Windelfrei mit 8 Monaten (Start mit 3 Wochen)

Hier ist Platz für Eure Erfolgs- oder Misserfolgsberichte ;-)
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Leah_Lion
Dipl.-SuT
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Windelfrei mit 8 Monaten (Start mit 3 Wochen)

Beitrag von Leah_Lion »

Hallöchen,

hier auch unsere erste Bilanz.

Wir begannen mit Windelfrei, als unser Sohn 3 Wochen alt war. Durch die viele Literatur und die tollen Erfahrungsberichte war ich total motiviert und wollte unbedingt loslegen. Es hat auch ziemlich schnell total gut geklappt, unser Sohn hat eigentlich gut signalisiert und v.a. der obligatorische 5-Uhr-Morgens-Kack ging eigentlich immer in den Topf oder ins Klo.

Ich hatte allerdings auch mit einigen Dingen zu kämpfen, für die ich keine gute Lösung habe finden können. Zuallererst fand ich so ein minikleines Baby immer ziemlich wacklig zum Abhalten, man musste ja das Köpfchen auch stützen usw. Wenn er dann gemacht hatte, wusste ich nicht, wie ich ihn dann ein bisschen sauber machen sollte, ohne dass er wackelt. Also trug ich ihn immer in Abhalteposition auf den Wickeltisch um ihn dann dort über die Seite abzurollen und sauber zu machen. Außerdem war es tiefster Winter, superkalt, auch in der Wohnung nie wirklich schön warm. Und die Kleiderfrage hat mich immer in den Wahnsinn getrieben. Ich habe alles ausprobiert, irgendwie hatte er aber immer einen kalten Bauch und kalten Rücken und Pops. Also war ich damit nie richtig zufrieden. Auch sämtliche Back-Up Möglichkeiten (Stoffwindel mit Windelklammer - ach, und erstmal so eine Windelklammer auftreiben, das war ja schon eine Odyssee; Schlüppi mit oder ohne Einlage, Moko Mini...) haben mich nicht so richtig überzeugt. Und so ein kleines Baby an- und auszuziehen ist ja auch eine Tortur. Außerdem hatte ich mir so einen tollen Asiatopf zugelegt, aber da hat er immer über den Rand gepullert, das war auch nicht so das Wahre. Unterwegs hab ich mich erst recht nicht getraut, da hätte ich ihn ja bei jedem Pipi aus dem Tuch wursteln und wieder reinnehmen müssen. Dazu kam, dass er oft geschrien hat, als er noch so klein war (was aber u.a. durch das Abhalten viel besser wurde). Naja, wie auch immer - so richtig "windelfrei" sind wir dadurch leider nicht geworden, da ich soviel am Rumprobieren war. Doch einige Stunden jeden Tag haben wir es auf alle Fälle durchgezogen.

Die schönste Zeit war bisher eigentlich zwischen dem 3. und 6. Monat. Da hat er nicht mehr geschrien und jedes Jammern, was plötzlich auftauchte, war das Stichwort. Abhalten, fertig. Es gab keine Pannen (so gut wie). Unterwegs hatte ich mich leider trotzdem nicht getraut (wird beim nächsten Kind anders :D ).

So vor 6 Wochen habe ich ein anderes Windelfrei-Buch in die Hand bekommen. Durch die Lektüre war ich wieder total motiviert, es wieder etwas intensiver zu probieren (nun war es ja mittlerweile auch Sommer und schön warm). Die ersten beiden Wochen waren total chaotisch. Sohni bekommt gerade die ersten Zähnchen, fängt an zu essen (BLW) und übt fleißig krabbeln, rollen und was alles so dazu gehört. Er signalisiert NULL (dachte ich) und eigentlich gingen jeden Tag 95% der Pipis irgendwo hin, bloß nicht in das vorgesehene Gefäß. Dann las ich hier, dass es sein kann, dass er streikt - also muss, aber nicht macht, wenn ich ihn abhalte. Denn normalerweise streckt er sich durch, wenn er nicht muss, dann nehme ich ihn auch wieder runter. Ein paar Minuten später pieselte er dann eben irgendwo hin. Ich dachte, ich verstehe seine Signale nicht richtig, die mittlerweile SEHR subtil sind (z.B. beim Spielen kurz das Spielzeug fallen lassen und mit Armen und Beinen rudern, dann weiterspielen...). Ich dachte mir, er müsste sich vielleicht irgendwie entspannen beim Abhalten, damit er besser loslassen kann. Also hab ich ihm einfach einen Nucki gegeben, während ich ihn abhalte - und siehe da - es klappt. An manchen Tagen hatte ich ihn wirklich ab dem 1. Morgenpipi ohne Windel bis abends und es gab nur 1-2 Unfälle. Toll! Ich hatte mir schon die ganze Zeit Vorwürfe gemacht, dass er es verlernt haben könnte, weil ich nicht konsequent ohne Windel geblieben bin täglich.

Dazu muss ich sagen, dass ich mittlerweile finde, es sollte mal ein Windelfrei Buch geschrieben werden, was mehr Wert darauf legt, ganz praktische Tipps zu geben anstatt seitenweise von den Vorteilen der Ausscheidungskommunikation und der tollen Intuition (wo ist meine eigentlich?) zu schreiben. Am Ende stehen wir Windelfrei Eltern einfach alle täglich vor ganz fundamentalen Problemen - was mache ich wenn ich woanders zu Besuch bin, wie gehe ich mit irritierten Blicken anderer um, welche Kleidung und Töpfe gibt es (wie mache ich das bei Jungs, die gerne überall durch die Gegend pieseln), warum kann es auch nicht klappen (und in den Büchern steht - jaja, das kann auch 1-2 Mal nasse Hosen pro Tag geben... da fühlt man sich echt unfähig, wenn man 20 nasse Hosen pro Tag produziert...), welche Möglichkeiten gibt es unterwegs, und meinetwegen auch - wie geht Stillstuhl aus Klamotten wieder raus :P usw...
Ich finde wirklich, die Bücher sind ein bisschen geschrieben wie so ein Heile-Welt-Roman und wenn man sich dann mit den ersten Problemchen konfrontiert sieht, fühlt man sich irgendwie doof. Ging zumindest mir so. Da war es ein Segen, dass ich vor einigen Wochen den 123Windelfrei Blog entdeckt habe, wo es auch konkret darum geht, dass es auch phasenweise einfach GAR NICHT klappt und das eben auch dazu gehört, da wir hier keinen Wettbewerb veranstalten, wer kommuniziert am besten mit seinem Baby.

Seit einigen Tagen sind wir wieder am vollzeitwickeln, da ich eine entzündete Schulter habe, und meinen Sohn nicht abhalten kann, weil es so schmerzt. Aber nun ist es ok, denn ich weiß, sobald die Windeln wieder runter sind, wird es auch wieder klappen.

Viel Spaß euch noch bei diesem tollen "Experiment" :D ... und schreibt fleißig weiter hier mit, damit wir uns alle Unterstützung holen können, wenn es mal wieder nicht so rund läuft.
Leah mit großem Sohni (12/09) - und
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"Man kann in Kinder nichts hineinprügeln, aber vieles herausstreicheln." Astrid Lindgren

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tania
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Re: Windelfrei mit 8 Monaten (Start mit 3 Wochen)

Beitrag von tania »

meine intuition kam übrigens sehr überraschend überfallartig so um den ersten geburtstag. da lief es dann zwei monate blendend und dann gar nicht mehr (gar nicht mehr. nix. also außer nach dem schlafen) bis er eines tages beschloss, ab jetzt selbstständig auf den topf zu gehen. das ist jetzt zwei monate her und windeln seitdem geschichte..

beim nächsten mach ich alles anders, nix besser und trotzdem auf jeden fall windelfrei ;-)
tania mit sohn *09 und sohn *12

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