Der Bondolino *Bericht von Montanara,Stand Juli 2009*

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Isbel
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Der Bondolino *Bericht von Montanara,Stand Juli 2009*

Beitrag von Isbel » 08.11.2010, 08:10

Liebe Tragebegeisterte

Immer wieder stellt sich die Frage nach einer geeigneten Fertigtragehilfe, wenn jemand nicht mit einem Tuch tragen möchte. Lange Zeit gab es dazu nur den Marsupi Plus, den wir einigermassen guten Gewissens empfehlen konnten. In den letzten Jahren hat sich in diesem Bereich jedoch einiges getan, und daher empfehlen wir den Marsupi nicht mehr.

Nun hatte ich die Gelegenheit, Bilder zu schiessen mit dem Bondolino von Hoppediz.

Zur Verfügung gestellt haben sich eine liebe Freundin von mir - eine begeisterte Slingträgerin - und ihr Töchterchen Irina. Meine Freundin ist eine zierliche Person, Grösse 36. Irina hat durchschnittliche Grösse, sie ist 14 Wochen alt und hat Grösse 62. Irina ist ein eher langes Baby, sehr aufgeweckt und kommunikativ.



Beginnen wir beim „Materiellen“.

Der Bondolino wird von einem deutschen Tragetuchhersteller produziert: von Hoppediz. Er ist eigentlich vom Typ her ein Mei Tai, jedoch mit vorgeformtem Beutel und geformtem und gepolsterten Bändern. Beim Bondolino wird der Beutel einerseits durch Abnäher, andererseits durch bogenförmige Nähte (Prinzessnähte) geformt.
Er ist eine kompakte Trage, wobei er durch seine dicken Polster wenig handtaschentauglich ist.

Vom Bondolino wurde ein Modell getestet, wie es vor einem Jahr zu kaufen war. In der Zwischenzeit hat sich nicht allzu viel verändert.
Der Bondolino wird angepriesen als Trage, die ab Geburt bis ca. 36 Monate verwendbar ist. Laut Anleitung kann man damit vor dem Bauch und auf dem Rücken tragen.

Am Rücken ist sie ungepolstert, an den Seiten und bei den Beinausschnitten ist sie gepolstert und auch die Träger sind dick gepolstert. Das verleiht dem Bondolino ein wuchtiges Aussehen, ansonsten ist das Design eher neutral gehalten.
Verarbeitet ist die Trage schön, und der verwendete Klett ist vom Feinsten: modern, nicht anfällig für Fusseln, und vor allem leise, wenn man mal ein schlafendes Baby hinlegen möchte – es wacht nicht gleich wegen eines lauten „RATSCH“ auf.
Die Bedienungsanleitung ist in der gewohnt fundierten Hoppediz-Qualität gehalten. Bis vor Kurzem handelte es sich um ein DinA5-Heft von 144 Seiten in Deutsch. Neuerdings ist es eine 32-seitige A4-Broschüre in Deutsch, Französisch und Englisch. Der erste Teil des Heftes informiert über grundlegende Aspekte des Tragens. Im zweiten Teil werden die einzelnen Tragevarianten in Schritt-für-Schritt-Fotos ausführlich erklärt. Die Techniken werden von Ingo Schröder, dem Firmeninahber, demonstriert. Sympathisch – das macht gerade Papas Lust aufs Tragen!


Hier seht Ihr erst mal die Trage von innen.
Bild

Klar erkennbar, wie der Beutel geformt wird (vergl. oben), und wie die Polsterung ausfällt.
Ihr erkennt, wie der Bondolino um den Bauch der tragenden Person geklettet wird.
Beim Bondolino fällt das Dreieck unten am Steg auf. Es dient der Stegverbreiterung, wenn das Baby etwas grösser geworden ist. Links ist es noch „versorgt“, rechts ausgefahren, aber noch nicht an den aussen liegenden Knöpfen fixiert. Auf dem Bild seht ihr die minimale Stegbreite.

Hier ein Detail des Bondolino.
Bild
Es geht um die Kopfstütze. Wird vor dem Bauch getragen, kann sie eingerollt und festgeklettet werden. Wird auf dem Rücken getragen, kann mittels des Knebels und des Tunnelzuges die Kopfstütze von vorne her hochgezogen und mittels Tanka fixiert werden.
Die kleinen weissen Schlaufen am Träger dienen der Befestigung eines Brustgurtes, wenn auf dem Rücken getragen wird.


In Aktion sieht der Bondolino so aus:
BildBildBild
Beim Bondolino haben wir zuerst den Steg mittels eines Bändchens in der Breite „gebändigt“. Ihr könnt das Mäschchen unter Irinas Po gut erkennen.
Irina sitzt schön angehockt im Bondolino drin. Die Abspreizung geht gerade noch so, dank des Bändigers ist es nicht allzu arg.

Zum Vergleich hier ohne Bändiger (Das Bändchen hängt lose seitlich runter):
BildBild
Es ist klar sichtbar, dass Irina deutlich mehr gespreizt wird. Entsprechend ist auch die Anhockung nicht mehr so schön.

Fazit: Es lohnt sich, den Bondolino mittels eines Bandes in der Breite dem Baby anzupassen, wenn es noch klein ist.
Die Stegverbreiterer sind nicht in Aktion zu sehen, weil das Baby dazu noch zu klein ist. Aber grösseren Babies ermöglichen sie einen guten Sitz.

Beugt sich die Trägerin vor, wird das Kind ordentlich gehalten. Es ist in Sachen Stabilität kein Vergleich zum Tuch oder Sling - man sieht auch auf den Bildern, dass es im Bereich Schultern des Kindes mehr Stabilität haben dürfte (es sind lose Stellen im Stoff zu sehen), was aber auch ein wenig an der schmalen Statur der Trägerin liegt (bei breiteren Personen liegt er in der Regel satt an). Auch kann man beim Bondolino vom Äusseren nicht aufs Innere schliessen, weil er teils doppellagig genäht ist; die Aussenhülle ist oft etwas loser als die stützende Innenhülle. Trotz dieses Kritikpunktes: wenn der Bondolino eng gebunden wird, kann ein Zusammensacken des Babys im Bondolino vermieden werden.

Von hinten sieht es so aus:
Bild

Schaut Euch die breiten Träger an. Besonders der Hüftgurt fällt durch seine Breite auf.
Wir haben das mitgelieferte Plastikkreuz weggelassen, das die Führung der Träger im Rücken erleichtern soll, denn es erschwert ein genaues und gutes Festziehen. Ohne Plastikkreuz kann auch der Sitz des Kreuzungspunktes der Bänder im Rücken genauer reguliert werden.
Auffallend auch die breiten, wuchtigen Träger – die dadurch aber das Gewicht des Kindes sehr schön verteilen und das Tragen mit dem Bondolino angenehm machen.

Ich möchte noch auf den Aspekt der Sicht der Babys eingehen.
Auf den Bildern kann Irina gerade so oben drüber schauen. Wäre sie kleiner, könnte sie nicht viel sehen, was sie sehr aufregen würde – sie ist ein äusserst neugieriges Persönchen!
Handkehrum: ein Kleinkind ist dann wiederum schon fast zu gross, sein oberer Rücken wird kaum mehr gestützt werden können. In unseren Augen ist beim Bondolino je nach Grösse des Kindes mit etwa 18 Monaten Schluss.

Fazit:
Alles in allem in unseren Augen eine gelungene Trage, einfach in der Anwendung, ansprechendes Design, angenehmes Tragegefühl - wenn man auch gerade zu Beginn auf eine allfällige Überspreizung achten muss. Aber das kann mittels Bändiger reguliert werden. Die ideale Bondolino-Zeit ist jene ab etwa 3 – 4 Monaten bis ca. 12 Monate. Darüber ist die Trage eher klein, darunter muss, wie erwähnt, mit einem zusätzlichen Stegverkleinerer / Bändiger gearbeitet werden. Für Kinder unter ca. 3.5 Kg ist die Trage eher zu gross.



Liebe Grüsse
Dorothea
LG Isbel mit grosser Maus (01/2004) kleiner Hexe (03/2008) und unser Wunderkind (10/2013)
Lange bevor ich erwachsen wurde, lehrte mich mein Teddy, was Liebe wirklich bedeutet...
Nämlich da zu sein, wenn man gebraucht wird...

Jim Nelson

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