Plädoyer für (oder gegen ?!?) Windelfrei

Hier ist Platz für Eure Erfolgs- oder Misserfolgsberichte ;-)
Antworten
kerstin10
hat viel zu erzählen
Beiträge: 208
Registriert: 18.08.2010, 09:58

Plädoyer für (oder gegen ?!?) Windelfrei

Beitrag von kerstin10 » 09.03.2011, 23:34

Meine Vorüberlegungen:

Schon vor meiner Schwangerschaft fielen mir 2 Punkte auf:
1. Die Kinder scheinen mir heute immer später sauber zu werden, auch verglichen mit Kindern aus den 70-gern oder 80-gern, denen das „sauber werden“ weitgehend selbst überlassen wurde, also garantiert ohne Druck.
2. Viele Mütter berichten, daß ihre Babys regelmäßig ausgerechnet auf dem Wickeltisch in die frische Windel Pipi und Aa machen. Wirklich nur Zufall?
Als ich während meiner Schwangerschaft von Windelfrei las, machte das alles Sinn für mich. Ich hatte nur keine Idee, wie ich „Windelfrei“ praktisch umsetzen sollte. Aber kommt Baby, kommt Rat…

1.-2. Monat: Konventionelles Wickeln:

Aufgrund von Geburtskomplikationen bei mir, war ich erstmal damit beschäftigt selbst wieder auf die Beine zu kommen und heilfroh, daß zumindest das Stillen so gut klappte und mein Zwerg zufrieden war und sich prächtig entwickelte.

3.-6. Monat: Teilzeitwindelfrei:

Mit zunehmenden Kräften kam meine Neugier und Experimentierfreudigkeit wieder zum Vorschein, zumal ich auch das Aa in aller Regel schon vorher erkennen konnte. Also ging es los: Regelmäßig habe ich ihn morgens nach dem Aufwachen über dem Asia-Töpfchen abgehalten. Das hat toll geklappt. Auch den Rest des Tages konnte ich das Aa in 50-100% der Fälle mit dem Asia-Töpfchen erwischen.
Soweit so gut. Bloß Pipi … ich habe nie irgendetwas vorher erkannt, weder intuitiv noch Zeichen meines Sohnes. Nach Zeitplan und auf Verdacht Abhalten war mir letztlich zu stressig und er wollte es häufig auch nicht, also habe mich darauf beschränkt, ihn täglich eine gewisse Zeit unten ohne zu lassen, meist nachmittags. Den Rest des Tages gab es WWW oder Stoffwindeln.
Toll fand ich die „minimale Windel“ (stoffumhülltes Gummiband um den Bauch und eine Mullwindel zwischen die Beine geklemmt). Da ist es ganz leicht, praktisch sofort das Pipi zu erkennen und die Mullwindel zu wechseln. Ich habe so auch sein Pieselverhalten kennengelernt.
Ich habe aber bei den Fällen, wo Abhalten doch geklappt hatte, erlebt, daß er willentlich das Pieseln stoppen konnte, wenn der Strahl z. B. aus Versehen sein Bein getroffen hat, und er dann nach einer kleinen Pause vorsichtig begann wieder zu pieseln. Für mich ganz klar Zeichen, daß er über seine Ausscheidungen Kontrolle hatte. Dieses Bewußtsein für seine Ausscheidungen zu erhalten bzw. auszubauen war dann auch mein vorrangiger Orientierungspunkt, wenn ich überlegt habe, welchen Weg zwischen „immer Windel“ und „nie irgendeine Windel“ wir wählen.

7.-9. Monat: Rückzugsgefechte:

Als mein Sohn mit ca. einem halben Jahr krabbeln und sitzen konnte und wir auch noch mit Beikost anfingen, wurde das morgendliche Abhalten immer schwieriger (weil er nicht wollte), von tagsüber ganz zu schweigen. Also wurde es immer seltener, bis wir schließlich ganz aufgehört haben. Irgendwie ist dann auch die Tradition mit dem unten ohne eingeschlafen.

9.-11. Monat: Vollzeit-WWW:

Nun hatte ich also ein WWW-Baby. Meinem Sohn schien es nichts auszumachen. Aber nach ein, zwei Monaten entdeckte ich eine glänzende Hautstelle in seiner Leiste. Und bisher hatte er immer so einen schönen, gesunden Po!

12.-19. Monat: wir finden unseren Weg:

Ich fing also neu motiviert wieder an, einen Weg für uns zu suchen. (Morgens) Abhalten war immer noch Streß, also habe ich mich vor allem darauf konzentriert, daß er jeden Tag eine Zeitlang unten ohne war, allenfalls mit besagter minimaler Windel. Das taugte uns beiden. Ich hatte zwar nicht mehr das Gefühl, Windelfrei zu betreiben, aber es ging uns beiden gut und sein Po heilte wieder.
Mit dem Sommer war er immer öfter und länger unten ohne und auch als es wieder kälter wurde, wollte er sich immer häufiger keine Windel anziehen lassen, auch nicht mehr die minimale Windel. (Überhaupt Kleidung anziehen … Das war in dieser Zeit teilweise recht schwierig, läßt sich aber halt nicht immer ganz vermeiden!)
Rückblickend betrachtet hatte er wohl schon mit ca. 16-17 Monaten ein recht gutes Gefühl dafür, wann er muß und kontrollierte, wo er das machte. Er machte jedenfalls (ohne Windel) nur auf den Fußboden unserer Wohnung und in den Garten, nicht ins Bett, aufs Sofa, bei den Großeltern, im Auto, im Geschäft … Ich konnte ihm nur lange nicht liebevoll vermitteln, daß ich doch das Bad ganz entschieden bevorzugen würde. Hinterher „informierte“ er mich dann immer davon, also aufwischen, zum Glück haben wir Parkett.

… Und plötzlich windelfrei mit 20 Monaten:

Ja, und dann wollte mein Sohn auch nachts keine Windeln mehr anziehen. Eine Zeitlang habe ich ihn noch „heimlich“ gewickelt, wenn er eingeschlafen war, aber als er sich dann im Halbschlaf mit deutlichem „Nein“ wehrte, habe ich es gewagt: Die Matratze war gegen Urin geschützt und los ging es. Komplett nackig. Man kann es ja mal probieren.
Und siehe da, es ist nichts passiert, die ganze Nacht nicht! Morgens sind wir schnell aufs Klo und da kam dann ganz viel. Also ging der Versuch weiter. In den ersten 2 Wochen ist noch etwa 4-5 mal was ins Bett gegangen. Einmal mitten in der Nacht, die anderen Male haben wir es morgens nicht rechtzeitig auf das Klo geschafft. Trotzdem fand ich es toll!
Außerdem hat er nun plötzlich auch tagsüber vorher gesagt, daß er aufs Klo muß (heißt bei ihm alles Aa). Erst hat er das Töpfchen benutzt, dann wollte er aber bald wie die Großen auf der Toilette sitzen (ohne Sitzverkleinerer) und ich halte ihn dabei am Oberkörper. Und auch tagsüber ging seit dieser Nacht von einem Tag auf den anderen fast nichts mehr daneben. Daheim nicht und auswärts auch nicht.
Nur der Stuhlgang landete noch für 2-3 Wochen auf dem Boden. Dann wollte er auch dafür auf das Klo gesetzt werden. Anfangs noch mit vielen Unterbrechungen, in denen er durch die Wohnung rannte, mittlerweile in einer einzigen, relativ zügigen Sitzung.
In dieser ersten Zeit (so gut einen Monat) wollte er untenrum immer komplett nackig sein. Es war wohl nötig, damit er gespürt hat, wann er muß.

Und jetzt mit 24 Monaten (Februar 2011):

Kleine Rückschläge gab und gibt es. Nachdem er einen Abend deutlich länger als gewohnt bei Oma und Opa war, ging Mitte Dezember noch 3 mal was in das Bett. Seitdem nachts kein einziger Unfall. Während einer Erkältung Mitte Januar gab es tags 2 Unfälle.
Und zur Zeit ist es so, daß schon mal mehr (alles) oder weniger (die ersten Tropfen) in die Hose geht, wenn er viel Kleidung anhat und/oder wir unterwegs sind und ganz viel los ist. Insgesamt passiert es aber selten. Ich habe halt Ersatzkleidung dabei, wenn wir rausgehen und frage ihn von Zeit zu Zeit aktiv, ob er mal muß. Im wesentlichen klappt es und zwar immer besser.

Fazit:

Ich denke, es ist ein Plädoyer für (Ausscheidungs-)Kommunikation und gegen (möglichst lang) hermetisch wegpacken. Und für informiert sein, wie das mit den Ausscheidungen so ist, z.B. daß Menschen in der Regel nachts eher wenig bis gar keinen Urin produzieren und die Produktion erst gegen Morgen in Gang kommt.
Ich freue mich, wie es gelaufen ist, und empfinde es als seiner „würdig“, daß er windelfrei ist, wo er doch jetzt schon so groß und selbständig ist. Er kann laufen und essen (natürlich), aber auch schon reden, einem erzählen, was ihn so beschäftigt, beginnt mit anderen Kindern zu spielen...
Und irgendwie kam das windelfrei sein ganz überraschend. Ich hatte ja aufgehört, irgendein konkretes Ziel erreichen zu wollen. Ich habe nur geschaut, daß wir einen für uns beide passenden Weg gehen und mein Sohn auch bei diesem Thema seine eigenen Erfahrungen machen kann.
Mama mit großem Bären 2009

Benutzeravatar
zierfisch
Miss SuTiversum
Beiträge: 14838
Registriert: 13.07.2010, 18:37

Re: Plädoyer für (oder gegen ?!?) Windelfrei

Beitrag von zierfisch » 05.10.2011, 15:03

Danke!!
Ich bin derzeit überaus frustriert - mal wieder. Ich gab das gefühl, der wutz pieselt und kackert mit Absicht dann, wenn ich nicht damit rechne. Er „drückt“ und grunzt, wenn ich ihn abhalte, guckt er mit großen Augen, als wüsste er nicht, was ich von ihm wollte. Kaum leg ich ihn weg, um ne Windel zu holen, kackert er auf den boden.
UND jetzt kommt der clou: er übt sich schwer im krabbeln. Ich hab also noch Hoffnung. :-)
Zertifizierte ClauWi Trageberaterin seit 21.06.2012 (GK 09/10, AK 02/11)

Bärchen (09/08) & Mäuserich (04/11)

Antworten