,

ja danke für den Tipp. =D Ich hatte bisher nur Lotties benutzt und war nicht so zufrieden. Vielleicht sind die Storchenkinder wirklich was für uns. Ich gehe heute direkt mal auf die Suche. Wie viele, meinst Du, braucht man, wenn sie nur als Backup herhalten sollen?

Wir hatten heute die dritte windelfreie Nacht und sind komplett trocken geblieben!! :) Ich konnte gar nicht richtig schlafen, weil ich immer fühlen musste, ob die Unterlage schon nass ist, aber Fröschlein schlief tief und fest, ziemlich an mich gekuschelt mit nacktem Popo, musste nur zwei mal Stillen und Pipi erst um 7 Uhr in der Früh. Ich kann es noch gar nicht glauben. Die zwei Nächte davor waren nämlich ziemlich anstrengend mit Pipi alle zwei Stunden und fast stündlichem Stillen.
Und noch eine Sternstunde für mich: Er lässt sich wieder tragen! :) Zwar nur recht kurz an einem Stück, aber besser als bisher.

Das mit den Stulpen ist auch eine tolle Idee. Wenn Du sie aufschneidest, ribbeln sie sich dann nicht sofort auf? Wie lang machst Du den Stoffkeil, damit sie noch halten?

Wie kann ich denn das Problem mit den Schlitzhosen umgehen? Jetzt haben wir ja extra welche genäht und schön sind sie ja auch. Lasst Ihr Eure Babys darunter nackig?
1. Fröschlein (10/2012), hoffentlich folgen weitere...

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